Am nächsten Morgen holt uns unser Fahrer wieder in dem Salzhotel ab. Zum Glück ist es wieder der gleiche Fahrer und wir sind jetzt nur noch zu fünft unterwegs: Eins der beiden Päärchen hat nur eine Eintagestour gebucht. So genau haben wir nicht verstanden was heute so alles ansteht, also lassen wir uns doch einfach überraschen. Bevor es losgeht, fahren wir noch einmal beim Haus von unserem Fahrer vorbei um unser Mittag abzuholen.
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Die Vororte von Uyuni wirken absolut trist und ärmlich. Überall Häuser mit hohen Mauern, fast alle im gleichen Stil. Staub-Matsch-Straßen. Keinerlei Geschäfte, Plätze oder irgendwas außer den Häusern.
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Dann fahren wir los Richtung Hinterland. Wieder betet unser Fahrer und tätschelt sein Auto, dass es auch diesen Tag überstehen möchte. Es geht hoch in die Berge, die die Salzpfanne von Uyuni umgeben. Schnell ändert sich die Landschaft. Unser Fahrer kommt hier auch aus einem Dörfchen in den Bergen, er kennt die Gegend also gut und so werden wir im Laufe des Tages neben den Standardtourisachen auch viele interessante, kleine Details über Land und Leute erfahren.
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Die Landschaft wird relativ bunt und grün... im Verhältnis zum Salar und drumrum.
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Wir schlängeln uns höher uns höher in die Berge. Irgendwann biegen wir von der Landstraße ab und fahren an einer Militärkontrolle vorbei. Dahinter befindet sich das Örtchen Pulacayo. Früher war hier mal eine riesige Silbermine. Heute ist nicht mehr allzu viel los, aber anscheinend immernoch genug, dass das Militär da aufpassen muss.
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Und das, meine Damen und Herren, ist die allererste Lok, die je ein Gleis in Bolivien befahren hat. Achtzehnhundertirgendwas. Echt putzig gegenüber den Stahlungetümern vom Eisenbahnfriedhof von Uyuni
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Das Haus gehörte Mal den Minenvorstehern, aber hier wurde auch irgendeine erste Republik oder so ausgerufen, weil damals war die Mine quasi auch das politsche Zentrum von Bolivien [damals noch spanische Kolonie], weil hier das ganze Geld gemacht wurde... sonst gab es scheinbar nicht viel im Land
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Heute scheint das Städtchen fast komplett ausgestorben. Nur hinter irgendeiner Tür hören wir etwas wie eine Schule oder einen Chor? Aber man sieht nirgends Menschen in den Straßen
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Auf den Hügeln über uns sieht man, dass einige Teile bereits komplett aufgegeben sind
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Hier gibt es auch einen Minieisenbahnfriedhof...
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...und einen Industriekunstskulpturenpark. Über dem Hausgiebel in der Mitte des Fotos ist auch zu erkennen, dass jemand auf dem Berg dahinter mit weißen Steinen(?) den Namen des Ortes in die Landschaft gemalt hat. Also irgendwas scheint hier doch noch zu gehen.... Oder ging mal
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Die Loks hier sehen mehr aus, wie aus einem Steampunkwestern
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Aber hier wird meine Frage vom Eisenbahnfriedhof in Uyuni beantwortet: Die portablen Stahlbunker sind in der Tat die Heizkessel... hier noch in der Lok
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Voll stylisch designt, die Lok
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Auch wenn der Ort echt trist is, so sind doch die Berge drumrum schön bunt
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...aus der Zeit als Wagons noch aus Holz gebaut wurden
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Die Drehscheibe erinnert mich an S Heinersdorf... jaja, die guten alten Tage, als der berliner Osten noch übersät war mit verlassenen Industrieanlagen
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Dann geht es weiter, immer tiefer ins Hinterland. Und auch wenn es so eine Art Grundthema gab, "wüstenartiges Bergland", war es doch erstaunlich abwechslungsreich. Jedes Tal war anders, jedes Mal wenn wir abbogen durch einen Bergkamm ergab sich dahinter ein erstaunlich anderes Bild, was Details angeht....
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Das ist Quinoa. Hier kein Powerfood, sondern Grundnahrungsmittel. Blühte da in allen Farben.
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Vicuñas. Mit Llamas verwandt, aber doch eine eigene Art. Die waren mal ziemlich vom Aussterben bedroht und sind daher heute geschützt. Scheint zu funktionieren, denn die standen da überall rum.
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Sehr wüstige Wüste...
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...mit ausgetrocknetem Flussbett...
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...dann da hinten durch die Berge schlängeln...
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...kurz davor wird die Wüste nochmal ordentlich grün [fast ein tropischer Regenwald]...
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... noch mehr Vicuñas mit Lagune im Hintergrund...
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...dann machen wir eine kurze Pause auf dem Pass...
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...endlose Weite vor uns ... also gut, die endlose Weite endet hinter der Lagune an den Bergen... also sagen wir einfach: ordentlich Weite
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...und ordentlich große Kakteen...
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...und eine erstaunliche Vielfalt an kleinen Kakteen... Also mal so echte Wüste, wie ich sie mir vorstelle...
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20 Bolivianos, wenn sich da wer runter rollt
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Leider nicht genug Zeit um auf die Bergspitze zu klettern
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Saftiges Hochtal
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...und dann wieder Wüste mit Vicuñas...
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...und Flussbett... wie vorhin, nur anders
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Hmmm, okay, ich weiß jetzt nicht, ob die Fotos das so wirklich rüberbringen, mit dem "voll vielfältig". Wenn ich mir die angucke mit den Erinnerungen an die wirkliche Landschaft, fällt mir das natürlich wieder ein, wie beeindruckend das war mit der Weite und so. Die Fotos an sich könnten aber auch monoton wirken? Vielleicht liegt das aber auch wieder daran, dass ich mit Wüste bisher nicht viel am Hut hatte [außer ab und zu auf Reisen]. Aber das ist echt so'ne Landschaft, da könnte ich ewig wandern gehen - die Größe, die Endlosigkeit, die Kargheit: Total Beeindruckend.
Dann halten wir an einem verlassenen Dorf an, wo früher einmal Leute gewohnt haben. Ist schon ewig her. Das scheint fast mehr sowas wie eine archäologische Stätte zu sein. Wobei hier die Zeit generell vielerorts anders zu ticken scheint, bzw. ganz stehen geblieben is. Also schwer da irgendwas zu schätzen, altertechnisch. Nicht viel Entwicklung hier, aber in der Wüste vergeht auch alles sehr langsam. Wenn ich mich richtig erinnere war die Beschreibung von unserem Fahrer, dass hier "abuelos" gewohnt hätten. Abuelo ist Spanisch für Opa. Aber es klang mehr so als würde er es für "Vorfahren" verwenden. Also keine Ahnung wann die Häuser gebaut worden sind oder wann sie zum letzten Mal bewohnt waren.
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Das Dorf liegt unterhalb einer Klippe mit markanten Steinbrocken, die man schon von Weitem sehen konnte... also zumindest einfach wieder zu finden, wenn man von der Kneipe nach Hause kommt und nicht mehr genau weiß, wo in der Wüste jetzt das zu Hause is
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Marie und ich haben es inzwischen fast zum Ritual gemacht, erstmal von der eigentlichen Attraktion weg zu laufen und das Drumherum zu erkunden, also steuern wir auf die Klippe hinterm Dorf drauf zu
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In der Tat führt da ein Weg immer weiter hoch. Wir sollen leider nicht erfahren, was da oben kommt, da auch hier die Zeit für eine ausgedehnte Wanderung nicht ausreicht
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vertseinerte Welle
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Seinen Bruder hatte ich jahrelang zu Hause. Hier hatte er also seine Wurzeln.
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Bunte Echse. Laut unserem Fahrer, dem ich meinen Fund total freudig zeige, handelt es sich hierbei um eine Echse, korrekt... Hmmm, er versteht meine Begeisterung nicht so ganz. Vamutlich so, als würde eim jemand in Berlin n Foto vonna Taube zeign und total bejeistat "Schicker Vogel" sagn
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Marie beschließt Schamanin zu werden
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In diesen Mauern wohnten früher die Vicuñas
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Die Häuser bestehen aus ordentlich dicken Steinwänden. Vermutlich Kälteschutz? Weil viel Holz zum Feuer machen gibt's hier nicht. Marie lässt den magischen Knochen und ihren Zauberstab für die nächsten Hexenanwärterinnen da ...rechts oben davon guckt auch noch ein heiliges Horn aus dem Gemäuer
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Hab ich euch eigentlich schon ein Foto von Vicuñas gezeigt?
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Oder von Landschaft?
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Das wohl einsamste Kind der Welt in dem Moment. Kein Dorf in Kilometern. Kein anderer Mensch zu sehen. Kein Vehikel. Nix. Nur Wüste und das Kind mit dem Fußball. Aber hey, vielleicht ist es auch nur alleine mit seinem Fußball und gar nicht einsam.
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Dann kommen wir in Tomave an. Hier gibt's Mittag. Und während unser Führer den Tisch für uns deckt, können wir uns gerne noch ein wenig umgucken. Dann säuft sein Auto ab. Wir überlegen eine Weile hin und her. Unser Fahrer meint, manchmal bräuchte sie einfach eine Pause. Wir bleiben also beim Plan, erstmal Dorf erkunden, dann Mittag und dann sehnwa ja, ob sie wieder will.
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Entgegen jeder Erwartung is das Zentrum von Tomave total rausgeputzt
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Und das Örtchen schien auch generell mal goldene Zeiten gehabt zu haben
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Wir schlendern ein wenig außerhalb
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...und machen dann einen Schlenker zurück
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Einige Teile des Ortes scheinen wirklich schonmal bessere Zeiten gesehen zu haben.
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Wiedermal kaum ein Mensch zu sehen, aber immerhin gibt es hier ein wenig Infrastruktur und Freizeiteinrichtungen [also damit meine ich dieses leere Stadion hier]
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Oha, es gibt Menschen hier... wie es scheint allerdings fast die einzigen
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Dann gehen wir Mittag essen. In einem kleinen Hinterhof hat unser Fahrer einen Tisch mit lecker Sachen hergerichtet. Scheinbar kann man hier entweder Essen bekommen oder man bucht einfach einen Tisch.
So ganz verstehe ich die Gegend noch nicht. Also es passt total in diese Wüstengegend, dass hier die Dörfer fast alle komplett verlassen sind. Diese fast ramontische Einsamkeit gepaart mit ein wenig Verfall und Erinnerungen an den Glanz alter Tage. Das ganze gebettet auf der Einfachhheit des allgemeinen Lebens hier. Aber dann wieder so kleine Highlights wie der total schöne zentrale Platz hier mit Kunst und mühevoll gehegt und gepflegt.
Das absolute Gegenstück zu den wirklich krassen Eindrücken vom Vortag mit den Highlights wie Salar und Eisenbahnfriedhof... eben die Touristenmagnete der Gegend. Aber Marie und ich finden, dieser Tag ist fast genauso speziell wie der gestern. Eben nur auf ein ganz andere Art. Beeindruckend und fremd und schön, aber irgendwie auch total ... ... bescheiden? Ich meine klar, wenn man durch das Salar fährt oder über den Eisenbahnfriedhof von Uyuni wandert, versteht man warum das weltbekannt ist und als ein "Muss" gilt, wenn man mal hier ist. Aber hier und heute? Wir würden es auf keinen Fall missen wollen. Eine eigene Welt - ein wunderbares Gegenteil zu gestern, aber ebenso.... ... beeindruckend... Ach, keine Ahnung, schwer das in Worte zu fassen. Vielleicht wird ja so halbwegs klar, worauf ich hinaus will. Und wenn nicht, auch nicht schlimm. Wir finden auf jeden Fall, dass die zwei-Tagestour echt sinnvoll war, weil sonst hätte uns was gefehlt an Erlebnissen, von dem wir nie erfahren hätten, dass es uns gefehlt hätte.
Wir haben auf unserem Spaziergang eine geschlossene Autowerkstatt gesehen, aber immerhin mit Handynummer draußen dran. Wir gehen erstmal mit unserem Fahrer zurück zum Auto. Das Fahrzeug macht es nochmal spannend aber springt dann endlich an. Ich weiß nicht ob es mir hier zum ersten Mal aufgefallen ist, aber die Benzinanzeige ist bei E. Hmmm, die nächste Tanke sollte sehr weit weg sein - hoffen wir unser Fahrer kennt sein Auto sehr, sehr genau.