27 Dezember 2009

Nach-Weihnachts-Post


So, das Fest ist vorbei und ich bin grade damit beschäfftigt meinen Praktikumsbericht zu schreiben - spannend, dit sa'ick euch! Eigentlich wollte ich ja die Woche irgendwo hinfahren und meinen Bericht in der tiefsten Pampa schreiben. Aber ich hab mich vorher um nichts gekümmert und hier hab ich wenigstens ein Tisch, Strom und Internet und so hab ich zwei Tage mehr, die nicht für Busfahren draufgehen. Naja, so kann man sich Faulheit auch schönreden ;)


Vor Heiligabend, hab ich ja schon mit einem Nach-Weihnachts-Post gedroht und daher jetzt der Rest vom Fest.

Am 22. war ich noch dick einkaufen. Ich wurde ja verpflichtet Essen zu machen. Also hab ich, typisch deutsch, Kartoffelsalat mit Würstchen gemacht. Würstchen gib's hier ja ganz viele, schmecken aber fast nie. Deshalb bin ich in den MEGA [das is ein riiiiiesiger Supermarkt, wo ich immer einkaufen gehe, wenn ich deutsch kochen will, weil das der einzige Ort ist, wo man drauf hoffen kann, auch in Deutschland übliche Zutaten zu bekommen] und hab auch in der Tat Würstchen nach wiener Art und nach polnischer Art gefunden. Die angeblichen Wiener sahen genauso aus wie die komischen mexikanischen Würstchen, aber die polnischen sahen aus wie Wiener. Also, hab ich mich für die polnischen Wiener entschieden. Und zum Glück gab es auch haufenweise Süßigkeiten. Aber alles, was mir typisch deutsch vorkam, war, wie bereits erwähnt, aus Deutschland [bzw. Mitteleuropa] importiert.... Schokoweihnachtsmänner von Kinder, Schoko-Pralinen von Lindt, Rocher und Rafaello von Ferrero. Aber immerhin gab's alles und ich mir also schön den Wagen zugepackt mit allem, was es bei uns so typischerweise zu Weihnachten gibt [dazu muss erwähnt werden, dass wie vielerorts in der Welt Deutsche/Schweizer/Luxemburger Schokolade hier das absolute Non-plus-ultra der Süßigkeiten ist]. Da ich nicht wusste wie viele Leute zum Weihnahtsessen kommen und wie viele davon evtl. Kinder sind hab ich mir vorgenommen anstatt einem bunten Teller für jeden, einen riesigen für alle zu machen. Schön mit Orangen, Walnüssen, Schokoweihnachtsmännern, haufenweise Süßigkeiten und für die erwachsenen ein wenig Alkohol.
Als ich dann an der Kasse stand und dem Kassierer und dem stetig wachsenden Gesamtbetrag zugucke, meinte ich schon so nach der Hälfte der durchgescannten Waren, dass ich wohl nochmal zum Bankautomaten muss [gib's zum Glück in den Supermärkten]. Also klar, Import-Schokolade ist logischerweise etwas teuerer, aber was sich da zusammengeläppert hat - alter Schwede =) ...dann alles nach Hause geschleppt.

Am 23. noch abends zum Markt um einen riesigen Korb [für den bunten Teller] und einen Besenstiel für der Werkstatt geholt. Ich hatte nämlich Anfang der Woche in der Werkstatt fegen wollen, weil wegen der Baustelle mal wieder alles mit Zementstaub voll war. Fang so an... *feg-feg-feg-KNACK* ... ups Besenstil kaputt. Najuti, kann passieren, das Ding war aus Holz und das Pulver ist verdammt schwer. Ich mir den 2. Besen geholt [Metall-Stiel]... *feg-feg-feg-KNICK* ... ups auf einen Schlag alle Besenstiele in der Werkstatt zerstört. Also hab ich mir erstmal ersatzhalber von der Baustelle eine massive Metallstange geholt und einen Ersatz gebastelt [und das war endlich mal ein Besen für meine größe --> siehe Fotos =) ]. Für Zementstaub perfekt, aber etwas schwer für normale Fegearbeiten, also hab ich Ersatz versprochen =)
Am abend noch eine grooooße Schüssel Kortoffelsalat gemacht, damit er über Nacht schön einziehen kann. Und den großen, bunten Teller vorbereitet.

Am nächsten morgen mit schön verpacktem Besenstiel und einem riesigen Rocher-Stern losgezogen. Auf der Straße allgemeines Intresse an meinem länglichen, schön verpacktem Etwas. Hier wünscht auch keiner frohe Weihnachten oder so und auch sonst war nichts von Weihnachten zu spüren - echt angenehm. Der Besenstil kam gut an, aber hauptsächlich die Rocher. Bin zu allen hin, auch die Leute vonna Baustelle ... also wenn wer'n Mexikaner fangen will, legt als Köder Schokolade aus Mitteleuropa aus =)
Mittags bin ich dann nach Hause, weil noch ein wenig zu erledigen war und später dann mit'm Taxi zu dem Haus von Letis Bruder [der verwirrenderweise auch Gustavo heißt, also bleib ich beim Cousin von Leti bei "Tavo" und beim Bruder bei "Gustavo"]. Der Kartoffelsalat und der Rest vom Essen war zum glück schon da, so musste ich nur den bunten Teller schleppen.
Nachmittags noch ein wenig den Kartoffelsalat perfektioniert und mit den Anwesenden gelabert. Dann waren wir in der Schlucht, Holz sammeln für das Lagerfeuer. So ab spätem Nachmittag wurde Bier gereicht. Am frühen Abend waren wir dann nochmal im Supermarkt um die Ecke, um das harte Zeugs zu holen.
Dann wurde das Feuer angemacht. Einfach so auf dem Terrassen-Boden. Ich hab mich ja kurz gewundert, da es aber nicht das erste Lagerfeuer war, hab ich nichts weiter dazu gesagt. Alle haben sich dann auf die Terrasse zum Feuer gechillt und erzählt. Auch hier hab ich mich wieder mal sofort willkommen gefühlt. Dann irgendwann gab's endlich Abendbrot. Beim Gebet wurde ich dann in die Familie eingebürgert. Es gab extremst leckeres Schweinebein [selten sowas saftiges gegessen] mit einer echt guten Pasta und dazu mein Kartoffelsalat mit den polnischen Würstchen, die echt lecker waren [wenn also wer hier Wiener haben will: das ist echt ein guter Ersatz - eine Mischung aus Bock und Wiener ... hmmmm]. Danach war ich so endlos voll, aber ich konnte nicht mit dem Essen aufhören =) ... Dann hab ich meinen bunten Teller auf den Tisch gestellt und gefragt, wie das hier mit Geschenken is [also wann's die gibt] und wurde aufgeklärt, dass es dieses Jahr keine Geschenke gibt, weil das für die Familie ein sehr hartes Jahr war. Ich hab da nicht weiter nachgebohrt warum. Als dann mein Teller ausgepackt war, haben sich wirklich alle gefreut und mit Händeschütteln bei mir bedankt. Und gleich wurde erstmal alles durchprobiert, obwohl alle komplett voll waren vom Essen =) ...
Danach ging's wieder raus auf den Balkon, weiter Feuer gucken und weiter erzählen und weiter Alkohol genießen. Echt schön. Um Mitternacht haben sich alle umarmt - eine typisch mexikanische Geschichte. Irgendwann meinte dann Gustavo: "Sag mal bin ich besoffen oder wellt sich der Boden?" und zeigt auf die Stelle unter dem Feuer. Und in der Tat wölbte sich der Boden enormst stark. Naja, kein Grund das Feuer zu beenden, weil jetzt war der Boden ja eh schon kaputt. *hehe*
Die ganze Nacht weiter gefeuert. Später kamen noch Kumpels von Tavo und Oscar, die ich schon von den Feiern bei Tavo kannte. Den ganzen abend gab es Feuerwerk - nicht von uns, von den anderen Schlucht anreinern. Meistens nur Böller und Knallraketen, aber auch echt schöne Dinger mit dabei. Irgendwann ist die ältere Generation Peu a Peu ins Bett. Was aber der Party keinen Abbruch getan hat. Und irgendwann kurz vor Morgengrauen war dann endgültig Schluss. Ich hab mich auf die Couch gepackt und bin weggeratzt. Schönes Fest.
Den nächsten Tag hab ich dann nach meiner Rückkehr in meine [Letis] Wohnung nur mit 24h-Berlin gucken verbracht. Ich hatte zwar keinen wirklichen Kater, war aber doch ziemlich platt. Bin jetzt auch mit 24h-Berlin durch. Für jeden, der's nicht kennt: 100% sehenswert. Ist echt eine der besten Dokus die ich je gesehen habe. Ein Tag 24h berliner Alltag in Echtzeit. Und meiner Meinung echt gut gemacht. Und ein gutes Abbild der berliner Gesellschaft, wenn man mich fragt. Angucken! =)

Angenehme Tage zwischen den Jahren und einen guten Rutsch...


Der bunte Teller -
etliche Kilo Schokolade, Orangen, Nüsse und Alkohol =)


Die Opfer meines Fegewahns.
Rechts der behelfsmäßig reparierte.


Ausblick von der Terrasse von Gustavos Haus


Den Holzstapel an dem Pfeiler galt es
über Nacht zu Asche werden zu lassen


Der Beginn des Weihnachtsfeuers


Und das was am nächsten Morgen davon übrig war


Ein Marmorvulkan =)


Diesmal war ich's wirklich nich...
ich habe nur auf Befehl gehandelt.
Im übrigen war ich mal wieder offiziell
ernannter Herr des Feuers


Hier wurde das leckere Ahmbrot jereicht


270°-Ausblick von Gustavos Terrasse
...man verzeihe den Bildfehler mit dem
Geländer, es ist doch Weihnachten =)


Und hier nochmal der Ausblick aus meinem Fenster
...ich werd mir heute erstmal ein Programm zum beschneiden
der Ränder besorgen =)

24 Dezember 2009

Weihnachtspost

So, wegen Internetmangel im Haus und viel zu tun, hab ich ja jetzt die letzten beiden Wochen nicht wirklich viel gepostet. Deshalb gib's jetzt 'n kleinen Weihnachtspost frisch aus'm Internetcafe.

Ich werde morgen am 24. mit der Familie von Leti Weihnachten feiern. Das Fest ist hier relativ ähnlich der deutschen Variante. Geschenke gib's am 24. abends. Allerdings ist hier das wichtigste Essen auch am Weihnachtsabend bis spät in die Nacht und am 25. haben alle einen Kater und machen nichts =) ... Weihnachtsbäume sind hier Tannen wie bei uns. Schokoweihnachtsmänner gib's hier allerdings nur aus Deutschland importiert von Kinder [dem Überraschungseihersteller]. Und Weihnachtskalender gib's hier auch nicht. Dafür Piñatas. Das sind große Papiersterne und in den Zacken sind Süßigkeiten versteckt. Dann werden einem Kind die Augen verbunden und es wird ein paar mal im Kreis gedreht. Dann muss es mit einem Holsstock so lange auf die Piñata einprügeln bis ein Zacken abbricht und es Süßigkeiten regnet. Am Rand steht der gemeine Vater/Onkel und zieht an einer Schnur die Piñata hoch und runter, während die anderen Kinder auf des Kind in der Mitte einbrüllen ob es nun weiter oben oder unten prügeln muss.
Weihnachten ist hier ein gutes Stück weniger kommerziell. Was aber nicht heißt, dass es hier nicht kommerziell wäre. Weihnachtsgefühl bei mir ist gleich Null. Also nicht, dass ich die letzten Jahre irgendwie vor Weihnachten rührselig oder besinnlich geworden wäre, aber bei 25°C, Palmen und Sonne kommt man sich doch eher wie im Sommer vor. Auch fehlen hier viele Kleinigkeiten, die so Deutschland-typisch sind. Die Mexikaner haben in den Details dann doch einige Unterschiede. Zum Beispiel wird hier überall Moos verkauft. Tja - ohne Moos, nix los. =)

Najuti, zwischen den Jahren, wollte ich eigentlich wegfahren, um in Ruhe meinen Bericht zu aktualisieren, aber vielleicht mach ich das auch von hier. Ich meld mich dann nach den Feiertagen wieder mit einem ausführlichen Bericht zum Fest.

Euch allen ein Frohes Fest, ein guten Rutsch und ein frohes Neues. Feliz navidad y un mejor nuevo año, como los Morelenses dicen en los tiempos de la crisis =) ...und ein Haufen Geschenke vom gordo de la navidad [Fetten der Weihnacht] - Goyo

17 Dezember 2009

Veracruz und Bergfest

So, letztes Wochenende war ick ja in Veracruz. Aber erstmal wat aktuelles: Gestern war Bergfest. Die Hälfte des Urla... des Praktikums ist um. Weil ich aber gestern für Leti, Tavo und Ashley [Tavos Freundin] Eierkuchen gemacht habe, wird heute gefeiert. Bei 5 Monaten kann man sich diese kleine Ungenauigkeit ja mal erlauben. Ich zieh mir grade die ganze Zeit Such A Surge rein - ayayay: Gänsehaut-Feeling... Gegen den Strom! =)

Heute Nachmittag war ich bei Letis Familie zum Mittag eingeladen. Die haben ein Haus direkt an einer der Schluchten in Cuernavaca - übelst fette Aussicht - nächstes Mal muss ich da mal Fotos machen. Lecker Essen - Fisch. Und die Familie ist echt nett. Danach wollte ich eigentlich Niklas [der Deutsche, den ich aus Monterrey kenne] vom Busterminal abholen. Allerdings kommt er doch erst morgen und hat die Nachricht dooferweise abgeschickt, als ich schon auf Arbeit war. Ergo hab ich sinnloserweise über 'ne Stunde am Busterminal rumgesessen. Das doofe is, er hat kein Handy... sowas gib's noch? ;)
Immerhin kann ich so endlich mal den Veracruz-Post schreiben. Draußen herrscht Krieg. Kinder schreien die ganze Zeit. Bei jeder Explosion kläffen die Köter. Gestern gab es zwei besonders heftige [Explosionen, nicht Köter =) ] da sind erstmal in der Unidad die Häfte der Alarmanlagen der Autos losgegangen - Silvester naht. Ich hol mir auch ein paar von den ganz großen Krachern und lass die auf irgendwelchen Großparkplätzen in DF losgehen und dann gib's ein Alarmanlagen-Konzert. Wer noch nie in Lateinamerika war: Die haben hier eine wirklich schöne Vielfalt an Alarmanlagen-Sounds =) ...allerdings wage ich zu bezweifeln, dass die Dinger hier ein BAM-Prüfsiegel haben.

Hat irgendwie was, das Bergfest... ist zwar keine Feier im eigentlichen Sinne, aber ich nutze den Abend um ein wenig in Erinnerungen zu schwelgen. Man, man, man - ich will Such A Surge nochmal live sehen =)

- Veracruz -

Mit CouchSurfing hat es in Veracruz leider nicht geklappt, weil ich mich erst ziemlich kurz vorher drum gekümmert hatte und die beiden Leute, die ich gefragt hatte, hatten entweder schon Besuch oder waren das Wochenende nicht in Veracruz. Aber laut meinem Buch mit Tipps und Hinweisen für eine gelungene Mexikoreise gibt es in der Nähe vom Zocalo [ = zentraler Platz in so ziemlich jeder Stadt in Mexiko] einige brauchbare, preiswerte Unterkünfte. Also geht auch so.
Ich gehe am Freitag extra früher von Arbeit los, damit ich noch den 15:30-Bus nach Veracruz von Taxqueña nehmen kann. Taxqueña ist das südliche Busterminal in DF, von dem aus Cuernavaca angefahren wird. Und von dort gibt es pro Tag ein paar Busse nach Veracruz [normalerweise fahren die Busse nach Veracruz im Stundentakt vom östlichen Terminal TAPO]. Natürlich fällt mir zu Hause noch allerlei Zeugs ein, was zu machen ist, und dadurch komme ich erst 15:45 in Taxqueña an. Bus weg, also muss ich durch die halbe Stadt erstmal zum TAPO fahren. Dort bekomme ich einen Bus um 17:30. Naja, 2h später los als geplant, bin ich halt erst 23:00 in Veracruz. Kein Ding. Aber ich merke sehr schnell auch das wird wohl nichts, denn ich gerate in ein Spontanes Treffen Aller Urlauber [kurz: STAU]. Und mexikanische Staus haben's in sich. Als Atheist war mir natürlich entgangen, das an diesem Wochenende das Fest der Virgin de Guadalupe [Jungfrau Maria, welche in Lateinamerika weitaus wichtiger ist, als für Christen bei uns] war und zu diesem Fest pilgert halb Mexiko irgendwo hin und dummerweise liegt dieses "irgendwo" anscheinend in Richtung Veracruz.
Eine Spur der Autobahn wird von einem erstaunlich großen Fahrradkorso in Beschlag genommen [woher haben plötzlich so viele Mexikaner Fahrräder?] und die restlichen Spuren sind zu mit Autos und Bussen. Kriech-Roll-Stopp-Anfahr-Kriech-Stopp. Irgendwann verfalle ich in einen Halbschlaf, was die Fahrt etwas scheller vergehen lässt. In Veracruz kommen wir gegen 1:00 nachts oder so an. Ich lasse mich per Taxi zum Hotel kutschieren. AUf dem Weg dahin merke ich, dass in der Stadt noch ordentlich was los ist. Auf einem Platz an einer Parallelstraße zum Zocalo spielt eine Band an einer Bühne. Mein Hotel ist nur eine Straße weiter und zum Glück sind auch noch Zimmer frei. Für die 7,5Euro pro Nacht ist das Hotel ziemlich gut: eigenes Bad, kostenlos Internet, Fernseher im Zimmer, großer Ventilator über'm Bett [sorgt jetzt in Deutschland vielleicht erstmal für Verwirrung, ist aber in Veracruz auch im Winter bitter nötig ;) ], alles schön sauber und geräumig und sogar ein begehbarer Kleiderschrank [für mich ja unentbehrlich *hehe*]. Also es hätte jetzt keinen Schönheitswettbewerb gewonnen, aber wenn man das Wochenende nicht im Hotelzimmer verbringen will, ist es echt zu empfehlen.
Ich gucke nochmal kurz raus - zu dem Platz mit der Band. Kaum steh ich da ein wenig rum, labert mich ein strunzen-besoffener Marrokaner an, der hier schon ewig lebt. Irgendwas von "Band scheiße ... Woher kommst du? ...Frauen anlabern" und das immerwieder Schleife. Irgendwann geht er mir ziemlich auf den Sack, aber da schwer abzuschätzen ist, wie er drauf ist will ich ihn nicht provozieren, grinse doof und wiederhole immer wortkarger meine Antworten. Irgendwann verliert er das Interesse und geht. *Juhu* Ich höre mir noch ein wenig die Band an und gehe dann zurück ins Hotel. War relativ müde und wollte am nächsten Morgen nicht zu spät raus.

Am nächsten Morgen gehe ich erstmal frühstücken in einem der Cafés nahe am Zocalo. Veracruz ist berühmt für seinen Kaffee. Laut einigen Mexikaner der beste im Land. Allerdings find ich die aus Chiapas und Oaxaca etwas besser. Aber immernoch endlos lecker. Ich glaube das werde ich am meisten von Mexiko vermissen - den Kaffe, weil sowas leckeres habe ich vorher in Deutschland noch nicht getrunken. Hmmmmmm... dazu lecker frisch gepressten Orangensaft und Picadas [Maismehl-Dinger mit Salsa, Zwiebeln und saurer Sahne] und Gordas mit Rührei und Salsa .... *Wasser-im-Mund-zusammen-lauf* ...
Danach erstmal über ein paar Seitenstraßen Richtung Zocalo getingelt und zur Touri-Info. Für einen Stadtplan und ein paar Infos, weil der Stadtplan in meinem Reiseführer zeigt nur einen sehr kleinen Ausschnitt der Stadt. Und in Mexico wird man in den Touri-Infos echt mit Stadtplänen beworfen: "Jaa, da ist hier gleich um Ecke. Warten Sie, ich zeichne Ihnen das mal schnell auf einem Stadtplan ein."
Laufe dann ein wenig den Malecon runter und im Hafen rum. Hier muss man mal erwähnen, dass Veracruz eigentlich nichts besonderes hat. Es ist eine relativ industrielle Stadt wegen dem Hafen, nicht besonders kolonial [die Straßen um den Zocalo bilden ein kleines historisches Zentrum was relativ schön ist], nicht besonders grün [da es in der östlichen Sierra Madre liegt, wirkt es teilweise wie Monterrey - wenig Pflanzen], die Strände sind nur solala, keine architektonischen Highlights [wie in Monterrey], keine prachtvolle oder reiche Stadt [wie Teile Acapulcos] ... nichts besonderes also. Aber grade deshalb fand ich es angenehm. Kaum ausländische Touris [außer Deutschen .... arrggg, überall wo es nicht so touri-mäßig ist, sind automatisch Deutsche ... hab aber immer aufgehört mit mir selbst zu reden, wenn welche auf dem Radar waren und so blieb ich unentdeckt ;) ], angenehmes Flair, nette Leute [und nicht wie in Acapulco, weil sie dein Geld wollen, sondern weil sie so sind =) ], überall läuft landestypische Musik, teilweise karibisch oder kubanisch beinflusst. Echt schön.
Der Hafen hatte echt was. Auch da ein paar nette Leute getroffen. Danach bin ich weiter in der Stadt rumgelaufen und gegen Nachmittag mit dem Bus nach Anton Lizardo. Anton Lizardo ist ein kleines Dorf im Süden von Veracruz. In Veracruz selbst gibt es keine wirklich schönen Strände. Und so wurde mir empfohlen, wenn ich baden gehen will muss ich Richtung Anton Lizardo. Auf dem weg dahin habe ich dann auch verstanden, warum es in Veracruz so wenig grün gibt. Ich bin ja nachts mit dem Bus angekommen, habe also nicht viel von der Landschaft mitbekommen. Veracruz liegt in der östlichen Sierra Madre. Ich hatte die Gegend hier schon irgendwie für tropischer gehalten, aber es war eine Art Steppe. Auch sehr schön und interessant, aber eben nicht tropisch.
In Anton Lizardo angekommen, kam ich mir erstmal wie am Ende der welt vor. Ein kleines, verschlafenes Dorf. Irgendwann endete die Straße an einer Marine-Basis, die sich im Wald versteckte. Also bin ich aus dem Bus raus und da ein wenig rumgelaufen. Hab mich kurz mit Leuten unterhalten, etwas gegessen und das Flair genossen. Dann wollte ich zurück Richtung Veracruz. Also bin ich gemütlich die Landstraße [immernoch in Anton Lizardo] runtergelaufen, um einen vorbeifahrenden Bus zu nehmen. Auf dem Weg hat mich dann einer der Bewohner angequatscht, ob ich Spanisch spreche und so hab ich mich ein wenig mit ihm unterhalten. Nebenbei hat er weiter seine Terrasse zur Straße hin gewischt, immer wieder vorbeifahrende Freunde begrüßt [er kannte irgendwie fast jeden da =) ] und an seinem Bierchen genippt während die Musik aus seiner Anlage das halbe Dorf beschallt hat. Hat mir haufenweise Tipps gegeben, was man in der Nähe von Veracruz machen kann und seine halbe Lebensgeschichte erzählt und sich meine halbe angehört. Da ich immernoch nicht im Golf von Mexiko baden war, habe ich ihn gefragt, ob ich meine Sachen bei ihm lassen kann. Ich war vorher schonmal am Strand, aber wegen der ganzen Fischer ist der Strand da leider etwas dreckig. Also jetzt nicht mal unbedingt Müll, aber ein Fischerboot neben dem anderen, alte Netze, hier und da ein toter Fisch. Deshalb war ich vorher auch nicht baden. Und weil ich meinen Rucksack mit Kamera, etc. nicht alleine am Strand lassen wollte. Aber während des Gesprächs habe ich mich dann doch nochmal umentschieden, alldieweil ja das Sachenproblem jetzt gelöst war [besonders auch, da ich nur eine Hose mit in Veracruz hatte und wenn man mir die geklaut hätte, hätte ich in Boxer-Shorts zurück nach Cuernavaca fahren müssen].
Danach noch eine Weile mit ihm gelabert und irgendwann meinen Bus nach Veracruz genommen.
Am Abend war ich noch am Zocalo ein Bierchen trinken. Überall in Mexiko laufen Leute mit zwei Metallzylindern rum, an denen jeweils ein Kabel ist und eine Batterie am anderen Ende des Kabels. So auch hier. Am Tisch neben mir saß ein Päärchen [etwas jünger als ich]. Und als einer von den Strommenschen vorbei kam, hat sich das Mädel überreden lassen, das mal auszuprobieren. Ihr Freund, und ich haben uns über sie kaputt gelacht, wie sie dazu abgegangen ist. Als Strafe wollte sie ihn und mich überreden das auch mal zu probieren. Wir haben dankend abgelehnt und noch eine Weile mit dem Typen gelabert. Irgendwann ist er dann weitergezogen, Leute schocken. Also haben wir uns eine Weile zu dritt unterhalten, bis der Typ irgendwann wiederkam und meinte wir bekämen noch einmal kostenlos. Sadist ;) ... das blöde war nur, jetzt hatten ihr Freund und ich überhaupt keine Chance mehr uns rauszureden. Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir uns alle an den Händen halten während der Therapie, damit alle was davon haben. Also gings los, erst relativ soft, aber es wurde immer krasser. Irgendwann waren alle Augen der Leute um uns herum auf uns gerichtet. Alter Schwede... krasser Ding! Danach hat uns der Typ noch gezeigt, was er abends zu Hause macht und hat sich einen der Zylinder in den Mund genommen und sich den anderen an die Schläfe gehalten. Man, sind dem die Gesichtzüge entgleist, als er aufgedreht hat. Und dann hat er noch erklärt, was sonst noch besonders krass ist - einmal durch den ganzen Körper und wer weiß, was er sonst noch für tolle Einfälle hat =)
Irgendwann sind die beiden dann wegen Geldmangel nach Hause. Ich bin noch kurz geblieben und hab mich dann auch ins Hotel zurückbewegt und bin pennen gegangen. Frechheit: Es gab keine Deutsche Welle! Also kein Mike Mäuser, schade!

Am nächsten Morgen wieder erstmal Kaffe trinken gewesen. Danach Richtung Hafen getingelt um dort eine Hafenrundfahrt zu machen. Gibt es eigentlich irgendeinen nennenswerten Hafen auf dieser Welt, in dem man keine Hafenrundfahrt machen kann? =) War aber echt cool gemacht, mit Pirateneinlage um die Geschichte besser zu verdeutlichen.
Danach bin ich ins Aquarium. War echt ein schönes Ding. Am Anfang ein Tropenraum mit Tucanen und Schildkröten zum drin rumlaufen. Eine kleine Variante vom Tropenhaus im botanischen Garten. Und danach dann ähnlich dem Zoo-Aquarium - schön stilecht mit alles schwarz nur die Aquarien im blassblauen Licht. Aber mit so'nem geilen Tunnel, wo man fast im Aquarium steht und am Ende einem kleinen Museum zum Meer. Danach gab es noch einen Außenbereich mit Meeresschilkröten und einem Delphinarium. Die Viecher sind in Echt genauso hässlich wie auf Fotos. Kurz darauf sollte es dann eine Delphin-Show geben, aber ich hab das Weite gesucht. Wie meinten schon Erkan und Stefan in Findet Nemo: "Delphine sind schwule Haie" =) ...aber ich will jetzt mal nicht so gemein sein, und hoffe dass sie sich noch lange in unseren Treibnetzen tümmeln, um uns den Thunfisch zu versüßen.
Dann noch schön dick gegessen und dann musste ich auch schon meinen Rucksack holen und Richtung Busterminal um den 15h-Bus kriegen. Ich bin aus 2 Gründen so früh zurück. Ich wollte noch etwas von der Sierra Madre sehen und den Bus nach Taxqueña bekommen.




'n Hafen halt


...und der wurde auch mal von Ingeniören entworfen...


...un von Arbeitern gebaut...


...jetzt wisst ihr warum ich Maschinenbau-
ingeniörswesen studiert habe =)


Aber heutzutage ist die Arbeit etwas einfacher:
z.B. Kran putzen



Willst du nach Afghanistan,
dann flieg doch mit'm Pelikan


Apropos: Was haben DF und Veracruz,
was NYC nich hat? - 'n World Trade Center =)
...und zack ist der Blog beim BKA auf'm Index
weil der Wortfilter angeschlagen hat *hnhn*



Der Yacht-Club ist auch schon ein
wenig heruntergekommen


Innerstädtischer Strand


Piratenschiff und im Hintergrund
Pirateninsel


alte Verteidigungsanlagen in der Stadt


Anton Lizardo



und wieder zurück in Veracruz



Der Zocalo ...auch nich anders als woanders =)





leerstehende Häuser im Hafenviertel




Flakturm und Faro [Leuchtturm]



Die allgegenwärtigen Angler.
Die binden extra vorher Fische
anne Angelschnur und wenn 'n
Touri vorbeikommt holen se den
aus'm Wasser: "Ey kieka, wat'n Fisch!"
Irgendwann packt den Touri auch
mal die Lust er kauft sich 'ne
Angel und sitzt dann da!
Stunde um Stunde.
Tag für Tag.
=)


Der Pirat bei der Hafenrundfahrt


schön blauet Wassa, wa?


Veracruzenos mögen ihre Strände





Die alte Burg...
steht auf einer Landzunge am Hafen.
Und alle Angreifer von Veracruz
sind immer etwas neben Veracruz an
Land gegangen und haben die Burg
abgeschnitten. Ergo eine absolute
Fehlkonstruktion =)



Wer mir sagen kann was das für ein Schiff ist,
bekommt... ein... ähm... irgendwas schönes =)


Geiles Denkmal...
man müsste mal probieren sowas
in Deutschland aufzustellen =)


Tucan im Aquarium




Monsta, alta!!!



Albinoschildkröte


Das diesige Ding im Hintergrund ist der höchste Berg
Mexikos - Orizaba


Sierra Madre Oriental

PS: Wer sich wundert, warum ich aus Veracruz so viele teilweise nichts-sagende Fotos habe. Ich habe mir irgendwie bei echt jedem zweiten gedacht: "Joa, das geht .... das auch ... ... das auch" Is halt nichts besonderes da, aber irgendwie hat's was =)))