Habe jetzt ein neues Hobby: Bier brauen.
Wahrscheinlich wundert sich der ein oder andere, warum ich damit nich schon früher angefangen habe. Ich mich auch - lag ja eigentlich auf der Hand. Aber ich muss sogar zugeben, dass ich nich mal selber drauf gekommen bin. Die Idee kam von Ansche. Als sie das so meinte fiel's mir wie Schuppen von den Augen: Nüchtern werd ich nie - Bierautarkie! [Ironie der Geschichte: Ansche kann mich besoffen eigentlich gar nich ausstehn - aber gut, bin ja auch weit genug weg =) ]
Also gut, kaum war ich zurück habe ich mir einen Brauereibedarf in meiner Nähe gesucht [gib's hier dank der Bierpreise ausreichend] und mein letztes Geld in ein Brau-Set investiert. Hatte dann nich mal mehr Kohle um am Montag die Miete zu zahlen - musste dann erstmal an mein Sparkonto ran um hier nich aus der Bude zu fliegen... Und die brauchte ich ja jetzt, kann ja das Bier nich in meiner Karre brauen.
Braukit, Heizplatte, Flaschen... und das alles für $170... sollen pro
Durchgang 23l Bier werden... 23l Bier kosten hier im Supermarkt locker
$110 - $150. Ergo habe ich schon fast nach einem Brau die Kohle wieder
raus.
Dann erstmal Braulocation suchen. Links der Schrank sollte wie das Haus von 1900 sein, hätte also schon mehr Stil als das Regal links aber links is Fenster und rechts Tür zum Flur... Außerdem kann man in dem Regal Zeugs unterstellen.
Das Set enthält alles, was man braucht. Alle Utensilien, Equipment, Reinigungsmittel, Desinfektionszeugs extra zum Brauen, Thermometer, Hydrometer, Hefe, Hefefutter, usw. usf. etc. p.p.
Links auf der Flaschenkiste sitzt mein Gehilfe und Oberster Brauleiter. Bei so einem Unterfangen braucht man ja schließlich professionelle Unterstützung.
Dann erstmal der lästige aber nötige Reinigungsprozess damit alles sauber und steril is. Vom Obersten Brauleiter ist während der ganzen Putzerei nix zu sehn.
Für passende Hintergrundbeleuchtung is auch gesorgt.
Links in der grünen Tüte is das Hopfen-Malz-was-auch-sonst-noch-Gemisch. Ein dicker Sirup und ein Blick auf die Zutaten bestätigt auch den verdacht, dass der erste Brau nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot ablaufen wird. Rechts in der Tüte is Brauzucker - das Futter für die Hefe. Die silberne Kondompackung in der Mitte enthält die Hefe. Unten links sind Monosaccharose-Bonbons - die machen am Ende die Kohlensäure ins Bier. Unten rechts sind die Beer Finings - die machen das Bier weniger trübe.
Inhalt der grünen Tüte im Fermentator...
...plus Hefefutter...
...mit 3l kochendem Wasser verrühren...
...bis auf 23l mit kaltem Wasser auffüllen...
...sieht zumidest schonmal aus wie Bier...
...quasi ein 23l Bierkrug mit Racheneinfüllhilfe - Genau mein Ding, wäre das Bier nich alkoholfrei. Aber das wollen wir ja ändern...
...also zeigt der größte Rührer aller Zeiten unter Aufsicht des Obersten Brauleiters seine Fähigkeiten...
Perfekte Temperatur um den geheimen Star der ganzen Aktion auf die Bühne zu bitten...
...Freund Hefe
Nochmal ordentlich umgerührt und denn Deckel druff...
Noch ist der Pegel im Siphon ganz ruhig. Doch das soll sich bald schon ändern.
So und jetzt heißt es, sich in Geduld zu üben... 5 bis 10 Tage dauert die Fermentation laut Anleitung.
Hmmm, man soll die Heizplatte nich zum Tiere wärmen benutzen, dabei saß der Oberste Brauleiter da die ganze Zeit mit seinem dicken Hintern drauf...
Die Anleitung zur Berechnung des Alkoholgehalts wurde definitiv von einem jugendlichen, deutschen Auswanderer-Hipster geschrieben... Nice my ass, alta! Grüße an Alex und Lars =)
Aufgrund der teilweise nur 4°C im Wohnzimmer reicht die Heizplatte nich aus um das Bier auf über 20°C zu halten. Daher noch eine Wärmeregulierungsdecke. ...und'n bisschen Deko für't Flair und so, wa?
Home Brewing und Craft Beer Kultur sind ja hier voll in... hab dann von 2 Leuten gehört, sie haben selber gebraut und es aber ziemlich schnell aufgegeben, weil die Ergebnisse total widerlich waren. Hmmmm, also entweder können die das einfach nich, oder es is nich so einfach, wie es die Verpackung verspricht. Beides möglich, wird sich dann wohl später zeigen.
5 Tage später. Die Temperatur blieb immer zwischen 20°C und 23°C - also perfekt. Dann das erste mal die Specific Gravity [SG] gemessen. SG is quasi eine Dichteangabe der Brühe und daran kann man ablesen, ob die Fermentation fertig is. Oben seht ihr das Hydrometer im Bier schwimmen. Je weiter es rausguckt, je dichter die Brühe, je weniger Futter hat die Hefe bisher gefuttert. Irgendwann is aber alles von der Hefe aufgemampft und mein Hefendefäkationsprodukt fertig.
Mein Hydrometer is ziemlich deppensicher: Wie ihr seht, steht da Bier. Und wenn da Bier steht, isses Bier - logisch, wa? Also seht ihr hier Bier.
Allerdings is mir hier ein kleiner Fauxpas unterlaufen. Ich hätte die SG schonmal am Anfang messen müssen, um den Alkoholgehalt zu ermitteln. Der lässt nämlich aus der Dichtedifferenz [Anfang ggü. Ende der Fermentation] ermitteln. Jetzt weiß ich zwar, dass ich Bier habe, aber nicht ob Alc-free, Light, Beer-Bier oder Strong Ale... Muss dann also später im Selbstversuch Pi-Mal-Daumen ermittelt werden.
Das Bier, was zum Ermitteln der SG abgezapft wurde, wird natürlich nich weggeschüttet, sondern verkostet und obwohl es noch 2 Wochen Reifezeit braucht, 22°C warm is und noch keine Kohlensäure hat, schmeckt es schonmal gar nich so schlecht. Nicht zu süß, fast etwas herb, aber noch relativ sauer-fruchtig, was dem ganzen eine leichte Cider-Note gibt.
Das is nich mein Bier, sondern kommt in mein Bier: Die Finings machen die trübe Brühe etwas klarer. Wenn ihr nochmal das Bier in dem Messbecher anguckt, seht ihr ja, dass das so'n bisschen nach Spree-im-Hochsommer aussieht.
Finings reingekippt und nochmal 2 - 3 Tage warm stehen lassen.
Dann geht's ans Abfüllen. Der Oberste Brauleiter meint, er könne nich helfen ["Arme zu kurz"]... Und wieso ich überhaupt Brewer's Haustierflaschen geholt habe. "Bier aus Plasteflaschn, alta, kannste ja gleich zu Penny gehn, Kolleje, allet nô grade bei Dir?" Ich erwähne nich, dass ich auch schon von Seiten der Heimatfront Anschiss für den Kauf von Kunststoffgefäßen bekommen habe, wegen Umweltschutz und so. Der Oberste Brauleiter neigt zu spontan-radikalen Gesinnungswandeln wenn's ihm grade in die Agenda passt und so'n kleinen grünen Terrorvogel brauch ich wirklich nich in meinen Vier Wänden. Da ist mir sein natürliches, braunes Federkleid doch lieber... Ich gelobe aber Besserung und ab demnäxt auf Ploppflaschen umzusteigen.
Wieder das gleiche Spiel wie ganz am Anfang: Erst reinigen....
...dann desinfizieren. Dann in jede Flasche 2 Monosaccharosebonbons für die Kohlensäure. Und das ganze 30 mal. Beschließe, anstatt Ploppflaschen, in Zukunft auf Fässer umzusteigen.
Dann der letzte Schritt... 30 x 0.75l ...
...der Oberste Brauleiter guckt zu, dass auch kein Tropfen daneben geht.
Tadaaaaaaaaaa... meine ersten beiden Bierkästen aus eigner Produktion. Schönet Ding! Jetzt noch 2 Wochen Reifen lassen and then let's get this party started.
Zum Glück ist nach dem Abfüllen noch etwas Bier im Fermentator... so ca. 3 Gläser zum verkosten.
Optischer Check....
...Geruchsprobe und denn weg damit. Total gesittet natürlich. Die 3 Tage Reifung haben in der Tat das Bier schon etwas milder und weniger sauer gemacht... Na denn mal gucken, wie's nach der Reifung is....
Also gewartet.... ....Braucht schließlich Zeit so'n Bier.... Dubidu... Nix überstürzen, wa? .... Damdideidadu... .... ....Geduld is Brauers Tugend... Hmmhmmmhmhmm .... schallallallllallllaaaallallaaala..... Schön die Füße still halten.... tralala.... Einfach nich hingucken, dann denkt man auch nich dran... Beschließe dann mit dem Obersten Brauleiter man kann ja auch schonmal nach 1 1/2 Wochen kosten...
Also Flasche über Nacht in Kühlschrank.
Hab den Obersten Brauleiter noch nie so nervös gesehn... tippelt die ganze Zeit von einem Fuß auf den anderen...
Deshalb gieß ich ihm zur Beruhigung erstmal ein Bierchen ein.
Mir auch natürlich auch eins.... kann ja nich alleine trinken, der Oberste Brauleiter... was soll'n die Nachbarn denken, ne?
Jetzt endlich kalt, mit Kohlensäure und relativ klar.
Will grade mit ihm anstoßen, der hat er schon seinen Schnabel im Glas... typisch Kiwi - keine Trinkmanieren
Laut geräuspert, böser Blick - Reicht zum Glück: Prost!
Und ich bin echt begeistert... relativ herb, kaum noch sauer... echt lecker... und Alkohol scheint's auch zu enthalten. Schädel macht's auch nich - alles Paletti...
Ein wirklich gelungenes Pale Ale mit bereits leichter Lagertendenz.
Es gibt auch noch Fotos vom weiteren Verlauf des Abends, aber der Oberste Brauleiter und ich haben nach Sichtung des Materials beschlossen, es nicht zu veröffentlich, sonst könnte hier der falsche Eindruck entstehen, wir hätten das alles nur zum Spaß gemacht.
- Epilog -
Namensgebung und wie geht's weiter
Ansche hatte ja gefragt, ob sie am Gewinn beteiligt wird, wenn ich dann groß ins Bierbraubusiness einsteige. War ja schließlich ihre Idee. Als Ex-Ossi, der schon in jungen Jahren in die Fänge des grauen, kalten Turbokapitalismus gestoßen wurde, habe ich natürlich nur herzlich gelacht. Allerdings hat sie mir dann das Versprechen abgerungen, wenigstens eine Sorte nach ihr zu benennen, wenn ich irgendwann Bierkaiser von NZ bin.
Das gilt auch weiterhin, aber da man ja nie weiß, ob man auf dem Weg an die Spitze der Bierbrauerunion nich doch irgendwann mit einem Dolch im Rücken aufwacht, habe ich beschlossen als kleinen Vorschuss schonmal den ersten Brau ihr zu widmen:
~ Ansche Ale ~
Hatte kurz auch "Pale Ansche" überlegt, aber dann befürchtet, dass ich dafür mindestens n bösen Blick ernte... =)
Bin am überlegen alle weiteren Brews ebenfalls nach weiblichen Personen in meinem Umfeld zu bennen. Bis ich einmal durchs Alphabet durch bin und mein eignes Brauphabet habe....
Ansche Ale
Beate Bräu
Cornelia Craft
Diana Draught
Evelin Edel
Frieda Feinherb
Gregors großartiges Gesöff
...und so weiter, mir fällt grade niemand mit H ein.
Hatte allerdings ja nun schon öfters Ideen, die ich für völlig unbedenklich hielt, die dann aber auf wenig Gegenliebe gestoßen sind: "Bitte? Du willst n Bier nach mir benennen? Jeht's noch? Nich mehr alle Latten am Zaun, wa? ....und denn sitzte Abends mit deim komischen Vojel da und denn schwadronierta rum, dass Gertrude am Anfang ja noch ziemlich sauer war, aber jetzt ja reifer is, wodurch die weicheren Züge mehr zum Vorschein kommen - ein schöner Entwicklungsprozess bei der Gertrude...."
Also wenn da wer Einwände hat, einfach sagen....
Beim Blick auf die Namensliste is mir aufgefallen, dass die Zunamen auch schön einen guten Brauplan ergeben:
A wie Anfangen nach Anleitung zu brauen – erstmal rausfinden wie das mit dem Brauen überhaupt geht [Ale is ein gutes Anfängerbier, einfach zu Brauen]
B wie BroBieren was was wie beeinflusst – alles genau messen und kontrollieren [mal gucken, was ich da zusammenbraue]
C wie Cucken, das man das Bier nach eigenem Wunsch hinbekommt – mit den Parametern rumspielen [erstes wirkliches Craft Beer]
D wie Dämliches Flaschengeputze durch ein Fass ersetzen [auf Draught Beer umsteigen]
E wie Endlich mal ein gutes
Lager/Norddeutsches Pilsner brauen – sich mal an vernünftiges Bier wagen
und evtl. schon nach deutschem Reinheitsgebot
F wie Friesisch herb – Irgendwas zumindest in Richtung Jever hinbekommen
G wie Guter Geschmack ist keine Glückssache mehr – Ab jetzt wird Ernst gemacht
Na mal gucken... ich halte euch auf dem Laufenden, in diesem Sinne: Prost!