25 November 2009

Xochicalco und die Vor- und Nachteile der Faulheit

"So", hab ich mir am Donnerstag gedacht, "eh jo, wieder Dubstep feiern." Der Campesito mit den Chilangos [Campesitos sind Leute vom Land und als Chilangos werden die Leute aus DF bezeichnet] - ordentlich Party machen. Alle Leute in DF angerufen ... "Ah, ja klar, Party, toll - machen wir." Auf dem Weg nach DF kommen die ersten Absagen "Ööhmm, kein Geld" "Muss morgen früh raus" ...bla! Naja, ich muss ja eh erstmal meinen Schlafsack parken und dann geht's los. Komme bei Adrian an - keiner da. Hmmm, probiere auf Adrians Handy - geht keiner ran. Alex Nummer hab ich nicht [wohnt auch bei Adrian]. Tja... sitze 1h im Hausflur rum. Zum Glück kommen Adrian und Alex doch noch nach Hause [ich dachte schon ich muss im Hausflur pennen]. Adrian hatte dooferweise sein Handy im Haus liegen lassen. Lasse mir erstmal Alex Nummer geben. Der Versuch beide zum Dubstep feiern zu überreden scheitert. "Muss noch arbeiten" und "Bin Hundemüde" sind diesmal die Argumente [Okay, wenigstens haben wir jetzt alle Argumente durch =) ... dummerweise auch alle Leute, da ich die Nummern von Tzamn und Beto nicht habe und die um diese Uhrzeit nicht mehr aufzutreiben sind]. Nichtmal mehr zu einem Bier sind die beiden zu überreden. Also wenigstens DAS bekommt man in Berlin noch hin, auch wenn das "Oh yeah tanzen gehen!" und dann später "Ach nee, doch nich." ja auch bei uns in Berlin nicht ganz unüblich ist =) ... Okay, Vorsatz für wenn ich wieder da bin: Wenn ich am frühen Abend Lust auf 'ne Party habe, geh ich am späten Abend auch hin - erinnert mich dran =)

Aber ich bin nicht ganz umsonst nach DF gefahren. Hatte am Freitag Vormittag noch eine Menge Zeugs zu erledigen und alles geschafft. Juhu! Dann Nachmittags nach CV zurück und ein wenig rumgechillt. Abends bin ich dann zu Tavo, dem Neffen von Leti gefahren. Ich hatte Tavo und seine Freundin vor einer Woche getroffen, als ich Buletten mit Kartoffeln und Möhren gemacht habe [ich koche einmal die Woche für Leti deutsch und da ich grundsätzlich zu viel einkaufe, dürfen dann auch andere Leute vorbeikommen =) ].
Tavo und ein paar seiner Freunde treffen sich schon seit Jahren in dem Haus, wo Tavo und sein Bruder wohnen, jeden Freitag, um ein wenig rumzutrinken ... öhm Rum zu trinken [höhö - ein Kalauer!]. Und so war ich zu der all-wöchentlichen Rumverkostung eingeladen.
Das Haus liegt relativ nah bei meiner Arbeitsstelle in einer ziemlich sicheren Gegend. So war es auch nicht weiter schlimm, dass ich das Haus nicht gleich gefunden habe, da ich einigermaßen wusste, wo ich war und ich keine Angst um meine Wertsachen haben musste.
Apropos, woran erkennt man eine sichere Gegend in CV? Ich noch so gut wie garnicht - weil das hier war eine kleine Seitenstraße mit wenig Licht und zwar auch einigen Kindern aber auch gefährlich aussehenden Jugendlichen. Also vorher fragen und wenn Leti eine Gegend als sicher bezeichnet, dann muss man sich echt keine Sorgen machen =) ...
Da angekommen, haben wir erstmal mein Mitbringsel geleert - eine kleine Flasche Tequila und danach Geld zusammengeschmissen und 2 Leute sind los zum OXXO, Rum kaufen. Die Leute da waren auch wieder endlos freundlich und ich habe mich die ganze Zeit mit jemandem oder allen unterhalten und Tavo und seine Freunde sprechen ein extremst klares Spanisch. Im Übrigen wird hier Cuba Libre mit Rum, Mineralwasser und Cola getrunken - is nich so süß. Und so haben wir im Laufe des Abends ziemlich viel rum - rumgesessen, rumgelabert, rumgetrunken. Dann wurde ich sogar noch nach Hause gefahren - was'n Service =)

Am nächsten Tag wollte ich nach Amecameca [aka Ameca]. Von dem Ort soll man einen Superausblick auf die beiden Vulkane Popocatepetl und Itza-irgendwas haben. Bin ich also wie immer ganz früh los und war so gegen 11:30 am Bus Terminal nach Puebla [in der Touri-Info wurde mir gesagt, es gäbe keine direkten Busse nach Ameca und ich solle am besten über Puebla fahren --> da in CV jede Busgesellschaft ihr eigenes Terminal hat, kann man hier nicht einfach so zum Busterminal gehen, sondern man muss vorher rausfinden, welche Gesellschaft welches Ziel ansteuert]. Der nächste Bus nach Puebla fuhr um 14:30 ... hmmmm, nach Ameca brauch ich mit Umsteigen mindestens 2h ... 16:30 da, 18h wird's dunkel - seltenbekloppt!
Also zurück Richtung Stadtzentrum, mich erstmal auf eine Bank gesetzt und ein wenig im Föhrer gelesen. "Hmm, wohinfahren macht heute keinen Sinn mehr - alles zu weit weg." Aber da ich immernoch nicht im Palast des Cortez war, bin ich dahin gegangen. [Etwas, was mich hier auch immerwieder stutzen lässt: Cortez ist ja dafür bekannt, dass er mit seinen Conquistadores die halbe indigene Bevölkerung dahingemetzelt hat, aber trotzdem gibt es hier einige Straßen und Plätze, die nach ihm und den Conquistadoren benannt sind ... Frei nach dem Motto: Is halt Teil der Geschichte]. Auch wieder sehr schönes Museum von der Besiedlung Amerikas bis zur Revolution.
Danach noch ein wenig durch die Stadt gelaufen und nach Hause zurück. Hab mir dann noch überlegt: "Hey, am Abend könnte ich ja noch nach DF fahren, Party machen und morgen früh mit dem Bus von DF nach Ameca." War dann aber zu faul.
Ca. 2h nach Beginn meiner Faulheitsphase, ruft Leti an, "Hey, wir fahren morgen nach Xochicalco. Willste mitkommen?" Xochicalco sind Pyramiden im Süden von Morelos - dem Bundesland in dem CV liegt. Ha, und da hat sich Faulheit doch mal ausgezahlt ... schön mit dem Auto nach Xochicalco kutschiert werden und da nicht alleine rumlaufen müssen. Und da die Fahrt um 8:30 losgehen sollte, hätte ich es natürlich nicht rechtzeitig aus DF nach CV geschafft. Also wär ich nicht zu faul gewesen nach DF zu fahren, hätte ich mich nicht am nächsten Tag schön faul nach Xochicalco kutschieren lassen können - Viva la flojidad!

Also am nächsten Tag mit Rey [dem Chef von der Schule, wo Leti arbeitet], Leti und einem Japaner, der derzeit Schüler in der Schule ist nach Xochicalco gefahren. Im Süden von Morelos ist die Vegitation schon wieder ganz anders. Irgend ein Flach-Wald [bosque baja irgendwas] und Caña-Felder [Zuckerrohr]. Und da mittendrin liegt Xochicalco. Seinerzeit ein religiöses Zentrum und Kontrollpunkt auf dem Weg vom Pazifik ins Innenland und daher auch von militärischer Bedeutung. Auch wieder ein riesengroßes Gelände und für einen Sonntag erstaunlich leer. Aber gut, die Chilango-Reisegruppen kommen auch erst später an, weil die ja weiter fahren müssen und meist auch später aufstehen und zum Glück ist ja grade keine Touri-Saison. Leider war das Observatorium geschlossen - ein Meisterwerk indianischer Astronomie - wie des Öfteren in Lateinamerika zu finden, besonders bei den Mayas und Azteken. Und auch hier wieder ein sehr ausführliches, schönes Museum.



Platz vor dem Palast des Cortez


Blick über Xochicalco ...
also das, was über den Flach-Wald hinausragt =)


Der Haupttempel


Und hier sieht man gut, warum Xochicalco da liegt,
wo es liegt: Man sieht, wenn der Feind kommt
oder jemand Muscheln ins Inland schmuggelt =)


Das Pelota-Spiel... so ähnlich wie Basketball,
nur dass man den Ball nur mit dem Unterarm spielen darf
...und der Verlierer Tlulac geopfert wird =)


Die gefiederte Schlange Quetzalcoatl ...
wichtige Gottheit in vielen Kulturen Mittelamerikas


Das ist ein Teil des Riesengeländes AUF der Haupttempel


Der Chino, Leti und Icke
[so, jetzt habta endlich mal 'n Foto von Leti =)
...von Theresa wird's wohl keins geben,
weil sie schon 3 oder 4 Wochen in Puebla ist -
sie hat bei der Familie, bei der ihr Bruder
gewohnt hat, Arbeit gefunden...
eigentlich wollt'se die ja nur 'ne Woche besuchen -
Todo es posible, nada es seguro =) ]


Ausblick vom Haupttempel



Oooohhh, qué bonito! Dos parejas!
Los güeritos y los gorditos negros...
Qué padre es el amor =)
[Ooooh wie süß, 2 Päärchen!
Wie schön doch Liebe ist! ;)
--> und wehe es korrigiert einer das Wort "Päärchen"]


Die Akropolis
[Randnotiz: Who spots the two couples, gets a cookie =) ]


Und dann mal wieder Flach-Wald im Gelände


Und das andere Pelota-Spielfeld ...
diesmal mit 6 - 7m hohen Wänden...
also wer da einen Ball in den Rind mit dem
Unterarm bekommt - einfach nur krass!


Eidechsen über Eidechsen in allen Größen


Panorama vom Vorplatz des Haupttempels [1,36MB]
Leider noch mit Wasserzeichen von PanoramaStudio


Panorama [ebenfalls Vorplatz von anderer Stelle]
mit Autostitch... wenn ich es schaffe,
folgen morgen endlich mal ein paar Panoramen
..."morgen" .... ;)

17 November 2009

Monterrey [MT] und Partys in DF

UPDATE: Fotos und ein PSS ...[Randnotiz: IE ist der letzte Rotz ... blödes Inet-Café... sorry, falls die Formatierung irgendwo unstimmig is, liegt an IE]


### Parties in DF ###

Najuti, aber schön der Reihe nach. Letztes Wochenende war ja Party machen in DF angesagt. Kam ich mir dann doch ein wenig komisch vor, als ich mich Freitag abend auf den Weg nach DF gemacht habe. Wie so'n Dorfkind aus Oranieburg, was mit der S1 in die große Stadt zum Party machen fährt und da dann bei Freunden pennt, weil die S1 zwischen 1:00 und 4:00 morgens nicht fährt ... =)Mit dem einzigen Unterschied, dass CV 800.000 und DF 23.000.000 Einwohner hat und ich mit einem noblen Reisebus gemütlich nach DF fahre, für den gleichen Preis wie Berlin ABC =) .... [Ach übrigens, der Bus CV-DF braucht 80min, ein durchschnittlicher Spielfilm geht 90, ergo bekommt man immer das Ende nicht mit - kann der Bus nicht einfach einen kleinen Umweg fahren, dass die Fahrt 10min mehr dauert =) ]...

Naja, Klein-Dorfkind aus CV kommt also in Groß-DF an um die Stadt zu rocken. Großstädter treffen sich aber erst später, und haben, um die Zeit zu überbrücken, "Glühwein" gemacht. "Glühwein" ist ein Getränk, was der eine Großstädter in einem fremden Land kennengelernt hat und jetzt selber machen will. Schmeckt ganz pasabel aber dem Dörfling aus CV schmeckt doch Bier besser [Wat der Bauer nicht kennt, frissta nich, wa?]. Die Großstädter ziehen sich erstmal 'n Film rein.Langsam kommen auch noch ein paar andere Großstadt-Kumpels. Allerdings wartet der Großstädter der den "Glühwein" gemacht hat, noch auf ein paar portugiesische Franzosen [Familie aus Portugal, leben aber in Frankreich], die bei dem Großstädter schlafen wollen. Kommen dann auch irgendwann. Sind echt lustig. Das Dorfkkind aus CV kann immerhin mit seinem Wissen über schöne Orte in Peru, Ecuador und Bolivien punkten.Da die französischen Portugiesen vom Flug ziemlich platt sind und sich auch der Rest nicht so wirklich aufraffen kann, wird erstmal ein 2. Film angeguckt. Irgendwann ist das Bier alle und man holt neues beim OXXO [was bei uns der Späti is hier der OXXO] und geht nochmal schnell ein paar Flautas futtern. Danach weiter labern und Film gucken. Irgendwann geht's dann ins Bett.

Könnte genauso in Berlin passiert sein... nur das mich keine Dorfies besuchen [höchstens die aus Pankow *kähähä*] ...Also nicht falsch verstehen: Die Party war wirklich extremst chillig. Ich fand einfach nur die Situation lustig - das mal so von der anderen Seite zu sehen.

Dann am nächsten Tag hab ich erstmal die Portu-Franzosen durch die Stadt geführt. Yo man, ich bin schon voll der DF-Pro. Schön rumgelaufen, rumgelabert, rumgepicknickt. Bis abends und dann zurück zu Adrians Haus.Erstmal da wieder rumgesessen. Bierchen getrunken und Film geguckt. Als dann alle da waren sind wir erstmal in eine Kneipe gefahren. So ein Reaggea-Laden namens "Kaya". Es kamen immer mehr Leute so konnte man sich die ganze Zeit mit jemand unterhalten =) ... nur leider kamen zu den anderen Tischen auch immer mehr Leute und irgendwann war die Kneipe einfach zu voll. Also sind wir erstmal zu Adrians Haus zurück. Und da war dann irgendwie Regruppierung angesagt, weil alle was anderes machen wollten.Rosa [die Person, wo ich die eine Woche gesurft hab] wollte mit Tzamn und Noemie [Tzamn ist ihr Mitbewohner und Neomie seine Freundin] in irgendeinen Club. Da ich unbedingt Tzamn und Noemie auch noch mal wiedersehen wollte, bin ich mit. Schön mit'm Auto durch die Stadt ins historische Zentrum, zu irgendso einem Club, wo Freunde von Tzamn waren. Dummerweise waren in Club keine Bermudas erlaubt. Und auch die ganze mexikanische Überzeugungskunst von den anderen konnte den Türsteher nicht überzeugen, für den doofen Ausländer eine Ausnahme zu machen. Allerdings wollten Tzamn und Neomie unbedingt rein, wegen ihrer Freunde. Rosa wollte dann mit mir zurückfahren, aber ich fand das dann doof, dass sie wegen mir nicht in den Club kann und hab sie dann überredet mal reinzugucken und ich wollte mit dem Taxi zurückfahren. Allerdings meinte sie, sie würde erstmal reingucken, ob's ihr überhaupt gefällt und wenn ja fahre ich halt mit dem Taxi zurück und wenn nicht hätte sie eh keinen Bock lange da zu bleiben. Nach 20min kam sie wieder raus und meinte sie hätte keine Lust auf die ganzen Leute da drin, weil alle besoffen sind und sie nicht [sie hatte einen Schnupfen oder sowas und wollte deshalb an dem Abend nichts trinken]. Sei jetzt mal dahingestellt, ob das Höflichkeit war oder sie echt keinen Bock hatte.So endete dann der Abend etwas verfrüht... also wenn ihr in DF Party machen wollt und ihr nicht unbedingt auf ein Punk-Konzert geht: lange Hosen mitnehmen! =)

Dann diesen Donnerstag war ja die Dubstep-Party. Und da ich Freitag auch nach Monterrey fahren wollte, hat mir mein Chef Freitag frei gegeben. Aber der Reihe nach. Letztes Wochenende hat mir Adrian erzählt er wolle nach Monterrey fahren [das liegt im Norden von Mexiko], weil er dort jemandenn kennt. Freitag Nacht mit dem Bus hin und dann einen Tag rüber in die USA und einen Tag in Monterrey selbst und Sonntag Nacht wieder zurück nach DF. Dachte ich mir, "Super, eigentlich wollte ich ja nur im Süden rumfahren, weil das Land einfach zu groß ist, und das ist ja jetzt mal die Chance wenigstens einen kleinen Einblick in den Norden zu bekommen."Da Adrian bei einer Freundin gepennt hat, die noch bei ihrer Familie wohnt, wär das ein wenig doof gewesen, wenn ich da auch noch gepennt hätte, deshalb hab ich mir noch schnell eine Couch in Monterrey gesucht [voll unkompliziert], meine Bustickets nach Monterrey gebucht und bin dann Donnerstag Abend nach DF gefahren.Meine Sachen hab ich bei Adrian gelassen und mich dann mit Mario und seiner Freundin getroffen, um zur Dubstep-Party zu fahren. Eijeijei .... Kinnas - die war fett! Geiler Sound, angenehmes Publikum, preiswertes Bier und die DJs hatten's drauf. Es waren 4 an der Zahl. Zwei von denen haben richtig schön klassischen Dubstep gespielt [auch neue Tracks, aber vom Stil her], einer auch sehr fettes Zeugs, wobei er aber auch andere Musikrichtungen mit einfließen lassen hat [sprich moderner Dubstep =) ] und einer hat so'ne Mischung aus Electro-Reaggea und Electro gespielt... den DJ fand ich jetzt nicht so geil, aber die anderen 3 haben's auf alle Fälle wett gemacht. Sehr geile Party. Und als wir irgendwann im Außenbereich rumstanden wurde ich sogar noch angesprochen, "Ja wir machen grad 'ne Minireportage zu Dubstep und wie er nach Mexiko gekommen ist. Hast du Lust?" Hab ich bejaht und dann ein Interview über Dubstep in Mexiko und der Welt gegeben und was mir daran gefällt =) ... Wahrscheinlich findet man das dann als Out-takes unter Youtube "Borracho güero pruebas explicar cosas del dubstep - con sustitulos" *MUHAHA*

WOB-WOB-WOB---WOB-WOB-WOB---WOB-...

### Wochenende in Monterrey ###

Dann am nächsten Tag habe ich tagsüber noch Zeugs in DF erledigt und mich abends mit Adrian am Busterminal getroffen. Und dann sind wir 15min versetzt nach Monterrey gefahren. [Da dieses WE Feiertag in Mexico war, fuhren die Busse öfter, aber es war leider auch nicht möglich ein Ticket im gleichen Bus zu bekommen, aber bei 15min Zeitversetzung ja auch egal =) ] ...und das war ein echter Nobelbus [ich behaupte mal, Tobi M. ist der einzige der weiß, was ein "echter Nobelbus" ist =) ]...

Am nächsten Morgen sind wir dann in Monterrey angekommen. Allerdings gab es meinerseits eine kleine Planänderung. Da mein FM3-Visum noch beim Ministerium für Migration lag [Bearbeitung der Ämter dauert hier ganeuso lange, wie in Deutschland], konnte ich nicht mit in die USA. Aber so hatte ich immerhin 2 Tage in Monterrey [sollte sich im nachhinein als weitaus besser rausstellen]. Aber wegen meiner Planänderung gab's auch eine Planänderung seitens Adrian und seiner Freundin aus Monterrey: sie sind erst am Sonntag in die USA und am Sonnabend erstmal mit mir durch Monterrey. Also die Stadt hat schon was. Is auf alle Fälle was für alle [Landschafts-] Architekten, weil in der Stadt dürfen die Bürgermeister nicht wiedergewählt werden, und so hat sich ein Kampf darum entwickelt, wer die Stadt am prägensten verändern kann. Und aufgrund der Industrie und der Nähe zur USA gib's auch einigermaßen Geld in der Stadt. Ob das nun jedem gefällt, was da gemacht wird, ist sicherlich streitbar, aber auf alle Fälle gib's sehr viel zu gucken.

So wurde zum Beispiel ein 2,5km langer Kanal durch die Stadt gebaut, um das alte Zentrum mit dem neuen zu verbinden. Den Kanal säumen huafenweise Springbrunnen, Skulpturen und architektonische Spielereien. Und wer zu faul zum laufen ist, fährt Boot.Danach waren wir in einem Museum in dem unten eine Ausstellung zur Inquisition war und oben ein ziemlich guter Überblick über die komplette mexikansiche Geschichte von den prä-historischen Ursprüngen bis heute. Wie alle mexikanischen Museen, war es verdammt gut und vielfältig.Aber so wie sich die alten Spanier hier unten verhalten haben, nur für ein bisschen Gold und um die Leute zum "einzig wahren Glauben" umzuerziehen .... Heidewitzka, da wird einem schon von den Kohlezeichnungen schlecht bei der ganzen Brutalität [interessant auch: der größte Genozid in der Menschheitsgeschite geht auf das Konto der Spanier in Lateinamerika, insbesondere den Antillen... wird nie erwähnt wenn's mal wieder darum geht, wer denn nun am "effektivsten" war: die Deutschen, die Russen oder die Chinesen].Danach sind wir mit dem Boot zurück und in den Fundidora-Park. Das war früher ein riesiges Industriegebiet mitten in der Stadt und jetzt ist es ein riesiger Park, sehr schön gemacht mit noch hier und da Bezug zu dem was da früher war und sonst sehr viel grün und auch wieder viele [landschafts-] architektonische Spielereien.Der Park wird überragt von Schornstein-3. Das war früher ein riesiger Metallofen und ist jetzt ein sehr geniales Museum zur Metallgewinnung, -verarbeitung, -und-so-weiter-und-so-fort ... eine riesige, interaktive Spielwiese mitten in der alten Anlage. Also perfekt für mich: Maschinenbauerzeugs vermischt mit interaktiven Kinder-/Männerspielereien mit alter Industrieanlage drumrum und der Möglichkeit auf eine 40m hohe Plattform zu gehen und über die Stadt zu gucken. Hätte ich jemals ein Museum frei Schnauze entwerfen können - das wär's geworden ;)Dann waren wir noch dick futtern ... 1kg leckeres Grillsteakfleisch, mit frittierten Tortillas, gedünsteter Zwiebel, ordentlich scharfer Salsa und Tortillachips und einer Suppe vorneweg. Für etwas mehr als 2 Leute - die Norteños wissen wie man isst, alter! *beim-Schreiben-auf's-Keyboard-sabber* =)))

Danach wurde ich dann zu Mario gebracht [nicht der Mario aus DF mit dem ich bei der Dubstepparty war, sondern der Mario aus MT, wo ich das Wochenende couchgesurft habe =) ]... bei Mario ist zur Zeit auch noch ein anderer deutscher Couchsurfer, Niklas. Kommt aus ... irgend'nem westdeutschen Kuhdorf irgendwo beim Pott und fährt jetzt mal eben so in ca. einem Jahr von Alaska nach Feuerland - Neid. Ich will auch =)Sind dann erstmal zu dritt Richtung Innenstadt, noch ein wenig rumgelaufen und haben dann was zu essen gesucht. Und hier habe ich das erste Mal in Mexiko nicht-mexikanisches Essen gegessen [wenn man mal von dem einen Pizzastück, absieht, was ich irgendwann am letzten Party-Wochenende nachts gegessen habe, weil die anderen sich was bestellt und mir was abgegeben haben] ... Nein, zum erstenmal als Mahlzeit etwas nicht-mexikanisches: Pizza. Aber das Ding ist: in Monterrey ist es weitaus schwieriger, etwas mexikanisches zu finden als Fast-Food. Die Nähe zu US-Grenze macht sich wirklich bemerkbar. Die Ganze Stadt wirkte auf mich sehr texanisch beeinflusst. Alle fahren mit dicken SUVs rum, überall Shopping-Malls und Fast-Food. Wüstenklima. Viele Highways quer durch die ganze Stadt. Tex-Mex eben. Ich vermute fast der Süden von Texas ist vom Flair auf den ersten Blick erstmal nich so dolle anders als Monterrey ... nur das die Leute in Texas strunzendoof und radikal-christlich sind ;) ... [außer in Houston, laut Niklas].
Danach sind wir dann durch die Bars gezogen. Das schöne in MT ist, dass die alternativen Bars alle in einem Viertel sind. Und es gab in der Tat einige ... mit Live-Musik oder von Platte, von Punk bis Reaggea... angenehmes Flair. Und so sind wir von Bar zu Bar getigert, haben hier und da noch ein paar Kumpels von Mario getroffen. Und sind dann irgendwann zurück, haben noch ein wenig geplaudert und plötzlich war es 5:15 morgens ... UPS =) ...Demenstprechend waren wir dann auch am nächsten Morgen aktiv. Mario musste mittags mal kurz zu seinem Vater. Also haben Niklas und ich gemacht, was wir in unserem Zustand am besten konnten - nüscht. Aber jetzt nicht so dieses europäische Nichts-tun, sondern das amerikanische. Uns vor den riesen Fernseher gefläzt und uns von Nat-Geographic und dummer Werbung für Schlank-Mach-Pillen und Kinnmuskelmassagegeräten berieseln lassen und überlegt, wie wir ohne groß Aufwand an Futter kommen. Also erstmal was von Niklas Cornflakes gefuttert. Hmm, da ist noch eine Pizza im Kühlschrank. Es gibt keinen Ofen, aber eine Mikrowelle. Probieren geht über studieren.Die Geschichte mit den sehr detailierten Anleitung für Amis ist auch kein Witz. Und da die Pizza anscheinend auch in den Staaten verkauft wird, ist neben der spanischen auch eine endlos lange Englische. In der wirklich JEDER Schritt beschrieben ist, leider nur nicht wie man die Pizza in einer Mikrowelle macht. Allerdings ist es auch nicht verboten. Für Öfen steht da die verschwörerische Angabe "9-11 minutes", also haben wir an der Mikrowelle 9:11 eingestellt [in dem Zustand waren wir nur zu schlechten Kalauern fähig =) ]... aber in der Tat, diese Dauer war gut. [... Apropos: ist jemand schonmal aufgefallen, dass die Polizeinummer in den USA auch 911 ist ... hmmm, merk ich nur grade beim schreiben ... hat da mal wer recherchiert? =) ] Nur hatte die Pizza, die etwas zu groß war und deshlab von uns zu einem Burrito zusammengefaltet wurde einen Großteil des Käses in der Mikrowelle verteilt. Naja, zum Glück lassen sich Mikrowellen relativ einfach reinigen.Irgendwie hat mich der ganze rumgammel-Tag verdammt an die rumgammel-Tage in Iquitos mit Mike Mäuser erinnert [grüße hier nochmal an Tobi M. =) ]... mit Stil hyper-faul sein. Zwei Events in meinem Leben, die ich wohl nie vergessen werde. ;)Dann kam Mario von seinen Eltern wieder und wir sind zum Huasteca-Cañon gefahren. Verdammt geiles Ding. Also sicherlich gibt es tausende schönerer Cañons, aber der hat mir einen echt guten Eindruck von der Wüste da vermittelt [also einer Form wie die Wüste da aussehen kann]. Da sind wir dann noch ein wenig in dem Ding rumgeklettert, aber weil's dunkel wurde und ich meinen Bus kriegen musste, mussten wir auch Bald zurück. Nochmal lecker Norteña-Essen gegessen. Piratas und noch irgendwas - Tacos mit viel viel Fleisch =) und dann ging's zurück nach DF ... wieder im Super-Nobel-Bus.

In DF angekommen, habe ich erfahren, dass Adrian und das Mädel nur zum shoppen drüben waren. Na, zum Glück hatten die Behörden mein Visum einbehalten, sonst hätte ich einen ganzen Tag in US-amerikanischen Shopping-Malls verbringen dürfen!



Breakdancer in DF




Innenleben der Kathedrale von DF... schon beeindruckend

Meine Fahndungsfotos in Mexico =)


Monterrey hat mich irgendwie sofort an eine Berliner Eckkneipe erinnert =)


Kunst am Kanal und neue Wolkenkratzer in MT


Sie mögen Springbrunnen in MT =) ...


-- AAARRRRGGGHH... scheiss IE ... falsche Reihenfolge!! --
Sonnenaufgang auf dem Weg nach MT


..und Pampa =)



Weiter mit Kanal Springbrunnen





Blick Richtung Altstadt



Die Kanalboote






Kneipen am Kanal....
leider zu


Industriekunst


...und Psychospringbrunnen =)


Der Schornstein

im Stahlkoloss


Theater von oben



MT vom Schornstein-3 aus





Das Wahrzeichen von MT... der Pferdesattel
[der Berg, nicht die Stahlkonstruktion =) ]


unsere Burrito-Pizza =)


die Mikrowelle nach der Burrito-Pizza =)


meine Ansicht an diesem Vormittag =)


Niklas beim Pizza-Essen...
sein Gesicht beschreibt den Pizzageschmack schon ganz gut =)


Der Huasteca-Cañon


Ein Burrito im Cañon
...endlich weiss ich woraus das gleich-namige Essen gemacht ist =)


Mario und ich im Auto
[Niklas hat "Shotgun" verloren =) ]






krass steile Wände


wir auf dem Weg nach oben


Ausblick von relativ weit oben...
wenn ihr auf das Foto klickt, könnt ihr sogar Autos erkennen =)


die letzten 80m müssen wir eine 90º-Steilwand erklimmen ;)


Ein Schild, was schon bei einigen Polen und Tschechen zu Verwirrung geführt hat...
hängt quer über die gesamte Strasse von DF nach CV...
"peligrosa" heisst im Übrigen "gefährlich" =)))

PS: Danke nochmal an alle die den Blog lesen und von denen ich auch schon positives Feedback bekommen habe. So macht das schreiben echt Spaß, wenn man weiß, am anderen Ende der Welt sitzen durchaus ein paar Leute, die ihn mit Freude lesen =)
PSS: Wie gewonnen, so zerronnen. In Monterrey hab ich mich ja auch das erste Mal richtig akzeptiert gefühlt. Nachdem ich mir anfangs immer nur ein paar Tropfen Salsa auf meine Quesadillas, etc. geträufelt hab, konnte ich mich ja schon ziemlich bald in der Öffentlichkeit beim Essen zeigen ohne verwunderte Blicke der Mexikaner zu ernten. Und dann der Höhepunkt in Monterrey. Beim Frühstück meinte zum ersten Mal ein Mexikaner zu mir [die Freundin von Adrian]: "Is das nich ein bisschen viel Salsa?" Und das auch noch von einer Norteña - den wahren Cabrones! Ich war stolz wie ein Honigkuchenpferd. "Jawoll, sie haben mich akzeptiert" ...Dann beim Mittagessen [das Kilo Grillfleisch] kam der Rückschlag. Irgendwann vernehme ich meinen Namen und Gekicher. Ich denk mir so: "Naja, bin halt ein lustiger Junge, nech?" und kümmere mich weiter um mein extrem Anarcho-mäßiges Essen [Mit Fingern im Restaurant und so!] ... Kurze Zeit später freuen sich beide nun lauter "Haha, Goyo, wirklich, du isst mit System, voll die ordentliche Reihenfolge, haha, erst Fleisch in den Tortilla, dann Zwiebel, dann Salsa, haha." Hmpf. Ertappt. Mist! Über sowas denkt man garnicht mehr nach - das is so tief drin. Aber es fällt anscheinend auf. Nächstes Mal, das sag ich euch, da werde ich darauf achten, dass ich beim ersten Tortilla Zwiebel-Fleisch-Salsa, beim zweiten Salsa-Fleisch-Zwiebel und beim dritten Fleisch-Zwiebel-Salsa reintun mache... HAHA, und dann werden die Mexikaner schon sehen, was für ein Anarcho ich bin... ich muss mir nur die Reihenfolge aufschreiben, damit ich das nicht vergesse!!