28 Mai 2017

Home Brewing - So, jetzt mal Butter bei die Fische

Endlich is Herbst und damit wieder Brausaison. Im Südwinter 2016 hatte ich ja erstmal angefangen mit Malzsirup Bier zu brauen [wer das besoffen gelesen hat und deshalb schon wieder alles vergessen, siehe hier]. Der letzte Brau [wie sagt man auf deutsch?] war dann sogar nach deutschem Reinheitsgebot. Böhmisch-Pils-Stammwürze mit reinem Gerstenmalzhefefutter. Und dann bei einigen Flaschen nach der Abfüllung die Monosaccharosebonbons zur Nachgärung weggelassen - damit waren die zwar schal wie Sternie 3 Minuten nach'm öffnen aber immerhin habe ich mein erstes Bier nach deutschen Reinheitsgebot gebraut. Im übrigen zum 500. Geburtstag von Selbigen [1516 - 2016].

War ja alles ganz schön, man kommt schnell und billig zu guten Erfolgen mit dem Sirup. Was dabei rauskommt, kann man auch trinken und macht lustig. Aber jetzt isses mal Zeit für echtes Brauen - sprich selber Würze kochen. Um Kosten und Equipment zu sparen, habe ich mich für BIAB entschieden. BIAB heißt auf deutsch "Brau In Ainem Beutel" und man kann damit alles in einem Topf machen und spart sich den sogenannten Maischbottich in dem normalerweise das Gerstenmalz rausgefiltert wird... so viel zur Theorie [Randnotiz, falls hier Brauer mitlesen, nich schimpfen, dass ich hier vieles vereinfache oder nicht mit Fachbegriffen benenne, aber dann versteht der normalsterbliche Leser vermutlich nur noch Bahnhof]

Der Brautag beginnt früh morgens um 13:00 mit nochmal über alles belesen, planen, Notizen machen, etc...


Der aufmerksame Leser wird gemerkt haben, dass inzwischen auch schon eine Menge Zeugs dazu gekommen is... aber auch die Brauzutaten sind jetzt etwas näher an dem was man bei einem Brauer zu finden gedenkt...


Das große silberne Paket is die Gerste, die beiden kleinen silbernen Pakete sind 2 Sorten Hopfen, die Backpulvertütchen sind die Hefe... Die weiße Plastedose links hat nix damit zu tun, das is einfach Desinfektionsmittel...

Dann geht's daran das ganze Equipment zusammen sammeln, damit man nich, wenn's dann mal schnell gehn muss, plötzlich losrennen und suchen muss...


...die Sprühflasche is Desinfektionsmittel, was man nicht abspühlen muss. Und auch in dem Behälter mit dem Rührlöffel, Thermometer und Hydrometer is Desinfektionsmittel. Grade gegen Ende nach dem Kochen der Würze und beim Umfüllen in den Gärbehälter sind Fremdbakterien außer der Hefe eine große Gefahr für's Bier. Also vorm Brauen Küche und Bad putzen und alles desinfizieren und auch die ganze Zeit beim brauen immer drauf achten dass kein Fremdbakterientsunami über den leckeren Gerstenjungsaft herfällt.

Die Alufolie auf dem Herd is um den Herd vor der klebrigen Würze zu schützen, falls man da was verkleckert... soll eine ziemlich leidige Arbeit sein das vom Herd abzubekommen


Das Handtuch am Herdgriff is übrigens auch nur zum Brauen und wird vorm nächsten Mal auch ausgekocht. Das is jetz keine Paranoia oder so aber das is das einzige wo sich einmal alle Homebrewer im Internet und in der realen Welt einig sind: Sterile Utensilien und saubere Arbeitsumgebung sind mit Abstand das Wichtigste neben den Temperaturen beim Würze kochen und fermentieren - da geht am meisten schief. Also auch das ganze Equipment desinfizieren...


Wer sich wundert wozu man ein löchriges Kuchenblech braucht... nun, damit macht man im Brautopf einen doppelten Boden...


...damit die Gerste später nicht am Boden des Topfes anbrennt.

So endlich kann es mit dem eigentlichen Brauen losgehen. Ich bin es ja inzwischen gewöhnt, das der oberste Brauleiter immer mit einer fadenscheinigen Ausrede verschwindet, wenn's ans Putzen und sauber machen geht. Also gehe ich ihn holen... Er sitzt im Wohnzimmer und meint nur ich solle schonmal anfangen mit dem Brauen, er würde nur noch schnell eine Hopfenzigarette rauchen, damit er dann so "richtig chillig den Brew managen kann, Alter"...


Hmmm, denk ich mir, nun gut seine Sache. Fang ich eben schonmal an. Erstmal 32 Liter Wasser in den Topf schütten um am Ende hoffentlich 23 Liter Würze zu erhalten. Leider gibt es keine genauen Werte wieviel Wasser beim Brauen verloren geht, da das von zu vielen Faktoren abhängt. Also muss man das für sein Setup selber durch ausprobieren rausfinden. Und 40% Wasser mehr als die Zielmenge erschien mir ein guter Startwert.


Der oberste Brauleiter fragt ob, ich auch mal ziehen wolle, der Stoff sei echt gut... Ich lehne dankend ab. Dann stell ich den Ofen auf volle Pulle. und warte bis das Wasser 68°C erreicht hat.


Aus dem Wohnzimmer höre ich den obersten Brauleiter jetzt laut und falsch "Somewhere over the rainbow" singen. Gut, der is wohl erstmal mit sich beschäftigt.

Eigentlich hätte ich einen noch größeren Topf kaufen sollen. Der steht nur halb auf allen Kochelementen. Dafür habe ich jetzt eine richtig geile Beleuchtung, da wo der Topf nicht die Elemente berührt.


So, Wasser is heiß, jetzt wird's spannend also erstmal vernünftige PPE anlegen... Auf dem Bild sieht man leider nich, das Pantoffeln natürlich auch zur Homebrewerschutzausstattung gehören. Die Ohrenwärmer habe ich wegen dem Gesinge aus dem Wohnzimmer aufgesetzt...


So, und jetzt kommen wir zurück zum eingangs erwähnten BIAB. Dazu besorgt man sich einen übergroßen Teebeutel und macht der Gerste da rein....


..hier fast 5kg Gerste im Sack und den stellt man dann vorsichtig auf den doppelten Boden im Brautopf.


Das muss jetzt eine Stunde bei 68°C im Wasser sitzen, damit da das Malz aus der Gerste gekocht wird. Also ich erstmal außer ab und zu Temperatur messen und Herd regulieren nicht mehr viel zu tun.
Da ich schon ewig nichts mehr vom obersten Brauleiter gehört habe, sehe ich mal nach dem Rechten... Er sitzt neben einer Tüte Brauzucker und zieht sich davon was in den Schnabel. Auf meine Frage, was das jetzt bitte soll, entgegnet der oberste Brauleiter der Hopfen hätte ihn "volle Kante weggeballert - echt gut der Shit" und um wieder klarzukommen und mit helfen zu können müsse er sich erstmal einen "kleinen Muntermacher reinfahren" und wäre dann sofort zur Stelle.


Auf meine Frage, ob das nich etwas viel Brauzucker für seine Körpergröße sei, ernte ich nur einen bösen Blick. Bevor er mich runterputzen kann, was ich glaube wer ich sei und so weiter und so fort, verschwinde ich wieder in der Küche.

Dem Brau geht es gut, da 32 Liter Wasser ihre Temperatur erstaunlich lange halten.


Nach einer Stunde bei 68°C erhöhe ich die Temperatur auf 75°C und lassen nochmal 10 Minuten vergehen.


Falls ihr euch über die Kopflampe wundert. Die Skala von dem Thermometer is extremst doof zu lesen, besonders wenn das Thermometer beschlägt und sobald man es rauszieht, saust das Quecksilber nach unten... aber so ging's ganz gut.

Der oberste Brauleiter flucht aus dem Wohnzimmer laut über die Idioten von der deutschen Lebensmittelaufsichtsbehörde. Ich denke mir nur: Oh oh, jetzt geht das wieder los. Er schimpft über die Verräter an der Bierkultur und das man ja dann gleich auch Gülle als Bier verkaufen könne, wenn jetzt schon Brause aus Maisstärke anstatt Gerstenmalz als Bier in Deutschland verkauft werden darf. Wozu denn bitte sein Urururururgroßvater mit seinen Mönchkumpels das deutsche Reinheitsgebot entwickelt hätte, wenn da jetzt so'n Billigmist ins Bier kommen darf. Und alles nur wegen dieser Glutenfreiheitsarschgeigen. Sollen die halt Wein trinken... Und so weiter... Ich kenne diese Anfälle und weiß, dass ich da besser garnix zu sage.
Und ein wenig hat er ja auch recht mit seiner Kritik, allerdings ist seine Wortwahl bei dem Thema immer etwas derb. Aber eins sei dem Leser hier versprochen. Wenn ich jemals Bier nach deutschem Reinheitsgebot verspreche, dann is da wirklich auch nur Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hefe drin. Nix weiter. Und bis dahin müssta eben gucken, was euch da als Bier angedreht wird.
Immerhin ist der oberste Brauleiter jetzt anscheinend wacher aber eben auch nicht sonderlich hilfreich, sondern pöbelt nur Ewigkeiten rum.

So als nächstes kommt die Gerste aus dem Topf raus...


Und jetzt wird das ganze zum Kochen gebracht... Währenddessen gehe ich nochmal die nächsten Schritte durch... Bei den Hopfenzugaben ist Timing wichtig...


Achso, der hintere Kühlschrank ist übrigens extra zum Brauen angeschafft worden [ich hab ihn gratis bekommen =) ]. Das Pale Ale hatte ich ja auf einem Heizpad und bei ca. 20°C gären lassen. Aber jetzt braue ich ja Pils und das braucht 10°C zum Gären... also Kühlschrank mit Zeitschaltuhr. Und so lange nicht gebraut wird, is das unser Beer Fridge - braucht eigentlich jede WG. Und ja, der Brew-&-Beer-Fridge ist natürlich größer als der Futterkühlschrank.

Der Gerstenbeutel hängt zum Abtropfen über dem Gärbehälter und da kommen nochmal so 1 - 2 Liter Würze raus. Schön trüb.... eher wie Apfelsaft oder so...


 Der Gersterest sieht dann nicht mehr wirklich lecker aus. Soll aber angeblich super Kuhfutter sein. Allerdings gibt es relativ wenig Kühe in Auckland. Und so landet der Rest im Müll.


Kurz bevor die Würze am Kochen ist gucke ich nach dem obersten Brauleiter. Er sitzt vor der Tüte mit den Monosaccharosebonbons. Ich gucke ihn fragend an, worauf er mich mustert und meint ich solle ma nich so blöde kiekn, der Brauzucker hätte ihn "volle Kante aggro gemacht, ey, und so kann man nich Arbeiten" und zum runterkommen will er "erstmal zwei Teile droppen". Dann wäre er sofort da.


Seufzend gehe ich zurück in die Küche... Immerhin kocht inzwischen die Würze.


Der Schaum in der Mitte, das sind ausgekochte Proteine. Das soll so. Nach 30 Minuten kochen erfolgt die erste Hopfengabe. Früher waren es Hopfenblüten. Heutzutage nutzt man meist Hopfenpellets. Einfach weil besser zu transportieren und zu handhaben.


 Nach 90 Minuten folgt die zweite Hopfengabe, der Ofen wird ausgemacht und die Würze steht 20 Minuten rum bevor sie möglichst schnell gekühlt werden muss. Dazu kommt der Topf in die Wanne - voll mit kaltem Wasser und Eisflaschen...


...allerdings speichern 32 Liter 100°C heißes Wasser doch eine Menge Hitze also muss ich nächstes Mal noch mehr Eisflaschen vorbereiten. Während des Abkühlens gucke ich nochmal nach dem obersten Brauleiter. Er sitzt auf der Couch und meint wie toll doch alles wäre und wie schön er es findet, dass ich auch vom Brauen so begeistert bin und ob wir danach noch auf'n Rave gehen...


...ich beschließe in Zukunft das ganze Zeugs wegzuschließen.

Dann wird die Würze in den Gärbehälter umgefüllt....


Allerdings komme ich auf fast 26 Liter im Gärbehälter. Also beim nächsten Mal nur 29 Liter Brauwasser nehmen. Und das Specific Gravity Reading ist auch ziemlich gering [ihr erinnert euch, das gibt an, wieviel Zucker die Würze enthält und damit auch wieviel Futter der Hefe zur Verfügung steht, was letztendlich den Alkoholgehalt des fertigen Bier bestimmt]. Also wird das Bier wohl eher ein leichtes werden.


Auf dem Boden des Topfes hat sich ordentlich Gerstenzeugs und Hopfenzeugs abgesetzt... Im innern des doppelten Boden ca. 3cm hoch


Der schwarze Rand sind die Reste der Proteine die beim Kochen oben aufgeschwommen sind. Also auch normal. Weil die müssen aus der Würze raus. Weil ... ähm... also, das muss so, weil wegen dem Geschmack, denn sonst... ach, fragt doch den obersten Brauleiter, wenn er wieder nüchtern is.



Dann Hefe in die Würze streuen, Deckel druff uffn Fermentor und ab in Kühlschrank.
 

Die Tage ziehen ins Land und das Bier fängt an vor sich hin zu fermentieren. Viele kleine Hefebakterien futtern den Zucker aus dem Gerstenmalz. Und weil es ihnen so super geht in der Zuckerbrühe, machen sie unzüchtige Sachen im Jungbier und werden immer mehr. Aber nicht nur, dass sie im zukünftigen Flüssigbrot weltlichen Freuden nachgehen, nein, der ganze Zucker den Freund Hefebakterium da mampft muss ja auch irgendwann irgendwo hin. Und da ihnen keiner beigeracht hat Latrinen zu buddeln machen sie das einfach mitten in ihrer großen Wohnung....



... man sieht, dass es den Hefen gut geht, wenn sich oben Krausen bildet. Das is der weiße Schaum, der da zwischen dem grünen Aufschwimmsubstrat hochblubbert. Ich habe keinen Plan ob das im Deutschen auch Krausen heißt, aber im Englischen heißt es so - und "Krausen" klingt ja wohl mal wie ein Engländer der deutsch Sprechen will, ohen es je gelernt zu haben. Generell sind recht viele Worte im Brauerenglisch deutsch oder deutschen Ursprungs.

Wer sich jetzt übrigens dachte, na bestimmt wird das Hefenpfupfui am Ende rausgefiltert, der hat im Chemieunterricht in der wichtigsten Stunde nicht aufgepasst: Das Defäkationsprodukt is das, was uns am Ende lustig macht und mit überhöhter Geschwindigkeit in die Leitplanke fahren lässt, weil wir der Meinung waren ja noch fahren zu können.
Und weil die kleinen Einzeller alle Rohstoffe aufbrauchen, sich unkontrolliert vermehren und ihre ganze schöne Umwelt mit ihrem Abfall versauen, sterben sie irgendwann. Sind eben nicht so klug wie wir Menschen.

Nach drei Wochen ist es dann so weit: Abfülltag...



Nachdem der oberste Brauleiter nach seinen Eskapaden am Brautag erstmal 2 Tage auskoman musste, war ihm dann die ganze Sache doch ziemlich peinlich. Und so gab's am Bottling-Day ordentlich Frühstück ans Bett... Das leckerste, was er auftreiben konnte. Nur das beste vom besten für mich... stimmt wohl, kann ich ihm nicht absprechen, aber wenn ihr mal bei Wikipedia guckt, was Kiwis so auf ihrem Speiseplan haben, werdet ihr sehen, dass man sich da erstmal dran gewöhnen muss. Naja, der Wille zählt... und während ich das NZ-Breakfast noch verzehre, räumt er schonmal die Crates in die Küche. Crates sind die hiesigen Bierkästen... mit 0,75l Flaschen... dafür leider nur 12 pro Kasten.


Aber nicht nur das, er putzt und desinfiziert die Flaschen sogar. Gott muss der Arme ein schlechtes Gewissen haben. Aber recht so, ich gönne mir erstmal einen Kaffee - er kann schließlich auch mal was tun.




Auf dem Foto seht ihr die erste [links] und die letzte [rechts] Flasche von der Abfüllung [sind beide Plaste, weil ich noch nicht genug Glas habe]. Hier sieht man einen kleinen Nachteil von BIAB: Es kommt doch eine Menge Sediment mit ins Bier. Is nich schlimm, setzt sich ab, aber sieht eben unschön aus und man muss beim eingießen aufpassen.... Anmerkung: Da das Sediment sich unten absetzt und das Bier von unten abgefüllt wird, is da nur in den ersten paar Flaschen Sediment mit drinne, der Rest ist so schön golden wie die Pulle rechts.


Der Eifer der obersten Brauleiters kennt kaum Grenzen. Allerdings beim Kronkorken aufs Bier machen muss er dann doch klein beigeben - Arme zu kurz. Also helfe ich mit...


Hier seht ihr auch endlich mal die volle Schutzmontur eines Braumeisters: Dödelhose und Pantoffeln.


Tadaaaaa.... Meine ersten beiden "echten" Kästen mit "echtem" Bier... Nur immernoch nich nach deutschem Reinheitsgebot - das kommt dann demnächst...


Da das Abfüllen am Vormittag erledigt war, habe ich mich am Nachmittag gleich an den nächsten Brau gemacht. Tschechisches Pilsner... Und diesmal schon etwas mehr Basic: Nur frisch gemahlene Gerste, Hopfen, Hefe und ein Zettel mit ein paar Notizen zum Rezept... Schritt für Schritt Richtung Braukaiser von Neuseeland.

Notiz an mich selbst: 29l im Topf ergibt 22l im Fermentor.

09 April 2017

...und plötzlich war der Sommer rum

Siehste, eben war noch Dezember '16 und der Sommer kam grade ma so aus'n Löchern jekrabbelt und nu issa ooch schon wieda vorbei. Gloobste nich. Aber is nich weiter schlimm, ich hab den Sommer äußerst gut genutzt... nur zwei 5-Tage-Arbeitswochen und überhaupt nur knapp über die Hälfte der Arbeitstage gearbeitet im ersten Quartal. Permanent Besucher da gehabt. Nur zwei oder drei Wochenenden in Auckland gewesen, sonst immer auf Achse. Über 10.000km durch die Pampa gegurkt. Kann sich doch sehen lassen.

Nachdem Veit weg war, kam Ronald und der wurde von Steffi aus dem Rarotonga Asocial Club abgelöst. Aber erstmal kam der Großteil des Clubs zu den Rugby Nines nach Auckland. Ich wohne ja direkt auf dem Eden Park Gelände [das is das Olympia Stadion von Auckland, aber weil die hier mit Olympia nix am Hut haben is das ein Rugbystadion und daneben ein Cricketfeld]. Der Zugang zu meinem Grundstück is genau zwischen der S-Bahn-Station und dem Haupteingang des Stadions. Also müssen alle 40.000 Besucher an meinem Haus vorbei. Und die komplette weitere Umgebung wird für die Nines eine Liquor Ban Area. Bis auf ein kleines Grundstück genau in der Mitte des Geschehens - unsers. Also Couches und Bean Bags [Sitzsäcke?] in den Garten, Anlage aufgebaut und aufgedreht, Kühlbox voll mit Bier neben die Couch und dann warten bis die ersten Leute fragen ob sie mitfeiern dürfen. [Dürfen sie, wenn sie Bier mitbringen =) ] Irgendwann wird das dann ein Selbstläufer und plötzlich hat man da 100 - 120 wildfremde Leute im Garten, die dann alle nach ein paar Bierchen gute Freunde sind. Vor dem Grundstück is so'ne Art Karneval, weil sich die meisten Leute für das Event verkleiden...

Josh und ich beim Luft in Bierflaschen machen... total seltenes Fotomotiv von uns beiden...

3/4 des Rarotonga Asocial Clubs... Steffi, Lorenz, Grege.... nur der Veit fehlt.
Am Sonnabendabend haben dann irgendwelche Rugbyschränke bei uns im Garten mit Wrestlingkämpfen und Full-Blow-Ineinander-Rennen-mit-fiesen-Tricks angefangen - sogar mit Schiedsrichter. Plötzlich also eine riesen Menschentraube am zugucken im Garten und vor unserm Haus. Bis irgendwann die Bullen Wind davon kriegen, dass wir Spaß bei uns im Garten haben [dass alle bei uns saufen, können sie nich verbieten - is ja Privatgrund - und Noise Complaint aus dem Arsch ziehen, geht während der Rugby Nines ja auch schlecht] also wird der Spaß verboten, weil wir ja eine Verpflichtung für unser Umfeld haben [absoluter Nonsense] und wenn Leute dis sehen, dann geht ja die Welt unter und es werden alles geisteskranke Massenmörer [ja, nee, klar]. Diskutieren mit Bullen bringt nirgends auf der Welt was also müssen wir das unterbinden.

Das Ergebnis von 2 Tagen Party... in und vor den Tonnen sind fast nur Bier- und Alkoholflaschen... Der Pappestapel hinter den roten Tonnen sind alles Bierkartons.... was unsere Party die lokale Wirtschaft unterstützt, sag ich euch. Aber sponsorn will uns dann auch keiner.

Danach hat sich der Rarotonga Asocial Club in alle Winde zerstreut und ich bin erstmal ein wenig mit Ronald durch die Lande getourt. Schönes Highlight war das Art Deco Weekend in Napier. Napier wurde beim großen Beben in 1932 völlig zerstört und danach in damals modernster Architektur komplett wieder aufgebaut - Art Deco. Und jedes Jahr gibt es da ein Festival, wo sich alle im 30er Stil verkleiden, hunderte Oldtimer tuckern durch die Stadt [für neue Autos is das Zentrum dann gesperrt], über den Dächern der Art-Deco-Fassaden ziehen alte Flugzeuge ihre Runden, überall Swing und Tango auf den Straßen... also man fühlt sich echt wie in die Dreißiger zurück versetzt, weil auch fast alle mit machen.

Ready to swing it [Note: The blue light in my hand is an original 30ies candle and definitely no modern device... candles used to be blue back then. You just didn't know, as you've seen only black&white-photos from that time so far...]


The boys are back in town

Aber ich war auch zwischen drin mal auf Arbeit. Da hatte sich dann auch einiges geändert - z.B. lag meine Arbeitsstelle plötzlich am Wasser.

Das war mal unser Parkplatz, jetzt eine schöne Seenlandschaft.

Rechts is auch nochmal die ehemalige Straße zu sehen... auch alle Felder drumrum waren endlose Seen... Und das war jetzt zweimal binnen vier Wochen... schimpft sich Flash Flooding.
Hier tummeln sich normalerweise Hubschrauber. Heute nich, die ham nämlich nich gerne nasse Füße.

Das geilste war der Weg zur Arbeit. Durch diese Mischung aus Sturmböen, Straße überflutet und nicht angepasster Geschwindigkeit war ich am Ende pitschepatschenass und auch meine Karre sah von innen so aus als wäre sie inne Wanne gefallen, obwohl das Fenster nur'n Spalt weit auf war. Aber zum Glück kann mein robuster Japaner mit Wasser umgehen... ich wette ja immernoch es is sowieso ein Amphimobil.
Achso, wer denkt Überflutung führt zu arbeitsfrei - nix da... Dixiklos bestellt [Wasser fließt ja nich ab bei Flut, also gingen Klos nich]. Der Dixiservice fährt auch ins Überflutungsgebiet - Geld is Geld. Sonst fand ich das ja immer toll hier in NZ, dass einfach alles weiter macht egal ob grade Katastrophe oder nich... aber doof, dass das eben auch für Arbeit gilt.

Auf der Tour mit Steffi nach Northland war auch noch alles unter Wasser. Und teilweise der Regen so krass, dass ich 10m vor mir die Rücklichter vom Vordermann nich sehen konnte...

Auf dem Weg in den Norden... hinter der Ecke war dann die Straße auf ganzer Breite überflutet... Kinnas, wat für ein Spaß, sa'ick euch.

Überall wo flach is, is Wasser bis nich mehr flach is...
...zu guter Letzt einfach ein paar Impressionen von der Ostküstentour mit Steffi, um nochmal so zu zeigen, was außer den Highlights mein ganz normales Standartprogramm im Sommer war.


Vorne weg: Es gibt hier die Rache-des-Montezuma-Zikaden, die mich fast oben auf'm Huayna Picchu in Peru umgebracht hatten... genau die gleiche Art. Sie folgen mir!! [Die Geschichte is aus Prä-Blog-Zeiten... wer sie hören will, frage also nach beim nächsten Treffen]


Wir sind dann in den tiefsten Osten... Infrastruktur ähnlich wie in Deutschland


Wieder ganz viel Natur


Und ganz viel rumklettern

Neue Sachen ausprobieren... [Aber auch in NZ gilt, keine roten Pilze mit weißen Punkten essen]


Zu verlassenen Orten wandern [Sandy Bay Hut]... man könnte kaum weiter von der Zivilisation weg sein als hier...

...ganz viel kokeln wieder

...uff's Meer kiekn

In irgendwelchen menschenleeren Buchten anhalten und campen

...abends Strandlagerfeuer

...und wieder auf's Meer kiekn

Viel neues ausprobiern... Was hier jetzt neu is? Ich könnte mich nich erinnern, vorher je ein gottverdammtes Selfie gemacht zu haben... aber wurde hier dazu genötigt. Also kann's jetzt auch die ganze Welt wissen: Ja auch ich bin jetzt im Kreis der Selfiedeppen... Nie wieder. Wenn nochmal Foto von mir, dann schön klassisch mit Selbstauslöser und panisch durch die Gegend rennen, nachm drücken

Und wer sich fragt, was mein Auto bei exakt 300.000km gemacht hat... nach logisch, es hat auch am Strand gechillt, voll NZ-style, alta!

So, eine gute Sache hat der aufziehende Herbst... ich kann mich endlich wieder der Braukunst widmen... dazu mehr demnächst!


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Fotos sind viele von Steffi und eins von Michael - Dankö!