28 August 2024

Bolivien - Sucre

Das Busnetz in fast allen lateinamerikanischen Ländern ist ja richtig geil. Man kommt überall hin, sehr preiswert, ziemlich komfortabel und die Busse fahren sehr regelmäßig. Macht ja auch Sinn wenn sich kaum einer ein Auto oder das Flugzeug leisten kann, aber die Leute eben doch von A nach B wollen/müssen.

Seinerzeit in Peru und Mexiko durfte ich ja schon damals auf einigen langen Strecken in den genuss von Komfortbussen kommen. Da sind nur 3 Sitze pro Reihe, meist zwei links und einer rechts. Das sind so riesige, fette und ziemlich bequeme Sessel die man meist bis 160° oder mehr zurück klappen kann und liegt damit fast flach. Für die Beine gibt es dann auch noch so ein Ding zum ablegen, also laut Erinnerung echt fast wie ein Bett.

Marie und ich hatten bei unserer Recherche mit Freude entdeckt, dass diese Art von Bus inwzischen auf fast allen Routen angeboten wird. Ja geil, dann können wir lange Strecken ja nachts fahren und gemütlich ausschlafen. Spart Unterkunftskosten und wir haben viel mehr Zeit an den jeweiligen Orten. So dachten wir zumindest.

Die Busse kommen allerdings fast immer so zwischen 4:00 und 6:00 morgens an. Marie hat sowieso einen sehr leichten Schlaf und ich kann nur schlafen, wenn ich flach liege. Ich brauche weder viel Komfort oder Platz [Bassbox im Club? Roll ich mich drauf ein wie'ne Katze und Chrrrrrrrr.... Zwischen den engen Sitzreihen im Flieger aufm Boden? Klemm ich mich zwischen und ZZZzzzzzZZZZzz, bis irgendeine nervige Stewardess mich aufweckt und mir irgendwas von Luftfahrtsicherheitsbla erzählt], aber sobald man den fetten Ledersessel im Bus nicht auf 180° Kippen kann, weigert sich mein Körper einzuschlafen. Keine Ahnung warum. Und so 4:00 auf einem dunklen Busbahnhof mit schwerem Gepäck nach einer Nacht mit kaum Schlaf is dann doch nicht so entspannt, wie man so erstmal annehmen würde, wenn man das so hört.

Und noch ne ganz andere nicht so geile Sache: Man sieht nix vom Land. Irgendwie hatten wir das beide so ein wenig verdrängt, weil die Busfahrten sind meist ja nicht das Highlight. Man sitzt eben im Bus und guckt inne Landschaft. Oft auch nicht das allerspannenste, weil Straßen ja eher da sind, wo Orte und Felder sind und etwas weniger Natur. Zusätzlich hat man da weniger Erinnerung dran, weil Fotos aus'm Bus raus durch die Glasscheibe sind meist nicht so genial, wie wenn man draußen rum läuft und alle Ruhe der Welt hat. Aber, man bekommt beim Rumfahren eben doch nochmal einen gewissen Eindruck von Land, Kultur, Leuten, Natur und so weiter, auch wenn es teilweise mehr wie ein Film ist als da jetzt wirklich einzutauchen und selber aktiv zu erkunden.

Erstmal egal. Erstmal ein Hotel finden und Ausschlafen. Wir finden zwar sogar eins [ich glaube zumindest das war hier in Surce], die uns einen reduzierten Preis geben, wil wir ja nich die ganze Nacht da sind [voll nett], aber damit erweist sich nichtsdestotrotz unsere Idee so Geld zu sparen, als nicht ganz so realitätstauglich, wie gedacht.

 Irgendwann um 10 stehen wir wieder auf, duschen, machen uns frisch und checken wieder aus. Die Sachen lassen wir erstmal im Hotel. Bevor wir uns auf den Weg zu einem leckeren Frühstück machen, fragen wir, ob sie uns am Abend ein Taxi zum Busterminal organisieren können und sie uns den Nachtbus nach Uyuni reservieren können. Wir haben nämlich eine voll geniale Idee: Wir nehmen einen dieser komfortablen Nachtbusse, mit den 3er-Sitzreihen, da kann man nämlich super drinne schlafen und dann kommen wir ganz entspannt am nächsten morgen in Uyuni an und dann sparen wir uns die Unterkunft für die Nacht und haben dann viel mehr vom Tag. Gott, sind wir beide klug, gewieft und reiseerfahren.

 Wir laufen Richtung Innenstadt und finden in einem hellen Innenhof ein kleines Café, das echt gemütlich aussieht. Also hier Frühstück.

Lecker Salchipapa mit O-Saft und Kaffe. Salchipapa heißt übersetzt Wurstkartoffel und is sowas wie die bolivianische Currywurst: Kleingeschnippelte Wurst mit Pommes. Gib's überall. Kost nicht viel. Und wenn man was warmes in'n Magen haben will, dann kann man da nix gegen einwenden.


Ausgeschlafen, satt... da is die Stimmung doch gleich schon wieder viel, viel besser. Also spazieren wir los, uns ein wenig Sucre angucken.


Nach der holzverzierten Kirche in Santa Cruz [wo ich mir schon fast Sorgen um die Zustand der katholischen Gottesvertretung gemacht hatte], ist hier alles wieder im Lot... nachher denkt noch jemand die würden Demut oder so predigen


In der Ferne sieht Marie einen Berg und will da rauf, weil man da bestimmt einen tollen Überblick über die Stadt hat. Finde ich eine gute Idee. Also laufen wir immer weiter hoch in Richtung des Berges.


Sucre scheint sehr stolz auf sein Erbe aus der Kolonialzeit. Überall in der Stadt sieht es erstaunlich gepflegt, im Sinne von Bausubstanz erhalten und bewahren, aus...


Es gibt vielerorts Schlösser, Bauten und Paläste mit teilweise ziemlich viel Geschichte, wo man dann auch fast immer rein darf.


Links die Staatsflagge Boliviens. Rechts die Flagge der indigenen Andenbevölkerung, die ebensfalls offizielle Flagge des Plurinationalen Staates Boliviens ist

 

Sucre war vor Ankunft der Spanier schon eine Inkastadt. Dann wurde hier die Revolution gegen die Spanier ausgerufen [evtl sogar die erste in Lateinamerika?] und deshalb wurde Sucre die Hauptstadt von Bolivien. Deshalb gibt es hier so viel Geschichte und Geschichtliches. Später hat sich La Paz zur Hauptstadt ernannt. Sucre fand das nicht so cool und sieht sich immer noch ein wenig als Hauptstadt. Und irgendwie sind sie irgendwie auch noch eine Hauptstadt... Ich hab's nicht ganz verstanden, aber is ooch nüch weita shlimm, wa?


Durch die Innenhöfe stolzieren wie die alten Kolonialherren...


Die Paläste stürmen wie die Revolutionäre...

Und dann in den Säälen platz nehmen wie der erste Präsident Boliviens...

Dann gehen wir erstmal weiter hoch in Richtung des Berges

Die Seitenstraße die uns zu den Wanderwegen den Berg hoch führen soll sieht schon etwas ärmer aus

Ein Auto fährt vorbei und uns wird was von "Peligroso" [ = gefährlich] zugerufen. Hmmm, wir sind unentschlossen. Meinte die Person uns? War es wirklich "peligroso" oder was anderes? Keine anderen Personen da zum fragen. Also werfen wir einen Blick auf die Karte und beschließen, nach einigem Abwägen, den direkten Weg zur Kathedrale zu nehmen. Der Berg is ja sowieso viel zu hoch... und äh... bergig.


So sieht es aus, wenn man die Häuser länger nicht streicht. Also etwas eingefallen das Haus, aber ich finde diese Farbverläufe von weiß nach rot-braun irgendwie auch ganz schön, grade mit die grünen Flecken dazwichen

Eine Straße weiter ist schon wieder alles schnieke

...und so kommen wir relativ zügig bei der Kathedrale an

Vom Vorplatz toller Blick über die Stadt

Neben der Kathedrale ist ein riesiger Platz mit einer Wandelgalerie, die weitere tolle Blicke über die Stadt preis gibt

Auf dem Platz vor der Kathedrale spielen die Einheimischen Fußball und im Hintergrund der Berg, auf den wir dann doch nicht rauf sind


Wir laufen wieder runter ins Stadtzentrum.


Ein Seitenflügel vom Regierungsgebäude... Parlamentspalast... evtl war das das Justizgebäude? So oder so: Ordentliche Fassade

Gegenüber vom Justizgebäude eine Art Museum-Kunstausstellung-Stadtprojekteerklärungs-Zentrum mit ganz vielen schicken, abwechslungsreichen Hinterhöfen

Das eigentliche Regierungsgebäude: "Die Einheit ist die Stärke"


Wir entdecken, dass man da auch rein darf. Ich glaube hier war der Eintritt ein paar Pesos, aber dafür mit geführter Tour und man darf auf's Dach. Also machen wir das doch. Wir bekommen ein Umhängekärtchen, damit alle sehen, dass wir Gäste sind, dürfen aber bis der Führer kommt, schon mal ein wenig selbstständig erkunden.

Am Eingang wird halbwegs ordentlich kontrolliert und hier ist auch Militär anwesend, weil hier auch nebenbei normaler Politikbetrieb herrscht. Irgendwann werden wir eingesammelt und die Tour geht los.


Auch wieder alles echt stilvoll

Jede Etage und fast jeder Gang ist anders pompös, teilweise mit riesigen Wandgemälden, die die Geschichte des Landes und von Sucre erzählen

Dann geht's hoch auf's Dach

...von wo aus wir einen richtig genialen Ausblick üder den zentralen Plaza und die gesamte Stadt haben

Ein Meer aus roten Dächern

Ha, wer braucht schon gefährliche Berge, wenn es sichere Hausdächer gibt


Dann verabschiedet sich der Führer von der Gruppe, wünscht uns einen schönen Tag und viel Spaß noch hier im Gebäude und weg issa. Oha, okay, dann dürfen wir hier also sogar auf eigene Faust erkunden. Cool. Marie und ich laufen los und kommen bald in einen architektonisch sehr interessanten Seitenflügel....


Binnen eines Raumes Wechsel von Barock zu Bauhaus, von Kolonial zu Kommunistisch, von Stuck zu Stahlbeton...

...einfach mal so ein paar Jahrhunderte übersprungen. Find ich, hat was

Dann schlängeln wir uns wieder durch Gänge um einen der Innenhöfe in den Hauptteil. Wir entdecken eine große, alte Tür die nur angelehnt ist und gucken rein. Oha...


Der Saal der Regierung. "Chuquisaca" ist der Name der Inkastadt die hier vor der Ankunft der Spanier war und auch heute noch weiterhin neben Sucre offizieller Name der Stadt


Man beachte auch links vorne die beiden Plastestühle im Gegensatz zu den alten, edel gepolsterten und schick verzierten Holzstühlen. Es wäre nicht so, dass da einfach bei der letzten Sitzung zu wenig Stühle waren: Rechts an der Wand [außerhalb des Fotos] stehen noch weitere noble Stühle. Maries Theorie is, dass die Parlamentsaufpasser hier manchmal abends Karten zocken, sich aber nicht trauen auf den Regierungsstühlen zu sitzen. Schon wieder ein Mysterium.

Aber gut, viel wichtiger: Was macht man, wenn man die einmalige Chance hat, so einen einzigartigen Blick auf das Machtzentrum von der Stadt Sucre zu werfen? Wenn man einmal diesen respektgebührenden Ort ganz für sich alleine hat, wo Weltgeschichte geschrieben wurde, als hier die lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbestrebungen begannen? Wenn man einen Moment der Ruhe hat, in diesem Raum, wo Bolivien vielleicht seine Souveränität besiegelte und die Nation gründete? Wenn grade keine Politker beraten? Keine anderen Touristen anwesend sind? Wenn grade kein Parlamentsbewacher da ist um einen zurück zu pfeifen?


Man nutzt die Gunst der Stunde: Viva la revolución! Viva el comandante Gregorio el Genejoso! Viva el poder eternal de la luz del mundo: Chuquisaca. El pueblo unido, jamas seran vencido! Aber ich werde natürlich keine Herrschaft der Unterdrückung anstreben, wie diejenigen vor mir. Diejenigen hingegen, welche mit mir für die Menschenheit kämpfen, sollen an meinem runden Tisch mit entscheiden dürfen, wie wir gemeinsam unsere Zukunft und die der Welt gestalten.

....hmmm... soso, keine weiteren Interessenten? Na dann... werden wir doch als ersten Beschluss für die Völker festlegen, das Militärkasernen zu Brauereien umgebaut werden sollen und Gewehre zu Bierdosen gewalzt werden sollen. Freibier für eine befreite Welt!

Dieses Mural erzählt dann auch meine Geschichte, wie erst zum König von Samaipata [siehe letzter Post] wurde und dann zur Bierfeier.. ähm, zum Befreier der Welt

Some people just want to watch the world burn, ae?


Nach der erfolgreichen Revolution tingeln wir langsam zurück Richtung Hotel, wo noch unsere Sachen sind...


Einen letzten Blick noch in eine weitere Anreihung von abwechslungsreichen Hinterhöfen...

...

Dann gucken wir noch mal ein wenig auf die Dachterrasse unseres Hotels auf ein letztes Tassenbier

...die Stadt verabschiedet sich von uns mit einem Lichtermeer

Das Taxi, welches uns zum Busbahnhof bringt, fällt fast auseinander. Der Kofferaum ist zu klein für unsere Rucksäcke, also bleibt der Deckel offen. Damit sich die Chance verringert, dass jemand unsere Rucksäcke klaut, brettert der Taxifahrer entsprechend zügig durch die Stadt, wodurch sich bei den ganzen Huckeln und Bodenwellen natürlich die Chance erhöht, dass sie einfach rausfallen. Dennoch kommen wir ohne Verluste am Busterminal an

Ich im Alte-Opas-Sitz? Joa, eso es mi preferencia

 

Dann rollt der Bus los. Richtung Uyuni zu größten Salzpfanne und zum größten Zugfriedhof der Welt. Da wollte ich schon seit Ewigkeiten hin. Ich kann es kaum erwarten.... Definitv ein lange gehegter Traum von mir.


27 August 2024

Bolivien - Samaipata

Als Geburtstagsgeschenk für Marie hatte ich einfach die ersten Tage in Bolivien organisiert und übernommen, damit sie einfach ankommen kann und erstmal genießen und dann gucken wir worauf wir so Lust haben und wie es weiter geht.

 

Da ich jetzt die Karte nicht am Anfang jeden Posts haben möchte, is hier einfach einmal die Karte der ganzen Tour und wer möchte muss dann eben bei späteren Posts nochmal hierher zurück kommen

 Wir landen am Flughafen von Santa Cruz de la Sierra. Na mal gucken, wie hier is mit Geld bekommen. Wir gehen zu einem Geldautomaten. Er spuckt einen relativ hohen Betrag mit durchaus akzeptablen Gebühren aus. Oha, so geht es also auch. Dann mit Taxi erstmal zum Hotel. Da Santa Cruz laut meiner Recherche nicht herausstechend besonders ist, aber es bis zu dem Ort, womit ich Marie eigentlich überraschen möchte doch ein Stückchen ist und man in Lateinamerika nichts schnell-schnell planen sollte [Todo es posible, nada es seguro - Alles ist möglich, nichts ist sicher], habe ich für die erste Nacht ein einfaches Hotel möglichst nah am Zentrum von Santa Cruz gebucht. Ist sauber und ordentlich, für uns mehr als ausreichend nobel [wir sind da beide relativ einfach] und mit freundlichem Personal: Also erfüllt alle Anforderungen an die erste Nacht hier.

 

Sogar mit Aussicht durch das orange getönte Fenster...

...und einem Pool, den wir sogar ganz für uns haben. Wir beide sind nicht wirklich Poolmenschen, aber hey, jetzt haben wir den schon mal also trinken wir da ein Bierchen und gehen eine Runde schwimmen


...dann ziehen wir los uns ein wenig die Stadt angucken. Bolivien fühlt sich gleich schon weitaus mehr nach Lateinamerika an, als Buenos Aires. Bolivien ist eins der ärmsten Länder der Region, aber auch eins der sichersten - zumindest was Gewaltkriminalität angeht. Schon damals, bei meinem ersten Besuch war ich total von den Bolivianern und ihrer Mentalität begeistert. Damals war ich ja nur in La Paz und am Titicacasee, aber nach den sehr aufdringlichen Peruanern, die einen auf Schritt und Tritt haben spüren lassen, dass man für sie nur ein wandelndes Dollarzeichen is, um alles feilschen und dann auch noch total undeutlich Sprechen, waren die ruhigen, stolzen Bolivianer ein Segen. Preise sind Preise und man muss nicht um jede Tomate drei Stunden handeln. Man wird nicht permanent zugelappt oder verarscht.

Offiziell schimpft sich das Land "Plurinationaler Staat Bolivien", weil die Bolivianer Stolz auf ihre vielfältige Herkunft sind [Aymara, Quechua und so weiter] und im Verhältnis zu den Nachbarländern war Bolivien auch ziemlich friedlich, was sie leider eine Menge Land und jeglichen Zugang zum Meer gekostet hat. Und klar gab's und gib's auch hier ordentlich Tumulte, Aufstände und Dergleichen, aber is ja schließlich auch immernoch Lateinamerika, sonst wäre ja langweilig.


Zentraler Plaza mit großer Kirche... Halten wir fest, wir sind in einer lateinamerikanischen Stadt

Santa Cruz hat in der Tat nicht viel Herausstechendes zu bieten, aber ist trotzdem angenehm angenehm. Wir lassen uns ein wenig treiben, kaufen ein wenig ein und besorgen uns was zu essen

Also zum Ankommen und Engewöhnen echt okay...

...hat alles was man so erwartet, aber das Soll wird jetzt auch nicht übererfüllt...

Kirche ist wie immer schnieke

 

Wir erkundigen uns noch wo die Minibusse nach Samaipata abfahren. Da soll dann Maries eigentliches Geburtstagsgeschenk sein. Eine feste Uhrzeit für die Abfahrt gibt es nicht, sie fahren wenn sie voll sind. Aber sie fahren - mehr brauchen wir nicht, wir sind ja im Urlaub. Und so läuft es auch am nächsten Tag. Wir tingeln da hin, laden die Taschen ab, besorgen uns etwas zu Essen für die Fahrt und nicht allzu lange später braust der Minibus [besonders Mini für große Europäer] los Richtung Samaipata. Irgendwann verwandeln sich die langweiligen Vororte und Felder in spannende, relativ unberührte Natur an steilen Berghängen. Dann schmeißt uns der Minibus in Samaipata raus. Erster Eindruck: Schick irgendwie, aber auch gleichzeitig noch sehr einfach.

Laufen oder Taxi? Wir wollen uns einfach mal was gönnen. War dann auch ganz gut: Das Taxi holpert doch ein kleines Stückchen aus dem Städtchen, eine ziemlich steile Straße hoch, links und rechts kläffen die Köter und vor allem wäre uns nicht wirklich ersichtlich gewesen, wo wir lang gemusst hätten.

Und zu meiner Freude ist unsere Unterkunft in der Tat so, wie ich sie mir erhofft habe...


Während unser Häuschen noch fertig gemacht wird bekommen wir erstmal einen Salat aus dem eigenen Garten [die Blumen kann man auch essen]

...unsere Unterkunft hat alles was wir brauchen...

...eine kleine Hütte etwas abseits nur für uns.


Auf dem Hügel dahinter erstreckt sich ein endloser "Garten" [eher ein Naturschutzgebiet von der Art und Größe her] mit Wanderwegen einen Berg hoch, die wir erstmal erkunden.


Immer wieder beeindruckend wie groß die Blüten von Agaven werden

Das da hinten im Tal ist Samaipata. Ihr seht also, der Garten ist ordentlich groß

Schnell gewinnen wir an Höhe

Eine vielfältige Flora... eine interessante Mischung aus Dschungelgewirr und Wüstenbewuchs

Man ist nie zu alt für Pusteblumen

Ganz oben entdecken wir einen Thron. Also besteige ich ihn und kröne mich mit der zuvor gesammelten heiligen Papaya zum Rey del Mundo, Don Gregorio el Grande... Und schaue verzückt über meine außerordentlich üppigen Ländereien und emsigen Untertanen zu meinen Füßen. Soll mir mal hier einer streitig machen, den Titel, ha!


Aber die haben nicht nur diesen riesigen botanischen Garten da, sondern rund um das Restaurant herum gibt es einen ebenfalls erstaunlich großen Obst- und Gemüsegarten. In dem wird nicht nur alles Grünzeugs für das Restaurant angebaut, sondern die Gäste dürfen sich da auch bedienen. Und da wir eine Küche im Häuschen haben, haben wir genau das vor...


Ein kleiner Teil des Garten. Es gibt hier so endlos viele Sorten Salate, Kräuter, Gemüse, Gewürze, Chilis, Obste... und alles total schön angelegt


Aber erstmal wollen wir nochmal kurz in die Stadt, uns ein wenig Samaipata angucken und was zu Essen einkaufen.


Samaipata ist nicht nur erheblich kleiner als Santa Cruz, sondern auch erheblich einfacher. Außer um den zentralen Plaza gibt es kaum asphaltierte Straßen

...dafür ist es um einiges schöner, hübscher, niedlicher? Wie auch immer, man ist hier einfach gernerer

Überall kleine putzige Umfeldverbesserungsmaßnahmen. Man merkt, die Leute wohnen gerne in ihrer Stadt.

Und selbst wenn mal etwas ein wenig runter gekommen ist... guckt euch mal den Kakteengarten auf der Mauer an... irgendein kleines Highlight entdeckt man immer

Und auch nachts büßt die Stadt nichts von ihrer Kreativität ein, mit einfach Mitteln den Ort echt wohnlich zu machen


Auf dem zentralen Plaza tummeln sich viele Einheimische und die üblichen Demonstranten schwingen Reden und spielen alle möglichen Arbeiterkampfrevolutionslieder... Also die Demonstranten sind eher Besetzer, die da rumsitzen und vermutlich gegen kapitalistische Besatzer demonstrieren. Irgendwie so, aber das scheint in Bolivien [grade?] en vogue zu sein. In den urigen, gemütlichen, verwinkelten Bars mit ihren Dachterrassen drumrum findet man eher einige Touristen und ziemlich viele Auswanderer, bzw. Work-&-Traveller. In den Randbezirken wird es noch etwas einfacher und weniger kunstvoll, aber auch nicht schäbig. Es gibt einige kleine Läden und anstatt Supermärkten gibt es hier überdachte Märkte: Ziemlich große Hallen mit langen Reihen kleiner Stände sortiert nach Angebot: Obst und Gemüse, Backwaren, Fleisch & Käse, Krimskrams, Klamotten, Haushaltswaren, Elektro-Allerlei-Irgendwas. Und an jedem Stand sitzt dann meist eine alte Muddi und bietet ihre Waren feil.

Der Weg zurück zur Unterkunft is für mich die absolute Hölle. Überall auf den Grundstücken widerliche Wachköter und teilweise sind die Zäune nicht wirklich dicht. Dazu streckenweise sehr, sehr dunkel. Mehrfach mache ich mir komplett ins Hemd und würde am liebsten weinend zusammen brechen. Erlaubt Marie aber nich. Also komme ich wie durch ein Wunder doch im sicheren Heim an.

Ich hatte ja die Idee mit Marie noch einen Ausflug in den nahegelegenen Amboró National Park zu machen. Der steht in jedem Reiseführer ganz oben auf der To-Do-Liste. Mit Wanderungen und Kanutouren durch die unterschiedlichen Ökosysteme. Von den hohen Karstbergen bis runter in den Regenwald. Dazu Bilder von atemberaubender Natur und unglaublichen Landschaften. Ich hatte da vorher schonmal einige Optionen rausgesucht, aber erstmal alles relativ ungeplant gelassen, weil das ja Teil von Maries Geburtstagsgeschenk sein sollte und von daher wollte ich ihr die Wahl lassen. Marie hatte sich allerdings entschieden sich von allem überraschen zu lassen. Macht ja auch Sinn: Is ja doof, wenn man sein Geburtstagsgeschenk schon vorher weiß. Also konnte ich überhaupt erst am Vortag von dem Park und seinen Möglichkeiten erzählen. Wir waren schon bei einigen örtlichen Reiseveranstaltern am Vortag, aber irgendwie hatte uns nix so wirklich davon überzeugt. Alles irgendwie so unspektakulär weil man nur in der äußeren Peripheri des Parks bleiben würde und dafür sehr viel Rumgefahre, weil der Park eben doch riesig ist und nur wenige Zugänge hat. Und eins der Highlights war fast immer ein Wald mit riesigen Baumfarnen. Und so sehr ich Baumfarne liebe, aber dafür muss ich hier zu Hause nur aus'm Fenster gucken. Kanu fiel auch flach wegen Trockenzeit. Entweder hätten wir selber ein Auto haben müssen oder viel, viel mehr Zeit einplanen und am Besten noch ein Zelt.

Marie findet alle Optionen doof und ich bin auch nicht wirklich damit zufrieden. Also beschließt Marie den Nationalpark Nationalpark sein zulassen und guckt sich auf der Umgebungskarte von Samaipata einige kleine Highlights raus. Zuerst mal auf einen Hügel/Berg direkt neben Samaipata. Los geht's...


Also erst dachte ich ja Argentinien wäre die Heimat der Air Plants, aber wenn man sich hier so die Stromleitungen anguckt, scheint Bolivien wohl das Paradies für die zu sein


Dann geht es steil einige Straßen hoch die so unwegsam sind, dass wir nicht den blassesten Schimmer haben wie die teilweise doch relativ modernen Häuser links und rechts hier hoch gekommen sind. Selbst mit einem 4WD wäre da nix zu machen. War das hier mal besser? Wurde alles von Hand hochgetragen? Es sollte ein Rätsel bleiben.


Bald sind wir hoch oben über Samaipata und genießen den Ausblick üder das Städtchen und die Amboróparkberge im Hintergrund

...aber der Weg führt weiter steil nach oben, vorbei an Halbwildpferden und Adlern...

Dann kommen wir auf eine Hochebene oder zumindest relativ gedehntes Hochland, was sich durch ein breites Hochtal zur nächsten Hügelkette erstreckt und in der Ferne ein tiefes Tal und dahinter ziemlich hohe Berge. Keine Zivilisation, aber viele Wanderwege. Hätten wir jetzt Zelte und ausreichend Proviant mit, könnten wir hier bestimmt tagelang wandern und erkunden.

Wir folgen der Hügelkette, die sich um Samaipata spannt und entdecken scheinbar alte Felsformationen hier und da mit relativ neuen Feuerstellen. Keine Ahung wie alt die alten Felsforationen sind. Und warum hier jemand teilweise echt fette Brocken kreisförmig angeornet hat. Über eine nicht allzu kleine Fläche wiederholen sich die Steinkreise. War hier mal eine Siedlung?

Dann schlängeln wir uns wieder runter Richtung Samaipata

Der Regen hat hier und da kleine Rinnen in die Straße gewaschen

Dann kommen wir an einem Weingut vorbei und Marie gönnt sich ein Gläschen. Leider ist es ein echtes Weingut ohne Hopfen-Gersten-Segment im Angebot also bleiben wir nicht allzu lange


Dann laufen wir erst zurück nach Samaipata und dann in eine andere Richtung aus der Stadt raus. Dort hat sich Marie ein weiteres kleines Highlight rausgesucht. Ein Refugium für Tiere. Wir bezahlen die paar Pesos Eintritt und überlegen kurz ob das etwa doch mehr ein Zoo ist. Aber zum Glück handelt es sich in der Tat um eine Auffangstation für Tiere.


Die Schildkröten haben super viel Auslauf, Sonne, Schatten, Verstecke, Wasser, Erde, Schlamm, Pflanzen, Hütten... ich glaube denen geht's gut hier


Einigen Tieren sieht man an, was los ist und warum sie vermutlich auch nicht zurück können in die Natur [wenn z.B. Gliedmaßen fehlen oder so]. In die geräumigen Gehege mit "freundlichen" Tieren darf sogar rein.


Freundlicher Hornhirsch hängt mit seinem gechillten Kumpel Wildschwein ab

Die Papageien sind mit sich beschäftigt und turnen in de riesigen Voliere rum ... ich würde sagen ein gutes Zeichen


Dann entdecken wir etwas Abseits ein ziemlich verwunschenes Baumhaus


Oben sitzt man dann mit in den Baumkronen

Die Geländer der Wendeltreppe um den Baum sind einfach nur total flashig ["abgedreht" für die ältere Generation] ... alles hier schient selbst gebaut... Respekt an die Refugiumerschaffer... wir schnattern später mit ihnen ein wenig und sie sind echt mit Herzblut bei der Sache. Schön sowas zu sehen und weiterhin alles Gute

5 Pesos für denjenigen, der sich traut dran zu lecken


Und dann geht der Tag auch schon langsam dem Abend zu und wir machen uns auf den Rückweg


Auf den allgegenwärtigen Murals ist dieser Langfingeraffe [Maki? ... Mitte und rechts unten]  ein immer wiederkehrendes Motiv


Plan für der Abend: Erst grillen mit Zeugs von den kleinen Marktständen und aus dem Garten von unserem Resort, dann lecker essen und dann Lagerfeuer im Grill und die Dschungelnacht genießen


Sobald der Grill an ist, kommt auch die Katze vorbei und liegt später ganz zufällig in Grillnähe rum...

Gesund, bio, lokal, vielfältig, sättigend, exotisch und totaaaal lecker... wofür man im Prenzlauer Berg einen ordentlichen Haufen Penunzen berappen müsste, braucht man hier nur ein paar Pesos und etwas Zeit, das Richtige auszuwählen und dann nach eigenen Wünschen zuzubereiten


Und das kann ich hier unumwunden zugeben: Marie hat hier echt das richtige Gespür an den Tag gelegt. Bloß keine Tour machen nur weil der Amborópark in jedem Reiseführer als must-do steht. Bestimmt mit viel mehr Zeit und Auto und eigenem Zelt und zur richtigen Jahreszeit ist de Park voll geil... oder man hat eben ganz viel Kohle und lässt sich mit'm Hubschrauber rumfliegen oder so. Aber in unserer Situation war das kleine Abenteuer auf dem Berg und in dem Refugium, viel geiler und authentischer... und wir haben uns das selbst erarbeitet und selbst entdeckt. Langsam fällt mir wieder ein, wie man reist... Bzw., wie ich am gernsten Reise


Soll ich es wagen, dich zu essen, oh unbekannte Frucht? Wirst du mir geschmackliche Freunden oder geschmacklose Magenschmerzen bereiten? Verzeihung, soll ich dich verzehren, oder es vorziehen zu verzichten?

Da es den letzten Tag hin und wieder regnet, verbringen wir den Vormittag im Café-Restaurant unserer Unterkunft

Leider waren wir nicht an einem Tag da, an dem sie den Pizzaofen anschmeißen. Dafür nehmen wir uns für die Tour noch etwas gratis Obst mit, was überall zur Verfügung steht... ebenfalls natürlich alles aus dem Garten

Wir wollen grade los, da fällt dem Jefé ein, dass wir ja noch garnicht unsere Gratisselektion erlesenster Gewächse aus seinem Garten haben. Man darf sich nicht nur die ganze Zeit selbst nach Gusto bedienen, sondern es gibt auch noch einen Korb mit einer Selektion vom Gärtner zusammen gesucht... und so wird uns noch schnell eine Tüte aus dem Garten kredenzt für die Reise... falls wir Hunger bekommen

Wir laufen dann Mittags nach Samaipata um unsere Busfahrt weiter zu organisieren...


...bisher haben wir unterschiedliche Infos, wie wir weiter kommen, denn ein Busterminal gibt es nicht. Einige sagen wir sollen uns einfach um so-und-so-viel-Uhr an die Carretera [Carreteras sind große Überlandstraßen ... Autobahnen in dem Sinne gibt es nicht, aber die Carreteras übernehmen diese Rolle] stellen. Allerdings weichen genauer Ort und Zeit doch um einiges voneinander ab. Wir bekommen aber auch eine Adresse genannt, wo Tickets verkauft werden...


Frohen Mutes und mit Sack und Pack laufen wir dahin... aber finde mal eine Adresse in Samaipata... auch mit Stadtplan nicht unbedingt einfach

Hinter diesem Gefährt verbirgt sich dann die Tür mit der Adresse... Die Tür ist nicht weiter spannend, aber das Lastenmoped is schon genial


Die Tür ist offen, aber niemand da. Wir setzen uns rein. Ein kleiner Wuffi bellt hinter einer anderen Tür. Wir rufen. Nix passiert. Wir warten also. Zumindest ein weiteres Indiz dafür, dass Samaipata ziemlich sicher is, wenn die hier die Türen offen lassen und sehr lange verschwinden. Irgendwann kommt irgendwer. Der kann uns aber keine Tickets verkaufen. Das würde wer anders machen. Die Person sollte eigentlich hier sein. Es wird hin und her telefoniert. Inzwischen kommen immer mehr Reisende, die nach Sucre wollen und auch von dieser Adresse erfahren haben. Irgendwann, nach noch mehr Warten, kommt irgendwer, der irgendwen kennt, der per Telefon ... ach, vergessen wie das war, aber am Ende ruft irgendwer bei einem Busunternehmen in Santa Cruz an, das hier so und so viele Gäste warten. Wir bekommen Tickets, können unsere Taschen da lassen und sollen zu der und der Uhrzeit wieder da sein. Okay, perfecto, alles geritzt...


Den Nachmittag verbringen wir mit ein paar kühlen, lokalen Bierchen in der Ex-Pat-Kneipe bis zum Abend

 Dann gehen wir zum Ticketbüro. Eine Person führt uns alle zur Carretera. Dort ist erstaunlich viel Verkehr. Und viele große Busse rasen an uns vorbei. Plötzlich wildes Gerufe und Gestikulieren, unsere Sachen werden in den gefühlt fast noch fahrenden Bus geworfen und wir springen auf und beziehen unsere Plätze. Keine Ahnung warum auf einmal diese Eile und auch nicht weiter schlimm, aber schon irgendwie ein Rätsel. Ein Weiteres, welches ein Mysterium bleiben wird. Ich mag reisen... man muss auch nicht immer alles wissen oder verstehen