29 September 2018

Das Hektoliterproject

Ich werde unsanft geweckt. Es ist noch dunkel. Außerdem ziemlich kalt außerhalb meiner Decke. Aber ein nicht unbeachtliches Gewicht lastet auf meiner Brust und eine unglaublich penetrante Stimme lassen irgendwie nicht weiter an Schlaf denken: "Weißt Du, warum das alles nix wird? Na? .... Warum wir immer noch im Gerstenmalzsbodensatz der Bierbrauergeschichte rumwühlen, wie ein Hefebakterium am dritten Tag der Fermentation?" Ich fühle mich etwas überfordert und antworte eloquent mit: "Hä?" Langsam komme ich immerhin in der realen Welt an, die just allerdings nicht besonders anziehend ist, insbesondere deshalb, da der oberste Brauleiter nun zusätzlich zu seinem nervigen Geschwafel anfängt mir mit etwas in die Nase zu pieken. "Unser Problem. Weißt du, was unser Problem ist?" Ich beschließe spontan einen möglichst kleinen Vogelkäfig zu kaufen, will dem obersten Brauleiter aber nicht die Überraschung versauen und antworte vorerst: "Vermutlich, dass Kiwis nachtaktiv sind und sobald sie ihre Ernährung auf Flüssigbrot umgestellt haben, nicht mehr genug damit beschäftigt, Würmer und Schnecken zu suchen und dadurch in einer Tour auf sinnlose Ideen kommen?" Das pieken hört kurz auf und ich kann den obersten Brauleiter quasi denken hören, allerdings fängt er sich leider viel zu schnell und fährt fort: "Ach, Blödquatsch. Hör auf Dummfug von Dir zu geben und steh lieber auf. Ich hab Dir extra auch schon ein Bier eingegossen, ... Dawai dawai jetzt, bevor's schal wird."

Da jetzt nicht mehr an Schlaf zu denken ist, bis ich mir die tolle neue Erkenntnis vom obersten Brauleiter angehört habe, quäle ich mich aus dem Bett. Anscheinend ist es dem obersten Brauleiter wirklich wichtig, denn er hat mir sogar einen Kaffee gekocht. Also genauer gesagt einen Bierfee. Klingt wiederlich und schmeckt auch so. Ich gucke den obersten Brauleiter noch etwas verschlafen an. Er plustert sich theatralisch auf, atmet tief ein und setzt an: "Jedes Jahr werden weltweit 2 Milliarden Hektoliter Bier gebraut. Und wir sitzen immernoch hier am Arsch der Welt und dürfen bei den großen nicht mitspielen. Und warum? Weil wir es nicht mal schaffen einen einzigen Hektoliter zu brauen. Ich habe das mal in unseren Büchern recherchiert. Jedes Jahr bleiben wir mit unserem Brauvolumen unter einem Hektoliter. Kein Wunder, dass wir da in der Statistik gar nicht auftauchen. Wie auch? Wir können ja nicht mal erfasst werden. Ich hab das mal durchgerechnet und eine Taktik entwickelt, wie wir jetzt den ganzen Biermarkt von unten aufrollen können..." Er fängt an auf den Kühlschrank irgendwelche dubiosen Zahlen und kraklige Kurven zu malen. Das ganze wird gespickt mit irgendwelchen Management- und Businessbegriffen.


"... bei Erweiterung der Core Capacities ... was dann nach Einführung von Lean Process Scheduling ... Enhancement des Value Returns ... gleichzeitige Einbindung des Peer Group Customers ... und so weiter Business Modelling und so fort Strategy Alignment et cetera Market Revenue perge perge..."

Was ich letztendlich aus diesem viel zu langen Monolog mitnehme, ist, dass ich die nächsten Tage wohl erstmal ordentlich Gertenmalz, Hopfen und Hefe aufstocken muss und mich dann an die Arbeit machen soll. Der oberste Brauleiter würde so lange das Controlling des Workflows übernehmen.

Der oberste Brauleiter über den Büchern...
Und während der oberste Brauleiter was von Marketing Strategies und Client Targeting faselt und Task Timing Schedules und Forecast Reports erstellt, stehe ich in der Küche und braue, was das Zeugs hält. Da ein Batch knapp über 20 Liter sind, müssen also fünf gebraut werden. Und da dem obersten Brauleiter versatility total wichtig is, soll ich jeden Brau nach einem anderen Rezept machen, aber auch ja nicht zuviel rumexperimentieren, da unsere Core Competence schließlich zwischen Pilsner und Lager liege.

Also einfach mal fröhlich im Brauladen meines Vertrauen, bzw. laut dem obersten Brauleiter 'Local Supply Distributor', shoppen gewesen... Gerstesorten, Malzsirupe, Hopfense, Hefekulturen jeder kulör...

Es ist interessant, wie viele Gerstensorten es alleine gibt. Die sehen nicht nur unterschiedlich hell oder dunkel aus: Das ist so'n bisschen wie Kaffee, wo man ja auch sehr unterschiedliche Geschmäcker alleine durch die Bohne und Röstung erreichen kann, von sehr fruchtig über herb bis hin zu karamellig oder schokoladig, ohne da jemals Zitrone oder Kakao hinzu zugeben. Und da zeigt sich auch mal wieder wie unnötig das Gepansche der Hipster-Craft-Brew-Schänder is, wenn sie da dann irgendwas ins Bier kippen, was da nicht rein gehört... *kopf-schüttel*

Ein gutes hat das Gehabe des obersten Brauleiters allerdings. Er erklärt mir die Technik des Partial Mash. Wahrscheinlich erinnert sich der ein oder andere noch, dass man entweder Bier ganz einfach aus Gerstensirup fermentieren kann oder man kocht die Stammwürze für das Bier selber. Allerdings kann man das ganze auch einfach mischen. Und das bringt eine Menge Vorteile mit sich. Man hat die Variationsmöglichkeiten wie beim Würze kochen [selber Gersten zusammen stellen, wann gebe ich welche Hopfen dazu, wie lange und welche Temperaturkurven für Maischen, Läutern, Kochen, Ausschlagen, etc.], aber kann die Menge reduzieren die man handhaben muss. Ich kann den Brautopf jetzt alleine in die Wanne heben zum Abkühlen, ich kann die Temperatur besser und schneller beinflussen und so weiter. Also kocht man dann nur 15 statt 30 Liter Würze und erst im Fermentor tut man noch mal eine Packung ungehopften Malzsirup und das restliche Wasser drauf.

So sehen dann die Zutaten für ein Partial Mash aus: Gerste & Hopfen wie beim selber machen und Malzextrakt wie bei der faulen Variante...

Endlich mal eine handhabbare Menge Würze... Hmmm, allerdings könnte ich mir auch einen zweiten Fermentor holen, wieder 30 Liter Würze kochen und dann 55 Liter fermentieren mit dem Partial Mash Verfahren... Und in dem Topf kann ich eigentlich auch bis zu 60 Liter Würze kochen... Das wären dann 1 Hektoliter Bier pro Brau mit dem Partial Mash... Brauche ich nur den Platz für 4 Fermentatoren...

So kalte, klare Wintertage sind einfach perfekt zum Brauen... man kann die Sonne genießen, ist aktiv und zum raus gehen is sowieso viel zu kalt...

Die fünf Brause waren dann auch rechtzeitig vor meinen sieben Wochen Winterurlaub fertig. Bier soll ja immer ne Weile Lagern, damit es weicher und bekömmlicher wird... Und so zwei Monate is eigentlich schon angebracht. Das Problem sonst war ja immer, dass man dann gratis Bier in der Bude hatte, was schon ohne weiteres trinkbar war und daher hat sich die Lagerung meist erheblich verkürzt. Da es aber vom obersten Brauleiter die Vorgabe gab, es müsse mindestens eine Hektoliter im Haus sein, durfte vor meinem Urlaub nix angerührt werden.

Und das war dann das Ergebnis wochenlanger harter Arbeit...

Notizen des Braugehilfen...
Die fünf Batches:

1) Mexican Lager

2) Blonde Lager

3) Export Pilsner [kaltfermentiert]

4) Grege's Lager [partial mash]

Gerstenmix: 
  • 1kg German Pilsner Gerste
  • 0,6kg Premium Pils Gerste
  • 0,2kg Carapils Gerste
  • 0,2kg Toffee Gerste
Hopfengaben:
  • 15g GR H. Mittelfrüh Hopfen [@ 60 Minuten vor Ende]
  • 15g GR H. Mittelfrüh Hopfen [@ 0 Minuten vor Ende]
Hefe:
  • Californian Lager Yeast M54 [von Mangrove Jack's]

Dann im Fermentor nochmal 1,7kg Blonde Malt Extract [Gerstensirup mit sehr mildem, klaren Geschmack] dazu.

Fermentiert bei 18°C. Dafür ist die California Hefe ganz gut, weil die auch zum kaltfermentieren geeignet ist und daher relativ temperaturunempfindlich.

5) Grege's Pils [partial mash]

Das gleiche Rezept, wie Grege's Lager, aber diesmal mit jeweils 30g Hopfengabe.

Vom obersten Brauleiter gibt es ein Verbot die reifenden Biere bereits vor meinem Urlaub zu fotografieren. Das wäre nicht nur unethisch, auch hätten es seine Maorivorfahren mit einem Tapu belegt. Jedes mal wenn ich also den Kästen Nahe komme, beginnt er einen Haka aufzuführen [wer vergessen hat, wie einschüchternd sowas sein kann, der klicke hier: All Blacks vs. France].

Und so steige ich guter Hoffnung in den Flieger. Zum Abschied bekomme ich sogar noch etwas Lob vom obersten Brauleiter: "Dein Beitrag zum Hektoliterproject war auf dem Weg hierher eine durchaus nicht zu verachtende Leistung. So hast Du dazu beigetragen, dass jetzt ganze 111 Liter Bier in unserer bis Dato noch unbekannten Kingsland/Mt Eden-Brauerei darauf warten zu reifen. Ab kommenden Jahr wird die weltweite Braustatistik auf 2.000.000.001 Hektoliter nach oben korrigiert werden müssen. Und ich sage Dir, dieser eine Hektoliter wird der edelste Tropfen sein, den die Welt in der über 10.000 jährigen Geschichte der Braukunst gesehen hat. Für Deine Verdienste befördere ich Dich hiermit zum auserkorenen Obergehilfen des größten Braumeisters aller Zeiten." Er muss echt gute Laune haben...

Sieben Wochen Urlaub vergehen recht schnell. Als ich wieder in Auckland ankomme, stelle ich fest, dass zumindest mein Haus noch steht. Allerdings erwische ich den obersten Brauleiter inflagranti mit seinem Schnabel in einer Bierflasche. Er guckt mich an: "Hab nur mal gerochen... wollte ich grade jedem von uns was eingießen... Ou man, guck mal einer an, haben wir diese Flasche wohl nur halb befüllt... Naja, ich besorg erstmal ein Glas für jeden..."

So kosten wir also erstmal jeder ein Bier.... ...von jedem Batch - man will auch schließlich wissen, ob alle was geworden sind. Und aus irgendeinem Grund vergessen wir glatt ein Foto zu machen... Aber am zweiten Tag kann ich den obersten Brauleiter doch zu einer kleinen Session überreden...


...bei einem Bierchen natürlich.

Links vom vom obersten Brauleiter steht eine Flasche mit blauem Etikett. Das ist ein Death Draught. Der Brauer des Death Draughts ist vor einiger Zeit an Krebs gestorben und hat kurz vor seinem Ende noch einmal all die Sachen gemacht, die er gerne in seinem Leben gemacht hat. So auch eine letzte Runde Bier gebraut und dann mit seinen Freunden gefeiert. Daher der Name des Biers. Da es schade gewesen wäre die Flaschen zu entsorgen, wurden sie dann an lokale Brauer verteilt, so auch an mich. Finde ich beeindruckend: Egal was kommt, das beste draus machen. Und daher wird bei jedem Ausspühlen auch peinlichst darauf geachtet, dass die Etiketten sich nicht von den Flaschen lösen.

So sehen 111 Liter Bier minus einmal kurz kosten aus... Wer jetzt nachzählt bedenke, die Flaschen mit dunklem Hals sind 745ml und die mit weißem Hals 660ml

Das Lieblingsfoto vom obersten Brauleiter. Steht jetzt auf seinem Schreibtisch. 

...und das ist mein neuer Bildschirmhintergrund.... Bier bis zum Horizont... ein endloses Mosaik aus Kronkorken

...und alles schön verstaut.


Zum Ende will ich dann doch nochmal eine der Statistiken des obersten Brauleiters präsentieren... Da sie etwas Hoffnung macht auf eine gute Zukunft...

Year   Spendings  Quantity
        in NZ$    in litres
2016     280        69
2017     412        93
2018     255       111

Totals:  947       273

Jedes Jahr steigt nicht nur der Austsoß an Bier, auch finanziell hat sich das gelohnt.

So bleibe ich über den gesamten Zeitraum gerechnet bei unter $3.50 pro Liter vs. über $5 im Laden [von Kneipenpreisen reden wir hier erst gar nich] - sind ergo gut über $400 gespart... ... Also fast, man verteilt ja dann die ganze Zeit fleißig unter Freunden, Besuchern und Kollegen. Schließlich müssen ja alle mal Kosten und wollen ja auch. Schmälert die Ersparnis natürlich. Hat man dann dafür aber lustige Abende mit Freunden und ein schönes Thema zum Schnattern, weil hier in NZ jeder Zweite schonmal irgendwas gebraut hat und der Rest zumindest interessiert tut.
Is jetzt blöde: Wie bringt man sowas inne Finanzrechnung mit ein? Ich geh wohl mal den Obersten Braumeister fragen, was eine feuchtfröhliche Stunde mit Freunden wert is. Schließlich hat er ja scheinbar richtig krass Ahnung von Revenue-Evaluation-Modelling. Vielleicht trinke ich auch noch gleich ein Bierchen mit ihm, falls er da wieder ins philosophieren kommt... Bin dann aber gleich zurück und schreib den Artikel fertig... Also direkt nach dem einen Bierchen... Bierbrauerehrenwort...

07 Mai 2018

Samoa - Warum nich ma wieda Südsee, wa?

Schreibt mir Veit 'ne Mail: "Ey, das letztes Jahr mit Rarotonga war doch ganz cool - lass mal dieses Jahr wieder sowas machen."
Denk ich mir nur: "Ja warum nich - Südsee is ja gleich umme Ecke. Kann man ja eben ma hinjetten."
...ich mein, kennta ja bestimmt auch die Situation, wa? Habta ma wieda Lust auf Südseeinsel und denn machta einfach. Also is ja keen Ding.

Diesmal fiel die Wahl auf Samoa. Das war mal deutsche Kolonie und dann kann man ja da mal vorbeigucken - was der Samoaner in den letzten Jahren so aus seinem kleinen Paradies gemacht hat oder ob es noch genau wie damals is.
Die Kolonialgeschichte von Samoa war nämlich etwas anders als das normalerweise Ablief.
Auf den meisten anderen Südseeinseln und auch sonstwo in der Welt kam der weiße Mann ja meist und hat dann die Einheimischen ausgebeutet und versklavt. Entweder um Gold und andere Edelmetalle zu finden oder um billig Zuckerrrohr, Baumwolle oder Tabak anbauen zu können. Die Deutschen auf Samoa fanden das aber einfach nur schön da und wollten viel lieber in Ruhe ihren Rum unter einer Palme am Strand trinken und ein wenig mit den Samoanerinnen schäkern. Glückerweise gab's damals weder Flugzeuge noch Internet. Also haben die es sich da gemütlich gemacht und alle Jubelmonate mal an den Kaiser eine Postille mit dem nächsten Segelschiff geschickt, man müsse ja die Kolonie unbedingt halten weil ... ähm... also... na wegen dem finanziellen Potential ... man müsse aber definitiv noch etwas länger hier bleiben um das abschöpfen zu können. Und aufgrund der weiten Entfernung und der schlechten Überprüfbarkeit, haben die einen sehr langen Urlaub auf Staatskosten bekommen. Kolonialherren happy, Samoaner happy, solange die Sonne scheint und noch ein wenig Rum da is.
Klar gab's auch hier und da mal Meinungsverschiedenheiten zwischen Karl-Otto und Fafe'elo-fa-Opo'olua, aber das wurde entgegen der Tradition meist unblutig geklärt.
Das gute Verhältnis führte sogar soweit, dass die Samoaner ihre Kolonialherren beschützt haben, als die Weltpolitik eben jenen an den Kragen wollte. Irgendwann ging ja dann doch mal der erste Weltkrieg los und da hat die englische Krone ihrer Kolonie namens New Zealand den Auftrag erteilt: Ihr fahrt jetzt nach Samoa und nehmt die Deutschen fest. Der erste Eroberungskampfeinsatz überhaupt für die Kiwis. Die machen sich auf dem Weg nach Samoa also erstmal schön ihre Seemannhosen nass, beim Gedanken daran gegen den barbarischen Teutonen kämpfen zu müssen. Der wiederum hatte aber immernoch keinen Bock auf unnötigen Stress und so konnten die Neuseeländer ohne irgendwelche Gegenwehr da einreiten. Als sie dann erklärt haben, dass die Deutschen jetzt Kriegsgefangene seien, meinten die Samoaner nur, ob die Kiwis denn wohl spinnen würden, die sollen sich gefälligst ihre eigenen Kolonialherren suchen und nicht einfach die der Samoaner klauen und haben die Deutschen erstmal versteckt und wollten die nicht raus geben.
Ist meines Wissens relativ einzigartig in der sonst so brutalen Kolonialisierungsgeschichte. Und da kann man ja mal ruhig hinfliegen und Kontakte flegen. Wer weiß schon genau wann der dritte Weltkrieg vor der Haustür steht und man sich mal bei guten, alten Bekannten verstecken muss.

Also Rucksack gepackt [man braucht schließlich kein Reisegepäck für eine Badehose und ein paar T-Shirts] und ab in Flieger. Da angekommen dann mit Taxi in die Unterkunft kutschieren lassen. Auf dem Weg dahin erstmal festgestellt, dass wir wohl die Tage mal nach Apia [Hauptstadt von Samoa] müssen. Der Taxifahrer hat an wirklich jedem Laden auf dem Weg angehalten und so hatten wir zumindest ausreichend Bier für die Fahrt, aber Sonnencreme gab's nirgends nich. Wozu auch: Braucht der gemeine Samoaner nicht und Touris gib's in der Region, wo wir hin sind, nich so viele.
Zum Glück hatte die Resort-Chefin an der Rezeption noch einen Rest für uns. Perfekto, alle Sorgen aus der Welt: Kann der verdiente Urlaub ja endlich losgehen.

Da die neben unserer eigentlichen Unterkunft noch Bauarbeiter am werkeln hatten, durften wir uns erstmal vor eine der Villas chilln.

Außer uns, gibt es in dem Resort nur einen weiteren Gast. Während wir also warten, bis die Bauarbeiter vorne an unserem Fale [ein typischer offener samoanischer Bungalow] mit dem Hämmern und Sägen aufhören, kann sich das Personal komplett um uns kümmern. Wir bekommen kaltes Bier und gratis Obstplatte. Wir müssen keinen Finger rühren. Uns nur zwischendrin mal überlegen, was wir denn gerne zum Armbrot hätten. Irgendwann schnattern wir noch kurz mit dem anderen Gast, einer Finnin, die aber kurz darauf von einer der Bediensteten ihrer Familie vorgestellt wird und deshalb los muss. Dann gehen die Bauarbeiter endlich nach Hause und wir laufen vor. Um unser Zeugs kümmert sich das Personal.

Unser Fale vorne am Strand. Über dem Bett ist ein Moskitonetz und hinter mir noch ein großer begehbarer Kleiderschrank, wo wir unser Zeugs reinpacken können. Alles offen, aber so wohnen hier auch die Einheimischen. Und zum Schlafen is das schon genial mit dem Meeresrauschen.

Das ist der Ausblick vom Balkon unseres Fales. Also ihr seht, weit zum Meer hamwa's nich. Den Strand haben wir fast komplett für uns.

Die gute Barfrau bringt uns dann auch erstmal ordentlich Bier inna Kühlbox, damit es schön kalt bleibt - sie will schließlich auch mal irgendwann nach Hause. Vorne Balkon, mitte Bett mit Moskitonetz, hinten kleiner Raum für Sachen. Mehr braucht man hier zum wohnen nicht. Und rechts oben ein wunderbar ins Klischee passender Regenbogen überm Fale.
Die Temperaturen wechseln von tagsüber 32°C auf nachts 28°C. Das Wasser hat angenehme 27°C. Es wird auch in den nächsten Tagen nicht voller in dem Resort, da grade Nebensaison ist.
Kinnas, so lässt sich dis leben. Hütte direkt am Strand. Schön warm. Fast ganz für uns alleine. Kaltes Bier, Meeresrauschen, Sonne, extremst leckerer Fisch und sich wunderbar kümmernde Einheimische. Veit und ich können komplett nachvollziehen, warum die Kolonialherren damals keinen Bock hatten, irgendwelchen Stress anzufangen und die Samoaner zur Feldarbeit zu nötigen. Kommt einem hier einfach nicht in den Sinn. Nur eine Sache ist nicht mehr so wie früher. Wenn ich meinem Chef einen Brief schicke [gibt weder WiFi noch Handyempfang in dem Landesteil], dass ich noch etwas länger bleiben muss und er mir so lange doch noch etwas Geld runterschicken soll, sich das aber bestimmt bald für ihn lohnen würde, dann kann ich das Kuvert auch gleich direkt ans Arbeitsamt adressieren - so leicht wie der Kaiser damals, lässt sich mein Boss leider nich verarschen. Diese aufgeklärte, moderne Welt mit ihrem Internet und Flugzeugen hat eben doch auch Nachteile.

Der nächste morgen beschert uns klaren Himmel.

Am nächsten morgen beschließen wir schnorcheln zu gehen. Schon nach wenigen Metern fangen die ersten Korallen an. Wir schwimmen ein wenig parallel zur Riffkante und es ist erstaunlich wie sich alle paar Meter die Korallenwelt ändert. Große Gehirnkorallenberge, astige Korallenwälder. Wir sehen auch eine kleine Riesenmuschel, schwimmen kurz mit einer Schildkröte und entdecken haufenweise kleine und große Fische und Fischschwärme. Allerdings macht sich hier auch der Sonnencrememangel bemerktbar. Nach den drei Stunden habe ich den überlsten Sonnenbrand der mir die nächsten Tage noch ordentlich Freude und Hautfetzen bereiten wird.
Den Nachtmittag verbringen wir so, wie den davor, mit frische Meeresluft in Bierflaschen machen. Nach Sonnenuntergang räumen wir die Stühle vor in den Brandungsbereich und lassen uns die warmen Wellen um die Füße spühlen. Wir stellen fest, dass das ein wenig das Highlight des Urlaubs wird. Vielleicht nicht das Spektakulärste auf der Reise, aber irgendwie das geilste. Am Ende der Welt, mitten im Pazifik, am Strand, kaltes Bier in der Hand, außer den Wellen absolute Stille, endloser Nachthimmel und hin und wieder das warme Meereswasser bis zu den Knien hoch....

Gedicht des einfachen aber glücklichen Mannes:

"Wie lange ist's her,
ich freu mich so sehr,
die Füße im Meer,
das Bier ist gleich leer,
ein Neues muss her,
doch das fällt nich schwer,
denn es gibt noch mehr."

Zu Orientierung mal eine Karte... also bei mir auf'm Rechner geht das ja noch grade so mit der Auflösung... viel Spaß für die, die's mit'm Handy angucken Ü .... NW der Flughafen / N die Hauptstadt Apia / SW unser Resort [Faimafili] ... der Rest kommt dann im Laufe des Blogpost

Am nächsten Tag müssen wir dann doch mal nach Apia um endlich Sonnencreme zu kaufen, da unsere Reserven restlos aufgebraucht sind.

Marsch Richtung Hauptstraße mit [v.l.n.r.] der Resortmitarbeiterin, die Finnin, Veit mit dem finnischen Rucksack.
Da die Finnin ein Hostel für die Nacht in Apia braucht [sie will morgenfrüh auf die Nachbarinsel Savaii], brauchen wir erstmal Internet. Stellt sich als ziemlich kompliziert heraus. Bis wir irgendwann vor einer Bar ein paar nette Einheimische finden, die ihr einen Hotspot mit ihrem Handy aufmachen. Da wir vor einer Bar stehen, packen Veit und ich die Gelegenheit beim Schopfe und laden alle Anwesenden auf eine Runde Bier ein - so macht man sich überall auf der Welt Freunde. Die Einheimischen arbeiten nebenan und machen am kommenden Wochenende ihre eigene Bar auf und wir sollen unbedingt zur Eröffnungsfeier kommen. Klingt gut. Während wir weiter mit denen schnattern kommt Veit mit einem deutschen am Nachbartisch ins Gespräch... bzw. wird von dem Deutschen besprochen. Am Ende ist Veit echt erstaunt, weil er vorher noch nie einen so offenen Nazi kennengelernt hat. Ohne das Veit die Möglichkeit hat großartig zu Wort zu kommen, lässt der Altnazi ihn wissen, dass er damals ja noch Hitler persönlich mit 4 Jahren einen Blumenstrauß überreicht hat, es heute mit Deutschland den Bach runter geht und man Merkel am besten vergasen solle und da Veit ja auch so ein linksversifftes Gesindel sei solle er jetzt sofort seinen Tisch verlassen. Da es ziemlich fraglich ist, ob sich der ältere Herr auf eine gediegene, politische Diskussion zur akutellen Lage in Europa einlässt, gesellt sich Veit wieder zu uns.
Wir wurden inzwischen von den Einheimischen zum heutigen Rugbyspiel eingeladen. Das ist in Samoa ebenfalls Nationalsport. Fand ich gut die Idee, weil in Raro damals war ich das erste Mal in meinem Leben in einem Gottesdienst, da kann ich ja hier zum ersten Mal in meinem Leben in ein Stadion zu einem Spiel gehen.
Ich habe jetzt beschlossen, daraus eine Tradition zu machen. Jedesmal, wenn ich auf einer Südseeinsel bin, mache ich etwas, was ich sonst nie machen würde, aber eigentlich total stino is.

Sogar ordentlich Besuch im Stadion aber intelligenterweise nur auf der Schattenseite. Und mit Klischeeregenbogen.

Der Eintritt ist gratis. Wir lernen, dass wir jetzt Maroons-Fans sind. Allerdings haben sowohl der Gottesdienst, als auch das Spiel hier einiges gemeinsam: Ich verstehe die ganze Zeit nicht wirklich worum es geht, nach einiger Zeit wird es langweilig und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mir so'nen Quatsch nich nochmal antun muss.
Aber auch wieder interessante Sozialstudie. Eine der Einheimischen ist mit einem der Spieler zusammen, welcher der Cousin von der Resortmitarbeiterin ist, von der keiner in ihrem Dorf wissen darf, das sie grade hier ist, was aber nicht weiter schlimm ist, weil die Geschichte, die der Cousin am laufen hat irgendwie auch nicht ganz akzeptiert ist und so wird keiner den anderen verraten.

Da nicht alle vorne in den Jeep passen, mit dem uns die Einheimischen rum fahren, sitzen ich und die Barbesitzerin hinten auf der Ladefläche - Raro-Style durch die Gegend cruisen, hell yeah!

Dann geht's lecker essen und danach die Bars unsicher machen. Anscheinend haben die ein Problem mit irgendwelchen Drogen, weil die Securities passen die ganze Zeit auf, dass man ja nicht die Klotür zumacht. Mir relativ Latte, als Möchtegern-Kiwi habe ich kein Problem damit, halb in der Öffentlichkeit zu pinkeln.
Interessant auch die Fa'afafines. Wir waren hatten schon mitbekommen, dass Samoa für seine doch extrem krasse Religiösität scheinbar relativ tolerant gegenüber Schwulen ist. Habe dann später gelernt, Grund ist eine typisch samoanische kulturelle Eigenart. Wenn es in einer Familie nur Jungs gibt, bestimmt der Vater einen der Jungs, der die Rolle des Mädchen im Haushalt übernimmt und der Junge wird dann auch wie ein Mädchen erzogen - die Fa'afafines. Mit 16 darf sich der/die/das Fa'afafinchen dann aussuchen, ob sie eine Frau wird oder ob er ein Mann wird. Viele bleiben einfach Frauen, weil jetzt hat man schonmal damit angefangen - also warum jetzt umständlich umlernen? Insofern ist Samoa wohl eins der wenigen Ländern wo eher die Tradition Toleranz für Schwule übt.

Irgendwann geht es dann zurück ins Resort. Die Finnin hat beschlossen noch einen Tag länger in Apia zu bleiben, da Veit und ich ihr ein Mietauto bezahlt haben, wenn sie uns den ganzen Tag als Sober-Driver rumkutschiert. Immernoch billiger, als den ganzen Tag Taxi fahren und wir müssen uns wenigstens nicht übermäßig mit dem Gerstensaft zurück halten.
Am nächsten morgen holt uns also die Finnin früh im Resort ab und wir gehen auf große Inselerkundungstour die Südküste entlang.

Nach einigen Kilometern entlang der Südküste kommen wir in einem kleinen Nationalpark an [siehe Karte oben "Waldwanderung"]

Nach bereits wenigen Metern sind wir im tiefsten Dschungel

Die Bäume werden immer höher und mächtiger

Das Ziel der Wanderung: Ein heiliger oder zumindest besonderer Baum mit einem riesigen Wandwurzellabyrinth

Zu Größenvergleich mal unsere Fahrerin
Dann beginnt es zu tröpfeln und wird langsam immer, immer mehr. Wir warten noch kurz unter dem mächtigen Blätterdach des Baumes, aber irgendwann wird auch das undicht. Binnen kürzester Zeit sind wir komplett durchgeweicht. Also wickeln wir unsere Kameras in große Regenwaldblätter und tapsen durch die Pfützen zurück.

Zurück beim Auto gönnen wir uns erstmal ein Bierchen und versuchen ein wenig zu trocknen

Der Regen hört genauso schnell auf, wie er begonnen hat und die Fahrt geht weiter

Alles so, wie man sich's vorstellt auf Samoa

Auf einem Grundstück wird ein Hahn von einem Schrottmonster aufgelauert, lässt sich aber nicht weiter beeindrucken.

Wie schon gesagt, auch die Einheimischen wohnen in offenen Hütten, nur etwas größer als unser Fale. Aber muss ja schließlich auch die ganze familie reinpassen, wa?


Und das is der Garten zu der Hütte. Da kann der deutsche Schrebergärtner mit seinem kleinen Plastebrunnen aus'm Baumarkt einpacken. So muss das.

Wir chilln ein wenig auf der Wiese, genießen den Ausblick und gönnen uns noch ein gutes Vailima. In diesem Paradies kann Veit auch endlich mal seine Seele baumeln lassen und sein wahres Inneres zeigen. Wer könnte diesem feschen, jungen Mann wiederstehen?

Als sich die Sonne ans Untergehen macht, machen wir uns auf den Rückweg.

Zurück im Resort machen wir ein Lagerfeuer am Strand. Irgendwann schmeißt der Nachtdienst allerdings unsere Finnin raus, weil sie für die Nacht nicht bezahlt hat. Den Rest der Nacht haben Veit und ich ganz für uns zwei alleine und auch die nächsten Tage sollten wir die einzigen Gäste im Resort sein.

Den Tag nach der anstrengenden Autofahrt am Vortag verbringen wir mal wieder am Strand. Muss man sich ja auch erstmal ausruhen, von den ganzen Strapazen... wie z.B. dem ähmmm... also der krassen Wanderung zu dem Baum und ööööhhh... wir mussten ja mal statt Badehose eine richtige Hose tragen... anstrengend und stressig, dass alles so zu orgnasieren und dann auch knallhart durchzuziehen... jaja, is nich alles Gold da auf Samoa, ne?

Am Tag danach geht's nach Apia. Wir wollen uns jetzt selber ein Auto mieten um ein wenig mobil zu sein und die Insel zu erkunden. Also erst zu Nachbarbucht und von da aus die Straße inseleinwärts zur Hauptstraße

Die ärmeren Samoaner bauen ihre Fales aus Zigaretten... Muss man eben nur nach jedem Monsun eine neue Schachtel kaufen...

Das ist ein typischer samoanischer Garten. Sieht etwas verwildert und ungepflegt aus? Mitnichten: Das sind alles Nutzpflanzen...Ein Garten voller Kokosnüsse, Avocado, Bananen, Guaven, Noni, Papaya, Melonen, Anananen, Manusen, Gapapas, Fa'alamelas, Pamponen, Aluaten, Gampinen, Paranien, Namunten, Laguanen, Fanueten, Parumpen, Galuppen und Endorsinen... mindestens
Wir haben Glück. Vorne an der Hauptstraße angekommen, kommt just in dem Moment ein Bus. Also die Busse fahren hier soweiso wie sie wollen, aber auch wenn man im Resort rumfragt, wann z.B. der letzte in die Stadt fährt, sagt einem jeder was andres... Von 11:00 bis 14:00 war alles mit dabei...

Die Busse sind aus Holz und sehen von innen aus wie ein altes Segelboot. Der Fahrer sieht aus wie 80, hört aber Hiphop und so dröhnt die ganze Zeit irgendwas vom "biggest niggah in town" und "bitches" aus der Anlage ... Ü

Allerdings sind die Busse auch auf die Beinlänge des Durchschnittssamoaners ausgelegt.

Die Busse sind echt cool, mit ohne Fesnter und schön zum rausgucken und Fahrtwind spüren. Wenn ältere Leute einsteigen, machen die Jüngeren auf den vorderen Sitzreihen platz und die ganze Fracht wird von einem Gehilfen ein- und ausgeladen. Wir haben aber auch Glück, denn unser Bus ist nicht voll. In Samoa steht keiner doof im Gang, sondern alle sitzen. Und so soll man sich als Tourist nicht wundern, wenn einem ein Samoaner einen Platz auf seinem Schoß anbietet und andersrum gebietet es auch die Höflichkeit einem Samoaner seinen Schoß anzubieten. Probier ich nächstes Mal in Berlin...
Bevor wir unser Auto holen gucken wir nochmal in der Bar vorbei, wo am Freitag die Eröffnung sein soll [von den Leuten mit denen wir im Stadion waren]. Zum Glück, denn inzwischen ist sie auf Sonnabend verschoben. Hätten wir am Freitag schön doof dagestanden.

Tadaa, unsere Mietkarre für nächsten paar Tage am Resortstrand... müssen wir nicht mehr so weit vom Fale bis zum Wasser laufen... oder wenn wir mal auf die Toilette müssen

Am nächsten Tag geht's dann auf große Tour: Erst Richtung Norden, über Apia zur Ostküste und dann die Südküste zurück.

Alle Passagiere sind an Bord und sicher angeschnallt...

Mit der Kühlbox für's Bier is ganz witzig. Die ersten Tage hatten wir die nur über Nacht bekommen und tagsüber brauchte die Resortfrau die für die Blauarbeiter. Allerdings sind wir so gute Barkunden, dass sie uns den Kühlbehälter irgendwann den ganzen Tag zur Verfügung stellt. Das is mal Kundenservice. Generell muss man sagen, dass die sich in dem Resort echt so krass Mühe geben einem jeden Wunsch zu erfüllen. Auch immer wenn wir etwas fragen ist die Antwort: "Klar dürft ihr das. Ihr seid unsere Gäste, ihr könnt machen, was ihr wollt." Und sehr schön ist eben auch, dass man merkt, dass sie noch nicht hundert Prozent routieniert sind. Bei vielem merkt man, dass sie das erstmal garnicht so aus der Sicht des Touris sehen. Zum Beispiel rennt da auf dem Gelände ein total abgemargerter Hund voller Zecken rum. Bei Hundefreunden würde die arme Gestalt absolutes Mitleid erregen, wie sie das Ding denn nur fast verhungern lassen können. Bei Hundehassern nur absoluter Würgereiz wegen der ganzen wohlgenährten Zecken. Und auch die Dusche unter freiem Himmel läuft ewig nicht ab. Aber wir nehmen einfach die Frauendusche. Sind ja alleine. Und wenn eben mal was ist, was man höflich fragend anmerkt, wird das sofort gemacht und dann in Zukunft auch drauf geachtet.
Allerdings hat das Resort auch seine Schattenseiten. Die Arbeitsbedingungen sind echt hart. Sieben Tage die Woche arbeiten für ca. 80Euro Wochenlohn. Die Mitarbeiter werden ziemlich krass überwacht und teilweise ist das Alles-Ist-So-Wunderschön auch nur Kulisse. Aber das liegt vermutlich auch nicht mal an dem Resort, weil ähnliches kannte ich ja schon aus Costa Rica. Und wahrscheinlich wird es in den ganzen anderen Resorts der dritten Welt auch nicht anders sein.
Und trotzdem kümmern sich alle Mitarbeiter total reizend um einen. Es gibt auch einen Nachtwachschutz. Eigentlich gibt es in Samoa kaum Kriminalität, außer Gelegenheitsdiebstahl - logisch, sind ja nicht grade reich da. Und obwohl unser Fale offen ist, kommt von unseren Wertsachen nix weg. Handy, Geld, Pass... lag alles mehr oder weniger offen rum. Das einzige was weg kam, kann man nur bedingt als Wertsache bezeichnen: Zwei viel getragene kurze Hosen von Veit und später noch eine von einem weiteren Gast. Wir haben ja die Fa'afafines [die Mädchenmänner] unter den Bauarbeitern oder von der Bar unter Verdacht, allerdings sehen wir die nie mit Veits kurzen Hosen rumrennen. Meine Hosen fassen die Diebe komischerweise nicht an ... Geruchsprobe vielleicht vorm klauen? Ü

Veit will mal wieder ein bisschen links fahren üben...

...ich überlasse ihn den Platz am Steuer total bereitwillig und genieße die Aussicht auf die Nordküste Samoas...

...ich mein, ich muss ja auch nicht immer fahren, wa? Kann man ja ganz uneigennützig auch mal andere fahren lassen, ne?

Einer der kultigen Busse mit denen wir gestern unser Auto geholt haben

Erster Stop waren die Sliding Rocks - ein natürlicher Wasserfall, den man runter rutschen kann. Etwas landeinwärts neben Apia.

Der erste Teil sieht ganz schön hoch aus und hat dafür relativ wenig Wasser...

...ein Blick von unten bestätigt, den Verdacht, dass die erste Wasserstufe wohl eher geeignet ist um sich mal gepflegt alle Knochen zu brechen.

Etwas weiter unten sieht es dann mehr nach natürlicher Wasserrutsche aus..

Ich wage mich dann in die Fluten, während Veit eher noch skeptisch ist. Sieht alles von außen erstmal wieda alles einfacher aus, als wenn man dann wirklich im Fluss sitzt und sich trauen muss loszurutschen. Allerdings habe ich mich glückweise in eine ausweglose Situation gebracht. Das erste Stück führt in ein Wasserloch mit glitschigen, hohen Felsen links und rechts und somit muss ich weiter machen. Zu weit links hört das Wasser auf, zu weit rechts geht's steil runter auf einen großen Felsen drauf zu. Grade aus sieht zwar okay aus, aber irgendwie auch mehr nach Wirbelsäulenstauchung. Naja, wir sind ja nicht zum Spaß hier und mir bleibt sowieso nix anderes übrig. Extremst männlich und mäjästätäsch schreite ich zum Punkt ohne Wiederkehr und stürze mich unerschrocken in die Fluten.

Jippieee

Rutscht sich dann doch erstaunlich gut und unten wird man vom nächsten Wasserloch gebremst. Veit ist das dann allerdings doch zu blöde, bzw. er hat die Hosen voll... kann sich jeder selber aussuchen, was näher an der Wahrheit is.

Dann geht die Tour weiter Richtung Osten.

Man glaubt es kaum, aber es gibt doch ein paar Straßenausbesserungsbauarbeiter in Samoa. Die meisten Straßen sind mehr in einem Zustand, als wären sie seit der Kolonialzeit nicht mehr angefasst worden. Wir haben allerdings die Theorie, dass die drei Straßenarbeiter wohl die einzigen sind für ganz Samoa und sich hauptsächlich auf diese Ecke des Landes konzentrieren. Und natürlich sitzen 2/3 einfach nur rum Ü

Einfach ein paar natürlich Pflanzen ein wenig arrangieren und schon hat man mit kaum Aufwand eine wunderbare Straßenrandbepflanzung

Dann geht es von der Nordostküste durch's sehr bergige Hinterland Richtung Südostküste... Hier ist alles noch grüner als es soweiso schon ist... Fällt immer wieder auf: Wie krass grün Samoa ist

An der Südküste halten wir an einem weiteren Nationalpark mit Wasserfall. Eigentlich ist schon fast Schließzeit, aber da der Parkbewacher meint, wir müssen das unbedingt gesehen haben, macht er noch eine Ausnahme. Ich packe ein paar Dollar extra in die Spendenbox in der Hoffnung, dass das auch wirklich in den Park investiert wird. Und wenn nicht, dann gönne ich dem Parkwächter ja auch seine Bierchen.

Veit marschiert mutig voran.

Wieder krass große Urwaldbäume. Irgendwie hätte ich das auf einer Tropeninsel garnicht so erwartet... weiß auch nich warum

Wir entdecken ein seltenes Blattmonster, was sich im Unterholz versteckt

Nach einigem Überreden ist dann Veit auch mutig genug sich an die Kante des tosenden Wasserfalls zu stellen... also locker so beeindruckend wie Niagara und Iguazu zusammen, sage ich euch... min-des-tens

Auf dem Rückweg halten wir noch in einem Nobelresort und gönnen uns mal was Besonderes...

Einen Kanaken Cocktail... hmm lecker... auch Samoa nimmt es mit der politischen Korrektheit nicht ganz so genau. Ein anderes Highlight ist der Mongo-Mango-Saft aus dem lokalen Supermarkt.
Das Resort bewirbt sich selber weniger mit seinen noblen Unterkünften als mehr mit seiner mehrfach ausgezeichneten Küche. Wir probieren neuseeländisches Angus Beef Steak... und sie haben nicht zu viel versprochen. Habe schon ewig nicht mehr so ein geiles Steak gegessen. Also Essen ist ja fast immer und überall total lecker in Samoa, aber das Steak ist nochmal eine Klasse für sich.

Endlich mal ein Resort nach Veits Geschmack.

Nach dem ausgiebigen Armbrot geht's zurück...
Am nächsten Tag steht dann die Westküste auf dem Plan. [Siehe Karte oben "kaputte Straße"] ...Diesmal fahre ich. Und war der Zustand der Straßen im Rest des Inselreichs noch irgendwo befahrbar, sollte sich das hier im Westen schnell ändern.

...und Samoa hat mal richtige Furten. Ich liebe das ja schon in NZ da durch zu brettern, aber hier ist nochmal ein Schluck mehr Wasser zu durchqueren.

Irgendwann kommen wir nur noch im Schritttempo voran und man muss ewig weit voraus planen wie man fährt, da die Regenrinnen auf der Straße teilweise tiefer sind als unsere Unterbodenhöhe

Irgendwann ist es dann so schlimm, dass Veit aussteigen muss um zu navigieren, wie ich wo lang könnte. Zusätzlich geht es auch noch steil bergauf, also ist ganz oft zurück rollen nötig, neuer Anlauf, Karre bleibt auf dem rutschigen nassen Boden hängen, neuer Anlauf, Geräusche vom Unterboden, die der Vermieter besser nicht hören sollte, Holz und Steine zurecht schieben, um Spalten aufzufüllen... An einer Stelle kommt sogar ein Einheimischer an und hilft beim Weg finden...

Veit blickt in eine Erdspalte

Irgendwann ist die Straße dann wieder asphaltiert, aber irgendwie haben sich die Bauarbeiter mit dem Maßband vertan... die Straße sieht nicht aufgrund des Fotowinkels total miniaturmäßig aus, Nein, sie ist in der Tat etwas schmal geraten... Aber immerhin mit ordnungsgemäßer Straßenmarkierung und den allgegenwärtigen Schildern "Keep left of center line" ... Samoa hatte erst 2009 auf Linksverkehr umgestellt

Westküste

Aber auch Asphalt kann ausgewaschen werden und so muss Veit dann doch hin und wieder raus zum Straße inspizieren und mögliche Wege suchen... also die Löcher sehen auf den Fotos garnich so tief aus, aber Papi mit sei'm BMW wäre wohl schon ganz am Anfang umgedreht... Aber wozu schließt man denn bei einem Mietauto sicherheitshalber 3 Versicherungspolicen ab? =D

Irgendwann kommt wieder etwas Zivilisation und damit steigert sich die Straße wieder auf normales Samoaniveau... also Schlaglöcher, die man auch umfahren kann oder zumindest nicht mannstief sind.

Wir fahren in einen Minihafen [Siehe Karte oben "Inseltour"], parken unsere Karre und organsieren uns ein Wassertaxi zu einer kleinen vorgelagerten Insel. Der Taxifahrer schippert uns rüber und wird dort auch auf unsere Wiederkehr warten.

Wir haben nicht nur ein Wassertaxi passend zu Veits Farben ausgesucht, sondern man kann hier auch schön sehen, wie Veit über die Jahre seinen Kleidungsstil dann doch immer mehr an die entsprechenden Ziele angepasst hat. Zum Vergleich: Mexiko noch in Jeans im Boot, ca. in der Mitte des Posts...

Unser Ziel .... ... ... Namen vergessen... ... zu faul zu googlen... na irgendwas polynesisches eben... Valame'efaleole oder so

Häuschen am Wasser... Die Wissen wie man lebt... Armbrot schwimmt vor der Haustür... Badewanne ist auch nicht weiter als bei euch... Heizung brauchste nich... Und so'n Ausblick haste auch eher selten in Good Old Germany

Mystische Ruinen zwischen bewohnten Häusern... Irgendwie hat die Insel ein geiles Flair... schwer zu beschreiben... es gibt nix was wirklich herausstechend war, aber irgendwie geheimnisvoll


Es soll auf der Insel ein Restaurant geben, was wir aber beim besten Willen nicht finden können. Wir fragen uns ein wenig durch. Immerhin haben wir dadurch schonmal Wegbier. Werden aber immer hungriger. In einem großen Fale mit einigen Leuten und einem Schild "Kanuverleih" bekommen sie dann Mitleid mit uns und eröffnen spontan ein Restaurant.
Während unser Essen gemacht wird sollen wir uns vor das Fale ans Wasser setzen. Wir können in dem Moment nicht erkennen, ob wir gegen eine Faleregel verstoßen haben oder sie lediglich denken, es wäre doch schöner für uns am Wasser auf das Essen zu warten. Es gibt nämlich einige Regeln beim Betreten von Fales: Schuhe aus. Minimalstandard an bedeckter Haut. Nicht stehen, wenn ältere Samoaner sitzen. Nie Fußsohlen in Richtung von Leuten... haben wir eigentlich alles beachtet. Aber vielleicht ist der Grund, in dem Fale wird grade ein Samoaner auf historische Art und Weise tätowiert: Mit einem kleinen Hämmerchen wird ein in Tinte getauchter Holzstab in die Haut getrieben. Der, dem das Tattoo gestochen wird, liegt auf dem Boden mit Beißhölzchen im Mund und einige Leute hocken um ihn rum und halten ihn [fest?]. Ein anderer Samoaner wurde grade tätowiert und peitscht sich die ganze Zeit mit einer Gerte, um nicht kratzen zu müssen. Wir erfahren, dass die beiden Samoaner, die tätowiert werden, in Australien wohnen und extra für die Ganzkörpertattoos hier her gekommen sind. Das dauert insgesamt zwei Wochen. Jeden Tag mehrere Stunden da liegen und sich ein Holzstäbchen in die Haut kloppen lassen. Sich dann ewig selber auspeitschen, um nicht kratzen zu müssen. Und die machen wirklich den ganzen Körper, auch Oberschenkelinnenseite und so. Wir haben keine Probleme damit offen und ehrlich zuzugeben, dass wir dafür einfach zu weichgespülte Waschlappen sind und gucken uns lieber die putzigen Krabben an, die über die Steine am Bootsanleger huschen. Aber alleine schon das zu mal live zu sehen war echt beeindruckend.
Zum Essen werden wir dann ins Fale gebeten und die Köchin gesellt sich zu uns. Unser Mahl ist einfach, aber wieder total lecker... und günstig isses auch. Danach machen wir uns gut gesättigt auf den Rückweg. Unser Bootstaxifahrer wartet noch am Steg. Der Rest des Tages ist dann angenehm ereignislos... wir kommen immer mehr im samoanischen Lebensstil an.

Abends ist dann Kulturshow in unserem Resort. Inzwischen ist noch ein kanadisch-mexikanisches Päärchen und ein nach NZ ausgewanderter Südafrikaner da. Fünf Gäste also. Dazu fünf Resortmitarbeiter, nochmal 5 - 10 Zuschauer aus Faimafili Village, die aber auch alle irgendwie mit den Resortmitarbeitern verwand oder verschwägert sind und bestimmt 10 -15 Tänzer. Die Show ist streckenweise ganz interessant, nämlich dann wenn die Jungs tanzen, weil das ein wenig an die neuseeländische Hakas erinnert. Von den Mädels kommt, wie zu erwarten, so eine Art hawaiianischer Säuseltanz... reißt jetzt so'n alten Punker nich so wirklich vom Hocker. Teilweise müssen wir dann sogar mittanzen. Umso besser ist ein vielleicht 12-jähriger Junge, der einen übelst krassen Feuertanz hinlegt. Alter Schwede, sage ich euch - der hat's drauf [hat auch schon einige Preise gewonnen]. Aber man muss ihnen allen lassen, dass sie sich echt Mühe geben. Und das ganze nur auf Spendenbasis, also packen wir auch entsprechend was in den Spendentopf der am Ende da steht.

Am nächsten Tag ist Bareröffnung in Apia. Wir fahren nachmittags los, um die Karre wieder abzugeben und gehen dann schön Essen. Die Party in der Bar ist total genial. Irgendwann steigen wir von Bier auf Rum-Cola um. Erst mit doppeltem Rum, dann mal richtig mit Triple-Rum-Shot und am Ende, weil wir uns dann irgendwie schon ordentlich angeheitert fühlen, nur eine einfache Rum-Cola. Als der Südafrikaner damit zurück kommt, weiß er warum wir so schnell betrunken geworden sind: Die haben so einen Messbecher, der auf einer Seite einen Shot abmisst und auf der anderen Seite Doppelshots. Und die Barleute nutzen die ganze Zeit fröhlich die Doppelshotseite. Wir stellen also zwei Sachen fest: Sie nutzen sehr guten Rum in der Bar, weil wir nicht schmecken konnten, wie stark die Mische war und zweitens wir haben eben mal jeder 6 Schuss Rum weggesüffelt. Aber ich mein, besser so rum, als beschissen zu werden Ü


Am nächsten Tag [Unser Letzter kompletter] machen wir dann mal wieder gemütlich...

Da die Bauarbeiter zuvor ihr Gerüst abgebaut haben, fragen wir ob wir die Reste für ein Lagerfeuer haben dürfen. Dürfen wir...

Wir sammeln also fröhlich Holz ein...

Hacken es mit einer geborgten Machete klein...

Veit und der Südafrikaner sind ein wenig vorsichtig mit dem Kerosin, was wir zum anmachen bekommen haben... also scheitern sie daran, das Feuer anzubekommen... Musste also mal wieder ein überzeugter Hobby-Pyromane für Stimmung sorgen, sonst wäre das nie was geworden.

Das geilste Kino der Welt

Einziger Wermutstropfen: Irgendwann kommt noch die eine Resortmitarbeiterin vorbei. Veit hatte die Tage davor ein wenig mit ihr geschäkert und das endete dann damit, dass wir sie regelmäßig an der Backe hatten, Veit schonmal der ganzen Familie vorgestellt wurde und gleich noch ihre Schwester mit einem von uns [der Südafrikaner oder ich... O-Ton: "Wer eben verfügbar is."] verhairatet werden sollte. Das Gute war, damit die Mitarbeiter bzw. Fremde nachts ins Resort durften, mussten wir die Nachtwache schmieren, weil der sonst seinen Job verlieren kann, weil eiegentlich verboten. So sind wir ihre Schwester schonmal ohne Weiteres los geworden [einfach kein Schmiergeld geben] und irgendwann etwas später auch die Mitarbeiterin. Klingt jetzt vielleicht fies, aber wir wollten einfach nur'n schönen Männerabend mit Bier am Lagerfeuer haben - ohne heiratswilliges Weibsvolk.

Am nächsten Tag ging's dann leider schon zurück zum Flughafen... mit der Mitarbeiterin, die von Veit noch alle möglichen Kontaktdaten und Wiederkommensversprechen haben wollte. Langsam wird Veit das Ausmaß der Sache bewusst. Ich ziehe ihn die ganze Zeit damit auf, seinen Wohnort und Telefonnummer preis zu geben. Also zumindest ich habe meinen Spaß...

Veit in der Abfertigungshalle, im Hintergrund schon unser Flieger, aber die Panik steht ihm noch im Gesicht... So wirklich ruhig wird er dann erst in der Luft als man hören kann wie sich das Fahrwerk in den Rumpf der Maschine senkt.
Schöne Sache, sa'ick euch. Wenna also ma Lust habt, einfach ma auf so'ne Südseeinsel zu jetten, macht dit doch einfach. Kann ick nur empfehlen. Et wird nich meine letzte jewesn sein... Nur eben, wenn euch'n Einheimischer fragt, wo denn eure Freundin sei, sagt immer: "Meine Ehefrau sitzt zu Hause." Denn habta ooch eure Ruhe.