22 Dezember 2014

Marble Hill

Weiter gings ins Landesinnere, um nach Christchurch zu kommen. Zwischenstopp war Marble Hill, kurz vor dem Lewis Pass [Wasserscheide zwischen Ost- und Westküste]... und eigentlich wollten wir da auch garnich allzu lange bleiben, weil das erstmal sehr monoton aussah....

Marble Hill: Wald, Berge, Flüsse

 ...deshalb haben wir uns nur für einen kleinen Nachmittagsspaziergang da entschieden. Aber als wir dann so im Wald waren, dachten wa uns so: "Manmanman, ick gloob ick steh im Wald, ooch wenn man vor lauta Bäum' janüscht sieht... aba wenn man erstma in dem Wald drinne is, denn sieht dit doch alles ganz cool aus, sieht dit doch." Also für den nächsten Tag einen 17km Marsch durch den Wald geplant... Mittagspausenziel war eine Hütte mit See.

Am Morgen gab's erstmal fette Flugshow vom DOC. Marble Hill scheint einer der weniger Hubschrauberlandeplätze da in den Bergen zu sein. Also haben sie da mit 5 oder 6 großen Jeeps Kubikmeterweise Kohle, Marderfallen, neue Schilder und anderes Zeugs für die Hütten hingekarrt und dann mit 2 Helis überall verteilt... ging bestimmt so 1 - 2h ....

Und Marble Hill hat noch ein High Light. Da hat 1964 ein Forscher eine 24m lange Mauer über die Südalpenverwerfungslinie gebaut, um zu sehen, wie sich der Boden bei den ganzen Erdbeben genau bewegt. Stellte sich raus: Garnich. Das passiert nur bei großen Beben und dann ruckartig und das letzte mal, dass sich da Erde bewegt hat war wohl irgendwann um 1600.

Die Sluice Box... keine Ahnung was das nun genau is, aber es muss was besonderes sein... zumindest kristallklares Wasser

Das is ein Kakariki... ein einheimischer Papagei... tritt fast immer paarweise auf

Is doch schick da, ne? Riesen Bäume, lichtdurchfluteter Wald, ...mit Größenvergleichssonni

...und wer beim letzten Bild genau hingeguckt hat, ja sie sitzt auf einer Schaukel [die leider nich schaukelt]... O-Ton Sonni: "Und da sag nochmal einer in der Natur gib's keine rechten Winkel."


Zahle Zoll and den Troll


Hier hamwa Zweites-Frühstück-Pause gemacht... schön mit Aussicht auf'n Fluss von oben

Ein Bush Robin... die sind ganz witzig, die kommen immer an und dann musste mit'm Schuh ein bisschen im Boden rumwühlen und dann Hüpfen die da hin und fressen da irgendwelche freigelegten Blätter... und sind auch garnich so klein... so in etwa Faustgroß

Selbst der Baumkrebs is hier größer...

Bei viel Niederschlag wird das wohl alles Fluss sein

Manchmal meint es das DOC doch etwas zu gut mit den Pfeilen

Da hat wer ein K im Wald vergessen

Und ein O auch noch... oder das is ne Hobbithöhle


viel viel dickes Moos

Noch ein Vogel... voll die Vogelgegend da... also selbst für neuseeländische Verhältnisse

Mittagspause am See

Ich glaube die Dinger hießen Pipit.... toootal winzig und fiepsen extremst hoch... voll putzig

Dann am nächsten Tag weiter Richtung Chch....

Kurz vor Hanmer Springs

Das is ma'n Campingplatz nach meinem Gusto



So, liebe Antipoden, das wars wahrscheinlich für dieses Jahr... Seit ein paar Tagen und bis über den Jahreswechsel bin ich in Christchurch und Umgebung.... Zeugs machen, Sachen organisieren und mal ein bisschen Urlaub vom Urlaub machen. In diesem Sinne Happy Chanukka... und wer als erster gut im neuen Jahr ankommt is einfach mal der Coolste und Besteste überhaupt und der Rest sind doofe Nachmacher =)

17 Dezember 2014

Farewell Spit

Aber Abel Tasman is ja noch lange nich das nördliche Ende der Südinsel... Die Landstraßen werden schmaler, der Gegenverkehr seltener. Allerdings nicht langsamer - so'ne kurvige, enge Landstraße is für einen echten Kiwi ja nu lange noch kein Grund die erlaubten 100km/h nicht zu fahren - Besonders wenn es sich um einen Milchlasterlenker handelt. Und dann irgendwann hört auch der Asphalt auf und wird durch Gravel [Schotterpiste] ersetzt und dann glaubste auch langsam, dassde an einem der Enden der Welt bist: Dem Farewell Spit [Die Tschüssikowski-Spitze]. Der eigentiche Spit ist eine 30 - 40km lange Landzunge, die komplett aus angespühltem Sand besteht [so, wie die beiden Hasenohren oben in Hiddensee - nur viel, viel größer]. Südlich an den Spit schließt dann eine krasse Klippenlandschaft an [so, wie die Steilküste im Norden von Hiddensee - nur viel, viel spektakulärer]. ...und irgendwo muss ja auch der ganze Sand für den Spit herkommen. Das Hinterland sind dann Hügel und Schafe [so, wie alles hinterm Deich von Hiddensee - nur viel, viel weiter]. Also wenn wer von euch Hiddensee mag, dann steht der Farewell Spit auf eurer must-do-Liste wenn ihr mal hier seid. Robben und Robbenbabys gib's hier an jeder Ecke. Vögel und die dazugehörigen Küken noch und nöcher. Wandern kannste bis zum gehtnichmehr. Und und und...
Am ersten Tag als wir ankamen hat es erstmal nur geschüttet. Haben dabei festgestellt, dass unsere Billigregenhosen eben nur Billigregenhosen sind und deshalb nur Billigregen vertragen. Aber wurde eh bald dunkel also zurück und schön auf der Veranda vom Holiday Park gechillt. Der war da mitten in der Pampa am letzten Ende des Gravelroads aber total genial gemacht. Und mit Kühlschrank und Eisfach also konnte ich wunderbar White Russian genießen und in den Regensturm von der Couch aus starren. Der Campingplatzchef war auch gleichzeitig Touristenführer und konnte uns echt gute Tipps geben.

Am ersten Tag: Strömender Regen... aber das kümmert uns ja nich - HA!

...wobei, ach, so nass am Strand, och, dis is ja auch nix - geh'n wa zurück.

Da war der 2. Tag schon besser... Das hier is übrigens der Ausblick von der Veranda

Wenn das nich mal Neuseeland is, wie's im Buche steht. Schafe, Hügel, Wiesen, Natur

...und natürlich spektakuläre Küste

...und plötzlich Wald

...gefolgt von Strand



Pause an der Grenze zwischen Ost und West ...und polnischem Grenzpfeiler - wo auch immer der herkommt

Icke in der Natur... auf der Suche nach'm Weg

Kleine Geographieunterrichtübung: Woher kommt der Wind die meiste Zeit?

Sieht aus, wie fluffiges Moos, eh? Super zum drauf rumhüpfen, wa?

...aber wenn man genauer hinguckt, sieht man komische Büsche aus denen das Moos "entsteht"...

...und wenn man mit dem Wind guckt, denn überlegt man sich das mit dem reinhüpfen doch noch mal.

Und nach ein paar Metern laufen is man im Wald - Ja, das sind die gleichen Pflanzen die gegen den Wind wie Moos aussehen...

Ferienchalet... oder Holiday Lodge, wie man heute sagt.


Arch du Mér

...hmm also wir könnten die 3h bis Ebbe am Strand warten und dann außen um Felsen laufen....

...aber ich konnte Sonni überzeugen, dass es bestimmt auch im Hinterland lang geht - da gib's immer 'n Weg...

...nur schnell durch die Büschelpflanzen schlängeln...

...schnell über's fluffige Moos gehupft...

...und zack sind wir am nächsten endlosen Strand


Links, taps-taps-taps-taps-taps hoch gestapft & rechts boing boing runter gehüpft





Am Abend dann haben wir gelernt, dass der Campingplatzchef auch noch super feiern kann. Da kamen dann so an die 10 Hippies an und es wurde Party gemacht. Das waren alles WOFer. Die machen hier ein Work-&-Travel-Year und arbeiten für Kost und Logie gratis. Find ich ja irgendwie fast erheiternd: Middle-Upper-Class Vorstadtweiße fliegen einmal um die Welt, um sich ausbeuten zu lassen. Neuseeland ist so attraktiv, dass sich wohlstandsgeplagte Mitteleuropäer freiwillig zu Gratisarbeit hinreißen lassen.
Am nächsten Tag sind wir dann bei eitel Sonnenschein über den Farewell Spit gewandert.

Aussicht vom Farewell Spit Cafe ... merkt euch mal wo das Wasser steht [Flut]

Auf dem Hinweg sind wir auf der Inlet-Seite [zu Deutsch: Boddenseite] lang... alles schön ruhig und sanft

Sohn einer sandigen Wüste!

Wer nicht schnell genug wächst, wird eingesandet

Das Innere vom Spit - hier hat sich in den Mulden schon ein wenig Natur angesiedelt. Auf purem Sand gebaut.

...und dahinten ist die Sohn-einer-sandigen-Wüste-Düne... die, die zarten Naturierungsansätze erstmal wieder unter sich begräbt

...konstanter Sandeintrag ins Blumental

Die dünne Bodenschicht hält sogar schon ein wneig Regenwasser zurück

Richtung Meeresseite wird's rauher und härter

Sanddrachen im Wüstensturm

Strand wohin man guckt

Seht ihr den braunen Streifen am Horizont? Der Sandsturm über dem Spit.

Aussicht vom Farewell Spit Cafe bei Ebbe

Auf dem Weg hoch nach Abel Tasman

Anekdote 1: Austernfischer

Ihr habt ja den breiten, weiten Strand auf dem Farewell Spit gesehen. Und die muggeligen Dünen dahinter: Ziemlich windgeschützt und mit vielen Verstecken zum Brüten. Auf einen Großteil des Spits kommt man garnich rauf, weil das für Vögel als Brutschutzreservat komplett für Menschen gesperrt ist.... So wie Vilm in der Nähe von Hiddensee. Also macht es der Durchschnittsvogel so, dass er sich erstmal vom DOC eine Karte holt und guckt wo keine Menschen hindürfen und sucht sich dann ein gemütliches Plätzchen in den Dünen, wo er halbwegs witterungsgeschützt seine Jungen groß ziehen kann. Nicht so der Austernfischer. Der baut sein "Nest" mitten auf den Strand, wo der Wanderweg lang geht... und verteidigt es vehement. Also kommen Sonni und ich da lang und Papa Austernfischer wird langsam nervös, weil wir seinem noch in Schale verpackten Nachwuchs zu Nahe kommen. Stukaangriffe. Kreischen. So tun als wäre er verletzt, um uns vom Nest wegzulocken. Das volle Programm. Also denken wir uns: "Hmm, der will wohl nicht, dass wir seine Eier klauen." Und ändern unsere Marschrichtung - anscheinend noch mehr Richtung Nest, weil nun wird auch Muddrn nervös und hilft Papa an der Heimatfront. Da hilft nur eins: Langen, dicken Stock schnappen und nochmal die Richtung ändern. [Randnotiz: Der Stock ist nicht dazu da um die Vögel platt zu kloppen, sondern Vögel attackieren immer den höchsten Punkt, bei der Nestverteidigung. Und wenn das die Kopfhaut ist, kann das blutig enden - also einfach mit dem Stock hoch über dem Kopf wedeln, dann wird die Stockspitze angegriffen. ...immerhin machen Austernfischer nicht das, was ich über norwegische Möwen gehört habe: Potentielle Nestdiebe vollkacken.] Immerhin war die neue Richtung die richtige und die beiden konnten schön weiter mitten in der Stradnwüste hocken und Touristen ärgern....

Anekdote 2: Fast wie zu Hause

Als ich auf der Veranda von unserm Campingplatz mit einem White Russian in der Hand in meinem Fernsehsessel saß und so in die Landschaft gestarrt habe, ist mir aufgefallen: Die hiesigen Schäfer unterscheiden sich eigentlich nicht wirklich von den Punks im Mauerpark: Eine Horde junger Männer rennt laut grölend mit einem Rudel kläffender Hunde über die Wiese den Hügel rauf und runter. Und die Schafe oder der gemeine, rechtschaffende Bürger ist völlig schockiert, wer da die Ruhe stört und blökt echauffiert in Richtung der Unholde. Schön doch, dass es wieda mal weltwiete Konstanten gibt. Man ist nie ganz weg von zu Hause. =)

Weiter im Text:

Die letzte Nacht in der Region sind wir wieder Richtung Abel Tasman - Aber diesmal auf der Inlandseite. Nach einem ewig langen Gravel Road kamen wir dann auf einem Campingplatz an und schau-mal-einer-guck, da wird Ende Januar das Luminate Festival starten... Da haben wir auch das erste Mal Morporks gesehen - Neuseeländische Eulen. Die haben um uns rum Mäuse und Motten gejagt.


Auch wenn noch nicht viel los war: Kostenlosen Salat und Koriander gab's schonmal ...und später auch noch Oregano, wobei der wohl den Boden nicht verträgt da: Mir war später voll komisch und lustig zumute =)