06 Februar 2018

Tasmanien I - Maria Island

Tasmanien hatte sich eigentlich mehr so ergeben. Da war'n Steffi und ich beide noch nich, es is hier umme Ecke und der Name klingt cool. Kollegen meinten dann, Tasmanien is quasi das Neuseeland von Australien [Landschaft so beeindruckend wie die Südinsel und Wetter meist genauso beschissen] und eigentlich sehen sich die Tasmanier auch gar nich so wirklich als Australier [was mir als Möchtegernkiwi ja mehr als nur recht is]. Viel Vorbereitung war da dann auch nicht weiter außer Maria Island buchen [eine kleine Insel vor Tasmanien, auf der man reservieren muss, wenn man da hin will] und Mietkarre mieten mit der wir dann zu Freunden wollten, die grade von Festlandaustralien nach Tasmanien gezogen sind. Sämtliche weitere Planungen dann vor Ort.

Der Hinflug fängt schonmal spannend an. Als wir an der Haltestelle vom Flughafenbus stehn, findet Steffi ihr Portmonee nich und ich habe nur meine EC-Karte mit dabei. Der Flughafenbus ist wohl der einzige Ort in ganz NZ, wo man nicht mit EC-Karte bezahlen kann. Netterweise drückt der Busfahrer ein Auge zu und nimmt uns mit, da um 4:00 morgens die Busse dann doch eher unregelmäßig fahren. $16 gespart.
Den folgenden Teil muss ich anonymisiert erzählen, sonst verliere ich meinen Aufenthaltsstatus in Deutschland, weil plötzlich mein Datensatz im Melderegister wie von Zauberhand gelöscht wird. Für Australien muss man als Deutscher sein Tourivisum vorher online beantragen. Und so machen das auch ein Ottonormalbürger und eine Meldeamtsmitarbeiterin, Abteilung Passsicherheit. Dafür muss man seine Passnummer angeben. Und einer von den beiden nimmt ganz stur die Nummer, die im Pass hinter "Passnummer" steht und die andere Person nimmt unten aus dem Zahlenwirrwarr die Passnummer mit ein paar Sicherheitsmerkmalen dazu. Jetzt ratet doch mal, wer von beiden fast nicht nach Australien durfte und nochmal zu einem extra Check-In-Schalter musste um das Visum berichtigen zu lassen. Ein Tipp: Es ist nicht die Person, deren Datensatz im deutschen Melderegister bald gelöscht wird. Ironie am Rande: Von der betreffenden Person stammt auch der wunderschöne Satz: "Beim Landschaftsgärtner vertrocknen ja auch zu Hause die Blumen." Wie wahr, wie wahr =)

Der Flug ist relativ ereignislos, bis auf das letzte Stück wo ich schonmal ein paar wunderschöne Ausblicke auf die tasmanische Küste inklusive Maria Island bekomme.

Hobart, die Hauptstadt is echt putzig mit seinen knapp über 200.000 Einwohnern: So'ne Mischung aus Bergen [Norwegen], Mini-Melbourne und noch was schottischem oder so. Viel Zeit zum Angucken bleibt aber nicht, weil wir nach einem endlos leckeren und deftigen Armbrot und je zwei Bier erstmal das Jetlag im traumhaften Hostel verarbeiten und am nächsten morgen schon unser Auto abholen müssen, um unsere Fähre nach Maria Island zu bekommen. Aber immerhin waren wir fast die letzten im Hostel-Shuttlebus vom Flughafen und so haben wir gleich nochmal 'ne Stadtrundfahrt bekommen.

Da das Mietauto ein ziemliches Schnäppchen war, hatte ich auch da nich große Erwartungen, alldieweil ich noch nie vorher von dem Vermieter gehört hatte. Sollte mich täuschen: Total neuer Mitzubishi Outlander, der noch keine 8.000km runter hat. Weist mich die Vermietetante auch nochmal extra drauf hin. Sehe ich so unzuverlässig aus? Wie auch immer, ich lasse mir nochmal bestätigen, dass meine dazu gebuchte $0-Zuzahlungsversicherung auch wirklich heißt, dass ich in jedem Fall nix dazu zahlen muss - egal, was dem Auto passiert. Scheint das Vertrauen der Vermieterin nicht wirklich zu steigern. Aber sie rückt die Schlüssel raus und ich brause davon. Mehr oder weniger ungewollt, aber das Auto hat doch ein paar PS mehr als meiner zu Hause. Und wenn man da eben auf's Gaspedal drückt, beschleunigt der auch - bestimmt rundum guten Eindruck hinterlassen. Nachteil von so einem großen Auto: Man hat weniger Platz und sieht weniger. Vorteil von so einem großen Auto: Man bekommt mehr Platz und wird mehr gesehen.

Nicht in Hobart, sondern Rocky Cape... voll viel Platz innen, echt bequem und mit allem mordenen Schnickschnack
Auf'm Weg zur Fähre noch schnell für die kommenden drei Tage einkaufen und dann grade so rechtzeitig nach 2, 3 Stunden fahrt im Hafen einreiten.

Also auch wenn der Urlaub bisher eher Ankommen und Organisieren war, lief bisher alles erstaunlich super. Jab nüscht zu meckern bisher - allet paletti. Und obwohl der Urlaub bisher kaum richtig angefangen hat, fragen wir uns das erste Mal, ob Tasmanien das Level weiter halten kann.

Auf Maria Island haben wir zwei Nächte im Zelt gebucht, damit wir etwas Zeit haben die Insel zu erkunden. Außer uns sind kaum andere Leute auf der Fähre.

Nach einiger Zeit taucht Maria Island am Horizont auf

Maria Island war zuerst eine Gefangeneninsel, wie noch früher ganz Tasmanien und noch früher ganz Australien. Dann wurde ein wenig versucht sie zu bewirtschaften. Klappte wohl nich so und daraufhin wurde sie Nationalpark. Isse immernoch, ohne Autos [außer ein paar Ranger-Jeeps] oder großartig Infrastruktur [lediglich ein Zeltplatz mit Regenwasserdusche und offnenem Kochhäuschen und ein paar Hütten ohne Komfort]. Dafür aber mit angeblich ganz vielen Tieren und Natur, hier und da gespickt mit Knastruinen. Na mal gucken.... [hier sei erwähnt ich habe bisher in Australien noch nie großartig Landtiere gehen, außer Spinnen, Ameisen und einmal ein Wallaby - ein Minikänguru, also eigentlich ein Wannabe]


...zumindest sieht man bei der Ankunft schonmal die ersten Ruinen und die versprochene Natur.

Dann bei den Rangern angemeldet und Campinggebühr bezahlt und rüber zum Campingplatz - Zelt aufbauen. Noch ehe ich so wirklich dazu komme, raschelt neben uns was im Gebüsch. Ui, gleich mal hingucken.


...und direkt neben unserem Zeltplatz grast eine Wombatmutti mit ihrem Jungen...
 
Eine Weile hocken wir da, beobachten die beiden und versuchen uns näher ranzupirschen. Irgendwann wird es dem Wombaby etwas zu mulmig und es entfernt sich etwas. Also lassen wir die beiden erstmal in Ruhe und ich mache mich wieder ans Zelt aufbauen. Man man man man, so ein Glück, gleich als erstes ein Wombat... mit Miniwombat dazu... zum Glück gibt Foto, sonst hätte einem das ja niemand geglaubt. Habe grade die nächste Zeltstange in der Hand da raschelt schon wieder was. Wir also hin: Oh, na sowas, noch'n Wombat. Das lässt sich sogar nicht mal stören als wir uns näher schleichen...

Ui, 2 Wombatzen an einem Tag... also eigentlich ja sogar 2 1/2... Ich fühle mich fast wie Sir Gregor Gattenborough
Fummele grade am Überzelt rum, als es schon weider raschelt. Huh? Is hier irgendwo ein Wombau oder wo kommen die alle her? Bei näherem Hingucken entpuppt sich der Verursacher als Wallaby. Och, wie cool, echt voll das Glück, erst die Wombatze und jetzt dazu auch noch ein Wallaby inna direkten Nachbarschaft.

Langsam pirscht sich der kleine Tierfreund an den pussierlichen Beutelnager heran...

Das Foto is von Steffi gemacht und könnte sogar das Wannabe mit Wallababy im Wallabeutel sein... Weil der is ja ziemlich dick und mit etwas Fantasie gucken da beim reinzoomen die Pfötchen raus.
Irgenwann hoppelt es weg und ich komme endlich dazu, das Zelt fertig aufzubauen.

Zelt mit Mülltonne, mehr Komfort könnte kaum sein... Die Mülltonne is übrigens auch gleichzeitig Küchenschrank - da kommt sowohl Müll als auch Essen rein und ein dicker Stein oben drauf, damit einem nachts nich die Possums alles klauen.

Dann machen wir uns auf, um ein wenig die Gegend zu erkunden. In der Nähe gibt es eine Bucht mit irgendwelchen Regenbogenfelsen. Also laufen wir los...

Gleich um die Ecke treffen wir auf die nächste Wombatmutti, diesmal mit Wombatteenager

Auf der Insel soll es auch Tasmanische Teufel geben und laut Ranger kann man mit ganz viel Glück auch welche sehen. Hier sei erwähnt, dass die gute Rangerin uns auch bei dem Wetter eher bescheidene Hoffnung auf wirklich gutes gemacht hat. Immerhin ist heute Abend noch schön. Hinter dem Campingplatz kommt nach einigen Büschen erstmal eine große freie Wiese und auf einem Hügel steht eine Hütte von einem ehemaligen Gefängniswärter. Wir laufen also quer über die Wiese Richtung der Hütte...

...plötzlich rennt quer über die Wiese ein kleines Tierchen, zu schnell für ein Wombat und zu wenig hoppelnd für ein Wallaby. Es läuft so halb schräg-parallel zu uns Richtung Hütte. Schau mal einer guck: Ein Teufelchen. Die Teufel sind wohl etwas schüchterner als die Wombatanten und Wallabies und bis wir auch bei der Hütte sind, hat es sich schon darunter versteckt. Wir warten noch kurz ob es wieder darunter hevor kommt aber lassen es dann auch in Ruhe: Keep the Devils wild.

Auf der nächsten ehemaligen Weide steht dann eine Herde Kängurus rum. Meines Wissens nach soll's die auf Tasmanien gar nich geben. Wurden hier anscheinend auf Maria Island ausgesiedelt. Allerdings weiß ich nicht, ob schon von den Gefangenen für Fleisch oder von der Nationalparkverwaltung.

Das Foto ist von relativ weit weg aufgenommen [im Verhältnis zu den Womben und Wallen]. Einerseits sind die Kängen etwas ängstlicher, andererseits können Kängurus, wenn sie sich bedroht fühlen einen Menschen töten, indem sie sich auf ihren Schwanz stellen und einem mit den Hinterpfoten [inklusive scharfer Krallen] in den Obenkörper treten... Und gleich am ersten Abend sterben is ja auch doof...
  
Ein paar Meter weiter: Da Känguru eher solala schmeckt und bei Wombat habe ich keine Ahnung, gibt es hier auch noch Gänse, um etwas Abwechslung in den Speiseplan zu bringen





Langsam bekommen wir das Gefühl, dass sich die lokale Fauna hier ordentlich wohl fühlt. Habe binnen weniger Stunden mehr australische Tiere in freier Wildbahn gesehen, als der durchschnittliche Work-&-Travel-Depp in einem ganzen Jahr.
Aufgrund der ganzen hüpfenden, hoppelnden, watschelnden und galoppelnden Attraktionen kommen wir nicht wirklich schnell voran. Aber eilt ja auch nicht. Allerdings treten auch schon erste Gewöhnungserscheinungen auf, besonders bei den Wombis. Es fing an mit: "OHHH, Guck mal! Ein Wombat, BOAHHH, is der putzig." über: "Oh, da, noch'n Wombat, toll, wa?" zu: "Hm, schon wieder'n Wombat." und letztendlich: "Wombat ... ... ... da auch ... ... ... noch einer ... ... ... Stolper nich."

Irgendwann erreichen wir die nächste Bucht, schönes blaues Wasser, Sandstrand und ... achso ja, wer hätte es gedacht, ein Wombat drängelt sich ins Bild.
 Hinter der Bucht sollen die super-tollen Regenbogenfelsen kommen. Anfangs sieht das aber erstmal wie anna Ostsee aus...

.... der Sand is auch so fein und weiß und Steffi entdeckt das erste mal in ihrem Leben Quietschesand. Bin etwas erstaunt, wie man das nicht kennen kann, aber klar, wenn man in den Bergen zwischen Kuhweiden und Gletscherzungen aufwächst und höchstens mal an der Nordsee war... Wäre jetzt mal interessant, was ich alles nicht kenne, was das Bergvolk für völlig normal hält.

Der auffälligste Unterschied zur Ostsee sind die großen Eukalyptusbäume am Strand. So bekommt die frische Meeresluft auch gleich noch eine Note Eukalyptusgeruch: Na wenn das mal nich gesund is.
 Irgendwann is der Strand zu Ende und die so definitv sehenswerten Regenbogenklippen fangen an...

Weiß nich mehr, wobei mich Steffi da erwischt hat oder ob sie mir gedroht hat mich die Klippe runter zu schubsen wenn ich nich endlich mal die Klappe halte, aber irgendwie sehe ich wunderbar erschrocken-ertappt aus.

Also sieht ja schon toll aus, was das Meer da so in den Sandstein genagt hat, aber wenn das das Farbspektrum eines tasmanischen Regenbogen is, dann tun die mir ja ein wenig leid.

Ich bahne mir einen Weg durch's Unterholz und versuche noch zur nächsten Minibucht zu kommen. Steffi bleibt zurück, sie is erstmal ganz Glücklich mit den ganzen Tierchen bisher und muss sich nich auf Teufel komm raus irgendwelche blöden Steine angucken. Nächste Minibucht sieht auch toll aus, aber ich komme langsam zu dem Schluss, der Benenner der Kliffs war Farbenblind.


Da es kaum noch weiter geht und australisches Gebüsch ja nich ganz ohne is, kehre ich wieder um...

Putziger Büschelbaum trotzt brausender Brandung

Wir laufen die meiste Strecke oberhalb des Kliffs zurück und müssen dann durch eine weite Öffnung wieder zurück nach unten ...

Mal wieder so ein Foto, wo vermutlich die Größe etwas untergeht, aber auf alle Fälle müssen wir da runter...
 Auf dem Weg nach unten läuft mir das erste Mal ein kleiner Schauer den Rücken runter. Ich sehe eine Ameisenstraße mit echt riesigen Ameisen: So weit, so gut. Da ich keine geschlossenen Schuhe habe und nicht unnötig Ameisen tot treten will, wechsle ich die Richtung runter. Aber je mehr ich da weiter laufe, je mehr merke ich wie überall Ameisenstraßen und Eingänge zu ihrem Bau sind. Die ganze riesige Fläche scheint unterkellert. Ich hatte mal in einem Buch gelesen, wie plötzlich überall aus Boden Ameisen kommen den Protagonist töten und aufessen. War zwar Fiktion, aber ich kann mir vorstellen, wo die Geschichte ihren Ursprung gefunden hat. Schwer zu sagen wie groß der Bau letztendlich is, aber er muss enorm sein.

Wieder unten am Strand entdecke ich dann noch ein wenig Fels, was zumindest so halbwegs den Namen der Klippe rechtfertigt. Wahrscheinlich war ein "Normal layered Sandstone Cliff with red intrusions" nich ganz so catchy wie "Rainbow Cliff"

...oder man muss die Flora und Fauna mit einbeziehen: Grüner Seetang und blau-lila Krabki - Da haben wir doch schon fast unseren Regenbogen zusammen
Da die Sonne inzwischen Weg ist, gehen wir zurück Richtung Campingplatz. Man muss ja schließlich nicht gleich die erste Nacht in der tasmanischen Wildnis verloren gehen.... Hmmm, ich höre jetzt schon die Unkenrufe: "Kampf mit einem echten Känguru scheuen! Sich wegen ein bisschen Natur ins Hemd machen! Mensch Junge, biste ooch nich mehr der Jüngste, wa? Wirste langsam vanünftig, hm?" Aber ich habe eine gute Ausrede: Der Schnaps war im Zelt =)

Das is der tasmanische Kumpel der neuseeländischen Wekas [die Futter-Klau-Hühner von der Südinsel]... Bedingt zwar nur vom Aussehen aber hundert Prozent vom Laufstil und Verhalten her. Hab sie gleich ins Herz geschlossen...

Hier einfach mal ein schönes Klischeefoto aus OZ: Känguru hüpft, Känguru horcht, Känguru hockt... Und der fast schon obligatorische Wombat mittendrin

...dazu noch riesige Eukalyptusbäume... wobei die hier eher so mittelgroß sind, aber da habt ihr mal so ein wenig Maßstab



Pünktlich zur Dunkelheit sind wir zurück am Zelt und machen erstmal Armbrot. Wir sitzen da grade so rum als neben dem Zelt etwas an der Tonne klappert. Ich gucke raus und einen Meter vor mir steht ein Possum an der offenen Tonne und guckt mich verdattert an. Der Blick war weniger Angst, sondern mehr so'n: "Och Mist, jetz hatta mich erwischt... Dann darf ich wohl nix aus der Tonne nehm, wa?" Wir starren uns ein paar Sekunden an und dann tappert das Possum wieder zurück in die Dunkelheit. Da das genau die Art Possum ist, die hier in NZ eine Plage ist, schießt mir kurz der Gedanke durch den Kopf, mir einen Knüppel zu suchen und mal kurz im Gebüsch seine Daseinsberechtigung zu diskutieren. Aber der Reflex weicht schnell der Erkenntnis, dass die ja hier zu Hause sind. Vermute also, dass nun im Gegenzug das Possum einen Knüppel im Gebüsch sucht, da ich ja hier in seinen Lebensraum eindringe und dann nicht mal mein Essen teile. Schlafe also nicht nur wegen der löchrigen Self-Inflatable-Isomatte etwas unruhig.

Also nochmal kurz zur Rekapitulation - Tag 1:
 - Wombat mit Wombaby
 - Wallaby mit Wannabe im Beutel
 - Känguru
 - Tasmanischer Teufel
 - Komische Ganz
 - Possum
 - blaue Krabbe
 - OZ Weka
 - Megaameisen
...und das alles in freier Wildbahn

Später am Abend sieht Steffi nochmal zwei Teufel nahe der Duschen. Es sind zwar nicht viele Leute da, aber leider eine Familie mit Kindern und ein paar aufgekrazte Jungreisende - also lassen wir die Fauna erstmal in Ruhe, weil die schon jedem Vieh ewig mit Taschenlampe im Camp hinterher rennen, anstatt einfach mal drei Schritte zu laufen und dann das alles in absoluter Ruhe zu genießen.

Für den nächsten Tag is eine ausgiebige Wanderung geplant [Hin und Zurück 22km], bis zur Mittelbucht der Insel. Die Insel sieht ein wenig aus wie eine Sanduhr und genau in der Mitte gibt es eine lange, dünne Landzunge, die die zwei Landklumpen verbindet. Kann man hinlaufen hauptsächlich am Wasser und zurück durch's Innere der Insel...

Aber erstmal muss man dazu ja aufstehen. Leichter gesagt als getan für einen alten Mann. Hatte mir die Nacht zuvor in Hobart schon den Nacken ein wenig verlegen und habe das ganze noch ordentlich gepflegt letzte Nacht auf der luftleeren Isomatte. Brauche also so locker zwanzig Minuten zum aufrichten. Komme mir vor wie ein Käfer auf dem Rücken... ein ziemlicher weinerlicher Käfer noch dazu. Steffi muss zwar unbedingt auf Toilette, will sich aber die Show nicht entgehen lassen. Warte eigentlich nur darauf, dass sie einen Stock holt und anfängt mich zu piesacken, aber anscheinend ist das so auch schon sehenswert genug. Komme irgendwann auf die Idee mich auf den Bauch zu rollen und so aufzustehn - klappt fast elegant [also im Verhältnis zu davor].
Anstatt mich also von einer Spinne oder Schlange beißen zu lassen oder dass mir ein Possum nachts einen Knüppel über den Kopf zieht, habe ich mir mal wieder was total Blödes in der Wildnis eingefangen. Das wird langsam Tradition.
Steffi hatte übrigens ihrer Familie versprochen, definitiv nicht in Australien zu campen, wegen dem ganzen giftigen Viechzeugs da. Total unvernünftig sowas... also das zu versprechen, das nich zu tun. Is doch wohl klar, dass das so endet, wenn man mit mir wo hin fährt. Tztz...

Dann nach einem ordentlichen Frühstück geht's los...

Auf dem Weg stoßen wir auf Hinterlassenschaften der Strafgefangenenkolonie...

...und die letzte Mahlzeit einer Möwe. Oder es gibt Waldhummer in Tasmanien - wundern würd's mich auch nich

Tagsüber scheinen die meisten Tiere zu schlafen. Hier und da mal ein Wallaby im Unterholz.
Obwohl die Rangerin uns das Wetter madig machen wollte, haben wir echt Glück. Bis auf einmal ein paar Tropfen, kein Regen und zum Glück die meiste Zeit leicht bewölkt. Ist zwar nicht so schön für Fotos aber macht das Wandern weitaus erträglicher. Tasmanien ist zwar notorisch verregnet und kalt, aber wir haben grade eine Hitzewelle also sind immer so zwischen 20°C und über 30°C. Aber nicht nur von Tag zu Tag sind die Temperaturunterschiede echt groß, auch alleine schon wenn man im Wald läuft: Sonne = schwitzen & Schatten = frieren. Und so'n Wald mit seinen Bäumen is ja nun permanent Sonne, Schatten, Sonne, Schatten, Sonne... Aber ich will garnich meckern: Der Durchschnitt is ja damit 25°C ...und was ich sonst so über tasmanisches Wetter gehört habe, haben wir einfach nur übelst Glück.

So sieht fast ganz Australien aus, wenn da grade nicht Outback is: Lichter Wald, hauptsächlich Eukalyptus, etwas Unterholz

Hin und wieder führt der Weg an eine kleine Bucht ebenfalls gesäumt von Eukalyptus...

...und gelegendlich über einen Creek. Die einzigen Wasserreserven. Komischerweise sind drumrum meist tote Bäume. Kommen die etwa mit dem Wasser nicht klar? Das hier ist ca. auf der Hälfte des Weges und der heißt 4 Mile Creek. Ich finde das etwas einfallslos und beschließe ihn nach der Schweißergilde zu benennen: Weld Creek... leider gibt es hier keine Krokodile sonst müsste man jedes mal nach dem Füße reinhalten seine Zehen zählen und dann könnte man ihn auch Toe Teller Creek nennen... aber gut, ich schweife ab.


Die Hütte ist wohl noch aus der Zeit der kurzen Besiedlung zwischen Knastinsel und Nationalpark... nennt sich French Farm... Wahrscheinlich konnten die Tasmanier Jaques Coîncheautrèroire de la Boutagnaìre-Vougôuseaú nicht aussprechen... Jetzt wohnen da Possum und Teufelchen

Allee der toten Bäume... da mal schön ramontisch mit einer Gondoliere runter staken - ein Traum für jeden Nekromantiker
Dann endlich kommen wir am Ziel an. Wieder traumhafter Ostseestrand mit Quietschesand. Tolle Aussicht auf den Südteil der Insel.

Links die Landbrücke führt zum Südgulpi der Insel und ist in der Mitte nur so ein paar dutzend Meter breit. Im Hintergrund der Süden mit nochmal ordentlich hohen Hügeln [der höchste Berg auf dem Nordteil ist über 700m hoch, also alles nicht ganz ohne]. Aber das ist uns heute zu weit... Panorama müssta wohl anklicken wenna mehr sehen wollt...

Nach einem ausgiebigen Mittag und ein wenig Rumdösen, machen wir uns auf den Rückweg über das Innere der Insel.

In OZ gibt es ja andauernd Buschfeuer. Und Eukalyptus stört das meist nich dolle, weil der andauernd seine Rinde erneuert. Hängt dann da in riesigen Fetzen runter und wartet nur darauf einem arglosen Wanderer auf den Kopf zu fallen. Zum Glück nich ganz so schlimm wie die Kokosnusspalmen auf Raro...

...aber manchmal bilden sich durch die Buschfeuer auch echt interessante Formen. Der Baum war innen bis oben hohl und hatte da ein Loch oben und nur innen alles schwarz verkokelt und eine dicke Schicht Holzkohle. Also muss der beim letzten Feuer so wie eine schwedische Fackel gebrannt haben - sah bestimmt geil aus. Aber ihr seht ja, dass die Rinde außen keine Brandspuren hat, also hat der Baum das Feuer anscheinend überstanden, obwohl Innen fast alles weggebrannt is.

Eukalyptustarn

Der Wald im Inselinneren ist weitaus dichter und die Bäume um einiges größer als auf'm Hinweg anna Küste. Hat sich also gelohnt den anderen Weg zurück zu gehen, weil trotz scheinbarer Monotonie man doch nochmal andere Landschaft sieht

Grege mit Biberschwanz... Aber ja, so'ne Rindenstücken fallen da dann teilweise von den Bäumen runter. Und war auch relativ windig an dem Tag. Also manchmal hat man sich dann doch schon erschrocken wenn da sowas in unmittelbarer Nähe runter kommt.

...aber ganz praktisch: Dient im Notfall als Regenschirm

Fast geschafft, fast wieder zu Hause, nur noch den Creek überwinden

Dann entdecken wir wieder etwas Zivilisation, oder das was davon übrig geblieben ist.


Wundere mich, wer das alte Gefängniswärterhäuschen so demoliert hat. Gefangenenrevolte?

...nee, der Schuldige ist scheinbar unscheinbarer. Tja, hätt der Wärter mal die Mutter von dem Wombat nich als schäbiges Possum bezeichnet. Is doch klar, das dis so endet... Macht man ja auch nich

Auf den letzten paar Metern fängt es dann doch noch mal ordentlich an zu schütten. Is aber nich schlimm. Wir setzen uns in die überdachte Küche und machen erstmal ein Feuerchen. Dazu gibt's lecker Kartoffelsuppe aus'm Outdoorgeschäft. Schnell sind die Klamotten wieder trocken und heute sind zum Glück kaum andere Leute da. Und plötzlich hocken 3m neben uns ein Possum und ein [später sogar zwei] Teufelchen an dem Grill und lassen sich kaum stören. Während das Possum oben am Grill nach Krümeln und Resten sucht, leckt der Teufel ewig lange den Boden ab. Irgendwer muss da irgendwas verschüttet haben. Da wir keine Anstalten machen uns den Tieren zu nähern, machen sie auch keine Anstalten sich zu verduften. Hätten die Schreihälse vom Vorabend sich also einfach mal ruhig hingesetzt, hättense auch viel mehr von der Natur gehabt.

Nachdem das Zelt am nächsten morgen getrocknet is, bauen wir gemütlich ab und schlendern Richtung Hafen. Auf dem Weg dahin laufe ich noch ein paar Schlenker und erkunde die nähere Umgebung...

Ich vermute mal die Betonbauten sind aus modernerer Zeit, aber derzeit alles ungenutzt. Die Wahlrippen im Vordergrund liegen laut der Rangerin auch schon ewig da... bzw., wurden vor Ewigkeiten angespühlt. Weiß keiner so genau von wann die sind.

Blick auf die Bucht, wo die Fähre anlegt. Links eine weitere Hütte aus den guten, alten Knastinseltagen. Und hinten auf dem Hügel die alte Wärterhütte, wo wir am ersten Abend das Teufelchen gesehen haben.

Hier und da verrostete Relikte auf den einstmals gerodeten Weiden. Eine faszinierend mystische Einöde.

Da mein Rücken immernoch kaputt is, darf ich den Rollkoffer nehmen. Ich mach mich ja sonst immer über die Deppen lustig, die mit Rollkoffer auf's Festival fahren. Aber Rollkoffer auf einer einsamen Insel am Arsch der Welt ist noch mal'n Level geiler =)

Tjoa, definitv genialer Anfang für den Urlaub. Damit hatte keiner von uns beiden gerechnet, dass das so geil wird und wir so dermaßen viele Tiere sehen. Das wird wohl schwer da jetzt noch das Level zu halten... aber gut erstmal zurück zum Festland und dann nach Devonport zu Terese und Bryan - meine Freunde die hier grade her gezogen sind vom Festland und uns ein paar Tage aufnehmen.

Wieder sind kaum Leute auf der Fähre und diesmal ist auch kaum Seegang. Plötzlich weist uns ein anderer Passagier auf Delfine neben dem Boot hin. Eine Weile springen sie neben dem Boot aus den Wellen und halten ohne Probleme mit der doch recht schnellen Fähre mit. Mich reißen ja Meeressäuger eher nich so vom Hocker, aber Steffi ist nun völlig aus dem Häuschen. Die nächsten paar Stunden ist jeder zweite Satz: "Ich hab Delfine gesehen!" [Wen's interessiert, vonna Zeichnung her: Gemeiner Delfin ]

Dann geht's los mit Auto, aber schon nach wenigen Kilometern, abruptes Bremsen. Echidna, Echidna [zu deutsch auch Kurzschnabeligel]...

Während wir uns langsam nähern, schnüffelt er vorsichtig in unsere Richtung

...irgendwann wird's ihm zu blöde und er buddelt sein Gesicht ins Gebüsch. Die Stacheln sind übrigens giftig... also wie alles in Australien: Nicht anfassen!
Wir müssen beide eingestehen Tasmanien schafft es, sein hohes Niveau zu halten. Und auch im weiteren Verlauf kommen wir nicht wirklich schnell Richtung Devonport voran....

Die Straße schlängelt sich zuerst an vielen kleinen bis riesigen Buchten lang und da kann man ja nich an jeder einfach so vorbei fahren...

Die roten Algen geben einer Bucht ein paar Kilometer weiter den Namen Fire Bay und deshalb pilgern da alle möglichen Touristen hin. Man kann sich aber auch einfach seine eigene Bucht aussuchen, die roten Algen sind hier nicht unüblich und dann hat man sie ganz für sich alleine.
Dann irgendwann fahren wir auf eine kleine Seitenstraße landeinwärts um Richtung Devonport zu kommen. Vor uns baut sich eine riesige dunkle Gewitterfront auf. Muss kurz an die Textzeile in der inoffiziellen Hymne Australiens von Men At Work denken: "Can't you hear, can't you hear the thunder? You better run, you better take cover." ... Jaja, bla bla, was soll schon passieren?
Sah echt krass aus: Vor uns nur diese riesige grauschwarze Wolkenfront mit den mächtigen Regenbändern bis zum Boden und um uns rum noch alles im goldenen Sonnenlicht, welche hinter uns stand. Dann irgendwann ging der Regen los. Leider hat uns die Straße um das Zentrum des Gewitters geführt. Gefühlt wird's irgendwie kälter und die Straße dampft, weil der Regen auf dem heißen Asphalt spontan lieber Nebel wird. Man kann den Straßenverlauf also ewig weit erkennen am aufsteigenden Kondensat. Total mystisch durch dieses Nebelband zu huschen auf dieser kurvenreichen Straße irgendwo im Hinterland. Der Regen ist inzwischen vorbei, ich gucke auf's Thermometer: 4°C ... an der Küste waren ordentlich über 20°C. Ich gucke wieder raus und mein Gehirn kann das, was es sieht erstmal nicht ganz einordnen:

...ist natürlich kein Schnee, sondern Hagel, aber das kam so unerwartet, dass mein Nervenknäuel im Kopf kurz nicht gescheckt hat, was Phase is, da wir eben unten noch am Strand in der glühenden Hitze saßen. Hier auf dem Foto erkennt man auch ein wenig den Dampf über der Straße, aber irgendwie haben wir das mit Kamera nicht eingefangen bekommen.
Passt einfach nich zusammen: Eukalyptus und weißer Boden =)
Also, Tasmanien hält weiterhin eine Überraschung nach der anderen bereit...


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Teil 2 wird dann irgendwann die Tage in den Blog geladen:
"Mt Crap & Devonport"

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Fotos sind von Steffi und mir. Habe jetzt aber nicht extra gekennzeichnet, was von wem is.