14 Dezember 2015

Endlich Urlaub - Roadtrip zur East Coast

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Dieser Post ist einem kürzlich von uns gegangenem Reisedokument gewidmet.

Auch wenn ich Dich nie persönlich kennen gelernt habe, hast Du doch auch mein Leben bereichert. So weiß ich aus den Erzählungen Deiner Nächsten, dass du stets ein treuer Begleiter warst und erst durch Deine Stempel und Aufdrucke viele Wünsche, Erlebnisse und Erfahrungen Deiner Nächsten ermöglicht wurden.

Mögest Du in Frieden Deine letzte Ruhe auf dem Wairoa City Landfill Friedhof finden.

Vielen Dank an alle, die uns in dieser erfahrungsreichen Zeit Beistand geleistet haben:
Die netten Damen vom Wairoa City Council
Der Binman, der Dein letztes Geleit so würdevoll gemacht hat.
Alle, die in Wellington dabei mitgeholfen haben, den weiteren Weg so unbeschwerlich wie möglich zu machen.

Wir werden Dich nicht vergessen.
R.I.P

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So, ich hatte nicht nur meinen ersten Urlaub hier... [also ich meine endlich mal ehrlich verdienten Urlaub... nicht dieses monatelange Aussteiger-Hippie-Hobo-Rumgereise...] zusätzlich hatte ich auch meinen ersten Besuch hier. Als ich letztes Mal in Berlin war, hatte ich Cornelia getroffen und schon zwei Tage später hatte sie einen Flug nach NZ gebucht, um mich zu besuchen... Jaaa, da staunta, wa? ...Voll der Casanova, ne? ...Also gut, böse Zungen behaupten ja, die Reise war schon lange vorher geplant und das war mehr Zufall alles, aber von so'nem Gerede lass ich mich ma garnich beeinflussen, steh ich voll drüber, ey... =)

Da ich nur 4 Tage Urlaub hatte [man darf hier nur nehmen, was man sich schon erarbeitet hat] plus ein Wochenende war der Plan, ich fahre Cornelia die Ostküste runter bis nach Wellington und dann schippert sie rüber zur Südinsel für die letzten 3 Wochen und ich fahre wieder nach Auckland. Und wer bei "war der Plan" hellhörig geworden is, kennt mich anscheinend schon ein wenig.

Von der Arbeit ging's direkt zum Flughafen, Cornelia abholen, und von da aus nach einem ersten Flat White [ich habe übrigens grade vor kurzem in der Berliner Zeitung gelesen, dass grade auf irgendeiner super hippen berliner Kaffemesse 'Flat White' kredenzt wurde und auch schon erste Szenecafés das in Berlin im Angebot haben... ich bring beim nächsten Berlinbesuch einfach mal einen Stapel Pappkaffebecher von McDonalds, BP, Starbucks etc. mit auf denen groß "Flat White" angekreuzt is und laufe damit durch Kreuzkölln um Hipster zu ärgern] direkt in die Natur. Hunua-Ranges: Niemand da, gratis Camping ohne Dusche, schön mit Lagerfeuer und drumrum nur Wald.... NZ halt. Wir sitzen da so rum und ich wunder mich die ganze Zeit wie die Kühe in den Wald kommen und was die da machen. Cornelia hatte auch keinen Plan, also gehen wir irgendwann los Kühe suchen. Dis waren Frösche! WTF? Die klangen selbst noch ganz dichte bei wie eine rollige Kuhherde. Wahrscheinlich neuseeländische Ochsenfrösche oder so...

Am nächsten morgen ging's dann weiter nach Coromandel [Die Halbinsel östlich von Auckland, grüner Marker auf der roten Linie, nur diesmal ganz in den Norden]. Je weiter man nach Norden fährt je mehr Gravelroad, je schmaler der Streifen zwischen Brandung und Klippe, je verknoteter die krassen Coromandelbäume. Aber noch was und da ärger ich mich echt, dass ich das nich dokumentiert habe: Die Straße führt eben große Abschnitte direkt am Hauraki Golf lang und am Anfang war der total aufgewühlt braun, das wurde dann irgendwann gelblich-blaustichig, später Swimmingpool-blau, grünlich-blau, türkis-blau, tief-blau, krass dunkelblau bis hin zu silber-schwarz-blau ganz im Norden. So ein krasses Farbspiel und dazu noch Sonnenschein. Eigentlich hätte ich alle paar Kilometer ein Foto machen müssen damit man den ganzen Farbverlauf sieht ...hab ich aber nich - konnte ja keiner vorher wissen.
Wir haben dann auf der DOC-Campsite ganz an der Nordpitze gecampt. Die hatte sogar einen Warden [jemand, der nach dem Campingplatz guckt] und der Typ war so genial: Bestimmt schon Rentenalter, hat er seine Hütte mehr oder minder aufgegeben und sich einen Bus zu seinem Zuhause umgerüstet und fährt jetzt fröhlich durch die Gegend... Mit ihm ne Weile geschnattert und dann erstmal Feuerholz sammeln gefahren [voll Kiwi-Style =) ]... zum Glück hat meine Karre ein Roof-Rack und Spanngurte.
Dann abends wieder schick Lagerfeuer und mal den Duty-Free-Gin angetestet. Und wer schonmal mit mir Alkohol konsumiert hat, der weiß ja um meine vorsichtige, zurückhaltende, gar abweisende Art wenn es um den Genuss von Spiritousen geht. ... ...Naja, zumindest hat uns dann am nächsten morgen der Kumpel vom Warden gratuliert, dass wir den Kampf gegen die Ginpulle ja fast gewonnen hätten ...also ich vermute ja, die Enten haben sich dran vergriffen.




Meer - Strand - Straße - Klippe... das fetzt so unglaulich da die Gravel Roads lang zu fahren

Ganz ganz oben auf Coromandel


...und jetzt da schnell runter zum Strand =)



Diese fett verschnörkelten Bäume krauchen da überall rum

I'm a logging truck // I carry tree trunks huckepack // That's why I hack se ab // Oh yea, I'm a logging truck

Jaja, Meer-Schafe-Hügel-Wolken-Bilder sind nix neues in dem Blog, aba hey, dit is nu ma Neuseeland, Kinnas, wat erwartet ihr?









Vormittag sind wir dann da noch etwas im Norden rumgewandelt und dann irgendwann los Richtung Südost-Coromandel auf die nächste DOC-Site. Unterwegs noch schön geil Fish & Chips gegessen. Omnomnom... Also die meisten DOC-Sites auf Coromandel haben sogar duschen, aber das is ja öde. Glücklicherweise hatte die DOC-Site da einen Fluss... 5cm kalt. Aber Sonne trocknet ja schnell und egal ob man danach nu wirklich sauber is oder auch nich: Man fühlt sich definitiv so.

So, Beweis: Auto is Strand-fähig [Irgendwo Coromandel] ... und inzwischen [Zwei Wochen nachdem dieses Foto enstanden is] habe ich auch noch nachgewiesen, dass die Karre sogar Watt-fähig is... allerdings nur bedingt, weil man sollte vermutlich besser nich stehen bleiben oder zuviel Gas geben. Dann is der Spaß ganz schnell vorbei und aus dem Auto wird im 6h-Intervall abwechselnd eine Insel oder ein Schattenspender für Wattwürmer und eine 24/7-Anwohner-Attraktion und -Umweltverschmutzung...  Aber keine Sorge, nix passiert, und weil er so brav mitgespielt hat, gib's sogar mal wieda neues Öl =) ...musste auch grade das ein oder andere Kilo Sand-Zement-Gemisch vom Unterboden kratzen: Standen da so mitten inna Pampa Schilder: "Cement splashes! Wash your car today." ...so ganz offizielle Baustellenschilder... ich dachte mir nur: "Was zum Geier? Wo soll ich denn hier bitte mein Auto waschen?" Aber so ist das hier nunmal....

Dann war erstmal Fahrtag bis zum East Cape [oranger Marker auf der roten Linie]. Da dann einfach Freedom Camping. Leider diesmal keine Seelöwen gesehen. Dabei hab ich erst so ewig rumgeprollt: "Alles voll damit da. Stolpert man fast drüber... blabla...." Ja, blöde Natur, macht einfach was sie will. Alle woanders. Am nächsten Morgen hatte Cornelia dann die glorreiche Idee einfach auf den Berg neben unserem Übernachtungsplatz zu klettern. Und ich war mal wieder erstaunt, wie viel das Land noch zu bieten hat. Eigentlich dachte ich: East Cape kennste im Großen und Ganzen. Aber einfach nur mal irgendwo rauf, wo man noch nich war und schon wieder ganz andere Einblicke, An- und Aussichten, Eindrücke, etc. ...also ich muss mir keine Sorgen machen, dass mir hier in Bälde langweilig wird: Einfach weiter suchen und erkunden..




Gravel Road in the morning, Gravel Road at night, schubidu...

Am nächsten Morgen auf dem Berg hinter unserm Schlafplatz... Der kleine weiße Punkt da unten an der Straße rechts, is mein Auto.. also doch schon ordentlich hoch

Das gute alte East Cape

Kopu, sich ausrollendes Farnblatt und fertig entwickeltes .... Alle 3 Entwicklungsstufen in ein Bild gepackt - jetzt fehlt nur noch ein verrottendes Blatt

Typischer Kiwi Ostküstenurlaub ... Camper direkt zwischen Meer und Straße und den ganzen Tag angeln und saufen

Dann gings weiter die Ostküste runter, eine Bucht suchen zum Strandlagerfeuer machen. Hatte Cornelia vorher noch nie nich... nagut, mag an dem Mangel an Stränden in Österreich liegen... aber man kann nicht in NZ gewesen sein und kein Strandlagerfeuer gemacht haben. Wo kämen wir denn da hin? Und mit etwas Freude an Erkunden und Gravelroad-fahren findet man hier auf alle Fälle, was man sucht. Letztendlich sind wir auf der einzigen DOC-Site der East Coast gelandet anstatt Freedom Camping aber da hatte einfach alles gepasst. Und denn abends ein wunderbares Feuerchen, so wie's sein muss...

Dann morgens wieder Wanderung und weiter nach Napier, Michael und Karel besuchen - schön abends im Whirlpool sitzen, Blick über Napier genießen und echtes [in Deutschland gebrautes] 5,0 aus Dosen trinken... und wer jetzt vermutet, dass Cornelia das mitgebracht hat: Nee... Das gab's hier bei Pak'n'Sav [real-Equivalent]... mir wären fast die Augen rausgefallen. Ironie der Geschichte: Hier is das ein echt hochwertiges Bier!

So, wer sich jetzt wundert: Hmmm das klingt doch alles bisher nach dem Plan, den er am Anfang angekündigt hat: Ja, schon, aber war irgendwie zwischendrin ein Tag zu viel vergangen. Eigentlich hätten wir schon Nahe Wellington sein müssen und ich am nächsten Tag zurückfahren. Von Napier runter nach Welli und zurück nach Auckland wäre selbst mir zu hart. Also war die Überlegung ich setze Cornelia in Taupo [Zentrum Nordinsel] ab und fahr dann zurück. Aber Michael und Karel meinten dann: "Was? Nordinsel ohne Rotorua [da, wo die heißen Quellen sind]? Dis geht ja garnich..." Also nochmal Planänderung: Bus für Cornelia Dienstag früh nach Welli gebucht, DOC-Site nahe Rotorua rausgesucht, Wecker auf 4:30 morgens gestellt, damit ich noch halbwegs rechtezeitig zur Arbeit komme... 230km Arbeitsweg is dann doch ne Nummer mehr als sonst, da kann man halt nich bis inne Puppen im Bett rumlümmeln.

Abends in Rotorua waren wir dann noch in Wai-O-Tapu... also ich hielt das ja erst für zu touristisch und zu teuer, aber Michael und Karel meinten, man muss das un-be-dingt gemacht haben. Ja is schon krass beeindruckend, aber eben wenn man am liebsten 6h durch Wälder und Berge über schlammige Pfade und durch Flussläufe stapft, dann is und bleibt das touristisch da.
Wir waren dann auch da wo sich der heiße und der kalte Fluss treffen und man gratis in dem natürlichen Pool bei Wunschtempratur baden kann, aber der war diesmal übelst voll mit Touris.... und auch noch die ganz intelligenten: Da sind überall Schilder die sagen "Halt den Kopp nich unter Wasser, hier jib's Amöbenmeningitis!" ...aber irgendeiner von denen scheint irgendwo gelesen zu haben, dass der Schlamm da in der Gegend ja voll gesund is und hat sich das einfach mal ins Gesicht geschmiert und alle andern haben's nachgemacht.... Gucken uns da also 10 - 20 Meningitisschlamm verschmierte Gesichter an... war mir zu doof. Cornelia hatte dann auch keinen Bock. Rockt sowieso nachts mehr, wenn der Großteil des bekloppten Touripacks weg is..
Apropos Deppen: Also in Wai-O-Tapu steht nirgends explizit, dass man das Wasser nich kosten soll. Also da steht: Nicht anfassen, weil kann kochen. Da steht dass die Farben da von Schwefelsäure, Arsen und so weiter kommen. Und noch'n Haufen andres Bla! Und alles heißt irgendwas mit Teufel, Hölle oder Tod... naja, egal. Es soll Leute geben, die das probiert haben und die könnten euch erzählen, dass das widerlich bitter schmeckt und sich trotz nur Finger ablecken im ganzen Mund verbreitet und auch ein Müsliriegel nur bedingt hilft. Aber wer so trottlig is, würde dass ja niemals nich zugeben, ne?

Teufelsschlund

Schwefelbrühe des Todes

Erstarrter Arsenfluss der Qualenbringer des Styx

Vogelwürgerschlot

Wald des verreckenden Possums

Brodelnde Luziferganggaltratzenpfütze

Blutspuckerküste

Würgteufelstirbrotztodablagerung


Becken der Tausend gepressten Gallen


Letzte Nacht waren wir dann auf eben jener DOC-Site Nahe Rotorua ...echt schön an nem geilen See und fast den letzten Platz bekommen. Erstaunlicherweise eigentlich fast den besten. Dann früh morgens Cornelia zum Bus gebracht und auf Arbeit gedüst...

Hmmmm, also ich hab ja mal wieder ein wenig hier Distanzen unterschätzt, aber trotzdem haben wir doch alles gemacht, was so als grobe Idee vorher da war... eben viel Fahren, Wandern, Klettern, Feiern, Feuern, Machen, Tun.... Schlaf ist ja sowieso nur ein Zeichen für Koffeinentzug... und ich hab inzwischen doch genug Wissen über Kultur und Natur hier angesammelt um eine Woche permanent durchzuquasseln.... eventuelle Wissenslücken kann man dann ja prima mit Halbwissen und garantiert ganz wahren Maorilegenden auffüllen.... da tut das dann auch nichts zur Sache, dass die super-seltene Schaumschwammalge verdammt nach Styropor aussieht =)

Also wenn dit ma keen schöna ersta selbstvadienta Urlaub hier war, denn wees ick ooch nich... Kannick escht nur empfehln sowat...


################### Nachtrag #####################

Erinnert sich ja vielleicht noch wer an meine Whatipu-Tour ganz am Anfang des Südsommers... und wie ich da so vergeblich versucht habe auf den einen Berg zu kommen... bzw., die Felsformation in der Mitte von dem Sumpf... und so kläglich gescheitert bin, wa? Na denn kiekt ma hier:



Das da hinten sind die Sanddünen in denen ich letztes Mal die Küste lang bin

Jaja, ich weiß genau welche Diskussion gleich wieda los geht =)

Ha! Take that, Cutter Rock! In your face!

21 November 2015

Northland - Kauris und Kiwis

Vor kurzem, war mein erstes langes WE... Labour-Weekend - Tag der Arbeit. Also schön die Hasskappe poliert, Mollilunten gebastelt und im Internet geguckt, wo die größten Demos sind: Dummerweise nicht hier. Also so garnix. Folglich neben Bier im Park, noch ne gute, alte berliner Frühlingstradition, die hier nich geht. Ergo wieder umplanen. Immerhin hatte ich diesmal ein verlängertes Wochenende. Also was tun? In Northland [das nördlichste Ende von NZ, oberhalb von Auckland] war ich noch nie und'n richtigen Kauriwald habe ich auch noch nicht gesehen.

Kauris sind die zweitgrößten Bäume der Welt. Leider weiß ich ncht, was damit gemeint ist:  Gesamthöhe, Stammhöhe, Stammdurchmesser, Holzvolumen... Die gib's schon seit dem Jura [Hochphase der Dinos], waren den Maoris heilig, wurden von den Engländern fast komplett abgeholzt und sind jetzt vom Aussterben bedroht wegen der Kauri-Dieback-Krankheit...

Eigentlich wollte ich ja schon Freitagabend in den Norden fahren. Aber die Idee hatte nich nur ich und nachdem ich den Verkehr auf der Südautobahn gesehen habe und mir zusammenreimen konnte, dass das nach Norden raus nicht besser sein wird, bin ich zu meiner alternativ Freitagabendplanung übergegangen: Auto fremder Menschen reparieren und dafür gratis Bier bekommen. Das Auto habe ich durch angucken repariert. So muss das - ein Zeichen für wirklich überragende Ingeniörsfähigkeiten... Bier gab's trotzdem. Schönet Ding.

Bin dann Sonnabend"früh" los. Wettertechnisch war Weltuntergang. Aber besonders dann weiter raus, war echt fast gar kein Verkehr mehr und dann machen auch kurvige Landstraßen bei strömenden Regen Spaß... also NZ-Unwetter-strömender Regen... in irgendeinem kleinen Kaff habe ich mir erstmal schön Kaffe besorgt und bin dann mit einem alten Local ins Gespräch gekommen. Er stammt aus einer Siedlerfamilie und hatte auch echt ne coole Lebensphilosophie. Irgendwann hat er mich dann überredet ins Kaurimuseum zu gehen - hat ja sowieso geschüttet. Als wir uns dann verabschiedet haben, hat er spontan beschlossen mir auch gleich ne kleine Führung durchs Museum zu geben und is mit mir dahin gefahren. In dem Ort mit dem Museum angekommen fährt er dann erstmal auf'n Friedhof. Ich zögere kurz, weil die Wege nich wirklich nach offiziellen Straßen aussahen und man das in Deutschland ja eher nich macht. Aber er winkt mich ran also kurven über den Freidhof - is nämlich ne Abkürzung zum Museum und wo er hin darf, darf ich auch hin und er darf eigentlich üerball hin, schließlich stammt er aus einer Pionierfamilie [sind schon irgendwie seit 1850 oder so da]. Ins Museum darf er auch kostenlos, ich muss leider zahlen. Das genialste an seiner Führung war, als wir in den Raum mit den ganzen alten Fotos sind. Fast alles Fotos sind abgehängt und da hängen irgendwelche selbst-gestickten Stofffetzen. Nur noch ganz hinten hängen ein paar Fotos: Er guckt sie nur an und murrt nur irgendwas von "Ja, nee is klar, die Fotos von den Smith bleiben hängen... grrrrrr.... war so klar." Später habe ich rausgefunden, die Smith sind auch eine Pionierfamilie und anscheinend schon etwas länger da =)

Bin dann irgendwann weiter zur nächst besten DOC-Campsite. Alles voll mit Touris, hauptsächlich Deutsche. Da der Regen so eingermaßen aufgehört hat setz ich mich auf meinen Campingstuhl, beschalle die Touristen ungefragt mit Musik und süffel ein Bierchen vor mich hin. Anstatt, dass sie sich über die Musik ärgern, schicken sie nach einer Weile eins der Mädels rüber, ob ich nich zu ihnen kommen wolle, ich säße da so alleine und sie würden sich freuen, wenn ich meine Mucke mitbringe. Hmpf, sind wohl alle noch am Anfang ihres Work-&-Travel-Jahres.... Nun gut, ich also mit hin und wir da lustig die ganze Nacht durchgesoffen.

Am nächsten morgen habe ich dann endlich mal mit meinem eigentlichen Vorhaben angefangen und den angrenzenden Kauriwald erkundet. Also da standen ja nur Jungspunte rum, aber selbst die waren schon verdammt beindruckend. Vermutlich bringen euch die Fotos nich viel. "Aha, soso, ein Baum." Sieht man ja nich wie groß der is. Aber besonders weil die Kauris nich so wie unsere großen alten Eichen total verknotet und verästelt sind, sondern komplett grade hohe Säulen wirken sie irgendwie nochmal mächtiger als sie sowieso schon sind....einfach so ein riesengroßes, massives Etwas... einfach nur endlos viel Biomasse... schwer zu beschreiben.

Den Nachmittag hab ich mit Gravelroad fahren verbracht. Eher halb absichtlich, weil ich mich am Anfang ein wenig verfahren habe... aber fetzt einfach. Hätte mir jemand vor 2 Jahren gesagt, dass ich mal gehörig Spaß am Autofahren haben werde, hätte ich dem n Vogel gezeigt. Aber es liegt hier auch wirklich an den Straßen und der Umgebung und dem wenigen Verkehr wenn man mal von den Hauptrouten runter is... und dass die Gravelroads quasi freigegeben sind: Die erlaubten 100km/h kannste soweiso nich schaffen =)

Kauri... eher ein junger, trotzdem größer als vermutlich alles, was so in Europa wächst

...die haben so ein ganz typisches Rindenmuster. Zeig ich euch weil wenn ihr jetzt wisst wie die Blätter aussehen bringt euch das garnich die sind soweiso zu weit oben =)

Epiphytengarten

Die Bäume produzieren soviel Kauriharz, dass da mal eine ganze Industrie drauf gefußt hat...

Das Bild könnte etwas zu Größenvorstellung beitragen, wenn ihr wisst wie groß Baumfarne sind.... hilfreich, wa?






Danach bin ich dann nochmal kurz zum Strand gegurkt, ein wenig rumgewandert und zurück zur DOC-Campsite. Da hab ich wenigstens doch noch jemanden kennengelernt, den unsere Party am Vorabend genervt hat: Wenigstens ein Reise-Päärchen =) ... waren ganz lustig: Also 'ne Weile mit denen geschnattert.
Im angrenzenden Kauriwald soll es ordentlich viele Kiwis geben. Und die soll man dann auch hören und mit gaaaaanz viel Glück auch sehen können. Ich hab am Vorabend nix gehört - mag am Techno gelegen haben. Auf alle Fälle kommen irgendwann die Moreporks [Eulen] raus und machen Krach und er freut sich voll: "Ui, ein Kiwi. Hört ihr? Da, ganz bestimmt."
Ich: "Nee klingt eher wie'n Morepork."
Er: "Meinste? Also das klingt doch ganz eindeutig nach 'ki-wi, ki-wi' ...und in meinem Buch steht die machen so."
Ich denke mir das klingt eher nach 'Butterstulle' und meine bisherigen Kiwis haben auch nich 'ki-wi' gemacht... nagut, vielleicht ist ja Paarungszeit oder so und Kiwis haben in der Tat ein ziemlich vielfältiges Geräuschspotential.
Also wende ich ein, dass das aber drüben vom Feld kommt, wo wahrscheinlicher Moreporks Mäuse jagen.
Er: "Ja, stimmt, eigentlich wohnt der Kiwi ja schon im Wald, aber vielleicht sind die hier auch aufm Feld unterwegs... vielleicht gibs da auch Würmer oder Maden."
Ich glaube langsam, dass er 'ne Made im Kopp hat und verstehe auch woher die ganzen Kiwi-gesehen-Stories kommen. So wie mit Ufos, Yetis und sonstewat.
Als es dann wirklich dunkel war und späte Nacht kamen Richtung des Waldes auch mal wirkliche Kiwirufe. Also habe ich mich auf zur Nachtwanderung gemacht.

Und nachts alleine [ab und zu eben mal ein anderer Kiwisucher] ohne Fremdlicht [war fast Vollmond] zwischen den majestätischen Säulen da rum zu spazieren hat echt was. Wie eine endlose gotische Kathedrale mit ganz viel Unterholz in einem mystisch fahlen Licht. Teilweise komplett still, teilweise Vogellaute. Riesengroß. Einfach nur wie eine andere Welt: Fettomatico.
Es gibt dort in der Tat etliche Kiwis. Man kann sie ewig weit hören, aber man darf die Pfade nicht verlassen und kann es auch nicht wirklich wegen dem Unterholz. Irgendwann rennt auch was 3m vor mir über den Weg, aber bis ich meine Taschenlampe rausgekramt habe, is das Etwas auch schon gemütlich übern Weg und verschwindet raschelnd im Unterholz. Und vollkommen egal wie lang deine MagLight is und wie hoch die Lumendichte, das Unterholz is dichter.
Und hier zeigt sich das Problem: Selbst wenn der Kiwi 3m neben dir raschelt und Krach macht siehste ihn nich. Gut, es gibt dann noch die Idioten, die sich fröhlich ins Unterholz stürzen, aber muss ja ooch nich sein, wa?
Also keine Ahnung was das war [evtl. auch ein Possum, dass den bipeden Gang ausprobiert =) ], ich habe es so oder so nicht gesehn ...mit etwas Glück stand ich also schonmal 3m neben einem Kiwi und habe ihn im Dunkel erahnt. Aber auch das is nich klar. Zählt also alles nich, war aber trotzdem ein spannender Moment - selbst wenn's am Ende nur ein Igel war =)

Eine offizielle Straße, ohne Flachs jetzt...

Sogar mit Auffahrten.... allerdings war zumindest die nur 4WD geeignet, also kam ich da leider nicht runter mit meiner Karre


Kopu - sich ausrollendes Farnblatt

...und das passiert, wenn man sich an morschen Baumstämmen beim Klettern festhält... hmmm, auf dem Foto sieht das irgendwie garnich so steil aus wie's war =(

Da in der Mitte, der lange Teil ohne Schaum is eine Rip Current: Das is eine starke Strömung vom Strand weg. Wer da rein gerät is tot [es sei denn man schwimmt zur Seite raus... aber muss einem ja erstmal wer sagen, ne?] ....und die gib's hier sehr häufig. Deshalb vorm Schwimmen immer Locals fragen wo's geht


Eine Weta. Gib's auch nur hier... sind auch noch aus Dinotagen... die is von der Nachtwanderung


Am nächsten Tag bin ich dann zu den größten und ältesten noch leben Kauris gefahren und hab ein wenig Tankroulette gespielt: Tanke zu teuer, Tank fast alle, Tanke zu teuer, Tankwarnleuchte geht an, hmmm wann kommt denn die nächste Stadt? =)

Hinterland

Noch ein Epiphytengarten


Ein Farn explodiert



4 Schwestern... leider durch den Panorama-Stitcher etwas verzerrt... die sind eigentlich viel schlanker =)



Da war der Gehwegbauer wohl besoffen =) ...man betritt hier fast nirgends Waldboden, weil die so'ne [berechtigte] Angst davor haben, dass die Touris auch noch die restlichen Bäume mit Kauri-Dieback infizieren

Und so sieht ein Kauri aus, der an Kauri-Dieback gestorben is... die bleiben noch ewig lange stehen, weil das einfach so sinnlos viel Holz is und ewig nich durchrottet

Das Foto is ein kleiner Teil der Krone des größten noch lebenden Kauri ... Tane Mahutu oder sowas... und der Baum da in der Mitte kann es locker mit Berliner Straßenbäumen aufnehmen... den Großen!

Tane Wasweißich ...der älteste Kauri... der is älter als deine Mutti, ey, schwörisch Alta!


Und da gehts nächstes Mal hin.... in den absoluten Norden ...alles voll mit Megasanddünen