War ja alles ganz schön, man kommt schnell und billig zu guten Erfolgen mit dem Sirup. Was dabei rauskommt, kann man auch trinken und macht lustig. Aber jetzt isses mal Zeit für echtes Brauen - sprich selber Würze kochen. Um Kosten und Equipment zu sparen, habe ich mich für BIAB entschieden. BIAB heißt auf deutsch "Brau In Ainem Beutel" und man kann damit alles in einem Topf machen und spart sich den sogenannten Maischbottich in dem normalerweise das Gerstenmalz rausgefiltert wird... so viel zur Theorie [Randnotiz, falls hier Brauer mitlesen, nich schimpfen, dass ich hier vieles vereinfache oder nicht mit Fachbegriffen benenne, aber dann versteht der normalsterbliche Leser vermutlich nur noch Bahnhof]
Der Brautag beginnt früh morgens um 13:00 mit nochmal über alles belesen, planen, Notizen machen, etc...
Der aufmerksame Leser wird gemerkt haben, dass inzwischen auch schon eine Menge Zeugs dazu gekommen is... aber auch die Brauzutaten sind jetzt etwas näher an dem was man bei einem Brauer zu finden gedenkt...
Das große silberne Paket is die Gerste, die beiden kleinen silbernen Pakete sind 2 Sorten Hopfen, die Backpulvertütchen sind die Hefe... Die weiße Plastedose links hat nix damit zu tun, das is einfach Desinfektionsmittel...
Dann geht's daran das ganze Equipment zusammen sammeln, damit man nich, wenn's dann mal schnell gehn muss, plötzlich losrennen und suchen muss...
...die Sprühflasche is Desinfektionsmittel, was man nicht abspühlen muss. Und auch in dem Behälter mit dem Rührlöffel, Thermometer und Hydrometer is Desinfektionsmittel. Grade gegen Ende nach dem Kochen der Würze und beim Umfüllen in den Gärbehälter sind Fremdbakterien außer der Hefe eine große Gefahr für's Bier. Also vorm Brauen Küche und Bad putzen und alles desinfizieren und auch die ganze Zeit beim brauen immer drauf achten dass kein Fremdbakterientsunami über den leckeren Gerstenjungsaft herfällt.
Die Alufolie auf dem Herd is um den Herd vor der klebrigen Würze zu schützen, falls man da was verkleckert... soll eine ziemlich leidige Arbeit sein das vom Herd abzubekommen
Das Handtuch am Herdgriff is übrigens auch nur zum Brauen und wird vorm nächsten Mal auch ausgekocht. Das is jetz keine Paranoia oder so aber das is das einzige wo sich einmal alle Homebrewer im Internet und in der realen Welt einig sind: Sterile Utensilien und saubere Arbeitsumgebung sind mit Abstand das Wichtigste neben den Temperaturen beim Würze kochen und fermentieren - da geht am meisten schief. Also auch das ganze Equipment desinfizieren...
Wer sich wundert wozu man ein löchriges Kuchenblech braucht... nun, damit macht man im Brautopf einen doppelten Boden...
...damit die Gerste später nicht am Boden des Topfes anbrennt.
So endlich kann es mit dem eigentlichen Brauen losgehen. Ich bin es ja inzwischen gewöhnt, das der oberste Brauleiter immer mit einer fadenscheinigen Ausrede verschwindet, wenn's ans Putzen und sauber machen geht. Also gehe ich ihn holen... Er sitzt im Wohnzimmer und meint nur ich solle schonmal anfangen mit dem Brauen, er würde nur noch schnell eine Hopfenzigarette rauchen, damit er dann so "richtig chillig den Brew managen kann, Alter"...
Hmmm, denk ich mir, nun gut seine Sache. Fang ich eben schonmal an. Erstmal 32 Liter Wasser in den Topf schütten um am Ende hoffentlich 23 Liter Würze zu erhalten. Leider gibt es keine genauen Werte wieviel Wasser beim Brauen verloren geht, da das von zu vielen Faktoren abhängt. Also muss man das für sein Setup selber durch ausprobieren rausfinden. Und 40% Wasser mehr als die Zielmenge erschien mir ein guter Startwert.
Der oberste Brauleiter fragt ob, ich auch mal ziehen wolle, der Stoff sei echt gut... Ich lehne dankend ab. Dann stell ich den Ofen auf volle Pulle. und warte bis das Wasser 68°C erreicht hat.
Aus dem Wohnzimmer höre ich den obersten Brauleiter jetzt laut und falsch "Somewhere over the rainbow" singen. Gut, der is wohl erstmal mit sich beschäftigt.
Eigentlich hätte ich einen noch größeren Topf kaufen sollen. Der steht nur halb auf allen Kochelementen. Dafür habe ich jetzt eine richtig geile Beleuchtung, da wo der Topf nicht die Elemente berührt.
So, Wasser is heiß, jetzt wird's spannend also erstmal vernünftige PPE anlegen... Auf dem Bild sieht man leider nich, das Pantoffeln natürlich auch zur Homebrewerschutzausstattung gehören. Die Ohrenwärmer habe ich wegen dem Gesinge aus dem Wohnzimmer aufgesetzt...
So, und jetzt kommen wir zurück zum eingangs erwähnten BIAB. Dazu besorgt man sich einen übergroßen Teebeutel und macht der Gerste da rein....
..hier fast 5kg Gerste im Sack und den stellt man dann vorsichtig auf den doppelten Boden im Brautopf.
Das muss jetzt eine Stunde bei 68°C im Wasser sitzen, damit da das Malz aus der Gerste gekocht wird. Also ich erstmal außer ab und zu Temperatur messen und Herd regulieren nicht mehr viel zu tun.
Da ich schon ewig nichts mehr vom obersten Brauleiter gehört habe, sehe ich mal nach dem Rechten... Er sitzt neben einer Tüte Brauzucker und zieht sich davon was in den Schnabel. Auf meine Frage, was das jetzt bitte soll, entgegnet der oberste Brauleiter der Hopfen hätte ihn "volle Kante weggeballert - echt gut der Shit" und um wieder klarzukommen und mit helfen zu können müsse er sich erstmal einen "kleinen Muntermacher reinfahren" und wäre dann sofort zur Stelle.
Auf meine Frage, ob das nich etwas viel Brauzucker für seine Körpergröße sei, ernte ich nur einen bösen Blick. Bevor er mich runterputzen kann, was ich glaube wer ich sei und so weiter und so fort, verschwinde ich wieder in der Küche.
Dem Brau geht es gut, da 32 Liter Wasser ihre Temperatur erstaunlich lange halten.
Nach einer Stunde bei 68°C erhöhe ich die Temperatur auf 75°C und lassen nochmal 10 Minuten vergehen.
Falls ihr euch über die Kopflampe wundert. Die Skala von dem Thermometer is extremst doof zu lesen, besonders wenn das Thermometer beschlägt und sobald man es rauszieht, saust das Quecksilber nach unten... aber so ging's ganz gut.
Der oberste Brauleiter flucht aus dem Wohnzimmer laut über die Idioten von der deutschen Lebensmittelaufsichtsbehörde. Ich denke mir nur: Oh oh, jetzt geht das wieder los. Er schimpft über die Verräter an der Bierkultur und das man ja dann gleich auch Gülle als Bier verkaufen könne, wenn jetzt schon Brause aus Maisstärke anstatt Gerstenmalz als Bier in Deutschland verkauft werden darf. Wozu denn bitte sein Urururururgroßvater mit seinen Mönchkumpels das deutsche Reinheitsgebot entwickelt hätte, wenn da jetzt so'n Billigmist ins Bier kommen darf. Und alles nur wegen dieser Glutenfreiheitsarschgeigen. Sollen die halt Wein trinken... Und so weiter... Ich kenne diese Anfälle und weiß, dass ich da besser garnix zu sage.
Und ein wenig hat er ja auch recht mit seiner Kritik, allerdings ist seine Wortwahl bei dem Thema immer etwas derb. Aber eins sei dem Leser hier versprochen. Wenn ich jemals Bier nach deutschem Reinheitsgebot verspreche, dann is da wirklich auch nur Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hefe drin. Nix weiter. Und bis dahin müssta eben gucken, was euch da als Bier angedreht wird.
Immerhin ist der oberste Brauleiter jetzt anscheinend wacher aber eben auch nicht sonderlich hilfreich, sondern pöbelt nur Ewigkeiten rum.
So als nächstes kommt die Gerste aus dem Topf raus...
Und jetzt wird das ganze zum Kochen gebracht... Währenddessen gehe ich nochmal die nächsten Schritte durch... Bei den Hopfenzugaben ist Timing wichtig...
Achso, der hintere Kühlschrank ist übrigens extra zum Brauen angeschafft worden [ich hab ihn gratis bekommen =) ]. Das Pale Ale hatte ich ja auf einem Heizpad und bei ca. 20°C gären lassen. Aber jetzt braue ich ja Pils und das braucht 10°C zum Gären... also Kühlschrank mit Zeitschaltuhr. Und so lange nicht gebraut wird, is das unser Beer Fridge - braucht eigentlich jede WG. Und ja, der Brew-&-Beer-Fridge ist natürlich größer als der Futterkühlschrank.
Der Gerstenbeutel hängt zum Abtropfen über dem Gärbehälter und da kommen nochmal so 1 - 2 Liter Würze raus. Schön trüb.... eher wie Apfelsaft oder so...
Der Gersterest sieht dann nicht mehr wirklich lecker aus. Soll aber angeblich super Kuhfutter sein. Allerdings gibt es relativ wenig Kühe in Auckland. Und so landet der Rest im Müll.
Kurz bevor die Würze am Kochen ist gucke ich nach dem obersten Brauleiter. Er sitzt vor der Tüte mit den Monosaccharosebonbons. Ich gucke ihn fragend an, worauf er mich mustert und meint ich solle ma nich so blöde kiekn, der Brauzucker hätte ihn "volle Kante aggro gemacht, ey, und so kann man nich Arbeiten" und zum runterkommen will er "erstmal zwei Teile droppen". Dann wäre er sofort da.
Seufzend gehe ich zurück in die Küche... Immerhin kocht inzwischen die Würze.
Der Schaum in der Mitte, das sind ausgekochte Proteine. Das soll so. Nach 30 Minuten kochen erfolgt die erste Hopfengabe. Früher waren es Hopfenblüten. Heutzutage nutzt man meist Hopfenpellets. Einfach weil besser zu transportieren und zu handhaben.
Nach 90 Minuten folgt die zweite Hopfengabe, der Ofen wird ausgemacht und die Würze steht 20 Minuten rum bevor sie möglichst schnell gekühlt werden muss. Dazu kommt der Topf in die Wanne - voll mit kaltem Wasser und Eisflaschen...
...allerdings speichern 32 Liter 100°C heißes Wasser doch eine Menge Hitze also muss ich nächstes Mal noch mehr Eisflaschen vorbereiten. Während des Abkühlens gucke ich nochmal nach dem obersten Brauleiter. Er sitzt auf der Couch und meint wie toll doch alles wäre und wie schön er es findet, dass ich auch vom Brauen so begeistert bin und ob wir danach noch auf'n Rave gehen...
...ich beschließe in Zukunft das ganze Zeugs wegzuschließen.
Dann wird die Würze in den Gärbehälter umgefüllt....
Allerdings komme ich auf fast 26 Liter im Gärbehälter. Also beim nächsten Mal nur 29 Liter Brauwasser nehmen. Und das Specific Gravity Reading ist auch ziemlich gering [ihr erinnert euch, das gibt an, wieviel Zucker die Würze enthält und damit auch wieviel Futter der Hefe zur Verfügung steht, was letztendlich den Alkoholgehalt des fertigen Bier bestimmt]. Also wird das Bier wohl eher ein leichtes werden.
Auf dem Boden des Topfes hat sich ordentlich Gerstenzeugs und Hopfenzeugs abgesetzt... Im innern des doppelten Boden ca. 3cm hoch
Der schwarze Rand sind die Reste der Proteine die beim Kochen oben aufgeschwommen sind. Also auch normal. Weil die müssen aus der Würze raus. Weil ... ähm... also, das muss so, weil wegen dem Geschmack, denn sonst... ach, fragt doch den obersten Brauleiter, wenn er wieder nüchtern is.
Dann Hefe in die Würze streuen, Deckel druff uffn Fermentor und ab in Kühlschrank.
Die Tage ziehen ins Land und das Bier fängt an vor sich hin zu fermentieren. Viele kleine Hefebakterien futtern den Zucker aus dem Gerstenmalz. Und weil es ihnen so super geht in der Zuckerbrühe, machen sie unzüchtige Sachen im Jungbier und werden immer mehr. Aber nicht nur, dass sie im zukünftigen Flüssigbrot weltlichen Freuden nachgehen, nein, der ganze Zucker den Freund Hefebakterium da mampft muss ja auch irgendwann irgendwo hin. Und da ihnen keiner beigeracht hat Latrinen zu buddeln machen sie das einfach mitten in ihrer großen Wohnung....
... man sieht, dass es den Hefen gut geht, wenn sich oben Krausen bildet. Das is der weiße Schaum, der da zwischen dem grünen Aufschwimmsubstrat hochblubbert. Ich habe keinen Plan ob das im Deutschen auch Krausen heißt, aber im Englischen heißt es so - und "Krausen" klingt ja wohl mal wie ein Engländer der deutsch Sprechen will, ohen es je gelernt zu haben. Generell sind recht viele Worte im Brauerenglisch deutsch oder deutschen Ursprungs.
Wer sich jetzt übrigens dachte, na bestimmt wird das Hefenpfupfui am Ende rausgefiltert, der hat im Chemieunterricht in der wichtigsten Stunde nicht aufgepasst: Das Defäkationsprodukt is das, was uns am Ende lustig macht und mit überhöhter Geschwindigkeit in die Leitplanke fahren lässt, weil wir der Meinung waren ja noch fahren zu können.
Und weil die kleinen Einzeller alle Rohstoffe aufbrauchen, sich unkontrolliert vermehren und ihre ganze schöne Umwelt mit ihrem Abfall versauen, sterben sie irgendwann. Sind eben nicht so klug wie wir Menschen.
Nach drei Wochen ist es dann so weit: Abfülltag...
Nachdem der oberste Brauleiter nach seinen Eskapaden am Brautag erstmal 2 Tage auskoman musste, war ihm dann die ganze Sache doch ziemlich peinlich. Und so gab's am Bottling-Day ordentlich Frühstück ans Bett... Das leckerste, was er auftreiben konnte. Nur das beste vom besten für mich... stimmt wohl, kann ich ihm nicht absprechen, aber wenn ihr mal bei Wikipedia guckt, was Kiwis so auf ihrem Speiseplan haben, werdet ihr sehen, dass man sich da erstmal dran gewöhnen muss. Naja, der Wille zählt... und während ich das NZ-Breakfast noch verzehre, räumt er schonmal die Crates in die Küche. Crates sind die hiesigen Bierkästen... mit 0,75l Flaschen... dafür leider nur 12 pro Kasten.
Aber nicht nur das, er putzt und desinfiziert die Flaschen sogar. Gott muss der Arme ein schlechtes Gewissen haben. Aber recht so, ich gönne mir erstmal einen Kaffee - er kann schließlich auch mal was tun.
Auf dem Foto seht ihr die erste [links] und die letzte [rechts] Flasche von der Abfüllung [sind beide Plaste, weil ich noch nicht genug Glas habe]. Hier sieht man einen kleinen Nachteil von BIAB: Es kommt doch eine Menge Sediment mit ins Bier. Is nich schlimm, setzt sich ab, aber sieht eben unschön aus und man muss beim eingießen aufpassen.... Anmerkung: Da das Sediment sich unten absetzt und das Bier von unten abgefüllt wird, is da nur in den ersten paar Flaschen Sediment mit drinne, der Rest ist so schön golden wie die Pulle rechts.
Der Eifer der obersten Brauleiters kennt kaum Grenzen. Allerdings beim Kronkorken aufs Bier machen muss er dann doch klein beigeben - Arme zu kurz. Also helfe ich mit...
Hier seht ihr auch endlich mal die volle Schutzmontur eines Braumeisters: Dödelhose und Pantoffeln.
Tadaaaaa.... Meine ersten beiden "echten" Kästen mit "echtem" Bier... Nur immernoch nich nach deutschem Reinheitsgebot - das kommt dann demnächst...
Da das Abfüllen am Vormittag erledigt war, habe ich mich am Nachmittag gleich an den nächsten Brau gemacht. Tschechisches Pilsner... Und diesmal schon etwas mehr Basic: Nur frisch gemahlene Gerste, Hopfen, Hefe und ein Zettel mit ein paar Notizen zum Rezept... Schritt für Schritt Richtung Braukaiser von Neuseeland.
Notiz an mich selbst: 29l im Topf ergibt 22l im Fermentor.






















