07 Mai 2026

Aruba - Flucht in die Karibik - Teil 2

Aruba hat einen kleinen Nationalpark - Arikok. Da sollte man dann sehen können wie die Insel aussieht, wenn man die importierten Palmen und hingebauten Häuser mal wegnimmt. Da kann man auf einer Seite mit dem Auto rein fahren, sich da einmal durchschlängeln und kommt dann auf der anderen Seite weider raus. Also schonmal vorne weg: Ich habe ja in meinem Leben schon ein paar große Kateen geseen, die in der Landschaft steen und leicht im Winde ween und auch trotz Trockenheit nicht vergeen...

 

...aber das da war dann doch echt beeindruckend

Der Südosten der Insel ist nicht nut weitläufig und stachlig sondern auch erstaunlich hügelig


Mother of all cactuses, .... ...hollari, hollari, hollarooo

Wir wandern da so rum und verlieren uns immer mehr auf irgendwelchen Seitenpfaden...

Und irgendwann bringt Veit es auf den Punkt: "Ich war noch nie in einem Wald aus Kakteen." ... und da fällt es mir auch auf. Wenn ich sonst in so trocknen Gegenden war, standen die Kakteen entweder viel weiter auseinander, oder es war alles viel niedriger. Aber hier wandeln wir wirklich durch einen echten Wald aus stachelbewehrten Gewächsen


Und je nach Hanglage wechselt sich das Flair auch immer ein wenig. Der Grundtenor bleibt, aber manchmal wird es etwas lichter, dann auch wieder dichter...

Und auch eine erstaunliche Vielfalt unsrer stachligen Freunde

Anderswo besteht das Unterholz aus Farnen, Blaubeergestrüpp oder Kawakawabüschen. Hier hingegen aus Sukkulenten, die schon weitem klar machen, dass sie ihr Wasser ungerne Teilen. Und wenn man in einem polnischem oder norwegischem Wald besoffen vom Weg abkommt und sich dann ins Moos rollt ist das ja noch ganz lustig... hier sollte man seine Grenzen kennen

Und so fahren wir gemütlich von Haltebucht zu Haltebucht und erkunden, was die Natur Arubas zu bieten hat


Nicht nur Kakteen sondern auch traumhafte Buchten. Allerdings mit einem Schild versehen, auf dem in ganz vielen Sprachen "Niet Zwemmen" steht... und wenn sie in Aruba mal was auch auf Holländisch hinschreiben, sollte man es vielleicht doch ernst nehmen. Aber "Niet zwemmen", heißt ja nicht, dass man sich nicht in Badehose mit einem Bier in der Hand in die ordenltiche Brandung setzen darf. Inzwischen schenken wir dem Schild auch glauben, weil die Strömung zieht selbst hier schon ordentlich raus

Määh


Früher bevor die Kolonialisten kamen, gab es auf Aruba auch mal eine Einheimische Bevölkerung. Ein Ableger des Stammes der Arawak, die hierher auswanderten und es schafften durch eine vermutlich seeehr nachhaltige Lebensweise und eine seeehr fischhaltige Ernährung den doch nicht ganz lebensfreundlichen Bedingungen etwas abzuringen und überlebten hier einige Jahrtausende. Aber gerade diese Bedingungen sollten sich später als halbwegs "vorteilhaft" erweisen. Da die Spanier, die hier vor den Holländern waren, die Inseln als "unbrauchbar" einstuften, weil es kein Gold gab und man nix anbauen konnte, wurde Aruba nicht besiedelt. So wurde natürlich auch hier ein Großteil der Einheimschen versklavt und verschleppt oder von den Pocken dahingerafft. Aber dank des allgemeinen Desinteresse an der Insel, überlebten doch ein paar und so finden sich heute in der Sprache und im sehr bunten Genpool von Aruba noch eingermaßen Anteile der Arubaarawak.

Meinte ich nicht im letzten Artikel die Arubaner sprechen Spanisch? Jain, nicht ganz, wie ich im Laufe der Zeit gelernt habe: Genaugenommen sprechen sie Papiamento. Das ist eine Kreolsprache aus hauptsächlich Spanisch, etwas Portugiesisch, einer guten Portion Arawak einem Hauch Holländisch und Afrikanischer Sprachen. Da mein Spanisch jetzt aber sowieso keine hohe Kunst ist, hätte ich nie den Unterschied zwischen Papiamento und Spanisch erkennen können und so klappt die Verständigung manchmal und manchmal eben auch nicht so gut...


Höhle mit Blick aufs Meer? Is schon geil...

...besonders, wenn sie dann noch fette Dachfenster hat


Irgendwo in diesen Höhlen soll es auch noch Zeichnungen der Ureinwohner geben. Wir finden sie nicht. Hauptsächlich weil wir das vorher gar nicht wussten oder wieder verdrängt hatten.


Okay, wer sich jetzt innerlich immernoch darüber aufregt, dass ich eingangs wegen des Wortspiels mit den Kaktehen die ganzen "h" geklaut habe, hier habt sie zurück h h h h ...zum ausschneiden und oben selber einkleben


Da der Ausgang des Nationalparks Richtung Süden geht, beshließen wir den Süden der Insel etwas mehr zu erkunden...

Richtig chillig cruisen

Die Ölraffinerie von Aruba


Ich hatte ja schon erwähnt, dass viel des für karibische Verhältnisse hohen Lebensstandarts von den Ölfeldern vor der Insel herrührt. Aber nicht nur das: Bis vor kurzem hatte Aruba auch noch nebenbei venezolanisches Öl raffineriert - oder zumindest einen Teil davon(?). Das Foto oben ist nur ein Teil der gesamten Anlage - gefühlt zieht die sich endlos hin, während wir weiter Richtung Süden fahren. Allerdings stehen seit der Entführung von Maduro durch Trump die Anlagen still. So werde ich einige Tage später von meinem Tauchguide lernen, dass deshalb viele Einheimische nicht gut auf Trump zu sprechen sind. Nicht nur, dass er unnötig Unruhe in die Region bringt, man wegen ihm besser nicht mehr allzu weit aufs Meer rausfährt, wenn man nicht weggebombt werden will, nein, jetzt nimmt er den Arubanern auch noch die Arbeitsplätze weg. Hmm, is dann wohl doch langsam an der Zeit, dass man hier mal Wind und Sonne raffiniert: Gibt's hier schließlich endlos.


Lecker Meeresmittag mit Meeresblick


Dann geht's weiter zum Boca Grandi Strand.... [oder war das alles schon einen Tag später und wir wieder im Süden???]... Und das Foto hierüber Meeresfrühstück? ... Wir werden es nie erfahren... und das ist ja auch ein gutes Zeichen: Urlaubsmodus - Go with the flow - One happy island [Leitmotto von Aruba]


Schick.... und in der ganzen großen Bucht keine zehn Leute

A beautiful tradition, started in the magnificient island of Samoa and now conquering the world: Campingstuhl in die Brandung stellen und bei einem Bierchen auf's Meer starren


So verbringen wir dann unseren Nachmittag...


...kleiner Spaziergang zwischendrin zur Abwechslung

...und das geilste: Genau hinter uns is der Knast. Wie gemein - wahrscheinlich läuft im Knastfernsehen nur die ganze Zeit ein Livestream vom Wachturm Richtung Strand: "Guckt mal Freunde der Sonne: Wäret ihr brav gewesen, könntet ihr jetzt da drüben chillen, mit den Füßen im erfrischenden Nass." Ich könnte mir vorstellen, dass das wirkt


Irgendwann geht es dann zurück Richtung Unterkunft


Riesige Öltanks auf dem Gelände der Raffinerie


Auf dem Rückweg müssen wir in Oranjestad plötzlich riesige Umwege fahren, weil die ganze Innenstadt abgesperrt ist und überall sind Menschenmassen unterwegs und wir sehen hier und da geschmückte Trucks. Nanü? Was haben die denn vor? Wir googlen nach der Ankunft zu Hause "Event Aruba heute" und siehe da genau heute ist Nachtkarnevalsumzug in Oranjestad. Okay? Sind wir also zufällig genau über Karneval hier. Goil. Wir stapeln ein paar Balashi in den Rucksack und laufen Richtung Innenstadt. Alles gerappelt voll, überall Mucke...


Ein Kofferraum voll mit Boxen und dahinter noch mehr fette Anlagen

Immerhin auf der Paradestraße kann man sich noch druch Stadtzentrum bewegen: Rechts und links davon ist alles besetzt und belegt.. Teilweise privat, viel aber auch von Restaurants oder so... Alle Stühle Richtung Straße und scheinbar alles ausgebucht. Gefühlt ist die ganze Insel auf den Beinen


Irgendwann finden wir eine Ecke wo noch Platz ist und praktischerweise auch gleich ein Bierstand daneben


Die Parade wird von aberwitzig Kostümierten in bunt leuchtenden Autos angeführt

...dann folgen Bands...

...Tänzer...


...und tanzende Bands.


Und so geht es ewig. Um mich rum tanzen erstaunlich wenig Leute mit. Die meisten gucken oder filmen mit ihren Handys. Sollen sie doch: Ich tanze - wie oft landet man schon auf einem karibischem Karneval?


...der nächste Tag ist dann auch entsprechend langsam - das letzte Balashi war wohl schlecht.


Daher hier einfach nur ein Foto von einem Vogel


Einen Tag danach gehe ich das erste Mal seit Jahren wieder tauchen. Ich habe mal wieder das Glück, dass außer dem Guide sonst keiner weiter mit dabei ist. Wir fahren noch vor Sonnenaufgang los, weil er den ersten Tauchgang direkt mit Sonnenaufgang machen möchte. Viele Sachen habe ich vergessen und muss mich von dem Tauchlehrer nochmal einweisen lassen. Also das faktische Wissen. Als ich dann mit ihm unter Wasser bin, bin ich dann doch sehr erleichtert, dass anscheinend das motorische Wissen nicht weg ist. Irgendwie fällt einem unter Wasser alles wieder auztomatisch ein. Druckausgleich, Auftrieb regulieren, Tankdruck checken. So schön mal wieder hier unten zu sein.

Mein Tauchguide ist allerdings auch etwas ungehalten. Nicht mir gegenüber - zu mir ist er super nett. Aber er hat von einem Kumpel an einer Tankstelle ein Foto bekommen. Von einem Druffitypen, der versucht hat an der Tanke dem Tankstellenwart Tauchequipment zu verkaufen. Leider kannte der Tankwart eben meinen Guide und wusste daher, dass bei meinem Guide vor kurzem eingebrochen wurde und eben jenes Tauchequipment geklaut wurde. Noch blöder für den Typen, weiß mein Tauchguide auch wo er den Typen finden kann. Und bei den Ausführungen meines Tauchguides merke ich ziemlich schnell, dass ich jetze echt nicht in der Haut von dem Druffi stecken möchte. Weil in Aruba ruft man bei sowas nicht die Polizei, die macht da sowieso nix. Also wird da noch selber angepackt.... wortwörtlich.


Mittag gibt's dann wieder in unserer Lieblingshafenbar


Den letzten Nachmittag und Abend verbringen wir einfach wieder an dem Strand in der Nähe unserer Unterkunft. Noch einmal ordenltich Sonne tanken, bevor es zurück ins kalte, mistige Europa geht....


Das Wetter ist auf unserer Seite

Und die Ölbohrplattform ist in den Tagen hier immer mehr zu einem Ruhepol geworden. Tagsüber liegt sie die ganze Zeit ruhig im Meer, wie ein Fels in der Brandung und nachts funkeln die hellen Scheinwerfer wie ein Leuchtturm - hat was

Entweder ist das Foto zeitlich verrutscht oder wir hatten noch einen Tag am Strand... aber das ist dann doch mal ein weietres gutes Zeichen, dass wir weiterhin im Urlaubsmodus sind: Man lebt so fröhlich in den Tag und weiß garnicht mehr welcher ist und macht in aller Ruhe das, wonach einem ist


In der letzten Nacht schüttet es wie aus Eimern. Oder war es sogar nur am letzten morgen? Na jedenfalls, wie üblich in Gegenden mit wenig Regen, ist nach einem ordentlich Guss erstmal alles überschwemmt


...und die meisten Autofahrer waten entsprechend vorsichtig durch das Wasser, da die Straßen auch nicht zwigend eben sind - was man jetzt nicht mehr sieht


Wir betrachten die Autofahrer, bis plötzlich einer mit vollem Karacho die Straße runter brettert. Man sieht nicht so wirklich viel von dem Auto, außer zwei riesiger Fontänen. Dann verändert sich irgendwie die Form der Fontänen und das Geräusch. Wir beobachten, wie sich das Auto anfängt quer zu stellen bis es sich einmal fast um eigene Achse gedreht hat und nun rückwärts die Straße runter schlittert bis *BÄÄM!* es final an einem Laternenpfahl stoppt. Der obere horizontale Teile der Laterne kippt in sich zusammen...


Das Foto ist von etwas weiter weg aufgenommen, aber bestimmt erkennt ihr den eingedellten Kotflügel und rechts hinter der Palme vielleicht auch den jetzt schiefen Laternenpfahl


...da der Autofahrer mit seiner riesigen Fontäne den Unfall quasi angekündigt hat, haben auch einige der umstehenden Leute und bestimmt auch der anderen Autofahrer die ganze Show komplett miterlebt. Alle halten inne und gucken. Einer der Bauarbeiter auf dem Gerüst neben mir kommentiert das Geschehene nur mit "Maricón.". Irgendwann steigt der Fahrer aus und betrachtet die Situation. Weiterhin beobachtet von allen Anwesenden. Nach einiger Zeit fließt der Verkehr weiter und wir ziehen auch weiter Richtung Frühstück. Aber trotzdem eine echt tolle Show - Veit und ich sind begeistert. Und das Schöne ist, man fühlt nicht mal wie einer dieser widerlichen Gaffer, wenn der Akteur vorher mit allen Mitteln auf sich aufmerksam macht und dann so einen krönenden Abschluss darbietet.

 

Und wenn da jetzt irgendwer einwenden möchte, wie ich mich in NZ immer bei Überflutungen, beim Furten von Flüssen oder jeder größeren Pfütze verhalten habe, dem möchte ich entgegenbringen, dass ... ... also ... äähmm ... Oh, guck mal, da, ein Eichkater.


Ihr erinnert euch noch im letzten Blogeintrag an das Foto in meinem blassesten Zustand seit über einem Jahrzehnt? Nach 10 Tagen Karibik sehe ich wieder normal aus und hebe mich, wenn auch nicht geistig, aber zumindest farblich vom Gartenmobiliar ab. Eventuell könnte der Rotstich im Gesicht noch etwas bräuner werden, aber sonst doch wieder ganz gut hergestellt


Auf dem Weg zum Flughafen dinieren wir zum letzten mal in unserem Hafenrestaurant und da wir diesmal woanders sitzen entdecken entdecken wir eine interessante neue Art der Trinkgeldverwahrung:


Der komplette Innenraum ist mit echten US-Dollarnoten tapeziert... hier und da auch ein paar andere Scheine, aber hauptsächlich tausende Dollarnoten... nur so als Datenpunkt was eure Reserven in Fremdwährung noch wert sind.


In mehreren Schichten an Decken und Wänden... und keiner macht Anstalten, das abzupopeln

Wie sagten schon die alten Arawak: "...dann wirst auch Du merken, dass man Dollarnoten nicht trinken kann."

Adios Aruba

Das war mal wieder ein echter Traumurlaub. Viel gesehen und erlebt, aber alles total entspannt. Sonne, relaxed, Meer, gechillt, Natur, angenehm, Leute, gemütlich. Die Insel hat es nicht nur als Motto und sodern sogar in großen Buchstaben im Passstempel stehen: "Aruba - One happy island." Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen.

 

Aber das allergeilste kommt zum Abschluss. Rückflug ist an einem Freitag den 13.. Am letzten Freitag der 13., an dem ich geflogen bin, hatte ich mir ja fast direkt nach Ankunft [auf Rarotonga] eine Blutvergiftung eingefangen, die ich aufgrund mangelnder mediziner Erfahrung [höflich verklausuliert] zwei Wochen mit mir rumgeschleppt hatte, ganz zum Missfallen der Ärzte [gelinde gesagt].

Ich kann die Geschichte hier nicht mit allen Hintergrunddetails erzählen, aber wen's interessiert, der kann ja nachfragen. Das Flugzeug ist im Anflug auf Amsterdam. Es berührt die Landebahn und macht dann einen weeeiiiten Sprung. Relativ sanft zwar [ich hatte schon schlimmer], aber dafür eben noch nie so weit. Beim Abbremsen gucke ich wie immer auf die Flügel und so halb bewusst registriert mein Gehirn, dass einer der Spoiler nicht draußen ist. Wer nicht weiß, was Spoiler sind, guckt mal auf dem Foto hierrunter: Da steht oben auf dem Flügel eine Klappe hoch. Beim Abbremsen sind davon im Normalfall alle oben, um die Luft zu verwirbeln. Und genau die, die auf dem Foto oben ist, war während des Abbremsens unten. Nicht total beunruhigend, aber wenn man von Berufs wegen die meiste Zeit seines Lebens mit Flügeln zu tun hatte, dann fällt das schon auf. 

Zum zu viel Grübeln komm ich gar nicht, weil am Ende der Landebahn gehen zwei oder drei superheftige Rucke durch das Flugzeug - so wie wenn ein BVG-Busfahrer mal wieder einen schlechten Tag hat oder jemand vorm Bus spontan die Straßenseite wechselt. Ich dachte ja immer das "Liebe Fluggäste, bitte bleiben Sie angeschnallt bis wir am Gate sind", sei hauptsächlich psychologischer Natur und für Notfälle, aber ein Glück, dass alle noch brav saßen. Dann kommen wir auf der Landebahn zum stehen.

 Das ist nun wirklich komisch. Landebahn blockieren macht man eigentlich mal so garnicht. Nicht nur weil, dass einen belebten Flughafen wie Schiphol [bzw. letztendlich die blockierende Airline] ordentlich Kohle kosten kann, wenn da Starts und Landungen verschoben oder abgebrochen werden müssen, sondern man ist auch auch ein Sicherheitsrisiko. Irgendwann bekommen wir dann auch noch Besuch...

 

Oben auf dem Flügel: Spoiler #5 ist oben, obwohl er unten sein sollte und war bei der Landung unten, obwohl er oben hätte sein sollen... und dann noch Besuch von einigen Autos... ebenfalls unüblich auf einer Landebahn


Der Pilot meldet sich: Wir hätten Öl verloren und können deshalb nicht selber zum Gate fahren. Da kommen jetzt ein paar Fahrzeuge an und schleppen uns ab. Über die Flughafenfeuerwehr sollen wir uns keine Sorgen machen, das wäre völlig normal, wenn wir da Öl auf der Landebahn verteilen.

 Aha! Das erklärt dann auch den/die nicht-funktionierenden Spoiler [ich konnte ja nur einen Teil sehen]. Dass ein Teil der Spoiler noch funktioniert, liegt daran, dass es mehrere Ölsysteme im Flugzeug gibt, die unterschiedliche Spoiler antreiben. Idee dahinter ist, dass ein Flugzeug mit ein paar Spoilern weniger noch ganz brauchbar fliegt. Ganz ohne Spoiler wird es langsam haarig. Ist also eine Sicherheitsmaßnahme und soll so.

Und am Ende konnten wir nicht lenken und selber zum Gate fahren, weil das nicht überlebenswichtig ist. Scheinbar wird die Lenkung vom Bugrad von dem Ölsystem angetrieben, welches jetzt nicht geht.

Ich gucke was Flightradar dazu sagt:

 

Okay, wir stehen am Ende der Landebahn und auch wenn der Pilot probiert hat, die Kurve nach rechts zu kriegen, ist er schon fast an der Abfahrt vorbei und wir haben inzwischen mindestens 7 Freunde vor Ort [die grauen Vierecke sind alles Flughafenfahrzeuge]
 

Ordentlich Zeit vergeht. Zum Glück hat Schiphol noch zwei weitere Landebahnen parallel und jetzt drängeln sich alle anderen Maschinen da. Also haben wir zumindest Schiphol nicht komplett blockiert.

Irgendwann meldet sich der Pilot wieder und erklärt ein wenig was gerade passiert. Und dabei rutscht ihm folgender unglücklicher Satz raus "Ja, wir wissen nicht, wie lange das hier noch dauert. Wir verlieren immer noch Öl und wir kennen uns mit den Prozeduren nicht so genau aus ... Haha, aber das ist ja auch gut so. Passiert nicht so häufig." Also klar, mit "wir" meint er allerhöchstwahrscheinlich nicht sich selbst explizit, sondern will nur nicht mit dem Finger auf das Flughafenpersonal zeigen, was nicht jeden Tag leckende Flugzeuge an Tow-Cars koppeln muss, aber ich hoffe doch mal inständigst, dass er seine Prozeduren kennt. Auch wenn sie selten auftreten - in der Luft kann er nicht so lange überlegen und abwägen.

Ich stelle mir aber amüsiert vor, wie da unten die ganzen Kollegen stehen und irgendwie das leckende Flugzeug an das Tow-Car bekommen sollen und jeder hat irgendwelche guten Vorschläge, wie man das jetzt da ran knoten/binden/schrauben/klöppeln könnte. Ich hätte gerne das Gespräch live gehört... zumal auf Holländisch :)

Nebenbei lasse ich meinen Chef wissen, dass bald Arbeit kommt und ich ganz heiße Infos dazu habe... weil so ein Vorfall auch für uns Arbeit bedeutet. Jeder Vorfall im Flugbetrieb wird nämlich auf Abnormalitäten untersucht, oder ob eben alles wie erwartet lief. Und das geht dann an die Luftfahrtbehörde. Sicherheitsmaßnahmen. Weil sowas muss ein Flugzeug ja abkönnen, aber wir wollen sicherstellen kein Fehlerszenario übersehen zu haben.

Nach einer Stunde haben sie es geschafft und es geht los Richtung Gate...


Viel Landebahn war nicht mehr... Aber immerhin mal Aktion für die Flughafenfeuerwehr... Also zumindest "Ausrücken und Bereit sein"

 

Am Gate sehe ich dann auch was das Problem war beim Abschleppen war:


 Das Tow-Car nimmt ja normalerweise das Bugrad in sich auf, zwischen die Hinterräder. Aber oben seht ihr ja, das ging nicht und die mussten da hinten so eine Konstruktion ranbauen, an die sie dann irgendwie das Bugrad angebunden(?) haben. Genau über dem Bugrad seht ihr ja vielleicht die Klappe auf der ETOPS steht. Die is auf, wenn das Bugrad draußen is, und zu wenn es drinnen ist - logisch. Links davon ist ja noch eine größere Klappt. Und die ist normalerweise nur in dem Moment offen, während sich das Bugrad rein oder raus bewegt und sonst immer geschlossen, wegen Luftwiederstand und damit da nicht so viel Wasser von der Landebahn reinspritzt. Da die Klappe aber auch nicht überlebenswichtig ist, wird sie auch nur von einem Ölsystem angetrieben - anscheinend von dem was ausgelaufen ist. Also konnte sie nicht geschlossen werden, also konnte uns das Tow-Car nicht einsammmeln, also mussten die Kollegen vom Bodenpersonal kreativ werden.

So für die Nerds unter euch, die schon Hydraulikschematik vom A330 offen haben: Passt das zusammen? Spoiler #5 [plus evtl andere weiter innen] geht nicht, Bugradlenkung geht nicht und Spritzschutzklappe geht nicht? Ich weiß nicht genau, ob ich die Antwort darauf hier posten darf, aber so viel:

 Ich bin einfach nur hin und weg. Wie aus dem Handbuch der Luftfahrtsicherheit - ich zitiere: "Luftfahrzeuge sind so zu konzipieren und auszulegen, dass wenn dann da doch ma die Kacke am dampfen is, dit Ding trotzdem halbwegs jeschmeidig erst runta und dann zum stehn kommt. Der Rest is ejal." Okay, gucken wir mal:

1) Öl weg [ = Kacke dampft]

2) wichtige Systeme haben Sicherheitsnetz [ = Lande sanft]

3) wenn Gefahr abgewehrt ist, mach am besten nix mehr [ = Problem nicht verschlimmern]

Einige Kollegen waren dann auch schon ein wenig neidisch, dass ich praktisch erleben durfte, was wir die ganze Zeit theoretisch machen.

Ich hatte mich ja vorhin ein wenig über die Kommunikation des Piloten lustig gemacht wegen dem "keine Ahnung von den Prozeduren". Vielleicht sollte ich noch gerade rücken: Im Großen und Ganzen war die aber echt gut. Er hat nicht schon beim Landeanflug für Unruhe gesorgt mit für die Passagiere unrelevanten Infos über ausgefallene System: "Het Oel - alls naar de Kloote! Het wer dodelig!", er hat uns danach auf dem laufenden gehalten und den Sachverhalt erklärt und die Situation entschärft indem er darauf verwieß, dass z.B. die Feuerwehr nur als Vorsichtsmaßnahme da ist. Und mit seinem holländischen Dialekt, klang das sowieso alles nicht ganz ernst zu nehmen oder gar bedrohlich. =)

 

Ergo, fliegen ist sicher - bisher nur eine Behauptung meinerseits, jetzt auch bewiesen. 


29 April 2026

Aruba - Flucht in die Karibik - Teil 1

Mein erster deutscher Winter seit über einer Dekade zeigte sich ja von seiner besten Seite mit ordentlich Schnee und Eis über eine durchaus beachtliche Zeitspanne. Also haben Veit und ich beschlossen: Das ganze dunkel, kalt und widerlich hält ja kein Mensch auf Dauer aus: Wir wollen Sonne, Strand und Meer. Also haben wir ein wenig recherchiert, was das erfüllt, wo man unkompliziert hinkommt und sind dabei über Aruba, Bonaire und Curacao gestolpert: In Curacao war Veit schon und Bonaire kommt alphabetisch nach Aruba, also fiel die Wahl auf Aruba.  [Den Rest des Karibikalphabets machen wir dann einfach in den kommenden Jahren] ... Irgendwie scheint alphabetisch bei mir der bevorzugte Reisestil zu werden: Letzte große Reise war ja auch Argentinien-Bolivien-Chile. 

 

Egal: Arschkalter, dunkler Februarmorgen und Abschiedssekt am BER - dann rein in Flieger, kurz umsteigen in Amsterdam raus aus'm Flieger, et voila: 27°C, Sonne und Palmen: 



Aruba war mal niederländische Kolonie und ist jetzt ein gleichberechtiges Land im Königreich Niederlande [wusste ich vorher auch nicht, dass das Land Niederlande und das Königreich Niederlande zwei unterschiedliche Dinge sind]. Also habe ich den Taxifahrer versucht mit meinem makellosen Holländisch zu beeindrucken. Irgendwie war er aber gar nicht so beeindruckt. Später beim Armbrot in einem kleinen einheimischen Restaurant habe ich dann auch rausgefunden warum: Alle Straßen und Orte haben zwar holländische Namen aber die Arubaner sprechen Spanisch. Vermutlich hat mich das Taxifahrer für einen arroganten Kolonialherren gehalten, der sich nicht mal bemüht "Danke" oder "Hallo" in der Landessprache zu lernen. Teilweise kommt man auch mit Englisch zurecht wegen der ganzen US-amerikanischen Touristen, aber Holländisch hilft nicht viel. Hmm, also werde ich mich die nächsten Tage bei der Morgenlektüre am Pool wohl erstmal damit auseinandersetzen, wo wir hier überhaupt sind...

 

....in Aruba offensichtlich

 

Da wir relativ spät abends angekommen sind, ist es nach dem Abendbrot bereits komplett dunkel. Nichts desto trotz haben wir noch T-Shirt-Wetter und sitzen bei einem leckeren arubanischem Rum aus dem Duty-Free und köstlichem einheimischen Balashibier am Pool und sinnieren darüber wie mieserabel es jetzt wohl in Deutschland sein mag

Seit über zehn Jahren war ich vermutlich nicht mehr so kreidebleich [das Foto ist bei meinem ersten Sonnenkontakt nach meinem ersten deutschen Winter aufgenommen]


Den ersten Tag beginnen wir mit einem ausgiebigen in-den-Tag-reingammeln mit Kaffee in der Morgensonne am Pool - umso besser: Keiner weiter da. Irgendwann wechseln wir in den Schatten, weil die Sonne dann doch warm wird: Sehr schön, der Plan dem Winter zu entfliehen geht auf. Generell scheint Aruba eine sehr gute Wahl zu sein: Es weht fast immer ein angenehm warmer Wind, der verhindert, dass es zu heiß wird, aber trotzdem friert man nicht ohne T-Shirt. Mücken gibt es so gut wie gar nicht. Regen ist wohl relativ selten. Irgendwann haben wir genug rumgegammelt und beschließen auf eine Erkundungstour zu gehen. Schnell merken wir, nicht nur das Wetter is voll angenehm, sondern auch die Arubaner an sich: Das Leben hier ist klischee-karibisch, entspannt und entschleunigt... Autofahrer winken einen über die Straße wenn man rüber möchte, keiner labert einen zu und viel Kriminalität soll es auch nicht geben, da es der Insel wirtschaftlich relativ gut geht im Verhältnis zu einigen anderen Karibikinseln.


...eine alte Kühltruhe als Blumentopf. Ein erster Hinweis auf wenig Regen aber später mehr zur Fauna

Auch irgendwie typisch: Ein Hinterhof mit Autos, allem-was-man-irgendwan-noch-brauchen-kann, glücklichem Geflügel und wucherndem Grün zu Verschönerung

Im Stadtzentrum von Oranjestad, der Hauptstadt von Aruba, finden sich auch noch einige alte Kolonialbauten...


... und kleine aber feine Parks mit ordentliche großen Palmen, die im Wind wedeln

Allerdings macht dieses ganze Rumgelaufe doch sehr durstig. Im Hafen entdecken wir dann eine zwar etwas touristische aber direkt am Wasser gelegene Bar, The Paddock, und Ordern uns erstmal ein paar Balashi und dazu etwas zu Essen.


So lässt's sich leben ...besonders wenn in Europa gerade Minusgrade sind und man da zur Maloche müsste - da schmeckt das Bierchen gleich nochmal ein wenig besser


Also Stadt ist ja ganz schön, aber da fehlt ja noch was für so'ne Karibikinsel. Strand. Bei der Suche nach Unterkünften fiel bereits auf, dass sie entweder etwas im Inland sind oder sinnlos teuer oder irgendwelche Touristenkomplexanlagen. Also hatten wir uns letztendlich für eine Unterkunft in der Stadt entschieden, die fußläufig von eingen kleinen Stränden war.


...und zu meinem großen ertsaunen, war an dem Strand nicht viel los - kaum jemand da, obwohl mitten in der Hauptstadt.

...wir setzen uns hin und entdecken am Horizont eine Ölbohrplattform vor der ein Militärboot patroulliert


Aruba liegt nur 25km nördlich von Venezuela und einige Wochen vor unserer Ankunft meinte Trump er müsse mal eben Maduro kidnappen während er parallel vermeintliche Drogenboote in der Region wegbomben lässt. Aruba geht es wirtschaftlich relativ gut, weil sie auch Zugriff auf die Ölfelder in der Region haben. Hoffen wir einfach mal, dass in Trumps Weltkarte Aruba nicht eingzeichnet ist. Und Veit und ich würden einfach nicht zu weit raus schwimmen. Damit sollten wir die Chance, da unnötig ins Fadenkreuz zu geraten, hoffentlich ausreichend reduzieren.


Hier auf Aruba geht das Leben seinen gewohnten Gang, trotz der großpolitischen Lage direkt vor der Haustür: Die Muschelsammler sammeln Muscheln, die Krebsfischer fischen Krebse und die Pelikane hoffen, das was für sie abfällt

Die Pelikane stürzen sich vor uns aus großer Höhe ins Meer, verschlingen dann die Beute, so sie Jagdglück hatten und trocknen sich danach direkt vor uns auf den Felsen ihr Gefieder... Also erst eine Show bieten und dann mit uns am Strand chillen - sympatisch, so'n Pelikan

Dann spazieren wir weiter

Turnstones, oder zu deutsch Steinwälzer. Heißen so, weil sie am Strand rumtippeln und die ganze Zeit Steine umschmeißen, um darunter Fressbares zu finden ... ich bin ja immer begeistert, wenn Dinge sinnvoll benamt sind - warum heißt ein Pelikan Pelikan und nicht z.B. Fischschluck... dann wüsste man gleich woran man ist, wenn man einen sieht


Abends essen wir wieder bei unserem kleinen Restaurant, El Tio. Also "Restaurant" ist wohl etwas übertrieben. Es ist mehr das arubanische Äquivalent eines Dönerladens mit ein paar Tischen. Die meisten Gäste [außer uns nur Einheimische] holen sich ihr Essen nur ab und essen zu Hause. Die Bedienbsteten sprechen nur Spanisch, was ja erstmal kein Problem ist - so weit reicht mein Spanisch noch. Allerdings werde ich erst immer irgendwas zurück gefragt zur Zubereitungsart. Da die Begriffe höchstwahrscheinlich arubanisch sind, habe ich sie noch nie gehört. Es dauert eine Weile, bis wir herausfinden, was was ist. Aber hungrig sollen wir El Tio nie verlassen.

Das Essen in Aruba ist durchaus vorzeigbar: Viel Fisch - gebraten, gedünstet, kreolisch zubereitet. Ich kann nicht genau beschreiben, was eigentlich kreolisch ist, aber vielleicht auch gerade weil es eine Mischung aus euopäischer, lateinamerikanscher und afrikanischer Küche ist. Wenn ihr mal die Chance habt. Probiert einfach :) ... Dann gibt es noch ganz viel Meeresgetier. Und bei mir geht die Meinung darüber ja ein wenig auseinander, aber Aruba war mal wieder ein Ort wo es meist echt toal lecker war - vermutlich weil alles total frisch aus dem Meer gesammelt wird und da einfach hinpasst. Für zwischendrin Küche mit lateinamerikanischem Einfluss: Empenadas, und anderes frittiertes Gebäck gefüllt mit Käse, Schinken und so weiter.


Am nächsten morgen beim Kaffe am Pool ist da plötzlich eine Barke mit Touristen am Horizont


In Anbetracht der nicht allzu ausladendenGröße der Insel kommen da doch eine nennenswerte Flugzeuge Richtung Flghafen angeflogen. Aber noch heftiger sind die Scharen von Touristen die im Hafen ausgeschüttet werden von den riesigen Kreuzfahrtschiffen. Entsprechend wird auch die Innenstadt von Oranjestad von vorwiegedn US-Amerikanern bevölkert. Allersings konzentrieren sie sich auf die Straßen rund um den Hafen und werden vermutlich noch ein wenig über die Insel gekarrt. Aber dann ist die Insel doch wieder groß genug, um dem Trubel entfliehen zu können und sich dem lässigen Karibikflair hingeben zu können. ....und das obwohl oft gleich mehrere der echt massiven Ozeankreuzer in Reihe im Hafen liegen.


Hier was historisches von Aruba... ein äähmm ... ja also, das ist so ein ganz historisches Dings... hier, öhmmm... Na jetzt habt ihr's zumindest auch mal gesehen

Entwerfen ein Kolonialherr, ein Holländer und ein Karibianer ein Haus...

Die Straßenbahn fährt leider nicht mehr... also evtl ab und zu für Touristen. Muss schon cool gewesen sein in den good ol' days

Jooaahhh... wissen wir jetzt auch, was der Arubaner von der Polizei hält.

...und nur einen Steinwurf von der alten Polizeiwache entfernt wieder putzige Altstadt

Vor lauter Erschöpfung kehren wir in einem französisch-karibischem Café ein, weil wir uns nach der ausgiebigen Wanderung unbedingt ein wenig stärken müssen... Hach, das Leben kann schon hart sein

Das kleine Boot vorne [was eigentlich auch voll groß ist] ist so ein alter Ocean Liner. Veit und ich bekommen total Lust damit durch die Karibik zu cruisen, bis wir erfahren dass der Scientology gehört und die darauf irgendwelche Kurse für irgendwelche höheren [oder zahlungskräftigeren] Sektlinge veranstalten

Frangipani ... bitte betont italienisch [inklusive Handgeste] aussprechen .... ich habe die letzten zehn Jahre bei den Kiwis andauernd dieses grausame Frändjipäni ertragen müssen, dabei gibt es ja wohl kaum einen cooleren Blumennamen


Da die Insel doch um einges größer ist, als z.B. Hiddensee, der öffentliche Personennahverkehr nicht so gut ausgebaut wie in Mexicostadt, Taxis teurer als in La Paz und trampen nicht so üblich wie in Rarotonga, beschließen wir uns ein Auto zu mieten. Wir suchen uns einen preiswerten Anbieter raus. Die Kommunikation läuft erschreckend kompliziert online und per Telefon und dann müssen wir 2h bis fast zum Flughafen laufen. Die Strecke ist nicht wirklich schön, aber dafür umso heißer. Wir kommen völlig verschwitzt bei dem Autovermieter an. "Ja, nee, also ohne Kreditkarte können Sie das Auto nicht mieten." Auch der riesige Stapel Debit-Kreditkarten den wir ihm angeboten haben, konnte ihn nicht überzeugen. Also ist ja nicht so mein Metier, aber immerhin habe ich jetzt endlich mal gelernt, was der Unterschied zwischen Kreditkarte und Debit-Kreditkarte is: Mit einer bekommt man einen günstigen Mietwagen in Aruba und mit der anderen nicht.

Liegt aber scheinbar nicht an der Gehässigkeit des Vermieters oder daran, dass wir nicht komplett vertraunswürdig wirkten, sondern scheint ein klassischer Fall von "Computer says 'no'". Also steckt er uns in ein fast nobles Shuttle Taxi, was uns gratis zum Flughafen bringt. Nicht damit wir das Land zu verlassen, sondern laut dem Vermiter gäbe es da ja noch andere Vermieter, wo wir noch mal unser Glück versuchen können. Okay, versuchen wir. 

In NZ war ich mit einem Anbieter ganz zufrieden, der auch hier eine Dependance hat. Und in der Tat reicht hier eine Debit Card, so lange wir Supersonderrundumvollkaskoversicherungsschutz nehmen. Durch den Supersonderrundumvollkaskoversicherungsschutz können wir uns das Auto nur noch 4 Tage anstatt der geplanten 8 leisten. Immernoch besser als gar kein Auto - also nehmen wir es.

 

Der Westen der Insel ist der wettergeschütztere Teil, der daher auch weitaus mehr besiedelt und erschlossen ist. Der Osten soll hingegen erheblich rauer und wilder sein. Und da wir jetzt mobil sind machen wir eine Tour in den Osten.


...und in der Tat: Raue Korallenfelsen mit tosender Brandung

Nicht nur an der Küste stehen kann gefährlich sein, sondern auch auf der Küste, wenn sie denn obgrund der ewigen Brandung langsam wegerodiert

Das obligatoische Rückspiegelfoto

Wenn ich das richtig verstanden habe, war die Bucht zwei Fotos weiter oben mal der berühmte Felsbogen, den sich früher die Touristenmassen angeguckt haben. Der ist dann eingestürzt, aber inzwischen hatte der Meer schon den hier vorbereitet. Also konnten die ganzen Schilder, die auf den Bogen hinweisen, stehen bleiben, weil sie logen ja nicht und waren jetzt nur etwas irritierend, was die genaue Richtung am Zielort angeht... alternative Geschichte: Die Schilder waren schon immer irritierend und es gab nie einen größeren Bogen

Ihmchen und seine abermilliarden Korallenfreunde habe hier im Laufe der Zeit die Küste gebaut

...und das ewige Spiel Korallen gegen Erosion. Ich vermute die Arubaner haben ein gewisses Interesse am Schutz der pussierlichen Gewächse

In Aruba Auto fahren ist genauso gechillt, wie das restliche Leben auf der Insel


Am nächsten Tag ging es in den Norden der Insel.

Unser Kumpel Chris hatte uns, als ich ihm von Aruba erzählt habe eine Fischbude mit guter Bewertung raus gesucht. Da Veit und ich Chris seine Touristenführerskills nicht aberkennen und als verlässlich gelten wollten. Sind wir da hin. Das Ding war in dem Abschnitt der Insel ein gutes Stück nördlich von Oranjastad wo ein riesiger Hotelkomplex neben dem nächsten steht vor einem künstlich aufgeschüttetem Strand. Egal, also erst ewig einen Parkplatz gesucht. Fast alle Parkmöglichkeiten hier waren reserviert für Hotelgäste. Aber irgendwann finden wir einen Parkplatz hinter einer großen verlassenen Shopping Mall


Keiner da.. alles verfällt... Ein Lost-Place inmitten dem Meer aus Hotelburgen


Irgendwann gelangen wir zwischen zwei Hotels durch, vor zum Strand an dem sich Liegestuhl and Liegestuhl mit Palmenblattschirm reiht. Gru-se-lig. Es gibt da auch ganz viele Fressbuden - alles auch eingermaßen "Schick" aber eben voll auf Massentourismus ausgelegt. Das Essen bei der Fischbude ist in der Tat auch ganz lecker, aber leider dürfen wir uns auf keine der Liegen am Strand setzen, da sie alle nur für Hotelgäste verfügbar sind. Also sitzen wir in einem tristen Betonverbau hinter dem Strand und verzehren unser Mahl. In dem Verbau gibt es neben einigen harten Bänken auch noch eine Eiswürfelmaschine und eine Luftmatratzenaufpustmaschine. Die Eismaschine macht schon ordenltich Radau, aber die Luftpumpe ist ein Kompressor, der dieses schmerzhafte, penetrante Zischen von sich gibt. Regelmäßig kommen Hotelgäste und füllen ihre Becher mit Eis *klacker-klacker* und befüllen ihre Schwimmringe *ZZZSCHSCHZZZZCHCHCHSCHSCHZZZZSCHSCHZZZZZCHZZZZZZZZ* ..... *ZZZSCHSCHSCHZZZ* .... ..... *ZZSCHZZ* .... *ZSCH* *ZCH*. Ein Traum.

 

Dann geht es weiter in den hohen Norden. Überall wird auf den Leuchtturm im Norden verwiesen, also gucken wir da hin: 


Jupp, ein Leuchtturm: Check!

Weiter geht's...


Awww, wie in Neuseeland, wo man mit dem Auto auch überall hin fahren kann um nur keinen Meter laufen zu müssen



Im Norden gibt es ein Naturschutzgebiet. Das wollen wir nach dem ganzen Rumgegurke mit der Karre erkunden.


So, wie man sich eine Karibikinsel vorstellt: Kaktus an Kaktus


Und die Palmen? Jib's nich... Von Natur aus wachsen hier keine Palmen. Die in Oranjestad oder neben den Hotels sind alle eingeschleppt für die Touristen und müssen künstlich bewässert werden. Hier im Süden der Karibik herrscht offensichtlich ein sehr trocknes Klima. Dafür gibt's hier aber auch keine Hurricane. Das bisschen Regen, was sich mal hier her verirrt, versickert schnell im porösen Korallenboden.


Von daher, gibt es hier die wunderbare Kombi aus Kaktus und Meer


Der perfekte Ort zum Kakteen kosten...

...und Blowholes betrachten. Wo sonst auf der Welt gibt es diese wunderbare Komposition?



Das coole an dieser auf den ersten Blick scheinbar kargen Gegend ist, dass sich nach einiger Zeit darin rumwandern unser Fokus auf die schier endlosen Details und Muster in den Korallengeröllfeldern richtet...

...und all die Überreste ehemaligen Lebens, was nun diese Insel baut. Wir verbringen eine gefühlte Ewigkeit in der Ecke des Naturschutzgebiets und entdecken immer wieder neue, spannende Kleinigkeiten. Schön mit Zeit und Muße zu reisen.

Aber irgendwann wird es Zeit sich von diesem Schauspiel zu verabschieden

...zurück landeinwärts, vorbei an kleinen...

...und riesigen Kakteen


Dann bringen wir die Karre zurück zum Haus. Auf dem Weg noch lecker Fisch in einem peruanischen Restaurant. Dann unsere Stühle geholt. Kühles Balashi von unserem Minimarkt um die Ecke und ab zum Strand...


In der Ferne bleiben die Touristen alle auf den Booten. Keine Ahung warum, aber besser für uns. Hier kommen zwei, drei Touris und ein paar Locals her, aber sonst keiner...

Läuft

Mit Sonnenuntergang machen auch die Pelikane langsam Schluss für den Tag

Und genau im richten Moment ein Segelboot


...joah, kann man nicht anders sagen: Geiler Auftakt. Gerade wenn man bedenkt, dass während all der Zeit tiefster, mistigster WInter in Europa war. ... Teil 2 folgt in Bälde