07 Mai 2016

Einmal um die ganze Welt


[Lasst das Video einfach beim lesen Schleife laufen]

Gestern war's endlich so weit: Ich bin mit meinem Auto 40.075km gefahren. Einmal um die ganze Welt. Also quasi... de facto natürlich immer im Kreis und Hin und Her auf einer winzigen Doppelinsel irgendwo in den Weiten des größten Ozeans, wo jibt. Aber wenn ich gewollt hätte, ja, dann hätte ich auch mal kurz auf'n Bierchen bei euch vorbei kommen können und auf'm Rückweg sogar noch'n Abstecher zu Mäcces mach'n können, weil ihr ja nich komplett auf der anderen Seite wohnt.

Könnte man ja jetzt sagen: "Hmmm, wo er jetzt bewiesen hat, dass das Auto das kann, muss er ja gar nich mehr mit Flugezug kommen. Nur Vorteile: Mehr Platz, keine flennenden Kinder, laut Metaltechnodeathcore hören ohne das wer meckert, Pilotensitz anstatt Gang ...und Fenster kannste im Flieger ooch nich runterkurbeln ohne Ärger mit den Stewardessen zu bekommen." Gucken wir doch mal, ob das lohnt...

In den 586 Tagen habe ich mal locker 8.26 Tonnen CO² emittiert und um die NZ$ 7200 für Kraftstoff verbraten*. Dazu kommen nochmal $:
- 800 [ADAC mit von-Überall-Abschlepp-Option und Verischerung... nich für meinen natürlich aber wenn ich mal jemanden in seinen fetten Remueratraktor (Kiwigegenstück zum BMW) reinfahre]
- 1000 [TÜV, Reparaturen, Ersatzteile]
- 500 [Road Fee]
- 15 [Falschparken]
....ergo knapp unter $ 10.000. Und ich komme auf ca. 18 Tage reine Fahrzeit.
Mit einem Flugzeug die gleiche Strecke zu fliegen verursacht ebenfalls ca. 8t CO²-Äquivalent**, kostet $ 2200 und dauert ca. 40 Flugstunden.

Randnotiz: NZ$ 1 = 0.6 EUR

Also is Flugzeug zwar nerviger aber eben doch ein Stück weit billiger und schneller... Hat eben alles so seine Vor- und Nachteile.

Immernoch das schönste Fahrerlebnis: Auf Gravel Roads durch den Dschungel brettern ...und natürlich immernoch das schlimmste, was man seinem Auto antun kann.

Das sind so die Straßen, wo man hofft, dass die Milchlasterfahrer an dem Tag streiken

Das is die Aussicht, die ein Käfer hat, der über meinen Kotflügel krabbelt. Schön, wa?

Das is die Aussicht, die ein Possum hat, das grade über die Straße wuselt. Schön, wa?

So sieht es aus kurz bevor man ordentlich schnell in eine Furt fährt...

....und so sieht es aus, wenn man durch eine Furt mit Spaßgeschwindigkeit fährt.


Hier mal ein dickes Lob an die Japaner. Ich hatte ja schon damals bei den mexikanischen Taxifahrern gemerkt, dass die fast nur Nissan/Toyota/Mazda fahren. Es hat auch echt Spaß gemacht die zu reparieren [einfach weil wartungsfreundlich konstruiert] und ich hatte schon damals vermutet, dass die verdammt robust sind und eben nich so vülle kosten wie die Deutschen. Und das mit dem robust [sowohl konstruiert als gefertigt] kann ich nur bestätigen:
 - Die ersten 35.000km kein Öl gewechselt... egal
 - Wer weiß wie lange mit Leck/Riss(?) im Motorblock gefahren... egal
 - Riss im Kühler will sich nich abdichten lassen... egal
 - Hunderte Kilometer Gravel Road... Außer Reifen kaum Verschleiß
 - So ziemlich alle Flüssigkeiten schon viel zu wenig oder maßlos zu viel... egal
 - Strand, Wiese, Watt, Waschbrettgravel, Fluss-Furten, Eis, Wind, Wetter... egal
Ich hab's jetzt echt nu lange genug drauf angelegt. Ich krieg den beim besten Willen und schlechtesten Fahrstil einfach nich kaputt.
Und die Karre ist ein Unfallwagen: Habe ich eher zufällig nach 30.000km raus gefunden - Vordere Stoßstange, Lampen, Spritzschutz und Moterbodenschutz werden hauptsächlich von Fahrwind und Dreck zusammen gehalten.

Dieses Jahr erreicht er übrigens seine Volljährigkeit...Bis zum Alter von 7 lebte er in seinem Geburtsland, Japan, und hat dann rüber gemacht, nach NZ. Damals war er noch grün hinter den Rückspiegeln mit keinen 100.000km. Und wenn er mit mir noch die 300.000km schafft, dann gebe ich einen aus. =)

Und zum Abschluss gib's noch eine kleine Annekdote. Ich dachte ich hätte das schon im Blog gehabt aber kann beim besten Willen nichts finden.


Kaikura Sturmflut

Als ich damals von Christchurch hoch nach Auckland gefahren bin standen da so ein Stückchen hinter Christchurch große blinkende Warntafeln: "SH1 gesperrt wegen Sturmflut rund um Kaikura." Hmmm, is ja doof, weil ich muss die SH1 hoch um am nächsten morgen meine Fähre auf die Nordinsel zu bekommen. Auf Karte geguckt: Sämtliche anderen Routen hoch hätten mich etliche Stunden mehr gekostet. Local gefragt, ob er abschätzen kann, wann die die SH1 wieder auf machen. "Jooaaa... sollte nich länger als 6h sein, dann is ja wieder Ebbe." Macht Sinn. Also fahre ich die SH1 weiter bis zur Sperrung. Habe Glück: Bereits nach 1 oder 2 Stunden machen die wieder auf.
Haben grade mal eine Spur behelfsmäßig frei gekratzt, die Wellen spülen noch ab und zu ein wenig über die Straße, überall hat die Flut große Stücken von der Straße raus gebrochen oder fette Steine aus dem Meer rauf geflutet [immerwieder erstaunlich, was so'n bisschen Welle an Kraft entwickelt]. Die ganze Zeit mit Scheibenwischer fahren, wegen der Gischt.
In Deutschland hätten sie die Straße bestimmt erstmal wochenlang gesperrt bis alles überprüft und ausgebessert worden wäre. Hier geht das eben nich, wegen fehlender Alternativrouten und weil sowas permanent passiert, musste halt vorsichtig fahren und gucken.


Straße is noch voll mit dem ganzen Zeugs ausm Meer, hier und da eine tote Robbe

Die Wellen kommen immernoch bis an die Straße ran und sind krass groß... fettes Schauspiel

...und hin und wieder is das Wasser auch noch nich ganz abgeflossen, bzw. neues wird immernoch auf die Straße gespült von den Wellen... aber alles total sicher =)

Ja Qualität der Fotos is nich die beste, aber reicht um sich ein Bild zu machen. Auf dem weiteren Weg nach Auckland, habe ich übrigens noch erste Erfahrungen mit Glatteis gemacht und ein LKW hat nachts fröhlich Kühe auf der Straße verteilt [Anhängertür nich abgeschlossen]... Also manchmal erlebt man hier schon was - schön, wa?

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* Quelle: http://rightcar.govt.nz/

** Annahme von 40h Flugstunden bei 200kg CO²-Äquivalent pro Flugstunde pro Passagier: Frei Schnauze nach http://www.carbonindependent.org/sources_aviation.html