Denk ich mir nur: "Ja warum nich - Südsee is ja gleich umme Ecke. Kann man ja eben ma hinjetten."
...ich mein, kennta ja bestimmt auch die Situation, wa? Habta ma wieda Lust auf Südseeinsel und denn machta einfach. Also is ja keen Ding.
Diesmal fiel die Wahl auf Samoa. Das war mal deutsche Kolonie und dann kann man ja da mal vorbeigucken - was der Samoaner in den letzten Jahren so aus seinem kleinen Paradies gemacht hat oder ob es noch genau wie damals is.
Die Kolonialgeschichte von Samoa war nämlich etwas anders als das normalerweise Ablief.
Auf den meisten anderen Südseeinseln und auch sonstwo in der Welt kam der weiße Mann ja meist und hat dann die Einheimischen ausgebeutet und versklavt. Entweder um Gold und andere Edelmetalle zu finden oder um billig Zuckerrrohr, Baumwolle oder Tabak anbauen zu können. Die Deutschen auf Samoa fanden das aber einfach nur schön da und wollten viel lieber in Ruhe ihren Rum unter einer Palme am Strand trinken und ein wenig mit den Samoanerinnen schäkern. Glückerweise gab's damals weder Flugzeuge noch Internet. Also haben die es sich da gemütlich gemacht und alle Jubelmonate mal an den Kaiser eine Postille mit dem nächsten Segelschiff geschickt, man müsse ja die Kolonie unbedingt halten weil ... ähm... also... na wegen dem finanziellen Potential ... man müsse aber definitiv noch etwas länger hier bleiben um das abschöpfen zu können. Und aufgrund der weiten Entfernung und der schlechten Überprüfbarkeit, haben die einen sehr langen Urlaub auf Staatskosten bekommen. Kolonialherren happy, Samoaner happy, solange die Sonne scheint und noch ein wenig Rum da is.
Klar gab's auch hier und da mal Meinungsverschiedenheiten zwischen Karl-Otto und Fafe'elo-fa-Opo'olua, aber das wurde entgegen der Tradition meist unblutig geklärt.
Das gute Verhältnis führte sogar soweit, dass die Samoaner ihre Kolonialherren beschützt haben, als die Weltpolitik eben jenen an den Kragen wollte. Irgendwann ging ja dann doch mal der erste Weltkrieg los und da hat die englische Krone ihrer Kolonie namens New Zealand den Auftrag erteilt: Ihr fahrt jetzt nach Samoa und nehmt die Deutschen fest. Der erste Eroberungskampfeinsatz überhaupt für die Kiwis. Die machen sich auf dem Weg nach Samoa also erstmal schön ihre Seemannhosen nass, beim Gedanken daran gegen den barbarischen Teutonen kämpfen zu müssen. Der wiederum hatte aber immernoch keinen Bock auf unnötigen Stress und so konnten die Neuseeländer ohne irgendwelche Gegenwehr da einreiten. Als sie dann erklärt haben, dass die Deutschen jetzt Kriegsgefangene seien, meinten die Samoaner nur, ob die Kiwis denn wohl spinnen würden, die sollen sich gefälligst ihre eigenen Kolonialherren suchen und nicht einfach die der Samoaner klauen und haben die Deutschen erstmal versteckt und wollten die nicht raus geben.
Ist meines Wissens relativ einzigartig in der sonst so brutalen Kolonialisierungsgeschichte. Und da kann man ja mal ruhig hinfliegen und Kontakte flegen. Wer weiß schon genau wann der dritte Weltkrieg vor der Haustür steht und man sich mal bei guten, alten Bekannten verstecken muss.
Also Rucksack gepackt [man braucht schließlich kein Reisegepäck für eine Badehose und ein paar T-Shirts] und ab in Flieger. Da angekommen dann mit Taxi in die Unterkunft kutschieren lassen. Auf dem Weg dahin erstmal festgestellt, dass wir wohl die Tage mal nach Apia [Hauptstadt von Samoa] müssen. Der Taxifahrer hat an wirklich jedem Laden auf dem Weg angehalten und so hatten wir zumindest ausreichend Bier für die Fahrt, aber Sonnencreme gab's nirgends nich. Wozu auch: Braucht der gemeine Samoaner nicht und Touris gib's in der Region, wo wir hin sind, nich so viele.
Zum Glück hatte die Resort-Chefin an der Rezeption noch einen Rest für uns. Perfekto, alle Sorgen aus der Welt: Kann der verdiente Urlaub ja endlich losgehen.
| Da die neben unserer eigentlichen Unterkunft noch Bauarbeiter am werkeln hatten, durften wir uns erstmal vor eine der Villas chilln. |
Außer uns, gibt es in dem Resort nur einen weiteren Gast. Während wir also warten, bis die Bauarbeiter vorne an unserem Fale [ein typischer offener samoanischer Bungalow] mit dem Hämmern und Sägen aufhören, kann sich das Personal komplett um uns kümmern. Wir bekommen kaltes Bier und gratis Obstplatte. Wir müssen keinen Finger rühren. Uns nur zwischendrin mal überlegen, was wir denn gerne zum Armbrot hätten. Irgendwann schnattern wir noch kurz mit dem anderen Gast, einer Finnin, die aber kurz darauf von einer der Bediensteten ihrer Familie vorgestellt wird und deshalb los muss. Dann gehen die Bauarbeiter endlich nach Hause und wir laufen vor. Um unser Zeugs kümmert sich das Personal.
| Das ist der Ausblick vom Balkon unseres Fales. Also ihr seht, weit zum Meer hamwa's nich. Den Strand haben wir fast komplett für uns. |
Kinnas, so lässt sich dis leben. Hütte direkt am Strand. Schön warm. Fast ganz für uns alleine. Kaltes Bier, Meeresrauschen, Sonne, extremst leckerer Fisch und sich wunderbar kümmernde Einheimische. Veit und ich können komplett nachvollziehen, warum die Kolonialherren damals keinen Bock hatten, irgendwelchen Stress anzufangen und die Samoaner zur Feldarbeit zu nötigen. Kommt einem hier einfach nicht in den Sinn. Nur eine Sache ist nicht mehr so wie früher. Wenn ich meinem Chef einen Brief schicke [gibt weder WiFi noch Handyempfang in dem Landesteil], dass ich noch etwas länger bleiben muss und er mir so lange doch noch etwas Geld runterschicken soll, sich das aber bestimmt bald für ihn lohnen würde, dann kann ich das Kuvert auch gleich direkt ans Arbeitsamt adressieren - so leicht wie der Kaiser damals, lässt sich mein Boss leider nich verarschen. Diese aufgeklärte, moderne Welt mit ihrem Internet und Flugzeugen hat eben doch auch Nachteile.
| Der nächste morgen beschert uns klaren Himmel. |
Am nächsten morgen beschließen wir schnorcheln zu gehen. Schon nach wenigen Metern fangen die ersten Korallen an. Wir schwimmen ein wenig parallel zur Riffkante und es ist erstaunlich wie sich alle paar Meter die Korallenwelt ändert. Große Gehirnkorallenberge, astige Korallenwälder. Wir sehen auch eine kleine Riesenmuschel, schwimmen kurz mit einer Schildkröte und entdecken haufenweise kleine und große Fische und Fischschwärme. Allerdings macht sich hier auch der Sonnencrememangel bemerktbar. Nach den drei Stunden habe ich den überlsten Sonnenbrand der mir die nächsten Tage noch ordentlich Freude und Hautfetzen bereiten wird.
Den Nachtmittag verbringen wir so, wie den davor, mit frische Meeresluft in Bierflaschen machen. Nach Sonnenuntergang räumen wir die Stühle vor in den Brandungsbereich und lassen uns die warmen Wellen um die Füße spühlen. Wir stellen fest, dass das ein wenig das Highlight des Urlaubs wird. Vielleicht nicht das Spektakulärste auf der Reise, aber irgendwie das geilste. Am Ende der Welt, mitten im Pazifik, am Strand, kaltes Bier in der Hand, außer den Wellen absolute Stille, endloser Nachthimmel und hin und wieder das warme Meereswasser bis zu den Knien hoch....
Gedicht des einfachen aber glücklichen Mannes:
"Wie lange ist's her,
ich freu mich so sehr,
die Füße im Meer,
das Bier ist gleich leer,
ein Neues muss her,
doch das fällt nich schwer,
denn es gibt noch mehr."
Am nächsten Tag müssen wir dann doch mal nach Apia um endlich Sonnencreme zu kaufen, da unsere Reserven restlos aufgebraucht sind.
| Marsch Richtung Hauptstraße mit [v.l.n.r.] der Resortmitarbeiterin, die Finnin, Veit mit dem finnischen Rucksack. |
Wir wurden inzwischen von den Einheimischen zum heutigen Rugbyspiel eingeladen. Das ist in Samoa ebenfalls Nationalsport. Fand ich gut die Idee, weil in Raro damals war ich das erste Mal in meinem Leben in einem Gottesdienst, da kann ich ja hier zum ersten Mal in meinem Leben in ein Stadion zu einem Spiel gehen.
Ich habe jetzt beschlossen, daraus eine Tradition zu machen. Jedesmal, wenn ich auf einer Südseeinsel bin, mache ich etwas, was ich sonst nie machen würde, aber eigentlich total stino is.
| Sogar ordentlich Besuch im Stadion aber intelligenterweise nur auf der Schattenseite. Und mit Klischeeregenbogen. |
Der Eintritt ist gratis. Wir lernen, dass wir jetzt Maroons-Fans sind. Allerdings haben sowohl der Gottesdienst, als auch das Spiel hier einiges gemeinsam: Ich verstehe die ganze Zeit nicht wirklich worum es geht, nach einiger Zeit wird es langweilig und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mir so'nen Quatsch nich nochmal antun muss.
Aber auch wieder interessante Sozialstudie. Eine der Einheimischen ist mit einem der Spieler zusammen, welcher der Cousin von der Resortmitarbeiterin ist, von der keiner in ihrem Dorf wissen darf, das sie grade hier ist, was aber nicht weiter schlimm ist, weil die Geschichte, die der Cousin am laufen hat irgendwie auch nicht ganz akzeptiert ist und so wird keiner den anderen verraten.
| Da nicht alle vorne in den Jeep passen, mit dem uns die Einheimischen rum fahren, sitzen ich und die Barbesitzerin hinten auf der Ladefläche - Raro-Style durch die Gegend cruisen, hell yeah! |
Dann geht's lecker essen und danach die Bars unsicher machen. Anscheinend haben die ein Problem mit irgendwelchen Drogen, weil die Securities passen die ganze Zeit auf, dass man ja nicht die Klotür zumacht. Mir relativ Latte, als Möchtegern-Kiwi habe ich kein Problem damit, halb in der Öffentlichkeit zu pinkeln.
Interessant auch die Fa'afafines. Wir waren hatten schon mitbekommen, dass Samoa für seine doch extrem krasse Religiösität scheinbar relativ tolerant gegenüber Schwulen ist. Habe dann später gelernt, Grund ist eine typisch samoanische kulturelle Eigenart. Wenn es in einer Familie nur Jungs gibt, bestimmt der Vater einen der Jungs, der die Rolle des Mädchen im Haushalt übernimmt und der Junge wird dann auch wie ein Mädchen erzogen - die Fa'afafines. Mit 16 darf sich der/die/das Fa'afafinchen dann aussuchen, ob sie eine Frau wird oder ob er ein Mann wird. Viele bleiben einfach Frauen, weil jetzt hat man schonmal damit angefangen - also warum jetzt umständlich umlernen? Insofern ist Samoa wohl eins der wenigen Ländern wo eher die Tradition Toleranz für Schwule übt.
Irgendwann geht es dann zurück ins Resort. Die Finnin hat beschlossen noch einen Tag länger in Apia zu bleiben, da Veit und ich ihr ein Mietauto bezahlt haben, wenn sie uns den ganzen Tag als Sober-Driver rumkutschiert. Immernoch billiger, als den ganzen Tag Taxi fahren und wir müssen uns wenigstens nicht übermäßig mit dem Gerstensaft zurück halten.
Am nächsten morgen holt uns also die Finnin früh im Resort ab und wir gehen auf große Inselerkundungstour die Südküste entlang.
Nach einigen Kilometern entlang der Südküste kommen wir in einem kleinen Nationalpark an [siehe Karte oben "Waldwanderung"]
| Nach bereits wenigen Metern sind wir im tiefsten Dschungel |
| Die Bäume werden immer höher und mächtiger |
| Das Ziel der Wanderung: Ein heiliger oder zumindest besonderer Baum mit einem riesigen Wandwurzellabyrinth |
| Zu Größenvergleich mal unsere Fahrerin |
| Zurück beim Auto gönnen wir uns erstmal ein Bierchen und versuchen ein wenig zu trocknen |
| Der Regen hört genauso schnell auf, wie er begonnen hat und die Fahrt geht weiter |
| Alles so, wie man sich's vorstellt auf Samoa |
| Auf einem Grundstück wird ein Hahn von einem Schrottmonster aufgelauert, lässt sich aber nicht weiter beeindrucken. |
| Wie schon gesagt, auch die Einheimischen wohnen in offenen Hütten, nur etwas größer als unser Fale. Aber muss ja schließlich auch die ganze familie reinpassen, wa? |
| Und das is der Garten zu der Hütte. Da kann der deutsche Schrebergärtner mit seinem kleinen Plastebrunnen aus'm Baumarkt einpacken. So muss das. |
| Als sich die Sonne ans Untergehen macht, machen wir uns auf den Rückweg. |
Zurück im Resort machen wir ein Lagerfeuer am Strand. Irgendwann schmeißt der Nachtdienst allerdings unsere Finnin raus, weil sie für die Nacht nicht bezahlt hat. Den Rest der Nacht haben Veit und ich ganz für uns zwei alleine und auch die nächsten Tage sollten wir die einzigen Gäste im Resort sein.
| Die ärmeren Samoaner bauen ihre Fales aus Zigaretten... Muss man eben nur nach jedem Monsun eine neue Schachtel kaufen... |
| Allerdings sind die Busse auch auf die Beinlänge des Durchschnittssamoaners ausgelegt. |
Die Busse sind echt cool, mit ohne Fesnter und schön zum rausgucken und Fahrtwind spüren. Wenn ältere Leute einsteigen, machen die Jüngeren auf den vorderen Sitzreihen platz und die ganze Fracht wird von einem Gehilfen ein- und ausgeladen. Wir haben aber auch Glück, denn unser Bus ist nicht voll. In Samoa steht keiner doof im Gang, sondern alle sitzen. Und so soll man sich als Tourist nicht wundern, wenn einem ein Samoaner einen Platz auf seinem Schoß anbietet und andersrum gebietet es auch die Höflichkeit einem Samoaner seinen Schoß anzubieten. Probier ich nächstes Mal in Berlin...
Bevor wir unser Auto holen gucken wir nochmal in der Bar vorbei, wo am Freitag die Eröffnung sein soll [von den Leuten mit denen wir im Stadion waren]. Zum Glück, denn inzwischen ist sie auf Sonnabend verschoben. Hätten wir am Freitag schön doof dagestanden.
| Tadaa, unsere Mietkarre für nächsten paar Tage am Resortstrand... müssen wir nicht mehr so weit vom Fale bis zum Wasser laufen... oder wenn wir mal auf die Toilette müssen |
Am nächsten Tag geht's dann auf große Tour: Erst Richtung Norden, über Apia zur Ostküste und dann die Südküste zurück.
| Alle Passagiere sind an Bord und sicher angeschnallt... |
Mit der Kühlbox für's Bier is ganz witzig. Die ersten Tage hatten wir die nur über Nacht bekommen und tagsüber brauchte die Resortfrau die für die Blauarbeiter. Allerdings sind wir so gute Barkunden, dass sie uns den Kühlbehälter irgendwann den ganzen Tag zur Verfügung stellt. Das is mal Kundenservice. Generell muss man sagen, dass die sich in dem Resort echt so krass Mühe geben einem jeden Wunsch zu erfüllen. Auch immer wenn wir etwas fragen ist die Antwort: "Klar dürft ihr das. Ihr seid unsere Gäste, ihr könnt machen, was ihr wollt." Und sehr schön ist eben auch, dass man merkt, dass sie noch nicht hundert Prozent routieniert sind. Bei vielem merkt man, dass sie das erstmal garnicht so aus der Sicht des Touris sehen. Zum Beispiel rennt da auf dem Gelände ein total abgemargerter Hund voller Zecken rum. Bei Hundefreunden würde die arme Gestalt absolutes Mitleid erregen, wie sie das Ding denn nur fast verhungern lassen können. Bei Hundehassern nur absoluter Würgereiz wegen der ganzen wohlgenährten Zecken. Und auch die Dusche unter freiem Himmel läuft ewig nicht ab. Aber wir nehmen einfach die Frauendusche. Sind ja alleine. Und wenn eben mal was ist, was man höflich fragend anmerkt, wird das sofort gemacht und dann in Zukunft auch drauf geachtet.
Allerdings hat das Resort auch seine Schattenseiten. Die Arbeitsbedingungen sind echt hart. Sieben Tage die Woche arbeiten für ca. 80Euro Wochenlohn. Die Mitarbeiter werden ziemlich krass überwacht und teilweise ist das Alles-Ist-So-Wunderschön auch nur Kulisse. Aber das liegt vermutlich auch nicht mal an dem Resort, weil ähnliches kannte ich ja schon aus Costa Rica. Und wahrscheinlich wird es in den ganzen anderen Resorts der dritten Welt auch nicht anders sein.
Und trotzdem kümmern sich alle Mitarbeiter total reizend um einen. Es gibt auch einen Nachtwachschutz. Eigentlich gibt es in Samoa kaum Kriminalität, außer Gelegenheitsdiebstahl - logisch, sind ja nicht grade reich da. Und obwohl unser Fale offen ist, kommt von unseren Wertsachen nix weg. Handy, Geld, Pass... lag alles mehr oder weniger offen rum. Das einzige was weg kam, kann man nur bedingt als Wertsache bezeichnen: Zwei viel getragene kurze Hosen von Veit und später noch eine von einem weiteren Gast. Wir haben ja die Fa'afafines [die Mädchenmänner] unter den Bauarbeitern oder von der Bar unter Verdacht, allerdings sehen wir die nie mit Veits kurzen Hosen rumrennen. Meine Hosen fassen die Diebe komischerweise nicht an ... Geruchsprobe vielleicht vorm klauen? Ü
| Veit will mal wieder ein bisschen links fahren üben... |
| ...ich überlasse ihn den Platz am Steuer total bereitwillig und genieße die Aussicht auf die Nordküste Samoas... |
| ...ich mein, ich muss ja auch nicht immer fahren, wa? Kann man ja ganz uneigennützig auch mal andere fahren lassen, ne? |
| Einer der kultigen Busse mit denen wir gestern unser Auto geholt haben |
Erster Stop waren die Sliding Rocks - ein natürlicher Wasserfall, den man runter rutschen kann. Etwas landeinwärts neben Apia.
| Der erste Teil sieht ganz schön hoch aus und hat dafür relativ wenig Wasser... |
| ...ein Blick von unten bestätigt, den Verdacht, dass die erste Wasserstufe wohl eher geeignet ist um sich mal gepflegt alle Knochen zu brechen. |
| Etwas weiter unten sieht es dann mehr nach natürlicher Wasserrutsche aus.. |
Ich wage mich dann in die Fluten, während Veit eher noch skeptisch ist. Sieht alles von außen erstmal wieda alles einfacher aus, als wenn man dann wirklich im Fluss sitzt und sich trauen muss loszurutschen. Allerdings habe ich mich glückweise in eine ausweglose Situation gebracht. Das erste Stück führt in ein Wasserloch mit glitschigen, hohen Felsen links und rechts und somit muss ich weiter machen. Zu weit links hört das Wasser auf, zu weit rechts geht's steil runter auf einen großen Felsen drauf zu. Grade aus sieht zwar okay aus, aber irgendwie auch mehr nach Wirbelsäulenstauchung. Naja, wir sind ja nicht zum Spaß hier und mir bleibt sowieso nix anderes übrig. Extremst männlich und mäjästätäsch schreite ich zum Punkt ohne Wiederkehr und stürze mich unerschrocken in die Fluten.
| Jippieee |
Rutscht sich dann doch erstaunlich gut und unten wird man vom nächsten Wasserloch gebremst. Veit ist das dann allerdings doch zu blöde, bzw. er hat die Hosen voll... kann sich jeder selber aussuchen, was näher an der Wahrheit is.
Dann geht die Tour weiter Richtung Osten.
| Einfach ein paar natürlich Pflanzen ein wenig arrangieren und schon hat man mit kaum Aufwand eine wunderbare Straßenrandbepflanzung |
| Dann geht es von der Nordostküste durch's sehr bergige Hinterland Richtung Südostküste... Hier ist alles noch grüner als es soweiso schon ist... Fällt immer wieder auf: Wie krass grün Samoa ist |
An der Südküste halten wir an einem weiteren Nationalpark mit Wasserfall. Eigentlich ist schon fast Schließzeit, aber da der Parkbewacher meint, wir müssen das unbedingt gesehen haben, macht er noch eine Ausnahme. Ich packe ein paar Dollar extra in die Spendenbox in der Hoffnung, dass das auch wirklich in den Park investiert wird. Und wenn nicht, dann gönne ich dem Parkwächter ja auch seine Bierchen.
| Veit marschiert mutig voran. |
| Wieder krass große Urwaldbäume. Irgendwie hätte ich das auf einer Tropeninsel garnicht so erwartet... weiß auch nich warum |
| Wir entdecken ein seltenes Blattmonster, was sich im Unterholz versteckt |
Auf dem Rückweg halten wir noch in einem Nobelresort und gönnen uns mal was Besonderes...
| Einen Kanaken Cocktail... hmm lecker... auch Samoa nimmt es mit der politischen Korrektheit nicht ganz so genau. Ein anderes Highlight ist der Mongo-Mango-Saft aus dem lokalen Supermarkt. |
| Endlich mal ein Resort nach Veits Geschmack. |
| Nach dem ausgiebigen Armbrot geht's zurück... |
| ...und Samoa hat mal richtige Furten. Ich liebe das ja schon in NZ da durch zu brettern, aber hier ist nochmal ein Schluck mehr Wasser zu durchqueren. |
| Irgendwann kommen wir nur noch im Schritttempo voran und man muss ewig weit voraus planen wie man fährt, da die Regenrinnen auf der Straße teilweise tiefer sind als unsere Unterbodenhöhe |
Irgendwann ist es dann so schlimm, dass Veit aussteigen muss um zu navigieren, wie ich wo lang könnte. Zusätzlich geht es auch noch steil bergauf, also ist ganz oft zurück rollen nötig, neuer Anlauf, Karre bleibt auf dem rutschigen nassen Boden hängen, neuer Anlauf, Geräusche vom Unterboden, die der Vermieter besser nicht hören sollte, Holz und Steine zurecht schieben, um Spalten aufzufüllen... An einer Stelle kommt sogar ein Einheimischer an und hilft beim Weg finden...
| Veit blickt in eine Erdspalte |
| Westküste |
Irgendwann kommt wieder etwas Zivilisation und damit steigert sich die Straße wieder auf normales Samoaniveau... also Schlaglöcher, die man auch umfahren kann oder zumindest nicht mannstief sind.
Wir fahren in einen Minihafen [Siehe Karte oben "Inseltour"], parken unsere Karre und organsieren uns ein Wassertaxi zu einer kleinen vorgelagerten Insel. Der Taxifahrer schippert uns rüber und wird dort auch auf unsere Wiederkehr warten.
| Wir haben nicht nur ein Wassertaxi passend zu Veits Farben ausgesucht, sondern man kann hier auch schön sehen, wie Veit über die Jahre seinen Kleidungsstil dann doch immer mehr an die entsprechenden Ziele angepasst hat. Zum Vergleich: Mexiko noch in Jeans im Boot, ca. in der Mitte des Posts... |
| Unser Ziel .... ... ... Namen vergessen... ... zu faul zu googlen... na irgendwas polynesisches eben... Valame'efaleole oder so |
| Mystische Ruinen zwischen bewohnten Häusern... Irgendwie hat die Insel ein geiles Flair... schwer zu beschreiben... es gibt nix was wirklich herausstechend war, aber irgendwie geheimnisvoll |
Es soll auf der Insel ein Restaurant geben, was wir aber beim besten Willen nicht finden können. Wir fragen uns ein wenig durch. Immerhin haben wir dadurch schonmal Wegbier. Werden aber immer hungriger. In einem großen Fale mit einigen Leuten und einem Schild "Kanuverleih" bekommen sie dann Mitleid mit uns und eröffnen spontan ein Restaurant.
Während unser Essen gemacht wird sollen wir uns vor das Fale ans Wasser setzen. Wir können in dem Moment nicht erkennen, ob wir gegen eine Faleregel verstoßen haben oder sie lediglich denken, es wäre doch schöner für uns am Wasser auf das Essen zu warten. Es gibt nämlich einige Regeln beim Betreten von Fales: Schuhe aus. Minimalstandard an bedeckter Haut. Nicht stehen, wenn ältere Samoaner sitzen. Nie Fußsohlen in Richtung von Leuten... haben wir eigentlich alles beachtet. Aber vielleicht ist der Grund, in dem Fale wird grade ein Samoaner auf historische Art und Weise tätowiert: Mit einem kleinen Hämmerchen wird ein in Tinte getauchter Holzstab in die Haut getrieben. Der, dem das Tattoo gestochen wird, liegt auf dem Boden mit Beißhölzchen im Mund und einige Leute hocken um ihn rum und halten ihn [fest?]. Ein anderer Samoaner wurde grade tätowiert und peitscht sich die ganze Zeit mit einer Gerte, um nicht kratzen zu müssen. Wir erfahren, dass die beiden Samoaner, die tätowiert werden, in Australien wohnen und extra für die Ganzkörpertattoos hier her gekommen sind. Das dauert insgesamt zwei Wochen. Jeden Tag mehrere Stunden da liegen und sich ein Holzstäbchen in die Haut kloppen lassen. Sich dann ewig selber auspeitschen, um nicht kratzen zu müssen. Und die machen wirklich den ganzen Körper, auch Oberschenkelinnenseite und so. Wir haben keine Probleme damit offen und ehrlich zuzugeben, dass wir dafür einfach zu weichgespülte Waschlappen sind und gucken uns lieber die putzigen Krabben an, die über die Steine am Bootsanleger huschen. Aber alleine schon das zu mal live zu sehen war echt beeindruckend.
Zum Essen werden wir dann ins Fale gebeten und die Köchin gesellt sich zu uns. Unser Mahl ist einfach, aber wieder total lecker... und günstig isses auch. Danach machen wir uns gut gesättigt auf den Rückweg. Unser Bootstaxifahrer wartet noch am Steg. Der Rest des Tages ist dann angenehm ereignislos... wir kommen immer mehr im samoanischen Lebensstil an.
Abends ist dann Kulturshow in unserem Resort. Inzwischen ist noch ein kanadisch-mexikanisches Päärchen und ein nach NZ ausgewanderter Südafrikaner da. Fünf Gäste also. Dazu fünf Resortmitarbeiter, nochmal 5 - 10 Zuschauer aus Faimafili Village, die aber auch alle irgendwie mit den Resortmitarbeitern verwand oder verschwägert sind und bestimmt 10 -15 Tänzer. Die Show ist streckenweise ganz interessant, nämlich dann wenn die Jungs tanzen, weil das ein wenig an die neuseeländische Hakas erinnert. Von den Mädels kommt, wie zu erwarten, so eine Art hawaiianischer Säuseltanz... reißt jetzt so'n alten Punker nich so wirklich vom Hocker. Teilweise müssen wir dann sogar mittanzen. Umso besser ist ein vielleicht 12-jähriger Junge, der einen übelst krassen Feuertanz hinlegt. Alter Schwede, sage ich euch - der hat's drauf [hat auch schon einige Preise gewonnen]. Aber man muss ihnen allen lassen, dass sie sich echt Mühe geben. Und das ganze nur auf Spendenbasis, also packen wir auch entsprechend was in den Spendentopf der am Ende da steht.
Am nächsten Tag ist Bareröffnung in Apia. Wir fahren nachmittags los, um die Karre wieder abzugeben und gehen dann schön Essen. Die Party in der Bar ist total genial. Irgendwann steigen wir von Bier auf Rum-Cola um. Erst mit doppeltem Rum, dann mal richtig mit Triple-Rum-Shot und am Ende, weil wir uns dann irgendwie schon ordentlich angeheitert fühlen, nur eine einfache Rum-Cola. Als der Südafrikaner damit zurück kommt, weiß er warum wir so schnell betrunken geworden sind: Die haben so einen Messbecher, der auf einer Seite einen Shot abmisst und auf der anderen Seite Doppelshots. Und die Barleute nutzen die ganze Zeit fröhlich die Doppelshotseite. Wir stellen also zwei Sachen fest: Sie nutzen sehr guten Rum in der Bar, weil wir nicht schmecken konnten, wie stark die Mische war und zweitens wir haben eben mal jeder 6 Schuss Rum weggesüffelt. Aber ich mein, besser so rum, als beschissen zu werden Ü
| Am nächsten Tag [Unser Letzter kompletter] machen wir dann mal wieder gemütlich... |
Da die Bauarbeiter zuvor ihr Gerüst abgebaut haben, fragen wir ob wir die Reste für ein Lagerfeuer haben dürfen. Dürfen wir...
| Wir sammeln also fröhlich Holz ein... |
| Hacken es mit einer geborgten Machete klein... |
| Das geilste Kino der Welt |
Einziger Wermutstropfen: Irgendwann kommt noch die eine Resortmitarbeiterin vorbei. Veit hatte die Tage davor ein wenig mit ihr geschäkert und das endete dann damit, dass wir sie regelmäßig an der Backe hatten, Veit schonmal der ganzen Familie vorgestellt wurde und gleich noch ihre Schwester mit einem von uns [der Südafrikaner oder ich... O-Ton: "Wer eben verfügbar is."] verhairatet werden sollte. Das Gute war, damit die Mitarbeiter bzw. Fremde nachts ins Resort durften, mussten wir die Nachtwache schmieren, weil der sonst seinen Job verlieren kann, weil eiegentlich verboten. So sind wir ihre Schwester schonmal ohne Weiteres los geworden [einfach kein Schmiergeld geben] und irgendwann etwas später auch die Mitarbeiterin. Klingt jetzt vielleicht fies, aber wir wollten einfach nur'n schönen Männerabend mit Bier am Lagerfeuer haben - ohne heiratswilliges Weibsvolk.
Am nächsten Tag ging's dann leider schon zurück zum Flughafen... mit der Mitarbeiterin, die von Veit noch alle möglichen Kontaktdaten und Wiederkommensversprechen haben wollte. Langsam wird Veit das Ausmaß der Sache bewusst. Ich ziehe ihn die ganze Zeit damit auf, seinen Wohnort und Telefonnummer preis zu geben. Also zumindest ich habe meinen Spaß...
