Neuigkeiten aus der Quarantänestation. Es gibt ja weltweit ne Menge Leute die das ganze Weggesperre und Gedistanziere, das Quarantäniere und Lockgedowne ziemlich bescheuert finden. Aber letztendlich is das alles eine Sache dessen, wo man sich sein Gefängnis sucht. So wie damals beim Pflichtdienst für Vater Staat: Klar, man kann zum Bund, bei arschkaltem Wetter druch'n Schlamm robben und sich anbrüllen lassen oder eben alternativ schön in der Jugendherberge um die Ecke Nachschichten schieben und sich mit Gästen aus aller Welt fröhlich auf Betriebskosten betrinken. Zweiteres wurde vom Staat sogar besser vergütet. Und genauso ist es auch bei Corona: Einfach auf dem richtigen Fleckchen Erde sein, wenn man zum Abstand zur restlichen Menschheit verdonnert wird. Da kann man dann endlich mal in Ruhe seinen eigenen Hinterhof erkunden. Erstmal klein anfangen und den eignen Garten erforschen.
Wenn der Garten zu erheblichen Teilen aus Dschungel besteht, muss man sich ja entsprechend vorbereiten. Wie der mitteleuropäische Großstadtabenteurer nie ohne Jack-Wulfskin-Jacke und Thermofleeceunterhose zum Supermarkt gehen würde, kann man als Gartenforscher natürlich auch nicht ohne entsprechende Ausrüstung los...
*Märchenonkelstimme-aufsetz* ...dann schnappte ich mir meine Machete und schnallte mir meinen Werkzeuggürtel um. Als Proviant diente mir lediglich eine Wasserflasche und als einziger Weggefährte war die Eisbärenkuscheltierkameratasche an meiner Seite.
Der Dschungel um unser Haus hatte mich schon etwas länger gereizt und nun war der Tag gekommen, ihn zu erkunden und der Welt und zuallererst euch, geneite Leser, seine Geheimnisse zu offenbaren.
Wenn man den Blick etwas gen Himmel richtet, erkennt man wie weit sich die grüne Hölle erstreckt. Was wohl in ihr kreucht und fleucht? Was sich wohl alles in ihr verbirgt?
Richtet man den Blick etwas weiter gen Boden, sieht man wie verworren das dichte Dickicht ist. Man kann wohl nur erahnen welche Gefahren hier lauern und welche Geschichten sich schon in dem zerklüffteten Gelände abgespielt haben.
Und so fange ich an mir erste Wege durchs Unterholz zu bahnen. Die meisten Stellen sind ziemlich steil und rutschig. Und so hinderlich das ganze Gestrüpp beim Vorankommen ist, so ist es doch auch das Einzige, was etwas Halt im Gelände bietet. Schnell komme ich also nicht voran und mühsam muss für jeden Schritt Urwald gezähmt und begehbar gemacht werden. Daher kommt es, dass auch jedes Stückchen genaustens inspiziert wird und irgendwann entdecke ich eine ungewöhnliche Form und fange an zu buddeln...
...und siehe da, ich entdecke eine altprähistorischklassische Stufe...
Diese Stufe wurde wahrscheinlich - so lassen das vermoderte Holz und das angelaufene Metall vermuten - von den ersten Pakeha [europäische Siedler] in den Dschungel gebaut. Bzw., von Käptn James Cook und Abel Tasman höchstpersönlich, als sie sich einen Überblick verschaffen wollten und hier an Land gingen. Was dann auch gleich die Theorie widerlegen würde, dass Abel nie einen Fuß auf neuseeländischen Boden gesetzt hätte. Aber wo eine Stufe ist, sollten sich noch mehr Relikte finden lassen. Also beginne ich zu suchen. Und in der Tat, bald kann ich einen kompletten Pfad freilegen.
Dank der Leistungen meiner geistigen Vorväter wird es zumindest etwas einfacher, den Dschungel zu erforschen. Die Arbeit wird zwar nicht leichter, aber zumindest ist so schon mal eine gute Route durch das Bergland vorgegeben.
Nach einigem Gebuddel, Gehacke und Gekrauche mache ich eine Entdeckung die meine Theorie von der Herkunft des Pfades ins Wanken bringt. Vielleicht waren es doch keine Pakeha. Ich finde neben dem Pfad ca. 200m über dem Meer ein paar Paua-Muschelschalen...
...insgesamt 10 Pauas kann ich freilegen...
Und da muss man nun nicht lange Gastronomiegeschichte studiert haben um zu wissen, dass der alte Kaaskop Abel Tasman am liebsten Gouda und Vanillevla gegessen hat und vielleicht mal ab und zu einen Feboburger nach einer langen Nacht in Amsterdam. Der Inseltommy James Cook hätte ja hingegen eine Spur von fett- und essiggetränktem Zeitungspapier hinterlassen mit hier und da einigen Stückchen Crumbed Fish und labbrigen Pommes. Wohingegen der gemeine Maori ja nun nix lieber hat als einen kleinen Pauanachtisch, nachdem er eine vom Aussterben bedrohte Bodenvogelart als Hauptgang hatte, angereichert mit etwas Schenkelfleisch vom verfeindeten Ex-Stammesoberhaupt.
Also war diese Treppe von Kupe, dem ersten Maori, angelegt worden. Ich meine woher sonst? Aber das heißt ja auch, dass Kupe bereits in der Kunst der Metallverarbeitung begabt gewesen sein musste und das Holz musste auch ganz besonders widerständiges sein, wenn es über die Jahrtausende in diesem feuchten Klima überlebt hat. Da müssen die Geschichtsbücher wohl umgeschrieben werden.
Irgendwann muss ich meine Expedition in die eine Richtung für's erste abbrechen, da ich mich einem großen Kauribaum nähere. Kauris werden ja uralt und als der Pfad vor 10.000 Jahren angelegt wurde, war die Kauri-Dieback-Krankheit noch kein wirkliches Thema, aber heutzutage sollte man respektvollen Abstand zu diesen Bäumen halten. Kauri-Dieback wird durch Bakterien in der Erde, welche an Schuhsohlen heften, übertragen. So kann man einen ganzen Kauriwald ausrotten einfach in dem man einmal quer durchlatscht.
Hier man eine kurze Anekdote. Die Gegend in der wir wohnen ist ja ein riesiges Waldgebiet am Rand von Auckland. Und irgendwann ist eben aufgefallen, dass die ganzen alten Kauribäume durch Kauri-Dieback sterben. Und man kann eigentlich nix gegen die Krankheit machen. Also haben die ansässigen Maori einfach einen Rahui über den Wald gelegt. Das ist so eine Art Nutzungsverbot, was den Sinn hat, ein Stück Natur zu schützen [muss kein Wald sein, können auch Flüsse oder sonst etwas sein, weil all diese Sachen sind für die Maori nicht einfach nur Natur, sondern Wesen mit denen sie verbunden sind]. Und nach ein wenig Hin und Her hat die Auckländische Umweltbehörde den Rahui akzeptiert und den kompletten Wald auf unabsehbare Zeit für alle Menschen gesperrt - darf jetzt keiner mehr rein, bis eine Lösung für das Problem gefunden ist. So als würde in Berlin einfach mal der komplette Grunewald geschlossen werden, weil die Kastanien and Miniermotten sterben. Und die Leute halten sich dran. Klar ist streitbar, die Entscheidung, aber die Alternative wäre eben das Ende der Kauris.
Hoch überragt der Kauri die restlichen Bäume. Früher führte der Pfad scheinbar direkt an ihm vorbei. Aber ich breche hier erstmal ab, da ich nicht das Risiko eingehen möchte ihn umzubringen.
Also beschließe ich erstmal meine Expedition auf eine andere Ecke des Dschungels zu verlegen. Und befreie ein kleines flaches Stück im Urwald von Unterholz, welches ich an einer Art Weggablung des Pfades gefunden habe. Erstmal müssen Namen für mein neues Netzwerk an Wanderrouten her: "Greg's Terrace" benenne ich das flache Stück nach seinem Wiederentdecker und der andere Abzweig ergibt sich namenstechnisch ganz von selbst...
Ein aus dem Unterholz gekramtes Stück Holz wird erstmal zum offiziellen Wanderschild umgeformt, damit sich keiner mehr verläuft...
Während der Arbeiten finde ich noch einen alten halbvermoderten Hocker [vermutlich der Thron von Kupe], ein altes Keramikrohr [ganz sicher die Kriegsposaune von Kupes Onkel] und noch andere Relikte.
Greg's Terrace im Urzustand
Greg's Bench ist noch vergraben von Bruchholz... aber hier seht ihr auch schon die Lösung für das Problem: Greg's Chainsaw
...und nach einiger Zeit ist Greg's Terrace freigelegt.
Neben Greg's Terrace geht es steil runter und unten führt ein kleiner Fluss lang, der aber nur bei Regen Wasser führt. Dafür dann aber auch teilweise ordentlich. Quer über diesen Trockenfluss liegt ein Baum, der freigelegt und zu einer natürlichen Bank wird.
Zwar etwas dunkel wegen Selbstauslöser, aber: Das is Greg auf Greg's Bench, next to Greg's Terrace, enjoying Greg's View
...und das ist die Aussicht von Greg's Bench... .... .... ...ja da muss wohl noch ordenltich Unterholz aus dem Flussbett, aber Rom wurde ja auch nicht an einem Tage erbaut.
Ich beschließe jetzt den Pfad weiter zu erforschen. Dazu muss ich ihn aber auf Höhe des Kauris verlassen, weil der Pfad wirklich genau am Kauri vorbei führt. Ich schleiche, krauche und hacke mich mit Machete in einem großen Kreis um den Kauri. Überall wo ich einen Fuß hinsetze lege ich Nikaublätter hin [die Palmen die ihr überall auf den Fotos seht] um ja keine Erde von A nach B zu bewegen und die Bakterien zu verteilen.
Ich finde den Pfad nicht wieder und verliere mich immer tiefer im Dschungel. Bis ich irgendwann an dem Beinahe-Kliff Richtung Straße unterhalb unseres Grundstücks ankomme...
...mit Aussicht zum Meer
Von da aus schlängel ich mich dann runter zum Fluss und finde auch in der Tat den Pfad wieda....
Nur noch schlimmer überwachsen als oben...
Ich laufe noch runter bis zur Straße und versuche auf dem Rückweg, dem Pfad so weit wie möglich zu folgen und muss diesmal unten um den Kauri rum.... ebenfalls wieder sehr rutschige Angelegenheit.
Da Herbst und Trockenheit ist, schmeißt der Kauri sehr viele goldbraune Ästchen ab. Da er und der Wind sie sehr, sehr weiträumig verteilen, kann ich ordentlich viele davon einsammeln und Marie zurück bringen...
Und sie verteilt sie dann im Garten als Mulch - der orange Fleck da links. Sieht dadurch gleich viel herbstlicher aus unser Garten...
Achso, wer sich grade wundert, was Marie die ganze Zeit gemacht hat, während ich mich unerschrocken durch den Urwald geschlagen habe: Den Garten von Unkraut befreit, Passionsfrucht und Wassermelonen [links unten] neu verlegt, Silverbeet und Erbsen [rechts unten] gewässert, Kürbis und Gurken [mitte] beschnitten, Tomaten und Paprika [oben] hochgebunden... Mit den Kumaras und der Pfefferminze muss man zum Glück nix machen
Ein wunderbarer Vorteil am Lockdown Level 4 in NZ war, man durfte sein Haus nur für notwendige Einkäufe und Arztbesuche verlassen und sonst nur für körperliche Ertüchtigung die zu Fuß oder Fahrrad möglich war. Und da wir nicht fußläufig oder fahrradfahrig von Auckland wohnen, hatten wir hier alles für uns ... keine Wochenendgäste aus der Stadt, keine Touristen, keine Surfer oder Wanderer. Also haben wir auch die Möglichkeit genutzt unseren eignen Backyard endlich mal zu erkunden, ohne jemand anderen weit und breit...
Die erste Tour führte uns in die Sanddünen hinter uneserem Haushügel.
Selbst die kleinen Sandrippeln vom Wind kommen langsam wieder, anstatt der sonst allgegenwärtigen Fußstapfen im Sand
Panorama über die Dünen und im Hintergrund unser Haushügel [der mit dem Wald] und noch weiter hinten saftiges Farmlandgrass für Schafe
Spaß in den Dünen - Alle rauf-und-runter-Tapsen sind von uns, nur die querenden sind von Meister Lampe
Das letzte mal dürfte man diese Aussicht auf den Dünensee mit schönem Wetter aber ohne Menschen vielleicht vor 20 oder 30 Jahren gehabt haben... Der Lockdown is wie eine Zeitmaschine und das bestätigen uns auch viele Locals und es gibt nicht wenige, die das staatlich diktierte Eingesperrtsein genießen
Picknick unter Toetoe [oder vermutlich eher Pampas Grass - eine Pestpflanze die fast genauso aussieht wie das einheimische Toetoe]
Genau zum richtigen Zeitpunkt für Sonnenuntergang zurück auf unserem Hügel
Die Tour in die Dünen, so schön sie auch war, war ja aber eigentlich nur ein typischer Sonntagsspaziergang. Und als Marie das nächste Mal vorschlägt zum Meer vor zu laufen, bin ich etwas lustlos, weil ich die drei Wege zum Meer schon kenne und bestehe auf Abenteuer. Marie weist mich aber darauf hin, dass es ja nicht nur 3 Wege vor zum Meer gäbe... Grade wenn man einen auf Entdecker machen will, gibt es ja noch einige mehr, wie zum Beispiel durch den Fluss. Ich bin erst noch etwas zurückhaltend, weil der Fluss ziemlich viel durch Privatland geht, aber jetzt kann ich auch nicht mehr wirklich zurück rudern, nachdem ich erst so'ne große Klappe hatte: Also Schuhe aus und rein ins kühle nass.
Der Anfang is noch ziemlich einfach, der Fluss recht flach... nur hin und wieder muss man sich unter einem großem Baum drunter durch ducken
Aber je näher wir der Flussmündung kommen, je tiefer wird's. Dummerweise haben wir inzwischen bereits festgelegt, dass wir den Fluss bis zum Meer nicht mehr verlassen dürfen. Na hoffentlich wird's irgendwann wieder flacher
Wie das Land, so das Jever - friesisch herb
Ein Heron... der neuseeländische Reiher
Irgendwann wird's wieder flacher und im Hintergrund unser Haushügel
...und wir nähern uns langsam der Mündung. Im Hintergrund kann man bereits die raue Tasman Sea sehen. Ist ganz ermutigend, weil inzwischen sind wir beide bis zur Hüfte nass und warm is das Wasser nu nich grade. Aber da muss man als echter Abenteurer eben durch, wa?
A-ha! Andere Menschen! An unserem Strand! Na ob die wohl aus der Region sind? Oder sind das etwa Lockdown-Brecher? Gleich mal den Constable anrufen! Nee, gleich die Nationalgarde! Hubschraubereinsatz, sofort! ...dummerweise können wir ja nicht hinterher, um sie mit toten Quallen und fauligem Seetang zu bewerfen, wegen unserer Regel, dass wir den Fluss nicht verlassen dürfen. Und rüber brüllen, dass sie herkommen sollen bringt auch nix, da uns ein ordentlicher Wind um die Ohren pfeift
Wir beschließen für die Wanderung gilt: Höhlen neben dem Fluss dürfen betreten werden, auch wenn da eigentlich trockner Boden drin ist, aber die Eingänge liegen komplett im Fluss
Endlich sind wir am Strand. Wir beschließen einmal bis zum Südende zu laufen.
Weiter geht's im Wasser, diesmal salzige Brandung statt träge dahin strömender Fluss
Wir sind weiterhin guter Dinge und können jetzt sogar wieder etwas trocknen... zumindest bis zu den Knien runter
Am Südende des Strandes treibt die Brandung feine Gischt über die Klippen
...und auch die Felsen im Norden hüllen sich in ein Gewand aus feinem Nebel [ignoriert einfach die Lockdown-Brecher rechts im Bild... das sind bestimmt Perverse oder so, deshalb haben wir die lieber nicht angesprochen... garantiert aggressive Gewaltverbrecher... oder noch schlimmer Coronazombies... vermutlich alles drei zusammen]
Wir waren beide schon des Öfteren am Südende des Strandes - da is eine Höhle und Klippen. Allerdings waren wir hier noch nie bei kompletter Ebbe. Und so entdecken wir, dass man, wenn dem so is, die Klippen entlang laufen kann...
Normalerweise tosen hier die Wellen drüber oder das is komplett vom Meer verschluckt. Jetzt is da ein Weg. Na mal gucken wo der hinführt...
Neuartige Blicke auf altbekannte Klippen
Und bunte Seeanemonengärten - Wusste ich auch nicht, dass die hier wachsen... Das is dann mal mein Beitrag zu diesen ganzen Wildtiere-in-Stadtzentren-während-Corona-Fotos Ü
Wir schlängeln uns den Weg weiter vorbei an schroffen Felsen während unten die Wellen tosen. Auch der Himmel zeigt sich von seiner passenden Seite
Irgendwann wird der Weg immer schamler, steiler und höher... aber jetzt können wir schon die nächste Bucht sehen und umkehren ist jetzt nicht mehr drin
Irgendwann erreichen wir die nächste Bucht und werden nicht enttäuscht. Nicht nur sind hier keine Menschen, sondern auch keinerlei Fußspuren oder andere Zeugnisse, dass jemals ein anderer Mensch hier war. Zumindest an diesem Tag sind wir die einzigen Menschen hier - Lockdownseidank
Nach einer kurzen Erkundung beschließen unser Glück gleich noch ein weiteres Mal zu versuchen und mal gucken, ob wir noch eine Bucht weiter kommen
Sollte die Flut zurück kommen, müssen wir entweder die Nacht hier bleiben oder da zwischen den Felsen einen Weg hoch finden. Beides nicht schlimm, aber wir hoffen doch da raus zu kommen... Wir haben nämlich kein Bier mit dabei
Diesmal is der Weg noch abenteuerlicher und die Landschaft noch schroffer
Gefühlt wird auch das Meer rauer und der Wind nimmt zu.
Als wir fast schon in die nächste Bucht gucken können müssen wir an einer Höhle halt machen. Hier kommt man beim besten Willen nicht weiter. Hier ist also erstmal das Ende unserer Tour den Strand entlang.
Dafür entdecken wir aber noch ein anderes Schauspiel auf dem Weg zurück zur ersten Bucht: Riesig lange Seetanghaare [so bestimmt 10m ... oder vielleicht sogar mehr?]. Das kenne ich bisher nur von der Südinsel und wusste gar nicht, dass das hier auch wächst. Mal wieder eine gute Erinnerung, wie krass sich die Natur nochmal verändert, wenn man da ist, wo wirklich nur noch ganz gelegentlich Menschen hinkommen...
Als wir wieder in der Bucht ankommen, kommt vom Meer grade eine große Regenwolke rein. Wir suchen erst Schutz in einem Pohutukawahain und als der Regen immer stärker wird und auch die alten Bäume keinen Schutz mehr bieten, schlagen wir uns durch bis zu einer Höhle in den Klippen. Zeit für unsere wohlverdiente Mittagspause...
Ausblick auf unsere Bucht von unserer Höhle aus
Irgendwann is der Regenguss vorbei. Wir beschließen unseren Rückweg über die eingangs gezeigte Schneise zwischen den Klippen hoch zu probieren, weil das Meer hier sehr unberechenbar ist und wir nicht genau wissen wie lange noch Ebbe ist. Jedes Jahr ertrinken Besucher hier an der Westküste, weil sie das Meer mit seinen Strömungen und Wellen unterschätzen. Also wollen wir lieber nix riskieren.
Die Tour zurück wird also auch nochmal ein kleines Abenteuer durchs Hinterland über Hügel, druch Wälder entlang verlassener, sumpfiger Pfade. Aber da das Wetter auch sehr mistig wurde, gibt's davon keine Fotos... wäre mal wieda sehr viel grün. Aber ging alles gut und zu Hause haben eine große Dreiecksbadewanne und ein kühles Selbstgebrautes auf uns gewartet.
Die folgende Geschichte ist nicht wahr. Die Fotos sind gestellt. Meine Behauptungen sind alle Lügen und ich habe niemals nicht unter keinen Bedingungen gegen irgendwelche Lockdownverordnungen verstoßen oder sonst irgendwie auch nur ansatzweise gegen irgendwelche sonstigen Gesetze.
Normalerweise gibt es hier eigentlich keine Bullen bei uns im Tal, höchstens Mal wenn nix weiter los is in Westauckland [sowas wie Neukölln oder Marzahn in Berlin] fahren sie vor zum Strand und ziehen da einen durch oder "konfiszieren" ihr Feierabendbierchen. Nur jetzt während des Lockdowns kam die Polizei ab und zu doch mal gucken, ob sich alle auch an die Lockdownregeln halten. Das ist auch ziemlich einfach zu kontrollieren, weil ja, wie bereits erwähnt, gilt: Was ich mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreichen kann, darf ich auch besuchen. Autofahrten [außer zum Supermarkt, den es hier nicht gibt] sind verboten. Ergo wenn Herr Kommissar ein Auto entdeckt, muss er lediglich die Besitzer festnehmen. Doof nur, dass hier die Leute zum Wandern herkommen und nicht jeder Pozilist ein Sportler ist. Hab's also auch schon gesehen, dass die einfach nur zum Besucherparkplatz fahren und wenn da wer parkt, kurz die Sirene anmachen und wenn sich dann keiner freiwillig stellt, sondern lieber in den Büschen versteckt, fahren sie weiter. Polizeiarbeit in NZ Ü
Nunja, kurzum darf man mit dem Auto nur essentielle Fahrten unternhemen. Unter "essentiell" fällt auch Renovierungen am eigenen Haus. Und es gibt hier ja überall Baumfarne [Pongas] und deren tote Stämme eignen sich wunderbar als Beetbegrenzung. Sieht toll aus [wie Dinosaurierschwänze], ist einach zu beschaffen [habe ganz viele aus dem Dschungel heraus geholt] und ist umweltfreundlich [verrottet zu Erde]. Die Dinger mussten wir aber ein wenig mit dem Auto transportieren. Sind riesengroß, kommen also aufs Dach. Ob das nun essentiell ist, ist streitbar und im schlimmsten Fall, wenn der Bulle meint es wäre nicht essentiell, weil Beetbegrenzung holen keine Renovierung ist, sehr teuer.
Die Sicht aus einem Auto, welches voll mit Pongastämmen beladen is
Ich fahre also mit meinem Auto unsere Dorfstraße lang und plötzlich kommt uns ein Polizeiauto entgegen. Wir gucken den Sheriff doof an und eher guckt uns und unsere Ladung auf dem Dach an. Wir fahren aneinander vorbei und im Rückspiegel sehe ich seine Bremslichter angehen. Zum Glück ist die Dorfstraße an der Stelle eng und kurvig, wodurch er erstmal nicht ohne weiteres wenden kann. Da ich schon ziemlich nah der Abzweigung zu unserem Haus bin, gebe ich einfach Gas und fahre mit allem was mein Auto hergibt den Hügel hoch und biege in eine weitere Seitenstraße ab. Alle paar Sekunden checke ich meinen Rückspiegel. Aber kein Polizeiauto zu sehen. Normalerweise halten wir immer bei unseren Nachbarn auf ein kleines Pläuschchen an, aber diesmal brettern wir nur an ihren Einfahrten vorbei... Meine erste Verfolgungsjagd, wenn auch ohne Verfolger... Reicht als Adrenalinkick hier aufm Dorf Ü
Schnell die Beweise vom Dach nehmen, aufs Grundstück packen und das Auto hinter ein paar Büschen parken...
Aber hat sich gelohnt: Hier das Ergebnis von einigen Stunden Holzfällerarbeiten und einigen Touren...
Aber wie gesagt, das war ja eben alles geflunkert.
Auch wenn man grade keine langen Touren machen kann, machen doch auch die kleinen hier bei uns in der Gegend Spaß:
Aber um zu zeigen, dass wir wirklich renoviert und gebaut haben, hier ein paar Fotos von unserem ersten kleinen Schuppen - nur aus Recyclingmaterial.
Very important: Do not forget the Querverstrebung
Then roof and side walls
And the most important: Geh niemals auf'n Acker, ohne deinen Tacker
Fertig is die Laube: Wozu bezahlen wir eigentlich noch Miete? Ü [Sogar mit Dachrinne und Regenwasserauffangeimer]
So, erstmal genug vom Märchenonkel. Zeit ins Bett zu gehen. Lockdown is hier leider auch vorbei, aber vielleicht kommt die zweite Welle ja noch. Bis dahin einen angenehmen Schlaf und wunderbare Träume von weiteren Abenteuern im Paradies ohne Menschen.