Kollege: "Nee!"
Icke: "Ja, klar!"
Chef: "Okay, dann besorg dir'n Arbeitsvisum und sobald Du das hast, Flug für'n nächsten Tag buchen."
Chef geht.
Bin dann den ganzen Tag mit einem anderen Chef beschäftigt, rauszufinden, welches Arbeitsvisum ich brauche und das zu beantragen. Im Laufe des Nachmittags fällt mir dann auf, dass ich gar nich weiß, was ich Papua Neuguinea [oder "PNG", wie es bei den coolen Kids und sprachfaulen Kiwis heißt] machen soll. Frage also den ersten Chef, was ich denn da machen soll. Chef weiß es nicht. Immerhin weiß er, es is eilig, weil wir haben da grade einer Firma [Pacific Helicopters] drei Helikopter verkauft, es gibt Probleme, die brauchen jemand und ich solle einfach for Ort nachfragen, was genau ich tun soll. Ähmm.. okay, warum auch nicht.
Und so sitze ich eine Woche später im Flieger über Brisbane [Australien], Port Moresby [Hauptstadt von PNG] nach Goroka [im östlichen Hochland]. Auch wenn sich die Kollegen sehr viel Mühe gegeben haben, mir Angst zu machen und auch jeder zweite von der Heimatfront mich erstmal ausgiebig vor den Kannibalen gewarnt hat - nun habe ich ja dummerweise schon etwas Reiseerfahrung und wie immer gilt: Vorher informieren und vor Ort gesunden Menschenverstand benu... na zumindest nich ganz so dämlich anstellen wie im normalen Leben. Goroka und das umliegende östliche Hochland is relativ sicher. Jeden Tag 25 - 28°C. Wenig Mücken [also kein Malaria, Denguefieber, Zika] auf 1.600m Höhe. Hotel is gebucht und mich holt schon wer vom Flughafen ab. Hoffentlich... denn mein Begleitkollege der schonmal in PNG war und mich beschützen sollte is nich im Flugzeug. Immerhin habe ich ein Diensthandy, allerdings keine Nummern eingespeichert. Die Hubschrauberteile die mein Kollege durch den Zoll bringen sollte, muss ich dann auch wohl auf eigenes Risiko ins Land einführen. Also nix illegales natürlich, aber ich sollte trotzdem in Australien Bestechungsgeld abheben.... hmmm. Nun gut, wird schon irgendwie.
Was mir als erstes in PNG auffällt. Die der Buschfunk funktioniert. Ich wechsle vom Internationalen Terminal zum Nationalen Terminal [klingt jetzt größer als es is =) ] und schnatter da kurz mit dem Einlasser/Wachschutz. Drinne is Taschenkontrolle und wie von Geisterhand, weiß die Frau hinter der Röntgenmaschine, was ich draußen dem Security erzählt habe. Vermutlich weiß schon halb Port Moresby, dass da ein Weißbrot gelandet ist und nach Goroka weiter will. Was auch noch auffällt, kaum andere Weiße und keine Touris - angenehm.
Nach Goroka geht's mit einer kleinen Dash-8...
| Ich glaube ich fange jetzt mal an Hollywood-Schriftzug-Kopien zu sammeln... scheint es so einige in der Welt zu geben |
| Auch wenn Port Moresby die Hauptstadt is, isses nirgends so wirklich Stadt... auf einer mittelgroßen Fläche hingewürfelte Häuschen mit viel grün dazwischen |
| ...nur wenige asphaltierte Straßen... |
| ...dafür viel Berge und Meer |
| ...irgendwann wird der Dschungel unter mir wieder fleckiger - wir nähern uns Goroka. |
| Das ist Zentralgoroka... ich frag mich langsam wo die angeblichen 15.000 - 20.000 Einwohner wohnen. |
Der Flughafen, der übrigens nur auf Sicht angeflogen werden darf [so mal zur technischen Ausstattung], überzeugt durch Einfachheit. Das Gepäckband ist ein großer Tisch mit einem Dach drüber - funktioniert auch.
In der Tat holt mich jemand ab. Dann geht's erstmal in die Firma. Ich kann grade meinen Laptop auspacken, da is auch schon Dienstschluss und ab geht's mit den Kollegen zum Goroka Aero Club [anscheinend hat wirklich jede Landepiste ihren eignen Aero Club] und Feierabendbierchen. So gefällt mir eine Dienstreise.
Da wird dann die Abschiedsparty für einen Kollegen am Wochenende geplant. Und es geht um irgendwas mit "Magic Stick". Ich will wissen was das is. Die Kollegen gucken mich nur an: "Keine Sorge, hier is Social-Media-Verbot." Eine Antwort, die zwar auf der einen Seite beruhigt, auf der anderen aber natürlich doch auch Fragen offen lässt.
An dem Abend lerne ich dann noch, dass Goroka sogar einen Yacht Club hat, auch wenn das nächste schiffbare Gewässer hunderte Kilometer entfernt is.
Dann geht's ins Hotel. Da schlafen alle: Die Mechaniker im Machnikerhaus. Die Piloten im Pilotenhaus. Die Aushilfskollegen [wie ich] im Hotel... allerdings ist da bei mir irgendwas schief gelaufen und ich bekomme eine Suite von allen anderen getrennt durch einen romantisch rauschenden Bach. Meine Theorie ist ja: Der Chef vom Hotel [der Bruder vom Chef von Pacific Helicopters] soll angeblich Mechaniker hassen, besonders neuseeländische Mechaniker. Nun ist mein Name aber relativ unneuseeländisch, vielleicht wurde ich deshalb upgegradet?
Wer jetzt aber denkt, weil ich gestern gleich erstmal das lokale Bier testen war [das gute SP], dass hier ein Lotterleben herrscht und ich den ganzen Tag in der Hängematte sitze, den muss ich leider enttäuschen. Bei Pacific Helicopters wird sieben Tage die Woche, jeden Tag 10 Stunden gearbeitet. Also gut, mittags is eine Stunde Pause. Dafür haben die da 4-weeks-on-4-weeks-off. Also nach 4 Wochen durcharbeiten, hat man einen Monat frei und kann die Zeit entweder mit der Familie verbringen oder rumreisen. Quasi wie auf Ölförderplattformen oder so. Macht auch Sinn weil die Kollegen aus aller Welt kommen. Klingt schon spannend und jeder da unten meinte auch: "Wennde ma damit anfängst, kannste nich mehr zur 5-Tage-40h-Woche zurück: Zu eintönig und zu wenig frei."
Meine Aufgabe für die nächsten 10 Tage is Flugzeuginvestigator spielen. Einer der Hubschrauber, von denen die wir an Pacific Helicopters verkauft haben, hatte ein mehr schlecht als recht gepflegtes Logbuch. Hierzu sei kurz erwähnt, für die Luftfahrtunkundigen: Fluggerät ohne Logbuch is nix wert, weil es es da ganz viele Teile gibt die eine maximale Lebensdauer haben [und wenn die rum is, muss man die wegwerfen, ob sie noch gut sind oder nich] und das teure auch nicht der Hubschrauber an sich is, sondern die Wartung und wenn man nicht weiß, wann die letzte Generalüberholung war, muss man davon ausgehen, dass sie vor dem nächsten Flug ansteht und alle Teile mit maximaler Lebensdauer wegschmeißen.Wenn ihr einen Hubschrauber also am Weiterfliegen hindern wollt, müsst ihr gar nich so umständlich wie in Actionfilmen immer gezeigt das Ding mit einem Raketenwerfer vom Himmel holen: Einfach Logbücher das Klo runterspülen und gut is.
Und ich muss jetzt das Logbuch vervollständigen. Zum Glück kenne ich inzwischen doch so einige Leute die Ahnung, Erfahrung und Zugang zu Wartungsarchiven haben und so kann man sich peu á peu die historischen Daten zusammen klamüsern. So'n Hubschrauber und seine Komponenten kommt nämlich ordentlich rum in der Welt. Und so'n bisschen eignes Grundwissen und Erfahrung habe ich ja auch schon gesammelt.
Und selbst die Zeit früher als Testingenieur hilft: Unstimmigkeiten ne Meile gegen den Wind riechen und dann so lange nachbohren bis man weiß, was genau Phase is, und das dann dem Verursacher technisch höflich verklausuliert vorhalten: Endlich verdiene ich mal wieder mein Geld als pedantischer, rechthaberischer Pain-In-The-Ass =)
Man merkt sofort, dass das Arbeitsklima da sehr pragmatisch is. Es geht darum, Sachen zum laufen zu kriegen und man hilft sich gegenseitig. Also finde ich mich auch echt schnell zurecht. Wenn ich zum Beispiel Teile am Hubschrauber mit dem Logbuch abgleichen will und da einen der Mechaniker frage, gibt er mir Schraubzieher und zeigt mir was ich abbauen muss, um an die Teile ranzukommen. Ach na und wenn ich schon mal da bin, kann ich ja auch gleich noch den Flugcomputer mit den aktuellen Flugstunden programmieren, schließlich hab ich die ja grade recherchiert und der Vorbesitzer hat anscheinend die letzten 100 Flugstunden die Sicherung vom Computer draußen gehabt. So lernt man ziemlich schnell viel Neues und kommt auch mal aus'm Büro raus...
| Blick übers Vorfeld |
| Hangar 2: Die Gute in der Mitte [blau-weiß-rot], das ist mein Problemkind |
| Dieser Bach [denkt euch einfach den Müll weg] floss genau vor meiner Suite, also hatte man in der Nacht voll das Dschungelfeeling |
| Das sieht man, wenn in Goroka landet... einfach von der Landebahn geschoben und aus dem Sinn |
| Beginn der Regenzeit im östlichen Hochland |
PNG war lange Zeit noch Steinzeit und ist es auch noch vielerorts. Allerdings hat das Land sehr viele Bodenschätze. Also kamen da westliche Firmen hin und haben angefangen das Land auszubeuten, wovon die Einheimischen nix hatten. Bis sie die Schnauze voll hatten und rebelliert haben. Daraufhin hat der Staat einige sinnvolle Gestze erlassen: Hohe Steuern auf alles, was ausgeführt wird und jede Firma muss mindestens 80% Einheimische anstellen. Nun hat ja schon Neuseeland ein Problem Luftfahrtfachkräfte ranzubekommen, aber PNG hat gar kein Ausbildungssystem so wirklich, also gab es bei mir in der Firma einen Hofstaat an Leuten die Hubschrauber waschen, den Garten pflegen oder putzen. Und eben auch ein paar Mechaniker aus PNG, die quasi in der Firma ausgebildet werden. Aber auch das ist nicht ohne Probleme. Viele Einheimische ballern sich den ganzen Tag mit Bethelnuss [Buai] zu. Jeder Zweite der einen angrinst hat rote Zähne vom Buai kauen und überall auf der Straße sind getrocknete Flecken roter Siffe. Ich konnte das erst nicht zuordnen aber das ist ausgespucktes Buai. Und wenn die erstmal damit anfangen is das ein Bisschen so, als würde bei uns jemand Tag-ein-Tag-aus kiffen. Permanent breit, antriebslos und nix gebacken bekommen. Und einige die am Anfang echt das Zeugs hatten sind jetzt ihren Job wieder los, weil sie irgendwann nicht mehr zur Arbeit kamen.
Und denen die gut sind, kann man auch nicht einfach mehr zahlen um sie zu halten, weil es dann Ärger von der Gemeinde gibt, warum sie denn jetzt mehr verdienen. Also versteht mich nicht falsch: So einige der einheimischen Kollegen machen ihre Sache echt gut und sind wichtiger Teil der Firma, aber es gibt eben doch auch eine Menge Probleme. Und in PNG sind 90% arbeitlos und leben von dem, was sie in ihrem Garten anbauen.
Die Steuereinnahmen aus den Bodenschätzen versacken in den Taschen der Politiker. Korruption ist allgegenwärtig. Regelmäßig baut die Polizei irgendwo Check-Points auf zum abkassieren. Unseren Firmenbus lassen sie immer passieren, weil sie ja sonst von irgendwem Ärger bekommen könnten.
Und genauso wie in Mexiko sind die Bullen nicht nur korrupt, sondern man tut alles, um ihnen aus dem Weg zu gehen.
Vor einiger Zeit ist ein Polizist mal Nachts besoffen durch Goroka gerannt und hat [je nachdem wen man fragt] entweder Leute grundlos zusammen geschlagen oder angeschossen. Daraufhin hat sich ein Lynchmob gebildet und den Bullen tot gehauen. Am nächsten Morgen wussten die Kollegen schon, ohne die Geschichte bis dahin zu kennen, dass was komisch ist, weil ganz Goroka voll mit Polizei war. Die haben dann einfach angefangen wahllos Leute zu erschießen und zu verprügeln bis ihnen jemand sagt, wer an dem Mob beteiligt war. Die Kollegen saßen den ganzen Tag auf Arbeit und haben die Schüsse und Maschinengewehrsalven gehört und am Abend waren sechs Leute in Goroka tot - ob's die Leute vom Lynchmob waren ist vermutlich unrelevant.
Langsam verstehe ich die Aussage von einem Kollegen gleich am ersten Tag: "Wenn du irgendwo laute Stimmen oder Streit hörst: Einfach umkehren und in die andere Richtung laufen - Du willst da nich dazwischen geraten."
Ich habe da im Laufe der Zeit einige krasse oder surreale Geschichten gehört... Aber genauso typisch ist auch wieder der Gegensatz, wie freundlich die Leute an sich sind.
Einen Abend bin ich mit einem Kollegen zurück zum Hotel gelaufen, weil er nochmal über den Markt wollte und ich mal raus aus den Stacheldraht umzäunten Inseln. Goroka ist zwar sicher, aber er meinte trotzdem, wir nehmen seinen Guard mit, weil dann können wir noch ein bisschen Tok Pisin [das Pidginenglisch da] lernen. Bei "Guard" dachte ich jetzt erstmal an einen jungen, kräftigen Mann. Am besten mit Machete oder so. Nix da, kommt ein uraltes, klappriges Väterchen um die Ecke. Ha, aber das is bestimmt so'n Kungfuopa, wa? Mein Kollege meint nur: Nee, wenn da wer böses kommt, guckt Thomas [unser Guard] den nur an und dann rennt der weg. ... ...ich zweifle ein wenig an der geistigen Verfassung meines Kollegen. Aber als wir losgehen verstehe ich ziemlich schnell, wie das hier funktioniert. Fast jeder in Goroka kennt Thomas, und da mein Kollege und ich als einzige Weiße sofort überall auffallen, bekommen auch alle irgendwie mit, dass wir Freunde von Thomas sind. Also würde uns keiner was tun. Und wenn doch wer auf doofe Gedanken käme, dann würde der Rest der Gemeinde ganz schnell dafür sorgen, dass den Freunden von Thomas kein Haar gekrümmt wird.
Ich lerne nicht viel Tok Pisin, aber immerhin: "Awenun" [Afternoon] ... Das is die Nachmittagsbegrüßung. Und die meisten Leute freuen sich sowieso schon, wenn man sie anlächelt, aber wenn man dann auch noch ihre Sprache spricht bekommt man immer ein breites Grinsen und ein "Awenun" zurück. Das viele Leute erst skeptisch sind, liegt bestimmt daran, dass Weiße hier eben den Ruf haben für westliche Firmen zu arbeiten und nur die Bodenschätze aus dem Land zu rauben und dafür nix zurück geben. Was ja leider oft auch stimmt.
Auf dem Markt, gerate ich zwischen ein Minischwein und seine Mutter. Also rennt das Ferkel los in meine Richtung. Schweine sind da extremst viel wert und ich wurde vor meiner Abreise gewarnt, keinem Schwein was anzutun - das wäre da ein Todesurteil [nicht weil es heilig ist, sondern einfach viel wert]. Also fange ich an vor dem Schweinchen wegzulaufen. Es scheint das Spiel zu mögen und rennt mir hinterher. Zur großen Freude der Einheimischen jagt nun die Minisau das Weißbrot über den Markt. Weiß dann am Abend bestimmt ganz Goroka, die Geschichte... auf einen Schlag berühmt in PNG =) ...
Auf dem Markt merke ich auch wie schnell der Buschfunk hier funktioniert. Ich schnattere zwei, drei Sätze mit einem Verkäufer und während ich mich wegdrehe zum weitergehen, höre ich, wie er schon fröhlich weitererzählt, dass ich aus Neuseeland komme und Greg heiße. Besser als Facebook oder Twitter.
| Es gab da einige echt geile Gewitter... |
...aber nicht nur der Himmel hat teilweise ne echt geile Show geboten. Ich durfte da auch einem 6.5-Erdbeben beiwohnen. Das merkt man dann schon ordentlich. [Link zu USGS: Hier] ...aber als es losging schnattert der Kollege, mit dem ich grade am reden bin, knallhart weiter ohne mit der Wimper zu zucken. Ich frag mich erst, ob die Party am Vorabend wohl doch etwas zu heftig war, aber das Beben war dann doch real und die sind das in PNG nur gewöhnt - passiert da nämlich öfters.
Vorabendparty war übrigens schön. Die war im Aero Club [Abschied für irgendwen mit richtig lecker Essen und billig Bier] und irgendwann gab's Raffle [sowas wie bei uns Tombola oder so]. Der Losverkäufer kommt zu mir: "Ein Los für 3 Kina und 3 Lose für 10 Kina." [Kina is die Währung da]... Ich gucke ihn fragend an und erkläre ihm, dass ich noch nich total besoffen bin. Ihm fällt der Haken in seiner Rechnung auf und meint der eine Kina extra wäre ne Spende für den Aero Club. Nagut, die erlauben mir mitzufeiern, ohne dass ich Mitglied bin, da spendet man auch mal gerne 1 Kina. Irgendwann geht es an die Verlosung der Gewinne. Hätte nicht mit irgendwas gerechnet oder sowas wie eine Wurstplatte, was eben Standartpreis bei sowas is, aber nein, die passen die Gewinne an die Umgebung an und so bin ich jetzt stolzer Besitzer einer hochwertigen und schön verarbeiteten Machete. Kann man auch in Neuseeland gut gebrauchen, wenn es zum Beispiel mal wieder Streit in der WG gibt, wer denn nun mit putzen dran sei.
| Hangar 1... viel Betrieb die ganze Zeit, aber die haben auch 'ne Flotte von ca. 30 Helis |
| Mystische, fremde Welt |
![]() |
| Das Deck am Mechanikerhaus... ganz wichtiger Tipp: Da niemals nicht besoffen einschlafen. Will ich nur mal gesagt haben... |
Ich habe ja schon öfters erzählt, dass man sich in der Luftfahrt immer zweimal begegnet und dass das schon so'ne kleine eigene Gemeinde is. Aber hier fiel das nochmal extremst auf. Alle möglichen Piloten und Mechaniker, die so im Laufe der Zeit kamen und gingen kannten sich irgendwoher direkt oder über drei Ecken oder haben zumindest alle schonmal hier und da gearbeitet. Auch einen Kollegen, der ab und zu noch für Airwork arbeitet, jetzt aber in Peru wohnt, und wie ich in PNG geholfen hat, kannte ich vom saufen aus Berlin. Den hatte ich in Berlin getroffen, weil eine Exkollegin [in Bremen kennengelernt aber ihres Zeichens Berlinerin] von einem meiner früheren Arbeitgeber [großer europäischer Flugzeughersteller], vor langer Zeit schonmal bei meinem jetzigen Arbeitgeber gearbeitet hat und er damals auch noch und die sich so aus Auckland kannten - daher das Treffen in Berlin von den beiden, wo ich eben zufällig mit dabei war... Naja und so trifft man sich eben im Dschungel wieder. Und so geht das da die ganze Zeit.
Oft sitze ich aber auch einfach nur da und höre zu, weil die Geschichten von den Ölbohrplattformen und abgelegenen Inseln, die quasi nur eine Kupfermine mit Bergarbeiterdorf und Hubschrauberhanger sind, schon aus einer eigenen Welt sind, von der man außerhalb nicht viel mitbekommt. Oder die Erlebnisse der Älteren aus den Zeiten, als das alles noch nicht so reguliert war in der Luftfahrt in diesem Teil der Welt. Aus den ganzen Erzählungen und Gesprächen fügt sich so langsam ein faszinierendes Bild zusammen über diesen Menschenschlag, der die meiste Zeit seines Lebens an den Grenzen der Zivilisation verbringt.
Also alles in allem eine echt krasse Zeit, dafür dass es nur 10 Tage war [bzw. 12 mit An- und Abreise]... Soviel neues gesehen und erlebt, in Anbetracht dessen, dass ich eigentlich nur am Arbeiten war... Sollte ich da nochmal hinkommen, werde ich mir auf alle Fälle auch mal zwei, drei Tage Zeit zwischendrin für das Land nehmen, weil auch die melanesische Kultur und die Natur da sind echt spannend, aber eben nicht, mal so zu erkunden - aber ich kenne ja jetzt Leute da.
Zum Abschied noch eine kleine Anekdote: Einer der ersten Tage. Ich warte mit einem Kollegen nach Dienstschluss am Firmenbus.
Icke: "Ich muss auf'm Weg zurück noch Bier kaufen. Hab schon gestern von den anderen getrunken."
Kollege: "Keine Sorge, wir lassen hier niemanden verdursten."
Icke: "Nicht mal aus Spaß? So für'ne Stunde oder so?" [Ich hatte ja schon mitbekommen, dass man sich hier gerne mal ein wenig piesackt und Schabernack unter Kollegen zum guten Ton gehört.]
Kollege guckt mich total ernst an und erklärt dann mit ruhiger Selbstverständlichkeit: "Nein. So fangen Prügeleien an."
...unter uns, ich glaube ihm.









