14 März 2023

Wir nach der Sintflut

Nachschlag zum letzten Post... [manche Verweise hier machen wohl etwas mehr Sinn, wenn ihr den anderen Post zuerst lest, so noch nicht geschehen]

 

Inzwischen ist ein weiten Teilen des Landes wieder sowas wie Normalität eingekehrt. Also, es werden großflächig und vielerorts noch Sturmschäden beseitigt und das wird so auch noch die nächsten Monate und hier und da auch Jahre weiter gehen, aber in den meisten Regionen gehen die Kinder wieder zur Schule und die Erwachsnen zur Arbeit [laaaangweilig]. Die Westküste Aucklands ist weiterhin nur über eine Straße erreichbar und nur für Anwohner zugänglich. Unten, Richtung Strandsiedlung buddeln die Straßencrews immernoch Sand weg und reparieren Straßen, aber man kann zumindest wieder hinfahren. Also für uns alles relativ unspektakulär.

Aber gefühlt genauso viele Dörfer und ganze Regionen sind noch weit von Normalität entfernt. Zum Beispiel im Nachbardorf sind weiterhin 200 - 300 Häuser komplett unzugänglich. Teilweise konnten die Statiker da noch nicht mal rein, weil ganze Straßenzüge weiterhin abrutschen können.

Die Ostküste der Nordinsel is noch richtig hinüber. Meine Freunde aus Napier, Michael und Karel, haben berichtet da is alles kaputt [ihnen selber geht es gut und deren Grundstück war auch sicher und hat's überstanden]. Es gibt inzwischen wieder eine Straße in deren Region rein und raus, aber die kann man eigentlich nur im Notfall benutzen, weil die total überfüllt ist. Ganze ehemals bewohnte Täler sind quasi weggewischt vom Schlamm und ebenso ganze Firmen, Lagerhallen, Stadtviertel immernoch voller giftigem, stinkendem Schlamm, der langsam steinhart wird und den man nur mit kompletter Schutzmontur entfernen sollte, weil da alles drin is: Kläranlageninhalt, tote Tierherden, Chemikalien jeder Couleur, usw.usf.etc.pp.. Immerhin die Brauer helfen sich gegenseitig. Selbst die, die sonst Konkurenten sind, helfen sich mit Equipment, Hopfen und so weiter. Und Michael hilft den Brauern und kreiert Umsatz. Da sieht man mal wieder: Brauer und Brauereikunden sind einfach mal gute Menschen :)


Der Zyklon war der stärkste jemals in NZ gemessene mit 968hPa. Wer damit nix anfangen kann: 1013hPa is der druchschnittliche Luftdruck. Unter 1000hPa is richtig mieses Wetter und alles unter 980hPa fällt so in die Kategorie "Auwacka, alta Schwede!" 11 Menschen sind in NZ gestorben, 10.000 in NZ vertieben [können nicht zurück in ihre Häuser vermute ich soll das heißen] und die Kosten belaufen sich vermutlich auf 7.5 Milliarden Euro [allerdings sind da die Südseeinseln mit bei, wobei die wohl einen eher kleinen Teil der Kosten ausmachen].

 

Seit heute ist auch der Notstand aufgehoben. Schade eigentlich, weil "Notstand" bedeutet, dass ich als Feuerwehrmann alles "beschlagnahmen" kann, von dem ich meine ich bräuchte es zur Gefahrenabwehr. Zusätzlich darf ich Personen überall wegschicken, inklusive sie von ihren Grundstücken verweisen, wenn ich meine es wäre da nicht sicher. Ich muss da auch nix weiter begründen. "Sie müssen jetzt leider ihren Whirlpool verlassen und ihren Bierkühlschrank mir übergeben. Tut mir Leid. Aber übermorgen sollte sich die Lage beruhigt haben und dann können sie wiederkommen... müssen vermutlich dann etwas aufräumen, aber hey, Unwetter, ne? Kann man nix machen, wa?" Echt geil, wer da so nachlässig war mir diese Befugnis zu geben - Gutgläubige Kiwis :)


Hier nochmal ein paar Fotos, die ich von einem Kollegen von der Feuerwehr bekommen habe und darunter von unserer Wanderung zwei Wochen nach dem Sturm wo Marie und ich mal gucken wollten, was sich so alles verändert hat hier bei uns.

Wir fahren beim ersten Tageslicht nach dem Sturm los und schneiden uns mit Kettensägen Wege frei. Alle paar hundert Meter müssen wir anhalten und Bäume aus dem Weg räumen. Es geht voran, aber langsam...

Am ersten großen Erdrutsch. Lageerkundung. Links in der HiVis-Weste is die Sicherheitsperson, die nur dazu da ist, den Erdrutsch zu beobachten und wenn sich was bewegt uns durch Brüllen darauf hinweist. Und nicht ganz unwichtig, weil nach einer Weile beschließen wir auch nur noch auf dem Erdrutsch zu arbeiten aber nicht mehr davor, weil er in der Tat weiterhin langsam den Berg runter fließt. Zu dem Zeitpunkt wussten wir bereits, dass im Nachbardorf ein Feuerwehrmann vermisst wird und ein weiterer im Krankenhaus wegen einem Erdrutsch. Auch wenn wir zu dem Zeitpunkt nicht wussten, dass beide nicht überleben werden, war das schon nochmal für alle eine sehr deutliche Erinnerung, sowas nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Wir schneiden Bäume und Gebüsch raus, damit der Bagger die Erde wegbaggern kann. Rinnsale, Matsch, Gestrüpp... schnell kommt man ordentlich ins Schwitzen

Dieses Foto hat keinen wirklichen informativen Wert. Ich finde es nur schön, weil ich da schon wieder doof grinsend in Uniform drauf bin und es fast so wie ein Urlaubsfoto aussieht. Könnte auch der schiefe Turm von Pisa oder das Taj Mahal im Hintergrund sein und ich mit Sonnenhut und Hawaiihemd.


Hinter dem großen Erdrutsch ein Loch in der Straße. Die Risse im Asphalt machen keinen vertauenswürdigen Eindruck. Also können wir nur doof gucken und beschließen später nicht mit dem schweren Truck hier lang zu fahren sondern Jeeps zu nehmen... weil die ausgewaschene Erde geht bis unter den Aspahlt und es rinnt immernoch Wasser den Berg runter

Vielleicht schafft es das Foto mal einen Eindruck zu vermitteln, wie weit es da runter geht. Der Fluss im Hintergrund is 50 oder 80m unter der Straße und da geht es fast senkrecht runter an der ausgewaschenen Stelle

Der Bagger macht derweil fröhlich Fortschritt und treibt dem Straßenbauamtmitarbeiter in den Wahnsinn, weil er den Abraum stoisch den Abhang runter schmeißt

Das da unten ist normalerweise eher ein Bach zwischen den Sanddünen und dem Gras. Anhand der Abbruchkanten der Dünen kann man sehen, wie viel das Wasser bereits aus den Dünen gefressen hat. Der ganze Sand landet unten in der Beach Community. Ich hab da links auf der Wiese mal ein Haus zum Größenvergleich hingebaut

So ein ähnliches Foto vom Surfclub gab es schon im letzten Eintrag, aber hier sieht man nochmal schön den ehemaligen Zugang zum Strand im Hintergrund, der jetzt ein Fluss ist. Ob das Rohr wohl Abwasser oder Regenwasser is? Naja, jetz is ooch ejal. Hat ja schon olle Heraklit vor 2500 Jahr'n jesagt: "Allet is im Fluss." Und recht hatta - is jetz allet drinne, im Fluss.

 

Nachdem etwas Ruhe eingekehrt is, wollten Marie und ich natürlich mal gucken, was nu so im Detail los is. Also hamwa die Tage mal die große Runde durchs Tal und vor zum Strand gemacht... schöne 8-Stunden-Wanderung. Erstmal ging's runter zu den Sanddünen.



Wo der Fluss die Dünen weggewaschen hat, kann man super sehen, wie sich der Sand über die Jahrhunderte(?) abgelagert hat... Je nach Betrachtungsdevice müsst ihr evtl etwas reinzoomen um das zu erkennen

Der Bach ist normalweise total klar. Jetzt ist das Wasser voll von Sediment unterschiedlicher Färbungen und Geschmäcker

 

Dann gehen wir weiter Richtung des Sees hinter den Dünen. Normalerweise führt da ein Weg rum bis zum Wasserfall. Angeblich kommt man da nicht mehr hin: Na mal gucken...


Der See is sonst tiefblau jetzt holzstegbraun

Brücke versus Erdrutsch... Also die Brücke ist zwar noch an ihrem ursprünglichen Ort, aber ich würden sagen 1:0 für den Erdrutsch. Wer die Brücke nicht erkennt: Da gucken ein paar Holzbalken links und rechts aus dem Schlamm- und Gestrüpphaufen raus

Der Wanderweg hört dann plötzlich auf und ist über hunderte Meter Busch. Der is da einfach komplett raufgerutscht und wächst nun etwas weiter unten fröhlich weiter als wäre nix gewesen.

Die interessaentes Erkenntnis der ganzen Erdrutsche überall: Man ist in so einem Sturm nirgends wirklich sicher. Teilweise ist relativ flaches Gelände, was sich massenhaft bewegt haben muss - überall riesige Risse die ganze Menschen einfach verschlucken können. Klar, auch an den Stellen wo man's erwartet kommt was runter: Steile Hänge mit Vegetationslücken. Aber das is kein Garant. Und die schiere Größe einiger Rutsche macht klar, wenn man an der falschen Stelle is, dann is man einfach mal komplett an der falschen Stelle, egal wie schnell man rennen kann. Und angeblich sind 100km/h nicht unmöglich für Erdrutsche. Klar geht es meist langsamer, aber ich stand ja schonmal beim Snowboarden in einem langsam sich bewegenden Schneebrett und selbst wenn der Boden langsam fließt, man fließt mit.


Früher eine Brücke, jetzt ein großes Plasterohr im Bach

Immerhin das Wasser am Wasserfall ist bereits wieder etwas klarer... Also in ein paar Wochen sind dann auch hoffentlich der See und die Flüsse drumrum klar.

 

Nach dem Wasserfall laufen wir weiter um den See rum. Auf der Seite schlängelt sich der Weg etwas mehr und teilweise kamen da früher kleine Rinnsale den Berg runter, versteckt im Wald...


...während des Sturms muss das Bächlein wohl etwas angeschwollen sein

Wir beschließen die Schneise zu erkunden. Also wie gesagt: Das war vorher alles Wald. Und ich vermute einfach mal, die Schneise war auch nich so tief, weil da in dem Boden sind keinerlei Wurzeln und einige der Bäume hier wurzeln tief. Das Holz was ihr da in dem Lehm seht, sind hauptsächlich Bäume und Büsche, die den Hügel runter gerissen wurden und vom Lehmmatsch halb begraben

Abschnittsweise hat sich das Wasser bis zum Grundgestein durch den Lehm gefressen und hier einen neuen Wasserfall geschaffen. Der Boden hier ist auch keine lose Erde, sondern relativ fester Lehm... aber eben doch nur "relativ", wie man sieht. Vielerorts sinkt man auch noch ordentlich in den Matsch ein, weil da noch nix verdichtet is

Ehemalige Hügelflanke voller Wald. Jetzt alles schön unkraut- und krautfrei

 

Irgendwann kommen wir am oberen Ende der sich verzweigenden Schneise an. Wir wollen nicht bis komplett zum Ende, weil da überall steile, überhängende Abbruchkanten sind. Zurück will ich nicht, weil das teilweise sehr steil und rutschig ist. Und seit ich in Takaka von dem Kliff gefallen bin und mir das Handgelenk gebrochen habe, habe ich dieses Katzensyndrom, dass man eifrig irgendwo rauf klettert, dann oben sitzt und das ja alles sehr hoch findet und dann einfach kläglich miaut bis einen jemand rettet oder mit einem Stock runter stubst. Ich weiß irgendwo oberhalb von uns führen alte, derzeit gesperrte Wanderwege lang [bereits seit Jahren gesperrt, wegen der Kauri-Dieback-Krankheit, die hier alte Bäume sterben lässt]. Einige werden grade zu Boardwalks erweitert damit da irgendwann wieder Leute lang können. Also beschließen wir auf die nächste Ridgeline [Bergkamm?] zu klettern und dann der folgen, bis wir einen Weg finden.


Ewig steil geht's durch'n Busch aber nach einiger Zeit finden wir etwas, was nach einem alten Pfad aussieht...

...ist aber leider nur der natürliche Zugang zu einer Höhle...

...also geht's weiter steil bergauf und dann die Ridges lang ungefähr in der Richtung in die wir müssen...

...und irgendwann finden wir endlich einen Weg. Sogar einer der neuen Boardwalks. Und wir sind echt erstaunt, weil der Weg relativ wenig Sturmschäden hat, zumindest oben auf den Bergkämmen...

Richtig schick, also wenn der dann mal irgendwann auf macht. Wer weiß wann, weil auch hier und da muss teilweise repariert werden und das ist jetzt wahrscheinlich in der Prioritätenliste etwas nach unten gerutscht

In der Ferne können wir durch die Baumwipfel den See und die Dünen erkennen. Haben wir wohl doch ein wenig Höhe und Strecke gemacht

 

Dann schlengelt sich der Weg wieder runter Richtung See. Je weiter wir wieder ins Tal kommen, je mehr Sturmschäden hat auch der Weg.


Mit etwas Gleichgewicht lassen sich auch noch die Brücken weiter unten passieren..

Unten am See müssen wir wieder um Erdrutsche herum navigieren. Der ehemalige Wanderweg verläuft hier so rechts mittig im Bild

 

Aber Sturm hatte auch sein gutes. Der ganze Sand ist nicht nur auf den Grundstücken der Beach Community gelandet, sondern auch am Strand selbst. Und so gibt es z.B. sogar einige komplett neue Strände...


Der Strand hier vor der kleinen Insel ist komplett neu. Vermutlich konnten hier noch nie zuvor Menschen lang laufen. Das Meer ging vorher bis an die Klippen der Insel ran.

Neuer Strand + Residents Only = Ganz viele, große, frische Muscheln... Die gab's dann abends gedünstet und mit Olivenöl und Knoblauch verfeinert. Ich mag ja Seefrüchte meistens eher nicht so, aber die waren so frisch und lecker... Goil, alda...

Die Kliffs konnte man bisher nur als Schwimmer oder Bootsinsasse sehen

Den Wanderweg da in der Mitte des Berges sind wir wenige Tage vor dem Sturm mit Veit und einer Freundin von Marie gegangen. Wann es mal wieder möglich sein wird? Keiner weiß es... manchmal muss man einfach Glück haben mit dem Timing. Der wurde nämlich erst kurz davor renoviert und neu gemacht.

 

Auf dem Rückweg sind wir dann noch zufällig bei den Kollegen von der Feuerwehr im Einsatz vorbei gekommen. Also ist Marie erstmal alleine weiter zu ein paar Freunden von uns und dann nach Hause und ich habe mitgeholfen eine der Brücken von Sand und Gestrüpp zu befreien. So läuft's hier. Einige Locals haben uns dann noch Abendbrot von einem Filmset vorbei gebracht. Just a normal day, after an unnormal weather event.

20 Februar 2023

Zyklon Gabrielle - Auwacka

Der Zyklon Gabrielle der hier grade durch Neuseeland gezogen ist, hat es ja sogar bis in die deutschen Nachrichten geschafft. Und so kamen doch von einigen Leuten nachfragen, wie's uns hier geht. Also erstmal das Wichtigste vorne weg: Wir sind wohl auf und das Haus steht noch. Und ohne Ironie: Vielen Dank der Nachfrage.


Für die, die etwas mehr Wissen und sehen wollen, hier jetzt ein kurzes Update zur Lage.


Neuseeland und Unwetter:

 

Mal abgesehen von Vulkanen und Erdbeben hat Neuseeland als weitere Katastrophenkategorie ja Unwetter zu bieten. Viel Regen & viel Wind, dank dem ganzen Meer drumrum. Eine super Vorlage für Extremwetterereignisse in Kombination mit Neuseelands Topographie: Nämlich ganz viele steile Berge und Hügel überall, an denen sich die dicken Wolken so richtig schön abregnen können und der Wind gar fröhlich umherpfeifen kann. Aber daher sind das die Menschen hier auch gewohnt. Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere an den Blogeintrag, als sich meine alte Arbeit hier in einen See verwandelt hat, aber wir trotzdem einfach weiter gearbeitet haben, weil die Büros und Hangars ja noch ausm Wasser rausguckten. Oder die Springflut auf der Südinsel, wo ich dann über einen ziemlich kaputten State Highway 1 doch noch rechtzeitig zur Fähre gekommen bin.

Und was hatten wir ich hier nicht schon an Stürmen und Regenfällen und Kombinationen daraus und auch hier und da mal ein Zyklon. Gesperrte Straßen, Überflutungen, Erdrutsche, umgeknickte Bäume und, kein Strom so weiter gehören dann auch dazu, aber man kennt es ja - das Leben geht ja schließlich weiter.


Der Erdrutsch z.B. kam vor 2 Jahren runter auf einer der beiden Zufahrtsstraßen zu uns. Die war dann erstmal ein halbes Jahr oder so dicht. Aber das gehört hier eigentlich zum guten Ton, dass mindestens eine der Straßen unterspühlt is, oder irgendwo n Erdrutsch hat. Die Straßenbaubehörde repariert dass dann immer irgendwann und zack kommt das nächste Unwetter und dann is da was neues... voll die Sisyphosarbeit

Gleicher Erdrutsch von der anderen Seite 50m die Straße hoch


Die Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr [bin jetzt Feierwehrmann, wer's noch nich weiß =) ] haben gesehen wie der Erdrutsch auf den beiden Fotos oben runter gekommen is [ich war da aber nicht mit bei - war in Berlin]. Einsatz wegen Auto in Fluten gefangen. Die Kollegen kamen da allerdings nicht hin, weil alles überflutet war. Rückweg vom Einsatz: Kollege erklärt einer älteren Frau im strömenden Regen, dass sie grade nicht ins Tal fahren kann, weil die Straße komplett überflutet is. Kollegen im Feuerwehrtruck sagen ihm er soll wieder Einsteigen, sie müssten zurück zur Wache und er soll da nicht ewig rumschnattern. Alte Frau begreift irgendwann dass sie umkehren muss und Kollege steigt in den Truck ein. Rückfahrt Richtung Feuerwache. Beifahrer gestikuliert nach links oben und ruft dem Fahrer zu, dass da grade der Berg runter kommt. Fahrer legt Rückwärtsgang ein, hofft dass hinter ihm kein anderes Auto is und er den Truck irgendwie auf der schmalen kurvigen Straße halten kann und fährt immer-jib-ihm in die andere Richtung. Wo der Truck vorher war ist jetzt nur noch Schlamm, riesige Felsbrocken und kaputte Bäume. Und im Nachhinein kann man zwar immer viel vermuten und viel Konjunktiv, aber es ist gut möglich, hätte der Kollege mit der alten Frau auf die anderen gehört und wäre gleich eingestiegen, dass unsere Feuerwache jetzt im besten Fall einen Truck weniger und im schlimmsten Fall 4 Mitlgieder weniger hätte... In der gleichen Nacht sind dieselben Kollegen dann noch mit ihrem Truck im Fluss [vormals Straße] schwimmen gegangen für ein paar Meter... Denkt man zwar nicht, aber mit genügend Strömung, schwimmt auch ein schweres Feuerwehrauto.


Die Ausgangslage für Gabrielle:

 

Das Jahr war bisher ja schon sehr feucht nach den letzten sehr sommerlichen oder sogar dürrehaften Jahren fing dieser Südsommer mit einer angenehmen Mischung aus Regen und Sonne an. Dann im Januar is Veit zu Besuch gekommen und pünktlich zum Auftakt kam der erste Zyklon der Saison vorbei: Mit eigenem Namen, Hale, und ordentlich Wetterwarnungen. Erst wollten Veit und ich ja zu der Zeit nach Taranaki, aber als wir erfuhren, dass da ein Zyklon kommt und der Landfall [da wo er auf's Land trifft] an Coromandels Ostküste sein soll, sind wir natürlich sofort dahin. Auf dem Weg dorthin kamen uns die ganzen Sommerurlauber entgegen, die ihren Urlaub vorzeitig abgebrochen haben und in unsere Richtung waren da überall die Infotafeln: "Avoid travelling SH25/SH25A unless urgent." Ah, sehr gut, genau da, wo wir hinwollen.


Natürlich nicht unvorbereitet: Bier für 3 Tage, falls man eingeschlossen is und auch mit einem ordentlichen Auto: 4WD, gelbe Warnleuchten und hinten drauf ein Canopy zum drinne schlafen...


Lief alles wie geplant: Den Campingplatz hatten wir komplett für uns [normalerweise findet man um die Jahreszeit auf Coromandel keinen Platz nirgends, weil alles voll is mit Touristen]. Wir waren vom Wind geschützt also nur ziemlich ergiebiger Regen über zwei Tage, ordentlich Surface-Flooding überall am nächsten Tag, ein paar geschlossene Straßen auf dem Rückweg. Nachts schön Bier trinken im Tropensturm und in die Regenschwaden starren. Am Tag Wasser angucken, wo sonst Wiesen sind und durch endlose Pfützen fahren. So kannte ich das bisher und so soll das sein.

 

Kurz vor Veits Abreise wurde es dann das erste Mal ernsthaft spannend. So mehr oder minder aus dem Nix wurde Auckland von einem Jahrhundertregen heimgesucht. Binnen weniger Stunden fiel die ganze Regenmenge eines kompletten Jahres. Z.B. am Flughafen haben sie irgendwas um die 500mm Regen gemessen. Der Regen war so stark, dass auf dem Vorfeld und der Landebahn zeitweise über 5cm Wasser einfach standen, weil es nicht schnell genug abfließen konnte [der Flughafen ist fast komplett von Meer umgeben, also sammelt sich da normalerweise nie Wasser]. Ganz viele Straßen in Auckland weg, 70 Häuser permanent unbewohnbar und noch viel mehr Leute zeitweise obdachlos, Kommunikation bei der Feuerwehr is an dem Abend fast komplett zusammen gebrochen [hatten wir noch nie, dass das System einfach überfordert war]. 2000 Anrufe bei der Feuerwehr in der Nacht und das obwohl sie schon am Abend gesagt haben, dass man bitte nur noch bei der Feuerwehr anrufen soll, wenn Leben in Gefahr ist. Bei unseren Einsätzen haben wir dann z.B. einen doppelstöckigen Wohncontainer gesehen, der auf ein Auto gespühlt wurde, an einer Stelle wo sonst kein Wasser fließt. Überall Bäume auf Stromleitungen und Erdrutsche. Am nächsten morgen kam in den News dass 4 Menschen in den Fluten gestorben sind. Der Flugahfen für mindestens 2 Tage komplett dicht is, weil das komplette Erdgeschoss überflutet war. Ganze Stadtteile ohne Strom.

Also dieses Starkregenereignis, war dann schon doch etwas heftiger als die üblichen Starkregenereignisse. Veit hat dann die letzte Nacht lieber in der Stadt geschlafen, falls man bei uns nicht mehr raus kommt. Eine Straße raus war bereits dicht und bei der anderen hat ein neuer Erdrutsch angefangen die Straße zu unterhöhlen. Er hatte riesiges Glück und war auf einem der ersten internationalen Flügen, die Auckland Airport zwei Tage nach dem Regen verlassen haben.


Auckland und Coromandel erklären State of Emergency. Auch eher selten sowas.


Bei diesem Starkregenereignis, hatten wir bei uns im Westen aber Glück, weil der Wind von Osten kam und es hat sich fast alles über der Stadt abgeregnet. Der Fluss [der sonst ein Rinnsal is] hat zum Beispiel die Einfahrt von einem Nachbarn weggespühlt, aber hey, lässt sich reparieren, schließlich hat er Bagger und Kipper


Und dann kommen die Nachrichten, dass da ein Zyklon kommt, Gabrielle. Der Boden noch aufgeweicht an vielen Stellen. Vieles nur behelfsmäßig aufgeräumt. Sehr viel freiligende Erde an den Erdrutschstellen. Bäume teilweise instabil. Sehr ungünstige Ausgangsbedingungen wenn da ordentlich Wind und Regen auf dem Weg sind.


Zyklon Gabrielle:


Am Abend, als es los ging [Montag der 13.], war alles erstmal noch relativ "normal". Ein paar Call-Outs bei der Feuerwehr. Bäume auf Häuser und Stromleitungen, Überflutungen aber so um 23h sind wir dann alle nach Hause - hoffentlich ein paar Stunden Schlaf bekommen, denn morgen wird bestimmt anstrengend.


Sonst bin ich ja ein großer Freund von Unwetter. Wenn der Wind alles durchrüttelt und man vor lauter Seitwärtsregen keine 20m gucken kann. Aber diesmal hat man gemerkt, dass es mehr als sonst war, bzw. heftiger. Andere, neue Geräusche im Gebälk. Wirklich tief konnte ich also nicht schlafen: Normalerweise finde ich das ja total entspannend bei einem Sturm einzuschlafen, diesmal hat es eher genervt.


Dann um 4:00 morgens der erste Call-Out. 4 Leute kommen bei der Feuerwehr an, und zwar genau die vier, die die Wache über die Hügelstraße erreichen können. Also vermuten wir, dass unten im Tal wieder mal alles überflutet is und die ganzen Leute wohl erstmal warten müssen [die Hauptstraße verläuft unten im Tal neben dem Fluss]. Wir schaffen es interessanterweise sogar zum Einsatzort, einem riesigen Erdrutsch. Mit Schippen da was wegbuddeln, bingt nix, obgrund der schieren Mengen, die da auf der Straße sind. Außerdem ist es gefährlich wegen dem Regen. Also versuchen wir einen Baggerfahrer-Nachbarn zu organisieren und beschließen uns mit ihm 9:30 morgens zu treffen und dann mal gucken ob wir da was deichseln können. Zumindest der Regen sollte in den Morgenstunden aufhören.

Wir fahren dann erstmal zur Wache zurück. Ein kurzer Abstecher zur Hauptstraße im Tal bestätigt unseren Verdacht, dass da bis auf weiters kein Durchkommen is. Die tiefer liegenden Abschnitte sind bestimmt metertief im Wasser. Können wir zwar in der Dunkelheit nicht sehen, aber wir sehen wo das Wasser anfängt und wissen wie die Straße weiter geht. Der Fluss ist quasi überall.

Dann kommen noch einige weitere Call-Outs, die wir absagen müssen, weil alle Straßen aus dem Tal zu dem Zeitpunkt noch komplett überflutet sind und zwar so dolle, dass wir da auch mit den Feuerwehrtrucks nicht durchkommen. Neben dem andauernden Piepen der Pager kommen auch hin und wieder Push-Nachrichten über unsere Handys rein, mit dem Inhalt, dass die Welt mehr oder weniger untergeht und keiner sein Haus verlassen soll. Strom auf der Wache kommt vom Generator. Laut den Nachrichten sind 42.000 Haushalte in Auckland ohne Strom. Im Nachbarort wurden zwei Feuerwehrleute bei einem Erdrutsch in einem Haus erwischt. Einen konnten sie raustragen, der andere ist verschwunden und die anderen Einheiten vor Ort können nicht weiter suchen, weil der Erdrutsch noch aktiv is. Der Feuerwehrmann im Haus wurde dann am Abend tot geborgen und der Feuerwehrmann im Krankenhaus ist einen Tag später an den Folgen der Verletzugen gestorben. Ich kannte die beiden Feuerwehrleute nicht persönlich, aber ist doch schon nochmal was anderes wenn das quasi um die Ecke passiert. Die Person in dem Haus konnte in letzter Sekunde gerettet werden: Ihr Glück, sie hatte ihr Bett irgendwann vorher umgeräumt und als ihr Haus eingestürzt ist, ist sie samt Bett durch ein Loch im Boden ins Untergeschoss gefallen und sie war zwar von Holzbalken eingeklemmt, aber nicht lebensgefährlich verletzt.

 

Um 9:30 treffen wir uns dann mit dem Baggerfahrer am Erdrutsch. Jetzt erst sehen wir das ganze Ausmaß: Zum Glück haben wir den Versuch da was mit Schippen anzurichten aufgegeben, dass wäre echt zum Scheitern verurteilt gewesen. Wir schneiden mit Kettensägen die ganzen Bäume und Äste aus den Erdschlammmassen und der Baggerfahrer baggert den ganzen Schlamm weg, damit wir wenigstens eine Spur frei bekommen. Irgendwann kommt von der anderen Seite ein Bekannter aus dem Dorf angelaufen und meint die Straße runter sind noch so einige Bäume umgekippt und etwas weiter runter, fehlt ein großes Stück von der Straße. Er sagt, seine Frau käme gleich mit Kaffee und Sandwiches vorbei für uns und fragt ob wir die abgesägten Bäume am Straßenrand liegen lassen könnten, er würde sie auch gleich danach mit seinem Jeep einsammeln. Is uns recht. Die Bäume sind kein Ding. Die wegbröckelnde Straße macht uns mehr Sorgen. Inzwischen kommen mehr Feuerwehrleute dazu. In Teilen des Tals gehen die Wasserstände zurück und immer mehr kommen durch bis zur Wache und zu uns. Der Regen hat inzwischen aufgehört, dafür stürmt es noch mächtig gewaltig. In der Nacht zuvor hat eine Wetterstation in Nordauckland eine Windböe von 168km/h aufgezeichnet. Allerdings sind viele Wetterstationen kaputt. Also manchmal is hier doch ein wenig Bananenrepublik: Beim letzten Starkregenevent war die Feuerwehrkommunikation kaputt, diesmal gingen die Wetterstationen kaputt. Da werden ja fast die Berliner S-Bahn oder der BER neidisch.


Wir teilen uns auf und ein Teil fährt zurück zur Wache, für Lagebesprechung mit der lokalen Emergency Response Group [ERG - das sind Locals, die in solchen Situationen versuchen einen Überblick über die Lage zu bekommen und rauszufinden ob ein Nachbar kritische Hilfe braucht]. Als wir ankommen, hat der ERG-Chef schon eine Karte an unser White Board gemalt: Ein verheerendes Bild. Die meisten Straßen sind unpassierbar wegen Erdrutschen oder Überflutungen. Fast alle Infos hat er über Funkgerät reinbekommen, weil bisher fast nirgends ein Durchkommen ist - nicht mal zu Fuß. Viele Leute sind noch in Häusern eingeschlossen oder mussten mitten in der Nacht evakuieren zu Leuten die etwas weiter oben wohnen. Immerhin: Alle haben es überlebt und keiner scheint in einer lebensbedrohlichen Lage zu sein.


Aufgrund der günstigen Lage und Ausstattung wird die Feuerwache zum Katastrophenkoordinationskommando-Hub erklärt. Strom kommt vom riiiesigen Dieselgenerator. Internet geht auch hin und wieder. Sauberes Wasser hamwa. Eine erste Straße Richtung Stadt wird auch wieder passierbar und somit kommen auch die ersten Katastrophentouristen. Da sie sowieso nicht weiter als bis zum Erdrutsch kommen, beschließen wir die Straße zu sperren, weil man vor der Wache wenigstens wenden kann. Es kommen auch Leute die keine Kommunikationsmöglichkeiten zu Verwandten oder Freunden hier draußen haben und sich Sorgen machen. Die meisten müssen wir auf den Nachmittag oder nächsten Tag vertrösten. Immerhin wissen wir ja aber von der ERG, dass es allen den Umständen entsprechend gut geht. Hier war es echt hilfreich, dass in der Feuerwehr auch einige alte Hasen mit dabei waren, die relativ genau vorhersagen konnten, wann und wo das Wasser zurück geht, abhängig von Topografie, Vegetation und Gezeiten.


Straßenblockade, damit wir den Leuten sagen können, bis wohin sie können und wann die anderen Straßen vermutlich wieder passierbar sein werden.

Also normalerweise sieht man da nicht wirklich viel Fluss


Gerüchteweise soll der große Erdrutsch bald weggebaggert sein und wir fahren da wieder hin. In der Tat ist der fast weg und inzwischen ist zu unserem großen Erstaunen sogar schon ein Inspekteur vom Straßenbauamt da. Er ist sogar unerwartet freundlich und erklärt uns, dass das ja ganz lieb is, dass wir unser Schicksal selbst in die Hand genommen haben, aber ziemlich doof is, dass wir den Schlamm einfach den Abhang neben der Straße runter gekippt haben, weil das evtl. den Hang unterhalb der Straße destabilisieren könne. Upsi! Aber naja, hier draußen herrscht noch ein wenig Wild-West-Mentalität und wir verlassen uns eher selten auf die Behörden. Na is jetzt eben so, und wenn wir auf die Bagger vom Straßenbauamt gewartet hätten, hätte es wohl noch einige Tage gedauert, bis wir durch gekommen wären, weil es ja überall in Auckland so aussieht. Wir fahren mit ihm dahin, wo die Straße weggebrochen is und es 50m steil runter bis zum Fluss geht. Er schätzt die nicht abgebrochene Straßenhälfte als stabil genug für PKW ein. Wir beschließen nach einigem Gefahren abwägen runter zum Strand zu gucken, wie es den Leuten da geht. Die Feuerwehrtrucks lassen wir aber lieber stehen und fahren mit ein paar Jeeps Richtung Strandcommunity. 


Die Strandcommunity hat's richtig erwischt:

Strom wird wohl für eine Weile weg sein, große Abschnitte der Strommasten sind umgeknickt oder weggespühlt.

Die Straße zum Strand ist ebenfalls teilweise weg.

Der Surfclub [Rettungsschwimmer] war bis gestern noch ca. 10m vom Fluss entfernt... jetzt brauchen sie wohl ein neues Deck.

Riesige Sanddünen wurden vom Wasser wegerodiert

Der ehemalige Zugang zum Strand ist jetzt ein Fluss [der Meeresstrand is da hinten am Horizont]

Das war gestern noch alles Wiese, jetzt liegt da meterhoch Sand, der weiter oberhalb abgetragen wurde. Also war das heute morgen noch alles Fluss. Wer gute Augen hat, erkennt da mitte-links zwei Bagger im Fluss: Schade, die könnten wir jetzt gut gebrauchen, aber leider können Bagger ja nicht schwimmen

Die Bewohner dieses Hauses [drumrum vorher auch alles Wiese] mussten nachts um 3:30 sich selbst evakuieren und alles da lassen. Wer immernoch gute Augen hat, kann da in der Mitte ein Auto erkennen, das bis zu den Fenstern im Sand steckt. Also is da überall locker ein Meter Sand hingespühlt worden.


Ich weiß, die Fotos sind nicht sonderlich berauschend, aber in dem Moment hatte ich nicht sonderlich viel Zeit und es wäre auch etwas pietätslos gewesen dahin zu rennen und Nahaufnahmen von den Häusern und Autos zu machen.


Irgendwann als wir grade mit der ERG rumlaufen und erörtern was zu tun ist, kommt dann ein großer Hubschrauber angeflogen und landet. Wir laufen hin und es steigen vier Leute in Outdoorkleidung mit riesigen Wanderrucksäcken, Helmen und allen möglichen Lebensrettungsdingern[?] an jeder freien Lasche ihrer Klamotten und Rucksäcke aus. Zwei kommen auf uns zu und sind etwas erstaunt, wie wir hier hergekommen sind. Wir erzählen, dass man die Straße hierher jetzt wieder einigermaßen passieren kann und geben ein kurzes Lageupdate. Die Leute sind von der Civil Defence [sowas wie das THW], und fliegen mit ihrem Hubschrauber grade in alle abgetrennten Regionen um rauszufinden was am nötigsten gebraucht wird. Da bei uns keiner weiter akut bedroht is, bitten wir lediglich um Kommunikationsmöglichkeiten [Generatoren für die Handymasten], die uns bis zum nachmittag versprochen werden.


Dann informieren wir noch die Anwohner, dass das Straßenbauamt vermutlich bald die Strandstraße zu machen wird und wenn sie mit ihren Autos in den nächsten Wochen in die Stadt wollen oder einkaufen müssen, sollen sie sie einfach oberhalb von der Abbruchstelle parken. Hier und da sägen wir noch ein paar Bäume ab, die Einfahrten blockieren oder Häuser bedrohen und dann fahren wir zurück zur Wache und die meisten erstmal nach Hause. Inzwischen ist es 17h. Ich komme zu Hause an gucke, dass bei uns alles okay is. Alles steht noch, lediglich eine Sonnenblume ist umgeknickt. Okay? Cool. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Heute morgen im Dunkeln auf dem Weg zur Wache konnte ich nur das gröbste inspizieren und so wusste ich zwar, dass nichts krasses passiert war, aber das wir so glimpflich davon gekommen sind: Nicht schlecht.

Ich setze mich hin und merke, wie mein Körper komplett runter fährt. Ich will nur noch in die Wanne [überall Schlamm und alles klamm vom Wasser und Schweiß... wie das nunmal so ist, wenn man den ganzen Tag im Matsch spielt =) ], plötzlich geht mein Pager wieder los: Tree leaning against House. Viel machen können wir da sowieso nicht, weil wir stehende Bäume theoretisch garnicht umsägen dürfen und der Call-Out is relativ weit entfernt also wird vermutlich auch eine andere Feuerwehr früher da sein. Ich drücke die Nachricht weg und gehe inne Wanne.


Nach dem Bad gib's zur Belohnung immerhin noch einen schönen Sonnenuntergang... so als wäre nix gewesen.

 

Die nächsten Tage beginnt dann das große Aufräumen, während der Zyklon weiter Richtung Südosten zieht. Immer mehr Regionen im Land rufen den Notstand aus. Ganze Städte sind tagelang komplett abgetrennt. Ganze Landesteile komplett ohne Strom oder Kommunikation. Napier wo Freunde von mir wohnen wird noch härter getroffen als Auckland. Allerdings wohnen meine Freunde auch aufm Hügel, also mache ich mir keine wirklichen Sorgen. Ich frage nach wie's ihnen geht und dann kann man sowieso nur warten, bis die sich melden können. Am Freitag endlich haben wir dann auch von ihnen gehört. Die Tage davor war Napier komplett eingeschlossen und wurde aus der Luft versorgt. Benzin war inzwischen alle, weil die Leute rumgefahren sind um ihre Handys aufzuladen. Meine Freunde haben ein Geschäft gefunden, dessen Besitzer einen Generator hatte und dann durften die Anwohner da ihre Handys aufladen. Das Militär war immernoch damit beschäftigt Leute von Hausdächern zu retten. Aber trotzdem ganzen Chaos ging es ihnen gut.

 

Da wir hier Handy-technisch im Empfangsbereich von dem Nachbardorf sind, wo die beiden Feuerwehrleute umgekommen sind, bekommen wir hier hin und wieder deren Push-Nachrichten und die klingen nicht gut. Is dann sowas wie: "Alle Häuser in Straße BlaBla. Sofort evakuieren! Gehen Sie zu Fuß und lassen das Auto stehen. Nehmen Sie sich keine Zeit Wertgegenstände mitzunehmen, sondern verlassen den Bereich jetzt!" Irgendwie scheint da grade das halbe Dorf den Hügel runter zu rutschen.

 

Hier geht es inzwischen. Überall das Rauschen der Generatoren. In der Feuerwache schieben wir jeden Nachmittag Schichten, damit Leute zum Duschen und Handys aufladen vorbeikommen können. Außerdem haben wir inzwischen schon wieder stabiles Internet in der Wache. Gestern haben wir ein großes BBQ für die ganze Community gemacht, damit die Leute sich alle mal treffen und updaten, aber vor allem auch ablenken können.


Wirklich schön ist hier auch die gegenseitige Hilfe. Wer wieder ans Stromnetz angeschlossen ist, gibt seine Generatoren weiter, Nachbarn kommen rum zum Internet schnorren und bringen dafür Essen mit und vor allem haben die meisten Leute auch noch ihren Humor behalten. Unsere allererste Rettungsmission am Tag nach den ganzen Feuerwehreinsätzen war dann auch die riesige Agavenblüte von unsrem Nachbarn - Erste Priorität.


Vor dem Sturm - Riesige Agavenblüte

Nach dem Sturm: Umgeknickte Agavenblüte und geknickter Nachbar

Nach der Rettungsmission [Reste an einen Pfahl anbinden und in einen großen Wassereimer stellen]: Glückliche Blume, glücklicher Nachbar... Achso und wer sich sorgt, dass sein Haus vom Sturm ja total mitgenommen is: Das is nur ein alter Schuppen und der sah schon vorher so aus

Und den Rest habe ich mitgenommen und ebenfalls in einen Eimer gestellt "Hey guck Mal, Marie, ein Blumenstrauß für dich" :)


Die nächste Aufräumaktion erforderte dann schon etwas mehr Leute und Organisation. Einer unserer Freunde gehörte zu denjenigen, deren komplettes Grundstück mit tonnenweise Sand überspühlt wurde. Immerhin Sand und kein Schlamm. Er hatte kurz überlegt, dass zu lassen und da Liegestühle aufzubauen und ein Strandcafé aufzumachen, aber das wurde dann wieder verworfen. Vieles läuft hier grade noch spontan und über Mundpropaganda, aber trotzdem waren ordentlich viele Helfer da, manche kamen etwas später, manche mussten irgendwann weiter aber wir waren fast die ganze Zeit so 8 bis 10 Leute.


Ein Nachbar hat seinen Bagger mitgebracht, der andere seinen Kipper. Die bringen den Sand zurück zum Fluss.

Ein Kumpel und ich sind zum nächstbesten Erdrutsch gefahren [haben wir hier grade ja ordentlich Auswahl]....

...da dann ganz viele dicke Äste zusammen geklaubt...

...während unten die offiziellen Crews vom Straßenbauamt versucht haben ihren Teil zu leisten...

...dann haben wir die Äste zur Flusskante gefahren und da abgeladen zur Stabilisation...

...und dann kam da der Sand vom Grundstück zwischen.


Ich vermute fast, dass viele Fotos das Ausmaß nur schwer zeigen können. Ohne vorher-nachher macht das alles wahrscheinlich gar nicht so viel Sinn. Aber zum Beispiel der Bereich des Fotos hierüber war vor dem Sturm ein kleines Wäldchen, dass dann vom Fluss [der sonst ein Bach ist] komplett weggespühlt wurde. An dem morgen bevor wir angefangen haben, war da nur Fluss. Jetzt wieder Land. Es ist wirklich erstaunlich, was man mit ein paar Leuten so schaffen kann.... Also wenn die paar Leute Bagger, Kipper, und Pickups haben =) Und selbst ohne großartigen Plan oder Chef lief das Ganze meist fast wie ein Uhrwerk.


Oha... Braucht wer Dixiklos? Preiswert abzugeben, nur Selbstabholer.

Auch hier war vorher nur Wiese. Auch der Fluss war nicht da, der floss ganz woanders lang, aber hatte jetzt beschlossen den direkten Weg zu nehmen.

Die Brücke hat angeblich auch Löcher, aber immerhin haben wir jetzt das Tal für uns: Residents only und am Wochenende sind die Straßenblockaden sogar bewacht um die Katastrophentouristen abzuhalten.

Die Straße bröckelt fröhlich weiter ab. Da geht's locker 50m runter zum Fluss. Wird mal spannend, wie sie das reparieren wollen...

Das geilste zum Schluss: Mein Kumpel Callum und ich haben es in die 6-Uhr-Nachrichten geschafft [siehe 1-News-Logo unten rechts]... Und wir arbeiten sogar! Kein Bier in der Hand - Total vorbildlich.