29 April 2026

Aruba - Flucht in die Karibik - Teil 1

Mein erster deutscher Winter seit über einer Dekade zeigte sich ja von seiner besten Seite mit ordentlich Schnee und Eis über eine durchaus beachtliche Zeitspanne. Also haben Veit und ich beschlossen: Das ganze dunkel, kalt und widerlich hält ja kein Mensch auf Dauer aus: Wir wollen Sonne, Strand und Meer. Also haben wir ein wenig recherchiert, was das erfüllt, wo man unkompliziert hinkommt und sind dabei über Aruba, Bonaire und Curacao gestolpert: In Curacao war Veit schon und Bonaire kommt alphabetisch nach Aruba, also fiel die Wahl auf Aruba.  [Den Rest des Karibikalphabets machen wir dann einfach in den kommenden Jahren] ... Irgendwie scheint alphabetisch bei mir der bevorzugte Reisestil zu werden: Letzte große Reise war ja auch Argentinien-Bolivien-Chile. 

 

Egal: Arschkalter, dunkler Februarmorgen und Abschiedssekt am BER - dann rein in Flieger, kurz umsteigen in Amsterdam raus aus'm Flieger, et voila: 27°C, Sonne und Palmen: 



Aruba war mal niederländische Kolonie und ist jetzt ein gleichberechtiges Land im Königreich Niederlande [wusste ich vorher auch nicht, dass das Land Niederlande und das Königreich Niederlande zwei unterschiedliche Dinge sind]. Also habe ich den Taxifahrer versucht mit meinem makellosen Holländisch zu beeindrucken. Irgendwie war er aber gar nicht so beeindruckt. Später beim Armbrot in einem kleinen einheimischen Restaurant habe ich dann auch rausgefunden warum: Alle Straßen und Orte haben zwar holländische Namen aber die Arubaner sprechen Spanisch. Vermutlich hat mich das Taxifahrer für einen arroganten Kolonialherren gehalten, der sich nicht mal bemüht "Danke" oder "Hallo" in der Landessprache zu lernen. Teilweise kommt man auch mit Englisch zurecht wegen der ganzen US-amerikanischen Touristen, aber Holländisch hilft nicht viel. Hmm, also werde ich mich die nächsten Tage bei der Morgenlektüre am Pool wohl erstmal damit auseinandersetzen, wo wir hier überhaupt sind...

 

....in Aruba offensichtlich

 

Da wir relativ spät abends angekommen sind, ist es nach dem Abendbrot bereits komplett dunkel. Nichts desto trotz haben wir noch T-Shirt-Wetter und sitzen bei einem leckeren arubanischem Rum aus dem Duty-Free und köstlichem einheimischen Balashibier am Pool und sinnieren darüber wie mieserabel es jetzt wohl in Deutschland sein mag

Seit über zehn Jahren war ich vermutlich nicht mehr so kreidebleich [das Foto ist bei meinem ersten Sonnenkontakt nach meinem ersten deutschen Winter aufgenommen]


Den ersten Tag beginnen wir mit einem ausgiebigen in-den-Tag-reingammeln mit Kaffee in der Morgensonne am Pool - umso besser: Keiner weiter da. Irgendwann wechseln wir in den Schatten, weil die Sonne dann doch warm wird: Sehr schön, der Plan dem Winter zu entfliehen geht auf. Generell scheint Aruba eine sehr gute Wahl zu sein: Es weht fast immer ein angenehm warmer Wind, der verhindert, dass es zu heiß wird, aber trotzdem friert man nicht ohne T-Shirt. Mücken gibt es so gut wie gar nicht. Regen ist wohl relativ selten. Irgendwann haben wir genug rumgegammelt und beschließen auf eine Erkundungstour zu gehen. Schnell merken wir, nicht nur das Wetter is voll angenehm, sondern auch die Arubaner an sich: Das Leben hier ist klischee-karibisch, entspannt und entschleunigt... Autofahrer winken einen über die Straße wenn man rüber möchte, keiner labert einen zu und viel Kriminalität soll es auch nicht geben, da es der Insel wirtschaftlich relativ gut geht im Verhältnis zu einigen anderen Karibikinseln.


...eine alte Kühltruhe als Blumentopf. Ein erster Hinweis auf wenig Regen aber später mehr zur Fauna

Auch irgendwie typisch: Ein Hinterhof mit Autos, allem-was-man-irgendwan-noch-brauchen-kann, glücklichem Geflügel und wucherndem Grün zu Verschönerung

Im Stadtzentrum von Oranjestad, der Hauptstadt von Aruba, finden sich auch noch einige alte Kolonialbauten...


... und kleine aber feine Parks mit ordentliche großen Palmen, die im Wind wedeln

Allerdings macht dieses ganze Rumgelaufe doch sehr durstig. Im Hafen entdecken wir dann eine zwar etwas touristische aber direkt am Wasser gelegene Bar, The Paddock, und Ordern uns erstmal ein paar Balashi und dazu etwas zu Essen.


So lässt's sich leben ...besonders wenn in Europa gerade Minusgrade sind und man da zur Maloche müsste - da schmeckt das Bierchen gleich nochmal ein wenig besser


Also Stadt ist ja ganz schön, aber da fehlt ja noch was für so'ne Karibikinsel. Strand. Bei der Suche nach Unterkünften fiel bereits auf, dass sie entweder etwas im Inland sind oder sinnlos teuer oder irgendwelche Touristenkomplexanlagen. Also hatten wir uns letztendlich für eine Unterkunft in der Stadt entschieden, die fußläufig von eingen kleinen Stränden war.


...und zu meinem großen ertsaunen, war an dem Strand nicht viel los - kaum jemand da, obwohl mitten in der Hauptstadt.

...wir setzen uns hin und entdecken am Horizont eine Ölbohrplattform vor der ein Militärboot patroulliert


Aruba liegt nur 25km nördlich von Venezuela und einige Wochen vor unserer Ankunft meinte Trump er müsse mal eben Maduro kidnappen während er parallel vermeintliche Drogenboote in der Region wegbomben lässt. Aruba geht es wirtschaftlich relativ gut, weil sie auch Zugriff auf die Ölfelder in der Region haben. Hoffen wir einfach mal, dass in Trumps Weltkarte Aruba nicht eingzeichnet ist. Und Veit und ich würden einfach nicht zu weit raus schwimmen. Damit sollten wir die Chance, da unnötig ins Fadenkreuz zu geraten, hoffentlich ausreichend reduzieren.


Hier auf Aruba geht das Leben seinen gewohnten Gang, trotz der großpolitischen Lage direkt vor der Haustür: Die Muschelsammler sammeln Muscheln, die Krebsfischer fischen Krebse und die Pelikane hoffen, das was für sie abfällt

Die Pelikane stürzen sich vor uns aus großer Höhe ins Meer, verschlingen dann die Beute, so sie Jagdglück hatten und trocknen sich danach direkt vor uns auf den Felsen ihr Gefieder... Also erst eine Show bieten und dann mit uns am Strand chillen - sympatisch, so'n Pelikan

Dann spazieren wir weiter

Turnstones, oder zu deutsch Steinwälzer. Heißen so, weil sie am Strand rumtippeln und die ganze Zeit Steine umschmeißen, um darunter Fressbares zu finden ... ich bin ja immer begeistert, wenn Dinge sinnvoll benamt sind - warum heißt ein Pelikan Pelikan und nicht z.B. Fischschluck... dann wüsste man gleich woran man ist, wenn man einen sieht


Abends essen wir wieder bei unserem kleinen Restaurant, El Tio. Also "Restaurant" ist wohl etwas übertrieben. Es ist mehr das arubanische Äquivalent eines Dönerladens mit ein paar Tischen. Die meisten Gäste [außer uns nur Einheimische] holen sich ihr Essen nur ab und essen zu Hause. Die Bedienbsteten sprechen nur Spanisch, was ja erstmal kein Problem ist - so weit reicht mein Spanisch noch. Allerdings werde ich erst immer irgendwas zurück gefragt zur Zubereitungsart. Da die Begriffe höchstwahrscheinlich arubanisch sind, habe ich sie noch nie gehört. Es dauert eine Weile, bis wir herausfinden, was was ist. Aber hungrig sollen wir El Tio nie verlassen.

Das Essen in Aruba ist durchaus vorzeigbar: Viel Fisch - gebraten, gedünstet, kreolisch zubereitet. Ich kann nicht genau beschreiben, was eigentlich kreolisch ist, aber vielleicht auch gerade weil es eine Mischung aus euopäischer, lateinamerikanscher und afrikanischer Küche ist. Wenn ihr mal die Chance habt. Probiert einfach :) ... Dann gibt es noch ganz viel Meeresgetier. Und bei mir geht die Meinung darüber ja ein wenig auseinander, aber Aruba war mal wieder ein Ort wo es meist echt toal lecker war - vermutlich weil alles total frisch aus dem Meer gesammelt wird und da einfach hinpasst. Für zwischendrin Küche mit lateinamerikanischem Einfluss: Empenadas, und anderes frittiertes Gebäck gefüllt mit Käse, Schinken und so weiter.


Am nächsten morgen beim Kaffe am Pool ist da plötzlich eine Barke mit Touristen am Horizont


In Anbetracht der nicht allzu ausladendenGröße der Insel kommen da doch eine nennenswerte Flugzeuge Richtung Flghafen angeflogen. Aber noch heftiger sind die Scharen von Touristen die im Hafen ausgeschüttet werden von den riesigen Kreuzfahrtschiffen. Entsprechend wird auch die Innenstadt von Oranjestad von vorwiegedn US-Amerikanern bevölkert. Allersings konzentrieren sie sich auf die Straßen rund um den Hafen und werden vermutlich noch ein wenig über die Insel gekarrt. Aber dann ist die Insel doch wieder groß genug, um dem Trubel entfliehen zu können und sich dem lässigen Karibikflair hingeben zu können. ....und das obwohl oft gleich mehrere der echt massiven Ozeankreuzer in Reihe im Hafen liegen.


Hier was historisches von Aruba... ein äähmm ... ja also, das ist so ein ganz historisches Dings... hier, öhmmm... Na jetzt habt ihr's zumindest auch mal gesehen

Entwerfen ein Kolonialherr, ein Holländer und ein Karibianer ein Haus...

Die Straßenbahn fährt leider nicht mehr... also evtl ab und zu für Touristen. Muss schon cool gewesen sein in den good ol' days

Jooaahhh... wissen wir jetzt auch, was der Arubaner von der Polizei hält.

...und nur einen Steinwurf von der alten Polizeiwache entfernt wieder putzige Altstadt

Vor lauter Erschöpfung kehren wir in einem französisch-karibischem Café ein, weil wir uns nach der ausgiebigen Wanderung unbedingt ein wenig stärken müssen... Hach, das Leben kann schon hart sein

Das kleine Boot vorne [was eigentlich auch voll groß ist] ist so ein alter Ocean Liner. Veit und ich bekommen total Lust damit durch die Karibik zu cruisen, bis wir erfahren dass der Scientology gehört und die darauf irgendwelche Kurse für irgendwelche höheren [oder zahlungskräftigeren] Sektlinge veranstalten

Frangipani ... bitte betont italienisch [inklusive Handgeste] aussprechen .... ich habe die letzten zehn Jahre bei den Kiwis andauernd dieses grausame Frändjipäni ertragen müssen, dabei gibt es ja wohl kaum einen cooleren Blumennamen


Da die Insel doch um einges größer ist, als z.B. Hiddensee, der öffentliche Personennahverkehr nicht so gut ausgebaut wie in Mexicostadt, Taxis teurer als in La Paz und trampen nicht so üblich wie in Rarotonga, beschließen wir uns ein Auto zu mieten. Wir suchen uns einen preiswerten Anbieter raus. Die Kommunikation läuft erschreckend kompliziert online und per Telefon und dann müssen wir 2h bis fast zum Flughafen laufen. Die Strecke ist nicht wirklich schön, aber dafür umso heißer. Wir kommen völlig verschwitzt bei dem Autovermieter an. "Ja, nee, also ohne Kreditkarte können Sie das Auto nicht mieten." Auch der riesige Stapel Debit-Kreditkarten den wir ihm angeboten haben, konnte ihn nicht überzeugen. Also ist ja nicht so mein Metier, aber immerhin habe ich jetzt endlich mal gelernt, was der Unterschied zwischen Kreditkarte und Debit-Kreditkarte is: Mit einer bekommt man einen günstigen Mietwagen in Aruba und mit der anderen nicht.

Liegt aber scheinbar nicht an der Gehässigkeit des Vermieters oder daran, dass wir nicht komplett vertraunswürdig wirkten, sondern scheint ein klassischer Fall von "Computer says 'no'". Also steckt er uns in ein fast nobles Shuttle Taxi, was uns gratis zum Flughafen bringt. Nicht damit wir das Land zu verlassen, sondern laut dem Vermiter gäbe es da ja noch andere Vermieter, wo wir noch mal unser Glück versuchen können. Okay, versuchen wir. 

In NZ war ich mit einem Anbieter ganz zufrieden, der auch hier eine Dependance hat. Und in der Tat reicht hier eine Debit Card, so lange wir Supersonderrundumvollkaskoversicherungsschutz nehmen. Durch den Supersonderrundumvollkaskoversicherungsschutz können wir uns das Auto nur noch 4 Tage anstatt der geplanten 8 leisten. Immernoch besser als gar kein Auto - also nehmen wir es.

 

Der Westen der Insel ist der wettergeschütztere Teil, der daher auch weitaus mehr besiedelt und erschlossen ist. Der Osten soll hingegen erheblich rauer und wilder sein. Und da wir jetzt mobil sind machen wir eine Tour in den Osten.


...und in der Tat: Raue Korallenfelsen mit tosender Brandung

Nicht nur an der Küste stehen kann gefährlich sein, sondern auch auf der Küste, wenn sie denn obgrund der ewigen Brandung langsam wegerodiert

Das obligatoische Rückspiegelfoto

Wenn ich das richtig verstanden habe, war die Bucht zwei Fotos weiter oben mal der berühmte Felsbogen, den sich früher die Touristenmassen angeguckt haben. Der ist dann eingestürzt, aber inzwischen hatte der Meer schon den hier vorbereitet. Also konnten die ganzen Schilder, die auf den Bogen hinweisen, stehen bleiben, weil sie logen ja nicht und waren jetzt nur etwas irritierend, was die genaue Richtung am Zielort angeht... alternative Geschichte: Die Schilder waren schon immer irritierend und es gab nie einen größeren Bogen

Ihmchen und seine abermilliarden Korallenfreunde habe hier im Laufe der Zeit die Küste gebaut

...und das ewige Spiel Korallen gegen Erosion. Ich vermute die Arubaner haben ein gewisses Interesse am Schutz der pussierlichen Gewächse

In Aruba Auto fahren ist genauso gechillt, wie das restliche Leben auf der Insel


Am nächsten Tag ging es in den Norden der Insel.

Unser Kumpel Chris hatte uns, als ich ihm von Aruba erzählt habe eine Fischbude mit guter Bewertung raus gesucht. Da Veit und ich Chris seine Touristenführerskills nicht aberkennen und als verlässlich gelten wollten. Sind wir da hin. Das Ding war in dem Abschnitt der Insel ein gutes Stück nördlich von Oranjastad wo ein riesiger Hotelkomplex neben dem nächsten steht vor einem künstlich aufgeschüttetem Strand. Egal, also erst ewig einen Parkplatz gesucht. Fast alle Parkmöglichkeiten hier waren reserviert für Hotelgäste. Aber irgendwann finden wir einen Parkplatz hinter einer großen verlassenen Shopping Mall


Keiner da.. alles verfällt... Ein Lost-Place inmitten dem Meer aus Hotelburgen


Irgendwann gelangen wir zwischen zwei Hotels durch, vor zum Strand an dem sich Liegestuhl and Liegestuhl mit Palmenblattschirm reiht. Gru-se-lig. Es gibt da auch ganz viele Fressbuden - alles auch eingermaßen "Schick" aber eben voll auf Massentourismus ausgelegt. Das Essen bei der Fischbude ist in der Tat auch ganz lecker, aber leider dürfen wir uns auf keine der Liegen am Strand setzen, da sie alle nur für Hotelgäste verfügbar sind. Also sitzen wir in einem tristen Betonverbau hinter dem Strand und verzehren unser Mahl. In dem Verbau gibt es neben einigen harten Bänken auch noch eine Eiswürfelmaschine und eine Luftmatratzenaufpustmaschine. Die Eismaschine macht schon ordenltich Radau, aber die Luftpumpe ist ein Kompressor, der dieses schmerzhafte, penetrante Zischen von sich gibt. Regelmäßig kommen Hotelgäste und füllen ihre Becher mit Eis *klacker-klacker* und befüllen ihre Schwimmringe *ZZZSCHSCHZZZZCHCHCHSCHSCHZZZZSCHSCHZZZZZCHZZZZZZZZ* ..... *ZZZSCHSCHSCHZZZ* .... ..... *ZZSCHZZ* .... *ZSCH* *ZCH*. Ein Traum.

 

Dann geht es weiter in den hohen Norden. Überall wird auf den Leuchtturm im Norden verwiesen, also gucken wir da hin: 


Jupp, ein Leuchtturm: Check!

Weiter geht's...


Awww, wie in Neuseeland, wo man mit dem Auto auch überall hin fahren kann um nur keinen Meter laufen zu müssen



Im Norden gibt es ein Naturschutzgebiet. Das wollen wir nach dem ganzen Rumgegurke mit der Karre erkunden.


So, wie man sich eine Karibikinsel vorstellt: Kaktus an Kaktus


Und die Palmen? Jib's nich... Von Natur aus wachsen hier keine Palmen. Die in Oranjestad oder neben den Hotels sind alle eingeschleppt für die Touristen und müssen künstlich bewässert werden. Hier im Süden der Karibik herrscht offensichtlich ein sehr trocknes Klima. Dafür gibt's hier aber auch keine Hurricane. Das bisschen Regen, was sich mal hier her verirrt, versickert schnell im porösen Korallenboden.


Von daher, gibt es hier die wunderbare Kombi aus Kaktus und Meer


Der perfekte Ort zum Kakteen kosten...

...und Blowholes betrachten. Wo sonst auf der Welt gibt es diese wunderbare Komposition?



Das coole an dieser auf den ersten Blick scheinbar kargen Gegend ist, dass sich nach einiger Zeit darin rumwandern unser Fokus auf die schier endlosen Details und Muster in den Korallengeröllfeldern richtet...

...und all die Überreste ehemaligen Lebens, was nun diese Insel baut. Wir verbringen eine gefühlte Ewigkeit in der Ecke des Naturschutzgebiets und entdecken immer wieder neue, spannende Kleinigkeiten. Schön mit Zeit und Muße zu reisen.

Aber irgendwann wird es Zeit sich von diesem Schauspiel zu verabschieden

...zurück landeinwärts, vorbei an kleinen...

...und riesigen Kakteen


Dann bringen wir die Karre zurück zum Haus. Auf dem Weg noch lecker Fisch in einem peruanischen Restaurant. Dann unsere Stühle geholt. Kühles Balashi von unserem Minimarkt um die Ecke und ab zum Strand...


In der Ferne bleiben die Touristen alle auf den Booten. Keine Ahung warum, aber besser für uns. Hier kommen zwei, drei Touris und ein paar Locals her, aber sonst keiner...

Läuft

Mit Sonnenuntergang machen auch die Pelikane langsam Schluss für den Tag

Und genau im richten Moment ein Segelboot


...joah, kann man nicht anders sagen: Geiler Auftakt. Gerade wenn man bedenkt, dass während all der Zeit tiefster, mistigster WInter in Europa war. ... Teil 2 folgt in Bälde

29 Januar 2026

Bretagne - bevet Bro-C'hall

Robbl und ich wollten Urlaub machen [also das ganze spielt bereits letzten Sommer - bin nur erst jetzt dazu gekommen zu schreiben]. Aber irgendwie nicht so das Alltägliche: Wandern im Dschungel oder durch karge Gebirge, auf einsamen Pfaden in Lateinamerika oder verloren auf Südseeinseln ist ja jetzt nix Neues für mich. Endlose menschenleere Steinwüsten und vereiste Einöden - alles schon gehabt. Da muss mal ein neues Abenteuer her, was echt Ausgefallenes. Mal wieder die eigenen Grenzen erweitern und Neuland betreten. Also was tun? Klar, mit dem Wohnmobil nach Frankreich. Wenn das mal nicht nach Erlebnis-pur klingt... also zumindest für mich. Und wehe, da kommen jetzt Unkenrufe so von wegen ich würde alt und gemütlich werden. Demjenigen werde ich aus meinem Campingstuhl heraus ein "Selber!" hinterher rufen und empört mit meinem Cidreglas schwenken.

 

...und so begeben wir uns von Leipzig auf den Weg mit unserem kleinen aber feinen Camper


Da wir nur eine Woche haben, wollen wir am Anfang erstmal Strecke machen. Flugs durch Deutschland, die Niderlande und Belgien. Möglichst viele Kilometer reißen. Die erste Etappe bis zu frnzösischen Grenze fahre ich, da ich danach nicht mehr mit meinem neuseeländischen Führerschein fahren darf. Wir machen gut Progress und dank der Fahrassistenten muss ich eigentlich auch nicht viel machen. Moderne Autos ham schon was.

Ab der französischen Grenze übernimmt Robbl. Und zum Glück, weil die erste Nacht werden wir auch gleich von französischen Bullen kontrolliert. Wir sind bereits (fast?) in der Normandie und schätzen, dass sie Flüchtlinge suchen, wegen der Nähe zu Calais und da sie scheinbar Autos mit ausländischen Kennzeichen checken und nur allgemeine Fragen zur unserer Herkunft und unseren Plänen stellen, aber kein Alkoholtest und nichts machen. Aber trotzdem muss man denen ja nicht mit einem ungültigen Führerschein vor der Nase rumwedeln.

Es ist bereits dunkel als wir an unserer ersten Übernachtungsstelle ankommen. Robbls App gibt keine wirkliche Auskunft über die Legalität des Nächtigens dort, aber man soll einfach keine Stühle aufbauen oder Vordächer ausfahren: Man "parkt" da nur. 


Schön aber immerhin: Ein Leuchtturm wacht über unserem Schlafplatz

...und am nächsten Morgen sieht es echt ganz putzig da aus, wo wir genächtigt haben. Schon so ein wenig wie ich mir die Normandie vorstellen würde: Kleine, alte Häuschen, wettergegerbt und Bezug zum Meer 

Da standen wir die erste Nacht: "Non, Monsieur le Komissar, wir 'aben 'ier nischt gecampt. Ver! Pas de Stühle du Camping. Pas de Vordach.... Oh was? Die ausgeklappte Dach oben meinen Sie? ... Oh mon Dieu, wo kommt die denn 'er? Das 'aben wir gar nischt bemerkt..."

Hinter dem Deich war dann auch gleich das Meer, aber das war hier eher solala spannend und außerdem hatten wir eine Mission: Uns den Einheimischen anpassen. Dass selbst der französischste Franzose uns als seines Gleichen erachten würde. Aber dazu mussten wir erstmal in den nächsten Ort mit Boulangerie. .....also sprich: Einfach in den nächsten Ort, eine Menschenschlange suchen und anstellen.


So Baguette unterm Arm - Brauche ich nur noch eine Baskenmütze und eine filterlose Gauloises im Mundwinkel, et trés bonne: Monsieur Grégoire


Allerdings wollten wir unser erstes Frühstück natürlich in schöner Umgebung haben und auf der Karte entdecke ich einen Ort der topographisch ganz spannend aussieht und am Meer liegt. Also fährt Robbl uns dahin.


...und in der Tat: Der Ort enttäuscht nicht. Seht ihr da den kleinen Menschen auf der zweiten Mauer? Große Klippen.

...wir laufen ein Stück weg von der Treppe die zum Strand führt und haben schon nach ein paar Metern alles für uns alleine

...und sind dann auch entsprechend zufrieden mit der Gesamtsituation

Und irgednwie hätte ich auch nicht damit gerechnet so eine krasse Klippenlandschaft hier vorzufinden

Der weitere Tag verläuft dann relativ ereignislos, weil wir immernoch Kilometer machen wollen um in die Bretagne zu kommen, aber jetzt Autobahnen meiden um einen Eindruck von der Landschaft zu bekommen und so halten wir lediglich hier und da kurz an ohne größere Expeditionen


Abends kommen wir dann an einem etwas besser besuchten Stellplatz an. Auch wieder gratis und hier scheint das Übernachten wirklich toleriert zu sein, weil das machen da ein paar Camper.


Die Aussicht aus meinem Bett. Ich schlafe in dem ausklappbaren Dach und Robbl unten im Camper. Die ganzen Tagesbesucher verschwinden mit ihren Autos später noch und übrig bleiben nur ein paar Camper und die Aussicht aufs Meer.

Eine ziemlich funktionale Küche haben wir auch. Alles ist modern und gut durchdacht.

Und zumindest zum Armbrot räumen wir dann doch die Cmapngstühle raus: So viel Stil muss sein.


Am nächsten morgen geht es weiter. Inzwischen gehen wir die Etappen etwas gemütlicher an und streuen einige kleine Wanderungen ein.


Robbl und das Ferd... hach wie schön arrangiert

Die Küste ist inzwischen nicht mehr steil und steinig, sondern strandig und sandig

Das ganze gespickt mit schönen Städchen, mit so einer schönen Mischung aus verträumt, verziert, mit altem Charme aber auch bloß nicht auf schick gemacht... Also schön ja, aber irgendwie mit einem Flair dass hier zum Meer und Wetter passt

...und viel Historie


Man merkt auch, dass die Bretagne schon auf ihre eigene Kultur achtet. Hier gibt es z.B. viel mehr Cidre als Wein - und der Cidre ist richtig lecker und deckt eine enorme geschamckliche Bandbreite ab. Auch in den Supermärkten gibt es eine große Auswahl an Cidres von ganz vielen verschiedenen, kleinen Cidereien, anstatt nur Massenware. Das Essen unterscheidet sich hier auch ein wenig: Ein Standardding hier ist z.B. Crépes aus Buchweizen. Und dann haben all die Ortschaften ihre Ortsnamen zweisprachig, was für Frankreich schienbar schon etwas Besonderes ist, da in der zentralistischen Republik nur Französisch als einzig wahre Sprache gilt und Minderheitensprachen hier keinen offiziellen Satus haben. Aber immerhin dürfen sie die Ortsschilder auch auf Bretonisch bedrucken - die Sprache liest sich total interessant. Sie ist mit dem Walisischen verwand, und wurde annodazumal von den Kelten hier eingeschleppt, die der Bretagne ihren Namen gegeben haben: Den Bretonen. Die wiederum kamen aus Britannien, weil denen das zu Blöde da wurde, als die Angelsachsen auf ihrer Insel einfielen.

Daher auch der Zusatz zum Blogeintragstitel "bevet Bro-C'hall". Das ist Bretonisch und heißt "Vive la France". Ich dachte mir, dann bekomme ich wenigstens von allen gleichermaßen eine geschallert: Von Michél le Baguette, weil ich Bretonisch spreche anstatt der Sprache der Liebe und von Bleud gwinizh-du Breizh, weil ich der Grande Nation huldige. Dann sind wenigstens beide Wangen gleich rot und ich renn nich mit Schlagseite rum.


Dann wird die Küste wieder felsig

...und läd zum Wandern ein


Unser Ziel ist ja die Spitze der Bretagne. Bis es nicht mehr weiter westwärts geht. Allerdings wollen da ganz viele hin, also bleibt uns nur ein Bezahlcamperplatz mit vielen anderen Campern.... dafür:


...dürfen wir endlich unser Vordach ausfahren und uns mit unsren Campingstühlen und dem Campingtisch da ganz offiziell hinsetzen. Endlich echte Camper und nicht mehr dieser halblegale Vanlifehippiescheiß


Wir genießen eine Weile unsere Freiheit zwischen all den weißen und hellgrauen Schlachtschiffen. Außer den angereisten Campergruppen dir ihr Fleisch gemeinsam auf einen großen Grill im Zentrum ihrer Wagenburg schmeißen, während die Kinder mit Fahrrädern unermüdlich im Kreis fahren, bleibt jeder Camper für sich. Bis auf die höflichen Floskeln am Anfang um sicher zu stellen, dass der Nachbar für ein oder zwei Nächte kein Massenmörder ist - oder zumindest einer, der es gut versteckt. Eine nette Cidrekollektion hilft die Situation doch ganz erträglich zu machen. Und einen Vorteil hat der Camperplatz.... Der Strand der westlichsten Westküste der Bretagne ist nur einen kleinen Fußmarsch entfernt.


Also nehmen wir Cidre und bretonischen Whiskey zum Sonnenuntergang mit zum Strand

...und genießen plätschernde Wellen, Seeluft und die Aussicht:


Wir haben beschlossen einen Tag auf der Tour mal ohne fahren zu machen und wandern also ein wenig die Küste runter


Hmmm, jetzt kommste zwar zum Boot, aber denn nich damit weg. Irjendwas is ja imma, wa?


Auf dem Weg gibt es viele Minibuchten ohne Leute mit Steilküste drumrum. Also klettern wir immer mal wieder auf die Felsen und suchen nach einem Weg nach unten...


Hier nix...

...da nix...

...dort nix. Okay, es gibt einen Grund warum da keiner in den Buchten ist. Man kommt nicht hin.

Trotzdem überall spektakuläre Ausblicke


Am Ende geht Robbl an einem der überlaufenen Strände baden. Ich weigere mich. Über zehn Jahre Neuseeland haben mich anspruchsvoll werden lassen. Gut in NZ war ich auch nur selten baden, weil es meist zu kalt war, aber dann warte ich einfach bis zu meinem nächsten Karibikurlaub.

 

.... ... hmmm und irgendwie machen die Fotos dann einen Sprung zurück in die Normandie. Also ein wenig Bretagne hatten wir dann schon noch, aber anscheinend nur so Lassaiz-faire-C'est-la-vie-Style - ooch jut :)

 

Aber in der Normandie hatten wir dann schon noch ein kleines Highlight. Der für die Nacht gewählte, halblegalen Stellplatz war laut Karte fast wieder am Meer. 


Direkt hinter dem Stellplatz ein Feld...

...und am Ende des Feldes ein scheinbarer plötzlich Horizont?


...wir klettern über etwas Stacheldraht und durch einen alten zerfallenen, deutschen Bunker bis zum Rand des "Horizonts"

Et voila: Le fin del monde... Und damit ihr mal ein Gefühl für die Größe der Klippen bekommt: Seht ihr da unten den kleinen dunklen Würfel am Strand? Das ist ein deutscher Bunker, der irgendwann mal die Klippe runter gepurzelt is...

....hmmmm! Deutscher Bunker unten am Strand? Aber unser wird ja wohl etwas sicherer gebaut sein. Wir gehen ein paar Meter weiter...

...Blick auf unseren Bunker aus etwas Entfernung. Tja, da liegt das Fundament wohl auch schon etwas frei. Scheiß Nazis, die hätten uns fast umgebracht! Boah ey, bei so viel Voraussicht und Baukunst wäre das ja nie was mit dem Tausendjährigen Reich geworden, auch ganz ohne D-Day.

...aber immerhin schöne Aussicht und betsimmt einfache Verteidigung: Einfach Bunker die Felsklippen runterwerfen wenn der Feind über den Ärmelkanal kommt.

Wir gehen zurück und finden ein paar uralte Ruinen, ich glaube Reste einer Abtei oder so. Sind zwar auch schon etwas eingefallen, aber immerhin noch nicht runter gefallen

Letzter Sonnenuntergang in Frankreich

Am nächsten Tag gibt es nochmal Klippen...

..und pitoreske Städchen...


Dann beginnt wieder das Meilen machen. Letzte Nacht in Belgien an der Meuse in der Nähe von Hastiére-Lavaux. Und obwohl wir jetzt wegen dem Gefahre doch wieder recht wenig Zeit zum genießen haben, überracht auch dieser Ort mit einem kleinen Highlight.


Drei Bäume in perfektem Abstand und perfekter Position zueinander



...denn wir haben nicht nur eine Hängematte mit...


...sondern zwei

Mist, ich muss mir mal wieder angewöhnen die Blogeinträge etwas zeitnaher zu verfassen - ich vergesse sonst immer alles... Ortsnamen, Geschichten, etc.

 

Aber eine Sache sei noch erwähnt: Ich hab vom ersten Moment an bis heute nicht den geringsten Plan, was ich nu von Camperurlauben halten soll... und ob ich mir das in Bälde nochmal vorstellen kann, oder erst wenn ich in Rente bin. Na wird sich ja bald zeigen =)

 

Anmerkung: Alle quadratischen Fotos sind von Robbl, alle anderen von mir