06 Februar 2018

Tasmanien I - Maria Island

Tasmanien hatte sich eigentlich mehr so ergeben. Da war'n Steffi und ich beide noch nich, es is hier umme Ecke und der Name klingt cool. Kollegen meinten dann, Tasmanien is quasi das Neuseeland von Australien [Landschaft so beeindruckend wie die Südinsel und Wetter meist genauso beschissen] und eigentlich sehen sich die Tasmanier auch gar nich so wirklich als Australier [was mir als Möchtegernkiwi ja mehr als nur recht is]. Viel Vorbereitung war da dann auch nicht weiter außer Maria Island buchen [eine kleine Insel vor Tasmanien, auf der man reservieren muss, wenn man da hin will] und Mietkarre mieten mit der wir dann zu Freunden wollten, die grade von Festlandaustralien nach Tasmanien gezogen sind. Sämtliche weitere Planungen dann vor Ort.

Der Hinflug fängt schonmal spannend an. Als wir an der Haltestelle vom Flughafenbus stehn, findet Steffi ihr Portmonee nich und ich habe nur meine EC-Karte mit dabei. Der Flughafenbus ist wohl der einzige Ort in ganz NZ, wo man nicht mit EC-Karte bezahlen kann. Netterweise drückt der Busfahrer ein Auge zu und nimmt uns mit, da um 4:00 morgens die Busse dann doch eher unregelmäßig fahren. $16 gespart.
Den folgenden Teil muss ich anonymisiert erzählen, sonst verliere ich meinen Aufenthaltsstatus in Deutschland, weil plötzlich mein Datensatz im Melderegister wie von Zauberhand gelöscht wird. Für Australien muss man als Deutscher sein Tourivisum vorher online beantragen. Und so machen das auch ein Ottonormalbürger und eine Meldeamtsmitarbeiterin, Abteilung Passsicherheit. Dafür muss man seine Passnummer angeben. Und einer von den beiden nimmt ganz stur die Nummer, die im Pass hinter "Passnummer" steht und die andere Person nimmt unten aus dem Zahlenwirrwarr die Passnummer mit ein paar Sicherheitsmerkmalen dazu. Jetzt ratet doch mal, wer von beiden fast nicht nach Australien durfte und nochmal zu einem extra Check-In-Schalter musste um das Visum berichtigen zu lassen. Ein Tipp: Es ist nicht die Person, deren Datensatz im deutschen Melderegister bald gelöscht wird. Ironie am Rande: Von der betreffenden Person stammt auch der wunderschöne Satz: "Beim Landschaftsgärtner vertrocknen ja auch zu Hause die Blumen." Wie wahr, wie wahr =)

Der Flug ist relativ ereignislos, bis auf das letzte Stück wo ich schonmal ein paar wunderschöne Ausblicke auf die tasmanische Küste inklusive Maria Island bekomme.

Hobart, die Hauptstadt is echt putzig mit seinen knapp über 200.000 Einwohnern: So'ne Mischung aus Bergen [Norwegen], Mini-Melbourne und noch was schottischem oder so. Viel Zeit zum Angucken bleibt aber nicht, weil wir nach einem endlos leckeren und deftigen Armbrot und je zwei Bier erstmal das Jetlag im traumhaften Hostel verarbeiten und am nächsten morgen schon unser Auto abholen müssen, um unsere Fähre nach Maria Island zu bekommen. Aber immerhin waren wir fast die letzten im Hostel-Shuttlebus vom Flughafen und so haben wir gleich nochmal 'ne Stadtrundfahrt bekommen.

Da das Mietauto ein ziemliches Schnäppchen war, hatte ich auch da nich große Erwartungen, alldieweil ich noch nie vorher von dem Vermieter gehört hatte. Sollte mich täuschen: Total neuer Mitzubishi Outlander, der noch keine 8.000km runter hat. Weist mich die Vermietetante auch nochmal extra drauf hin. Sehe ich so unzuverlässig aus? Wie auch immer, ich lasse mir nochmal bestätigen, dass meine dazu gebuchte $0-Zuzahlungsversicherung auch wirklich heißt, dass ich in jedem Fall nix dazu zahlen muss - egal, was dem Auto passiert. Scheint das Vertrauen der Vermieterin nicht wirklich zu steigern. Aber sie rückt die Schlüssel raus und ich brause davon. Mehr oder weniger ungewollt, aber das Auto hat doch ein paar PS mehr als meiner zu Hause. Und wenn man da eben auf's Gaspedal drückt, beschleunigt der auch - bestimmt rundum guten Eindruck hinterlassen. Nachteil von so einem großen Auto: Man hat weniger Platz und sieht weniger. Vorteil von so einem großen Auto: Man bekommt mehr Platz und wird mehr gesehen.

Nicht in Hobart, sondern Rocky Cape... voll viel Platz innen, echt bequem und mit allem mordenen Schnickschnack
Auf'm Weg zur Fähre noch schnell für die kommenden drei Tage einkaufen und dann grade so rechtzeitig nach 2, 3 Stunden fahrt im Hafen einreiten.

Also auch wenn der Urlaub bisher eher Ankommen und Organisieren war, lief bisher alles erstaunlich super. Jab nüscht zu meckern bisher - allet paletti. Und obwohl der Urlaub bisher kaum richtig angefangen hat, fragen wir uns das erste Mal, ob Tasmanien das Level weiter halten kann.

Auf Maria Island haben wir zwei Nächte im Zelt gebucht, damit wir etwas Zeit haben die Insel zu erkunden. Außer uns sind kaum andere Leute auf der Fähre.

Nach einiger Zeit taucht Maria Island am Horizont auf

Maria Island war zuerst eine Gefangeneninsel, wie noch früher ganz Tasmanien und noch früher ganz Australien. Dann wurde ein wenig versucht sie zu bewirtschaften. Klappte wohl nich so und daraufhin wurde sie Nationalpark. Isse immernoch, ohne Autos [außer ein paar Ranger-Jeeps] oder großartig Infrastruktur [lediglich ein Zeltplatz mit Regenwasserdusche und offnenem Kochhäuschen und ein paar Hütten ohne Komfort]. Dafür aber mit angeblich ganz vielen Tieren und Natur, hier und da gespickt mit Knastruinen. Na mal gucken.... [hier sei erwähnt ich habe bisher in Australien noch nie großartig Landtiere gehen, außer Spinnen, Ameisen und einmal ein Wallaby - ein Minikänguru, also eigentlich ein Wannabe]


...zumindest sieht man bei der Ankunft schonmal die ersten Ruinen und die versprochene Natur.

Dann bei den Rangern angemeldet und Campinggebühr bezahlt und rüber zum Campingplatz - Zelt aufbauen. Noch ehe ich so wirklich dazu komme, raschelt neben uns was im Gebüsch. Ui, gleich mal hingucken.


...und direkt neben unserem Zeltplatz grast eine Wombatmutti mit ihrem Jungen...
 
Eine Weile hocken wir da, beobachten die beiden und versuchen uns näher ranzupirschen. Irgendwann wird es dem Wombaby etwas zu mulmig und es entfernt sich etwas. Also lassen wir die beiden erstmal in Ruhe und ich mache mich wieder ans Zelt aufbauen. Man man man man, so ein Glück, gleich als erstes ein Wombat... mit Miniwombat dazu... zum Glück gibt Foto, sonst hätte einem das ja niemand geglaubt. Habe grade die nächste Zeltstange in der Hand da raschelt schon wieder was. Wir also hin: Oh, na sowas, noch'n Wombat. Das lässt sich sogar nicht mal stören als wir uns näher schleichen...

Ui, 2 Wombatzen an einem Tag... also eigentlich ja sogar 2 1/2... Ich fühle mich fast wie Sir Gregor Gattenborough
Fummele grade am Überzelt rum, als es schon weider raschelt. Huh? Is hier irgendwo ein Wombau oder wo kommen die alle her? Bei näherem Hingucken entpuppt sich der Verursacher als Wallaby. Och, wie cool, echt voll das Glück, erst die Wombatze und jetzt dazu auch noch ein Wallaby inna direkten Nachbarschaft.

Langsam pirscht sich der kleine Tierfreund an den pussierlichen Beutelnager heran...

Das Foto is von Steffi gemacht und könnte sogar das Wannabe mit Wallababy im Wallabeutel sein... Weil der is ja ziemlich dick und mit etwas Fantasie gucken da beim reinzoomen die Pfötchen raus.
Irgenwann hoppelt es weg und ich komme endlich dazu, das Zelt fertig aufzubauen.

Zelt mit Mülltonne, mehr Komfort könnte kaum sein... Die Mülltonne is übrigens auch gleichzeitig Küchenschrank - da kommt sowohl Müll als auch Essen rein und ein dicker Stein oben drauf, damit einem nachts nich die Possums alles klauen.

Dann machen wir uns auf, um ein wenig die Gegend zu erkunden. In der Nähe gibt es eine Bucht mit irgendwelchen Regenbogenfelsen. Also laufen wir los...

Gleich um die Ecke treffen wir auf die nächste Wombatmutti, diesmal mit Wombatteenager

Auf der Insel soll es auch Tasmanische Teufel geben und laut Ranger kann man mit ganz viel Glück auch welche sehen. Hier sei erwähnt, dass die gute Rangerin uns auch bei dem Wetter eher bescheidene Hoffnung auf wirklich gutes gemacht hat. Immerhin ist heute Abend noch schön. Hinter dem Campingplatz kommt nach einigen Büschen erstmal eine große freie Wiese und auf einem Hügel steht eine Hütte von einem ehemaligen Gefängniswärter. Wir laufen also quer über die Wiese Richtung der Hütte...

...plötzlich rennt quer über die Wiese ein kleines Tierchen, zu schnell für ein Wombat und zu wenig hoppelnd für ein Wallaby. Es läuft so halb schräg-parallel zu uns Richtung Hütte. Schau mal einer guck: Ein Teufelchen. Die Teufel sind wohl etwas schüchterner als die Wombatanten und Wallabies und bis wir auch bei der Hütte sind, hat es sich schon darunter versteckt. Wir warten noch kurz ob es wieder darunter hevor kommt aber lassen es dann auch in Ruhe: Keep the Devils wild.

Auf der nächsten ehemaligen Weide steht dann eine Herde Kängurus rum. Meines Wissens nach soll's die auf Tasmanien gar nich geben. Wurden hier anscheinend auf Maria Island ausgesiedelt. Allerdings weiß ich nicht, ob schon von den Gefangenen für Fleisch oder von der Nationalparkverwaltung.

Das Foto ist von relativ weit weg aufgenommen [im Verhältnis zu den Womben und Wallen]. Einerseits sind die Kängen etwas ängstlicher, andererseits können Kängurus, wenn sie sich bedroht fühlen einen Menschen töten, indem sie sich auf ihren Schwanz stellen und einem mit den Hinterpfoten [inklusive scharfer Krallen] in den Obenkörper treten... Und gleich am ersten Abend sterben is ja auch doof...
  
Ein paar Meter weiter: Da Känguru eher solala schmeckt und bei Wombat habe ich keine Ahnung, gibt es hier auch noch Gänse, um etwas Abwechslung in den Speiseplan zu bringen





Langsam bekommen wir das Gefühl, dass sich die lokale Fauna hier ordentlich wohl fühlt. Habe binnen weniger Stunden mehr australische Tiere in freier Wildbahn gesehen, als der durchschnittliche Work-&-Travel-Depp in einem ganzen Jahr.
Aufgrund der ganzen hüpfenden, hoppelnden, watschelnden und galoppelnden Attraktionen kommen wir nicht wirklich schnell voran. Aber eilt ja auch nicht. Allerdings treten auch schon erste Gewöhnungserscheinungen auf, besonders bei den Wombis. Es fing an mit: "OHHH, Guck mal! Ein Wombat, BOAHHH, is der putzig." über: "Oh, da, noch'n Wombat, toll, wa?" zu: "Hm, schon wieder'n Wombat." und letztendlich: "Wombat ... ... ... da auch ... ... ... noch einer ... ... ... Stolper nich."

Irgendwann erreichen wir die nächste Bucht, schönes blaues Wasser, Sandstrand und ... achso ja, wer hätte es gedacht, ein Wombat drängelt sich ins Bild.
 Hinter der Bucht sollen die super-tollen Regenbogenfelsen kommen. Anfangs sieht das aber erstmal wie anna Ostsee aus...

.... der Sand is auch so fein und weiß und Steffi entdeckt das erste mal in ihrem Leben Quietschesand. Bin etwas erstaunt, wie man das nicht kennen kann, aber klar, wenn man in den Bergen zwischen Kuhweiden und Gletscherzungen aufwächst und höchstens mal an der Nordsee war... Wäre jetzt mal interessant, was ich alles nicht kenne, was das Bergvolk für völlig normal hält.

Der auffälligste Unterschied zur Ostsee sind die großen Eukalyptusbäume am Strand. So bekommt die frische Meeresluft auch gleich noch eine Note Eukalyptusgeruch: Na wenn das mal nich gesund is.
 Irgendwann is der Strand zu Ende und die so definitv sehenswerten Regenbogenklippen fangen an...

Weiß nich mehr, wobei mich Steffi da erwischt hat oder ob sie mir gedroht hat mich die Klippe runter zu schubsen wenn ich nich endlich mal die Klappe halte, aber irgendwie sehe ich wunderbar erschrocken-ertappt aus.

Also sieht ja schon toll aus, was das Meer da so in den Sandstein genagt hat, aber wenn das das Farbspektrum eines tasmanischen Regenbogen is, dann tun die mir ja ein wenig leid.

Ich bahne mir einen Weg durch's Unterholz und versuche noch zur nächsten Minibucht zu kommen. Steffi bleibt zurück, sie is erstmal ganz Glücklich mit den ganzen Tierchen bisher und muss sich nich auf Teufel komm raus irgendwelche blöden Steine angucken. Nächste Minibucht sieht auch toll aus, aber ich komme langsam zu dem Schluss, der Benenner der Kliffs war Farbenblind.


Da es kaum noch weiter geht und australisches Gebüsch ja nich ganz ohne is, kehre ich wieder um...

Putziger Büschelbaum trotzt brausender Brandung

Wir laufen die meiste Strecke oberhalb des Kliffs zurück und müssen dann durch eine weite Öffnung wieder zurück nach unten ...

Mal wieder so ein Foto, wo vermutlich die Größe etwas untergeht, aber auf alle Fälle müssen wir da runter...
 Auf dem Weg nach unten läuft mir das erste Mal ein kleiner Schauer den Rücken runter. Ich sehe eine Ameisenstraße mit echt riesigen Ameisen: So weit, so gut. Da ich keine geschlossenen Schuhe habe und nicht unnötig Ameisen tot treten will, wechsle ich die Richtung runter. Aber je mehr ich da weiter laufe, je mehr merke ich wie überall Ameisenstraßen und Eingänge zu ihrem Bau sind. Die ganze riesige Fläche scheint unterkellert. Ich hatte mal in einem Buch gelesen, wie plötzlich überall aus Boden Ameisen kommen den Protagonist töten und aufessen. War zwar Fiktion, aber ich kann mir vorstellen, wo die Geschichte ihren Ursprung gefunden hat. Schwer zu sagen wie groß der Bau letztendlich is, aber er muss enorm sein.

Wieder unten am Strand entdecke ich dann noch ein wenig Fels, was zumindest so halbwegs den Namen der Klippe rechtfertigt. Wahrscheinlich war ein "Normal layered Sandstone Cliff with red intrusions" nich ganz so catchy wie "Rainbow Cliff"

...oder man muss die Flora und Fauna mit einbeziehen: Grüner Seetang und blau-lila Krabki - Da haben wir doch schon fast unseren Regenbogen zusammen
Da die Sonne inzwischen Weg ist, gehen wir zurück Richtung Campingplatz. Man muss ja schließlich nicht gleich die erste Nacht in der tasmanischen Wildnis verloren gehen.... Hmmm, ich höre jetzt schon die Unkenrufe: "Kampf mit einem echten Känguru scheuen! Sich wegen ein bisschen Natur ins Hemd machen! Mensch Junge, biste ooch nich mehr der Jüngste, wa? Wirste langsam vanünftig, hm?" Aber ich habe eine gute Ausrede: Der Schnaps war im Zelt =)

Das is der tasmanische Kumpel der neuseeländischen Wekas [die Futter-Klau-Hühner von der Südinsel]... Bedingt zwar nur vom Aussehen aber hundert Prozent vom Laufstil und Verhalten her. Hab sie gleich ins Herz geschlossen...

Hier einfach mal ein schönes Klischeefoto aus OZ: Känguru hüpft, Känguru horcht, Känguru hockt... Und der fast schon obligatorische Wombat mittendrin

...dazu noch riesige Eukalyptusbäume... wobei die hier eher so mittelgroß sind, aber da habt ihr mal so ein wenig Maßstab



Pünktlich zur Dunkelheit sind wir zurück am Zelt und machen erstmal Armbrot. Wir sitzen da grade so rum als neben dem Zelt etwas an der Tonne klappert. Ich gucke raus und einen Meter vor mir steht ein Possum an der offenen Tonne und guckt mich verdattert an. Der Blick war weniger Angst, sondern mehr so'n: "Och Mist, jetz hatta mich erwischt... Dann darf ich wohl nix aus der Tonne nehm, wa?" Wir starren uns ein paar Sekunden an und dann tappert das Possum wieder zurück in die Dunkelheit. Da das genau die Art Possum ist, die hier in NZ eine Plage ist, schießt mir kurz der Gedanke durch den Kopf, mir einen Knüppel zu suchen und mal kurz im Gebüsch seine Daseinsberechtigung zu diskutieren. Aber der Reflex weicht schnell der Erkenntnis, dass die ja hier zu Hause sind. Vermute also, dass nun im Gegenzug das Possum einen Knüppel im Gebüsch sucht, da ich ja hier in seinen Lebensraum eindringe und dann nicht mal mein Essen teile. Schlafe also nicht nur wegen der löchrigen Self-Inflatable-Isomatte etwas unruhig.

Also nochmal kurz zur Rekapitulation - Tag 1:
 - Wombat mit Wombaby
 - Wallaby mit Wannabe im Beutel
 - Känguru
 - Tasmanischer Teufel
 - Komische Ganz
 - Possum
 - blaue Krabbe
 - OZ Weka
 - Megaameisen
...und das alles in freier Wildbahn

Später am Abend sieht Steffi nochmal zwei Teufel nahe der Duschen. Es sind zwar nicht viele Leute da, aber leider eine Familie mit Kindern und ein paar aufgekrazte Jungreisende - also lassen wir die Fauna erstmal in Ruhe, weil die schon jedem Vieh ewig mit Taschenlampe im Camp hinterher rennen, anstatt einfach mal drei Schritte zu laufen und dann das alles in absoluter Ruhe zu genießen.

Für den nächsten Tag is eine ausgiebige Wanderung geplant [Hin und Zurück 22km], bis zur Mittelbucht der Insel. Die Insel sieht ein wenig aus wie eine Sanduhr und genau in der Mitte gibt es eine lange, dünne Landzunge, die die zwei Landklumpen verbindet. Kann man hinlaufen hauptsächlich am Wasser und zurück durch's Innere der Insel...

Aber erstmal muss man dazu ja aufstehen. Leichter gesagt als getan für einen alten Mann. Hatte mir die Nacht zuvor in Hobart schon den Nacken ein wenig verlegen und habe das ganze noch ordentlich gepflegt letzte Nacht auf der luftleeren Isomatte. Brauche also so locker zwanzig Minuten zum aufrichten. Komme mir vor wie ein Käfer auf dem Rücken... ein ziemlicher weinerlicher Käfer noch dazu. Steffi muss zwar unbedingt auf Toilette, will sich aber die Show nicht entgehen lassen. Warte eigentlich nur darauf, dass sie einen Stock holt und anfängt mich zu piesacken, aber anscheinend ist das so auch schon sehenswert genug. Komme irgendwann auf die Idee mich auf den Bauch zu rollen und so aufzustehn - klappt fast elegant [also im Verhältnis zu davor].
Anstatt mich also von einer Spinne oder Schlange beißen zu lassen oder dass mir ein Possum nachts einen Knüppel über den Kopf zieht, habe ich mir mal wieder was total Blödes in der Wildnis eingefangen. Das wird langsam Tradition.
Steffi hatte übrigens ihrer Familie versprochen, definitiv nicht in Australien zu campen, wegen dem ganzen giftigen Viechzeugs da. Total unvernünftig sowas... also das zu versprechen, das nich zu tun. Is doch wohl klar, dass das so endet, wenn man mit mir wo hin fährt. Tztz...

Dann nach einem ordentlichen Frühstück geht's los...

Auf dem Weg stoßen wir auf Hinterlassenschaften der Strafgefangenenkolonie...

...und die letzte Mahlzeit einer Möwe. Oder es gibt Waldhummer in Tasmanien - wundern würd's mich auch nich

Tagsüber scheinen die meisten Tiere zu schlafen. Hier und da mal ein Wallaby im Unterholz.
Obwohl die Rangerin uns das Wetter madig machen wollte, haben wir echt Glück. Bis auf einmal ein paar Tropfen, kein Regen und zum Glück die meiste Zeit leicht bewölkt. Ist zwar nicht so schön für Fotos aber macht das Wandern weitaus erträglicher. Tasmanien ist zwar notorisch verregnet und kalt, aber wir haben grade eine Hitzewelle also sind immer so zwischen 20°C und über 30°C. Aber nicht nur von Tag zu Tag sind die Temperaturunterschiede echt groß, auch alleine schon wenn man im Wald läuft: Sonne = schwitzen & Schatten = frieren. Und so'n Wald mit seinen Bäumen is ja nun permanent Sonne, Schatten, Sonne, Schatten, Sonne... Aber ich will garnich meckern: Der Durchschnitt is ja damit 25°C ...und was ich sonst so über tasmanisches Wetter gehört habe, haben wir einfach nur übelst Glück.

So sieht fast ganz Australien aus, wenn da grade nicht Outback is: Lichter Wald, hauptsächlich Eukalyptus, etwas Unterholz

Hin und wieder führt der Weg an eine kleine Bucht ebenfalls gesäumt von Eukalyptus...

...und gelegendlich über einen Creek. Die einzigen Wasserreserven. Komischerweise sind drumrum meist tote Bäume. Kommen die etwa mit dem Wasser nicht klar? Das hier ist ca. auf der Hälfte des Weges und der heißt 4 Mile Creek. Ich finde das etwas einfallslos und beschließe ihn nach der Schweißergilde zu benennen: Weld Creek... leider gibt es hier keine Krokodile sonst müsste man jedes mal nach dem Füße reinhalten seine Zehen zählen und dann könnte man ihn auch Toe Teller Creek nennen... aber gut, ich schweife ab.


Die Hütte ist wohl noch aus der Zeit der kurzen Besiedlung zwischen Knastinsel und Nationalpark... nennt sich French Farm... Wahrscheinlich konnten die Tasmanier Jaques Coîncheautrèroire de la Boutagnaìre-Vougôuseaú nicht aussprechen... Jetzt wohnen da Possum und Teufelchen

Allee der toten Bäume... da mal schön ramontisch mit einer Gondoliere runter staken - ein Traum für jeden Nekromantiker
Dann endlich kommen wir am Ziel an. Wieder traumhafter Ostseestrand mit Quietschesand. Tolle Aussicht auf den Südteil der Insel.

Links die Landbrücke führt zum Südgulpi der Insel und ist in der Mitte nur so ein paar dutzend Meter breit. Im Hintergrund der Süden mit nochmal ordentlich hohen Hügeln [der höchste Berg auf dem Nordteil ist über 700m hoch, also alles nicht ganz ohne]. Aber das ist uns heute zu weit... Panorama müssta wohl anklicken wenna mehr sehen wollt...

Nach einem ausgiebigen Mittag und ein wenig Rumdösen, machen wir uns auf den Rückweg über das Innere der Insel.

In OZ gibt es ja andauernd Buschfeuer. Und Eukalyptus stört das meist nich dolle, weil der andauernd seine Rinde erneuert. Hängt dann da in riesigen Fetzen runter und wartet nur darauf einem arglosen Wanderer auf den Kopf zu fallen. Zum Glück nich ganz so schlimm wie die Kokosnusspalmen auf Raro...

...aber manchmal bilden sich durch die Buschfeuer auch echt interessante Formen. Der Baum war innen bis oben hohl und hatte da ein Loch oben und nur innen alles schwarz verkokelt und eine dicke Schicht Holzkohle. Also muss der beim letzten Feuer so wie eine schwedische Fackel gebrannt haben - sah bestimmt geil aus. Aber ihr seht ja, dass die Rinde außen keine Brandspuren hat, also hat der Baum das Feuer anscheinend überstanden, obwohl Innen fast alles weggebrannt is.

Eukalyptustarn

Der Wald im Inselinneren ist weitaus dichter und die Bäume um einiges größer als auf'm Hinweg anna Küste. Hat sich also gelohnt den anderen Weg zurück zu gehen, weil trotz scheinbarer Monotonie man doch nochmal andere Landschaft sieht

Grege mit Biberschwanz... Aber ja, so'ne Rindenstücken fallen da dann teilweise von den Bäumen runter. Und war auch relativ windig an dem Tag. Also manchmal hat man sich dann doch schon erschrocken wenn da sowas in unmittelbarer Nähe runter kommt.

...aber ganz praktisch: Dient im Notfall als Regenschirm

Fast geschafft, fast wieder zu Hause, nur noch den Creek überwinden

Dann entdecken wir wieder etwas Zivilisation, oder das was davon übrig geblieben ist.


Wundere mich, wer das alte Gefängniswärterhäuschen so demoliert hat. Gefangenenrevolte?

...nee, der Schuldige ist scheinbar unscheinbarer. Tja, hätt der Wärter mal die Mutter von dem Wombat nich als schäbiges Possum bezeichnet. Is doch klar, das dis so endet... Macht man ja auch nich

Auf den letzten paar Metern fängt es dann doch noch mal ordentlich an zu schütten. Is aber nich schlimm. Wir setzen uns in die überdachte Küche und machen erstmal ein Feuerchen. Dazu gibt's lecker Kartoffelsuppe aus'm Outdoorgeschäft. Schnell sind die Klamotten wieder trocken und heute sind zum Glück kaum andere Leute da. Und plötzlich hocken 3m neben uns ein Possum und ein [später sogar zwei] Teufelchen an dem Grill und lassen sich kaum stören. Während das Possum oben am Grill nach Krümeln und Resten sucht, leckt der Teufel ewig lange den Boden ab. Irgendwer muss da irgendwas verschüttet haben. Da wir keine Anstalten machen uns den Tieren zu nähern, machen sie auch keine Anstalten sich zu verduften. Hätten die Schreihälse vom Vorabend sich also einfach mal ruhig hingesetzt, hättense auch viel mehr von der Natur gehabt.

Nachdem das Zelt am nächsten morgen getrocknet is, bauen wir gemütlich ab und schlendern Richtung Hafen. Auf dem Weg dahin laufe ich noch ein paar Schlenker und erkunde die nähere Umgebung...

Ich vermute mal die Betonbauten sind aus modernerer Zeit, aber derzeit alles ungenutzt. Die Wahlrippen im Vordergrund liegen laut der Rangerin auch schon ewig da... bzw., wurden vor Ewigkeiten angespühlt. Weiß keiner so genau von wann die sind.

Blick auf die Bucht, wo die Fähre anlegt. Links eine weitere Hütte aus den guten, alten Knastinseltagen. Und hinten auf dem Hügel die alte Wärterhütte, wo wir am ersten Abend das Teufelchen gesehen haben.

Hier und da verrostete Relikte auf den einstmals gerodeten Weiden. Eine faszinierend mystische Einöde.

Da mein Rücken immernoch kaputt is, darf ich den Rollkoffer nehmen. Ich mach mich ja sonst immer über die Deppen lustig, die mit Rollkoffer auf's Festival fahren. Aber Rollkoffer auf einer einsamen Insel am Arsch der Welt ist noch mal'n Level geiler =)

Tjoa, definitv genialer Anfang für den Urlaub. Damit hatte keiner von uns beiden gerechnet, dass das so geil wird und wir so dermaßen viele Tiere sehen. Das wird wohl schwer da jetzt noch das Level zu halten... aber gut erstmal zurück zum Festland und dann nach Devonport zu Terese und Bryan - meine Freunde die hier grade her gezogen sind vom Festland und uns ein paar Tage aufnehmen.

Wieder sind kaum Leute auf der Fähre und diesmal ist auch kaum Seegang. Plötzlich weist uns ein anderer Passagier auf Delfine neben dem Boot hin. Eine Weile springen sie neben dem Boot aus den Wellen und halten ohne Probleme mit der doch recht schnellen Fähre mit. Mich reißen ja Meeressäuger eher nich so vom Hocker, aber Steffi ist nun völlig aus dem Häuschen. Die nächsten paar Stunden ist jeder zweite Satz: "Ich hab Delfine gesehen!" [Wen's interessiert, vonna Zeichnung her: Gemeiner Delfin ]

Dann geht's los mit Auto, aber schon nach wenigen Kilometern, abruptes Bremsen. Echidna, Echidna [zu deutsch auch Kurzschnabeligel]...

Während wir uns langsam nähern, schnüffelt er vorsichtig in unsere Richtung

...irgendwann wird's ihm zu blöde und er buddelt sein Gesicht ins Gebüsch. Die Stacheln sind übrigens giftig... also wie alles in Australien: Nicht anfassen!
Wir müssen beide eingestehen Tasmanien schafft es, sein hohes Niveau zu halten. Und auch im weiteren Verlauf kommen wir nicht wirklich schnell Richtung Devonport voran....

Die Straße schlängelt sich zuerst an vielen kleinen bis riesigen Buchten lang und da kann man ja nich an jeder einfach so vorbei fahren...

Die roten Algen geben einer Bucht ein paar Kilometer weiter den Namen Fire Bay und deshalb pilgern da alle möglichen Touristen hin. Man kann sich aber auch einfach seine eigene Bucht aussuchen, die roten Algen sind hier nicht unüblich und dann hat man sie ganz für sich alleine.
Dann irgendwann fahren wir auf eine kleine Seitenstraße landeinwärts um Richtung Devonport zu kommen. Vor uns baut sich eine riesige dunkle Gewitterfront auf. Muss kurz an die Textzeile in der inoffiziellen Hymne Australiens von Men At Work denken: "Can't you hear, can't you hear the thunder? You better run, you better take cover." ... Jaja, bla bla, was soll schon passieren?
Sah echt krass aus: Vor uns nur diese riesige grauschwarze Wolkenfront mit den mächtigen Regenbändern bis zum Boden und um uns rum noch alles im goldenen Sonnenlicht, welche hinter uns stand. Dann irgendwann ging der Regen los. Leider hat uns die Straße um das Zentrum des Gewitters geführt. Gefühlt wird's irgendwie kälter und die Straße dampft, weil der Regen auf dem heißen Asphalt spontan lieber Nebel wird. Man kann den Straßenverlauf also ewig weit erkennen am aufsteigenden Kondensat. Total mystisch durch dieses Nebelband zu huschen auf dieser kurvenreichen Straße irgendwo im Hinterland. Der Regen ist inzwischen vorbei, ich gucke auf's Thermometer: 4°C ... an der Küste waren ordentlich über 20°C. Ich gucke wieder raus und mein Gehirn kann das, was es sieht erstmal nicht ganz einordnen:

...ist natürlich kein Schnee, sondern Hagel, aber das kam so unerwartet, dass mein Nervenknäuel im Kopf kurz nicht gescheckt hat, was Phase is, da wir eben unten noch am Strand in der glühenden Hitze saßen. Hier auf dem Foto erkennt man auch ein wenig den Dampf über der Straße, aber irgendwie haben wir das mit Kamera nicht eingefangen bekommen.
Passt einfach nich zusammen: Eukalyptus und weißer Boden =)
Also, Tasmanien hält weiterhin eine Überraschung nach der anderen bereit...


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Teil 2 wird dann irgendwann die Tage in den Blog geladen:
"Mt Crap & Devonport"

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Fotos sind von Steffi und mir. Habe jetzt aber nicht extra gekennzeichnet, was von wem is.

26 November 2017

Papua Neuguinea - Arbeiten an der Grenze der Zivilisation

Kommt einer der wichtigen Chefs ins Büro und meint zu mir und 'nem Kollegen: "Wir brauchen jemanden, der schnellstmöglich nach Papua Neuguinea fliegt. Wir ham da'n Problem."
Kollege: "Nee!"
Icke: "Ja, klar!"
Chef: "Okay, dann besorg dir'n Arbeitsvisum und sobald Du das hast, Flug für'n nächsten Tag buchen."
Chef geht.

Bin dann den ganzen Tag mit einem anderen Chef beschäftigt, rauszufinden, welches Arbeitsvisum ich brauche und das zu beantragen. Im Laufe des Nachmittags fällt mir dann auf, dass ich gar nich weiß, was ich Papua Neuguinea [oder "PNG", wie es bei den coolen Kids und sprachfaulen Kiwis heißt] machen soll. Frage also den ersten Chef, was ich denn da machen soll. Chef weiß es nicht. Immerhin weiß er, es is eilig, weil wir haben da grade einer Firma [Pacific Helicopters] drei Helikopter verkauft, es gibt Probleme, die brauchen jemand und ich solle einfach for Ort nachfragen, was genau ich tun soll. Ähmm.. okay, warum auch nicht.

Und so sitze ich eine Woche später im Flieger über Brisbane [Australien], Port Moresby [Hauptstadt von PNG] nach Goroka [im östlichen Hochland]. Auch wenn sich die Kollegen sehr viel Mühe gegeben haben, mir Angst zu machen und auch jeder zweite von der Heimatfront mich erstmal ausgiebig vor den Kannibalen gewarnt hat - nun habe ich ja dummerweise schon etwas Reiseerfahrung und wie immer gilt: Vorher informieren und vor Ort gesunden Menschenverstand benu... na zumindest nich ganz so dämlich anstellen wie im normalen Leben. Goroka und das umliegende östliche Hochland is relativ sicher. Jeden Tag 25 - 28°C. Wenig Mücken [also kein Malaria, Denguefieber, Zika] auf 1.600m Höhe.  Hotel is gebucht und mich holt schon wer vom Flughafen ab. Hoffentlich... denn mein Begleitkollege der schonmal in PNG war und mich beschützen sollte is nich im Flugzeug. Immerhin habe ich ein Diensthandy, allerdings keine Nummern eingespeichert. Die Hubschrauberteile die mein Kollege durch den Zoll bringen sollte, muss ich dann auch wohl auf eigenes Risiko ins Land einführen. Also nix illegales natürlich, aber ich sollte trotzdem in Australien Bestechungsgeld abheben.... hmmm. Nun gut, wird schon irgendwie.

Was mir als erstes in PNG auffällt. Die der Buschfunk funktioniert. Ich wechsle vom Internationalen Terminal zum Nationalen Terminal [klingt jetzt größer als es is =) ] und schnatter da kurz mit dem Einlasser/Wachschutz. Drinne is Taschenkontrolle und wie von Geisterhand, weiß die Frau hinter der Röntgenmaschine, was ich draußen dem Security erzählt habe. Vermutlich weiß schon halb Port Moresby, dass da ein Weißbrot gelandet ist und nach Goroka weiter will. Was auch noch auffällt, kaum andere Weiße und keine Touris - angenehm.

Nach Goroka geht's mit einer kleinen Dash-8...

Ich glaube ich fange jetzt mal an Hollywood-Schriftzug-Kopien zu sammeln... scheint es so einige in der Welt zu geben

Auch wenn Port Moresby die Hauptstadt is, isses nirgends so wirklich Stadt... auf einer mittelgroßen Fläche hingewürfelte Häuschen mit viel grün dazwischen

...nur wenige asphaltierte Straßen...

...dafür viel Berge und Meer

Und irgendwann beginnt undurchdringlicher Dschungel... und der is wirklich undurchdringlich. Es gibt keine Straßenverbindung von Nord nach Süd. Das Gebirge in der Mitte teilt das Land in zwei Teile. Geht nur per Flugzeug oder zu Fuß. Per Boot is auch sinnlos, wenn man sich die Mäander anguckt. Umso krasser in Anbetracht dessen, dass die meisten Leute da ja kein Geld für Flugzeug haben. Und nicht nur Nord und Süd ist getrennt: Auch noch heute haben da viele gar nich mal so kleine Orte keine Straße woandershin... Maximal 'ne Graspiste zum landen oder sogar nur ne Wiese für Hubschrauber

Weil die Dash-8 nich besonders hoch fliegt, kurvt sie um die riesigen Wolkentürme im zentralen Hochland drumrum. Das ist fast wie tauchen in einem Korallenriff mit den endlos hohen zerklüfteten Wänden links und rechts. Ich gucke die anderthalb Stunden Flug die ganze Zeit einfach nur fasziniert ausm Fenster... wenn man nicht um die halbe Welt muss, macht Fliegen auf diese gemütliche Art echt Spaß.

...irgendwann wird der Dschungel unter mir wieder fleckiger - wir nähern uns Goroka.

Das sind die Vororte von Goroka... fast wie Marzahn. Die Berge im Hintergrund sind übrigens die Bismarck-Range, noch aus Zeiten der deutschen Kolonialisierungsversuche im Pazifik. Die Berge in der Umgebung heißen Mt Wilhelm und Mt Hagen. Bis Goroka selber haben es die Deutschen nie so wirklich geschafft glaube ich: War damals zu unzugänglich

Das ist Zentralgoroka... ich frag mich langsam wo die angeblichen 15.000 - 20.000 Einwohner wohnen.


Der Flughafen, der übrigens nur auf Sicht angeflogen werden darf [so mal zur technischen Ausstattung], überzeugt durch Einfachheit. Das Gepäckband ist ein großer Tisch mit einem Dach drüber - funktioniert auch.

In der Tat holt mich jemand ab. Dann geht's erstmal in die Firma. Ich kann grade meinen Laptop auspacken, da is auch schon Dienstschluss und ab geht's mit den Kollegen zum Goroka Aero Club [anscheinend hat wirklich jede Landepiste ihren eignen Aero Club] und Feierabendbierchen. So gefällt mir eine Dienstreise.
Da wird dann die Abschiedsparty für einen Kollegen am Wochenende geplant. Und es geht um irgendwas mit "Magic Stick". Ich will wissen was das is. Die Kollegen gucken mich nur an: "Keine Sorge, hier is Social-Media-Verbot." Eine Antwort, die zwar auf der einen Seite beruhigt, auf der anderen aber natürlich doch auch Fragen offen lässt.
An dem Abend lerne ich dann noch, dass Goroka sogar einen Yacht Club hat, auch wenn das nächste schiffbare Gewässer hunderte Kilometer entfernt is.

Dann geht's ins Hotel. Da schlafen alle: Die Mechaniker im Machnikerhaus. Die Piloten im Pilotenhaus. Die Aushilfskollegen [wie ich] im Hotel... allerdings ist da bei mir irgendwas schief gelaufen und ich bekomme eine Suite von allen anderen getrennt durch einen romantisch rauschenden Bach. Meine Theorie ist ja: Der Chef vom Hotel [der Bruder vom Chef von Pacific Helicopters] soll angeblich Mechaniker hassen, besonders neuseeländische Mechaniker. Nun ist mein Name aber relativ unneuseeländisch, vielleicht wurde ich deshalb upgegradet?

Nicht zu sehen, große Küche, großes Bad und riesiger Fernseher... alles im Obergeschoss. Und in jedem Raum rote Schalter - Kollege klärt mich auf: "Das sind Rape-buttons. Wenn Du nachts mal nicht überfallen und ausgeraubt wirst, kannst Du da drauf drücken und dann macht das das Hotelpersonal." ...also wirklich jeder Komfort den man sich wünschen kann.

Wer jetzt aber denkt, weil ich gestern gleich erstmal das lokale Bier testen war [das gute SP], dass hier ein Lotterleben herrscht und ich den ganzen Tag in der Hängematte sitze, den muss ich leider enttäuschen. Bei Pacific Helicopters wird sieben Tage die Woche, jeden Tag 10 Stunden gearbeitet. Also gut, mittags is eine Stunde Pause. Dafür haben die da 4-weeks-on-4-weeks-off. Also nach 4 Wochen durcharbeiten, hat man einen Monat frei und kann die Zeit entweder mit der Familie verbringen oder rumreisen. Quasi wie auf Ölförderplattformen oder so. Macht auch Sinn weil die Kollegen aus aller Welt kommen. Klingt schon spannend und jeder da unten meinte auch: "Wennde ma damit anfängst, kannste nich mehr zur 5-Tage-40h-Woche zurück: Zu eintönig und zu wenig frei."

Meine Aufgabe für die nächsten 10 Tage is Flugzeuginvestigator spielen. Einer der Hubschrauber, von denen die wir an Pacific Helicopters verkauft haben, hatte ein mehr schlecht als recht gepflegtes Logbuch. Hierzu sei kurz erwähnt, für die Luftfahrtunkundigen: Fluggerät ohne Logbuch is nix wert, weil es es da ganz viele Teile gibt die eine maximale Lebensdauer haben [und wenn die rum is, muss man die wegwerfen, ob sie noch gut sind oder nich] und das teure auch nicht der Hubschrauber an sich is, sondern die Wartung und wenn man nicht weiß, wann die letzte Generalüberholung war, muss man davon ausgehen, dass sie vor dem nächsten Flug ansteht und alle Teile mit maximaler Lebensdauer wegschmeißen.Wenn ihr einen Hubschrauber also am Weiterfliegen hindern wollt, müsst ihr gar nich so umständlich wie in Actionfilmen immer gezeigt das Ding mit einem Raketenwerfer vom Himmel holen: Einfach Logbücher das Klo runterspülen und gut is.

Und ich muss jetzt das Logbuch vervollständigen. Zum Glück kenne ich inzwischen doch so einige Leute die Ahnung, Erfahrung und Zugang zu Wartungsarchiven haben und so kann man sich peu á peu die historischen Daten zusammen klamüsern. So'n Hubschrauber und seine Komponenten kommt nämlich ordentlich rum in der Welt. Und so'n bisschen eignes Grundwissen und Erfahrung habe ich ja auch schon gesammelt.

Und selbst die Zeit früher als Testingenieur hilft: Unstimmigkeiten ne Meile gegen den Wind riechen und dann so lange nachbohren bis man weiß, was genau Phase is, und das dann dem Verursacher technisch höflich verklausuliert vorhalten: Endlich verdiene ich mal wieder mein Geld als pedantischer, rechthaberischer Pain-In-The-Ass =)

Man merkt sofort, dass das Arbeitsklima da sehr pragmatisch is. Es geht darum, Sachen zum laufen zu kriegen und man hilft sich gegenseitig. Also finde ich mich auch echt schnell zurecht. Wenn ich zum Beispiel Teile am Hubschrauber mit dem Logbuch abgleichen will und da einen der Mechaniker frage, gibt er mir Schraubzieher und zeigt mir was ich abbauen muss, um an die Teile ranzukommen. Ach na und wenn ich schon mal da bin, kann ich ja auch gleich noch den Flugcomputer mit den aktuellen Flugstunden programmieren, schließlich hab ich die ja grade recherchiert und der Vorbesitzer hat anscheinend die letzten 100 Flugstunden die Sicherung vom Computer draußen gehabt. So lernt man ziemlich schnell viel Neues und kommt auch mal aus'm Büro raus...



Das Bild fasst PNG ganz gut zusammen: Pflanzen, Stacheldraht und selbstgemalte Schilder: Natur is allgegenwärtig, Absicherung gegen Kriminalität an jeder Ecke, Alles mögliche wird hier noch von Hand gemacht, weil es sonst unbezahlbar is, das ranzukarren

Blick übers Vorfeld

Hangar 2: Die Gute in der Mitte [blau-weiß-rot], das ist mein Problemkind

Da ich nicht wirklich dazu komme das Land und die Natur zu erkunden [jeden Tag Arbeit und PNG is kein Land, wo man ma einfach so auf eigene Faust im Dschungel spazieren geht], hier mal ein Foto aus meiner Hotelanlage ... so sähe der Dschungel in PNG aus


Dieser Bach [denkt euch einfach den Müll weg] floss genau vor meiner Suite, also hatte man in der Nacht voll das Dschungelfeeling


Und ich habe sogar etwas von der Fauna mitbekommen: Gecko jagt Zikade [großer, brauner Fleck rechts unten]... Boah ey, und die Zikaden da - also ich hatte ja hier in NZ schon, dass die wirklich ohrenbetäubend laut sind - aber der Ton den die in PNG machen... garnich mal so laut, aber krass was ein Insekt mit seinen Beinen für einen Sound machen kann. Musste ich mir auch erst von Kollegen erklären lassen, was das is, weil ich das niemals einem Insekt zugeordnet hätte.

Das sieht man, wenn in Goroka landet... einfach von der Landebahn geschoben und aus dem Sinn

Beginn der Regenzeit im östlichen Hochland

PNG war lange Zeit noch Steinzeit und ist es auch noch vielerorts. Allerdings hat das Land sehr viele Bodenschätze. Also kamen da westliche Firmen hin und haben angefangen das Land auszubeuten, wovon die Einheimischen nix hatten. Bis sie die Schnauze voll hatten und rebelliert haben. Daraufhin hat der Staat einige sinnvolle Gestze erlassen: Hohe Steuern auf alles, was ausgeführt wird und jede Firma muss mindestens 80% Einheimische anstellen. Nun hat ja schon Neuseeland ein Problem Luftfahrtfachkräfte ranzubekommen, aber PNG hat gar kein Ausbildungssystem so wirklich, also gab es bei mir in der Firma einen Hofstaat an Leuten die Hubschrauber waschen, den Garten pflegen oder putzen. Und eben auch ein paar Mechaniker aus PNG, die quasi in der Firma ausgebildet werden. Aber auch das ist nicht ohne Probleme. Viele Einheimische ballern sich den ganzen Tag mit Bethelnuss [Buai] zu. Jeder Zweite der einen angrinst hat rote Zähne vom Buai kauen und überall auf der Straße sind getrocknete Flecken roter Siffe. Ich konnte das erst nicht zuordnen aber das ist ausgespucktes Buai. Und wenn die erstmal damit anfangen is das ein Bisschen so, als würde bei uns jemand Tag-ein-Tag-aus kiffen. Permanent breit, antriebslos und nix gebacken bekommen. Und einige die am Anfang echt das Zeugs hatten sind jetzt ihren Job wieder los, weil sie irgendwann nicht mehr zur Arbeit kamen.
Und denen die gut sind, kann man auch nicht einfach mehr zahlen um sie zu halten, weil es dann Ärger von der Gemeinde gibt, warum sie denn jetzt mehr verdienen. Also versteht mich nicht falsch: So einige der einheimischen Kollegen machen ihre Sache echt gut und sind wichtiger Teil der Firma, aber es gibt eben doch auch eine Menge Probleme. Und in PNG sind 90% arbeitlos und leben von dem, was sie in ihrem Garten anbauen.
Die Steuereinnahmen aus den Bodenschätzen versacken in den Taschen der Politiker. Korruption ist allgegenwärtig. Regelmäßig baut die Polizei irgendwo Check-Points auf zum abkassieren. Unseren Firmenbus lassen sie immer passieren, weil sie ja sonst von irgendwem Ärger bekommen könnten.
Und genauso wie in Mexiko sind die Bullen nicht nur korrupt, sondern man tut alles, um ihnen aus dem Weg zu gehen.
Vor einiger Zeit ist ein Polizist mal Nachts besoffen durch Goroka gerannt und hat [je nachdem wen man fragt] entweder Leute grundlos zusammen geschlagen oder angeschossen. Daraufhin hat sich ein Lynchmob gebildet und den Bullen tot gehauen. Am nächsten Morgen wussten die Kollegen schon, ohne die Geschichte bis dahin zu kennen, dass was komisch ist, weil ganz Goroka voll mit Polizei war. Die haben dann einfach angefangen wahllos Leute zu erschießen und zu verprügeln bis ihnen jemand sagt, wer an dem Mob beteiligt war. Die Kollegen saßen den ganzen Tag auf Arbeit und haben die Schüsse und Maschinengewehrsalven gehört und am Abend waren sechs Leute in Goroka tot - ob's die Leute vom Lynchmob waren ist vermutlich unrelevant.
Langsam verstehe ich die Aussage von einem Kollegen gleich am ersten Tag: "Wenn du irgendwo laute Stimmen oder Streit hörst: Einfach umkehren und in die andere Richtung laufen - Du willst da nich dazwischen geraten."
Ich habe da im Laufe der Zeit einige krasse oder surreale Geschichten gehört... Aber genauso typisch ist auch wieder der Gegensatz, wie freundlich die Leute an sich sind.
Einen Abend bin ich mit einem Kollegen zurück zum Hotel gelaufen, weil er nochmal über den Markt wollte und ich mal raus aus den Stacheldraht umzäunten Inseln. Goroka ist zwar sicher, aber er meinte trotzdem, wir nehmen seinen Guard mit, weil dann können wir noch ein bisschen Tok Pisin [das Pidginenglisch da] lernen. Bei "Guard" dachte ich jetzt erstmal an einen jungen, kräftigen Mann. Am besten mit Machete oder so. Nix da, kommt ein uraltes, klappriges Väterchen um die Ecke. Ha, aber das is bestimmt so'n Kungfuopa, wa? Mein Kollege meint nur: Nee, wenn da wer böses kommt, guckt Thomas [unser Guard] den nur an und dann rennt der weg. ... ...ich zweifle ein wenig an der geistigen Verfassung meines Kollegen. Aber als wir losgehen verstehe ich ziemlich schnell, wie das hier funktioniert. Fast jeder in Goroka kennt Thomas, und da mein Kollege und ich als einzige Weiße sofort überall auffallen, bekommen auch alle irgendwie mit, dass wir Freunde von Thomas sind. Also würde uns keiner was tun. Und wenn doch wer auf doofe Gedanken käme, dann würde der Rest der Gemeinde ganz schnell dafür sorgen, dass den Freunden von Thomas kein Haar gekrümmt wird.
Ich lerne nicht viel Tok Pisin, aber immerhin: "Awenun" [Afternoon] ... Das is die Nachmittagsbegrüßung. Und die meisten Leute freuen sich sowieso schon, wenn man sie anlächelt, aber wenn man dann auch noch ihre Sprache spricht bekommt man immer ein breites Grinsen und ein "Awenun" zurück. Das viele Leute erst skeptisch sind, liegt bestimmt daran, dass Weiße hier eben den Ruf haben für westliche Firmen zu arbeiten und nur die Bodenschätze aus dem Land zu rauben und dafür nix zurück geben. Was ja leider oft auch stimmt.
Auf dem Markt, gerate ich zwischen ein Minischwein und seine Mutter. Also rennt das Ferkel los in meine Richtung. Schweine sind da extremst viel wert und ich wurde vor meiner Abreise gewarnt, keinem Schwein was anzutun - das wäre da ein Todesurteil [nicht weil es heilig ist, sondern einfach viel wert]. Also fange ich an vor dem Schweinchen wegzulaufen. Es scheint das Spiel zu mögen und rennt mir hinterher. Zur großen Freude der Einheimischen jagt nun die Minisau das Weißbrot über den Markt. Weiß dann am Abend bestimmt ganz Goroka, die Geschichte... auf einen Schlag berühmt in PNG =) ...
Auf dem Markt merke ich auch wie schnell der Buschfunk hier funktioniert. Ich schnattere zwei, drei Sätze mit einem Verkäufer und während ich mich wegdrehe zum weitergehen, höre ich, wie er schon fröhlich weitererzählt, dass ich aus Neuseeland komme und Greg heiße. Besser als Facebook oder Twitter.


Wer sich bei dem Foto sofort dachte: Boah, was'n geiler Zaun, hat die Gesellenprüfung zum Flugzeugmechaniker schon fast bestanden. Wer sich immernoch wundert warum ich das hier hochlade: Der Zaun besteht aus Rotorblättern... Es gibt am Flugfeld auch noch einen Zaun aus ganz vielen davon. Wie bereits erwähnt haben ja etliche Teile an Hubschraubern eine maximale Lebenszeit. Pacific Helicopters hatte also vor ein paar Jahren dutzende Rotorblätter mit ein paar Reststunden rumliegen. Dann musste das Lager aufgeräumt werden und weil die soweiso keiner mehr braucht, wurde daraus ein Zaun gebaut. Einige Monate später verkündet der Hersteller der Rotorblätter fröhlich, dass die jetzt 1000 Flugstunden mehr benutzt werden können. Ende der Geschichte: Der Pacific-Helicopter-Finanzmensch geht weinend raus um nachzuzählen wieviele $100.000 da in dem Zaun verbaut wurden... bestimmt der teuerste Zaun in PNG. Aber einmal zersägte Rotorblätter darf man nich mehr an einen Hubschrauber bauen.

Eins der besseren Häuser in Goroka... Wollte von den normalen [armen] Hütten kein Foto machen. Kam ich mir dann doch irgendwie voyeuristisch bei vor. Was auch beeindruckend war, die teilweise montröse Technik da mitten zwischen den Barracken. So mit Stacheldraht umzäunte riesige Satellitenschüsseln und Antennen. Halb angerostet, aber offensichtlich in Betrieb. Wie aus einem düsteren SciFi-Movie: Drumrum Armut und Verwahrlosung der Welt und eine kleine Elite hat noch Zugang zum letzten robusten technischen Equipment und schützt das mit massiven Mitteln vor marodierenden Banden... So'ne Art Mad-Max-Welt im Dschungel

Es gab da einige echt geile Gewitter...

...aber nicht nur der Himmel hat teilweise ne echt geile Show geboten. Ich durfte da auch einem 6.5-Erdbeben beiwohnen. Das merkt man dann schon ordentlich. [Link zu USGS: Hier] ...aber als es losging schnattert der Kollege, mit dem ich grade am reden bin, knallhart weiter ohne mit der Wimper zu zucken. Ich frag mich erst, ob die Party am Vorabend wohl doch etwas zu heftig war, aber das Beben war dann doch real und die sind das in PNG nur gewöhnt - passiert da nämlich öfters.

Vorabendparty war übrigens schön. Die war im Aero Club [Abschied für irgendwen mit richtig lecker Essen und billig Bier] und irgendwann gab's Raffle [sowas wie bei uns Tombola oder so]. Der Losverkäufer kommt zu mir: "Ein Los für 3 Kina und 3 Lose für 10 Kina." [Kina is die Währung da]... Ich gucke ihn fragend an und erkläre ihm, dass ich noch nich total besoffen bin. Ihm fällt der Haken in seiner Rechnung auf und meint der eine Kina extra wäre ne Spende für den Aero Club. Nagut, die erlauben mir mitzufeiern, ohne dass ich Mitglied bin, da spendet man auch mal gerne 1 Kina. Irgendwann geht es an die Verlosung der Gewinne. Hätte nicht mit irgendwas gerechnet oder sowas wie eine Wurstplatte, was eben Standartpreis bei sowas is, aber nein, die passen die Gewinne an die Umgebung an und so bin ich jetzt stolzer Besitzer einer hochwertigen und schön verarbeiteten Machete. Kann man auch in Neuseeland gut gebrauchen, wenn es zum Beispiel mal wieder Streit in der WG gibt, wer denn nun mit putzen dran sei.


Hangar 1... viel Betrieb die ganze Zeit, aber die haben auch 'ne Flotte von ca. 30 Helis

In Ländern mit einem ausgeprägtem Gesundheitswahn ist das Gefahrengutlager ein massiv belüfteter Raum [100m³/pro h Luftdurchsatz pro 10m² Fläche], mit Warnlampe [Raum in Benutzung], Gefahrenguteinweisungsseminar [2 Tage], Benutzungsregulierung [Betreten nur durch geschultes Personal in Begletung der Eltern], Zutrittsregeln [Schutzkleidung, halbwegs nüchtern, etc.] nach den Normen XY-123-666 Rev. IV und ABC-GefGuN §4.c .... und in PNG is es ein Container mit einem Schild dranne =)

Die Karre vom Chef... der wohl einzige Mercedes in Goroka. Und überhaupt einer der wenigen PKW, sonst sind da alles fette Jeeps mit getönten Scheiben, massive Trucks mit vergitterten Scheiben oder Kleinbusse mit kaputten Scheiben. Die kleine Delle hinten habe ich natürlich erstmal einheimischen Fahrern in die Schuhe geschoben aber die hat der Boss da höchstpersönlich selber reingefahren... zwei sogar. Generell fiel mir auf, dass einige der Mechaniker mit dem Firmenbus den gefährlichsten Fahrstil da haben: Viel zu schnell für das Gewusel da. Und das in Anbetracht dessen, dass wenn man da jemanden tot fährt, der Lynchmob schneller da is, als man bis drei zählen kann... mir war da mehr als einmal mulmig auf dem Weg zur Arbeit.

Mystische, fremde Welt


Hinten links in der Ecke war mein Schreibtisch. Falls sich wer wegen der Ordnung Sorgen macht: Der is da schon piccobello aufgeräumt und sah die ganze Zeit so aus, wie man es von mir erwartet. An den anderen Tischen saßen der Wartungsleiter und seine Minions. Von den Mechanikern habe ich gelernt, dass unser Büro "Land of Lies" heißt. Hatte dann eine Menge Spaß mit den Mechanikern beim Diskutieren über wegradierbare Kugelschreiber und wie man frisch gedruckte, selbst erstellte Logkarten alt aussehen lassen kann [Ölflecken rauf, Einträge in Japanisch, Boden damit wischen und ganz oft knicken]... Fanden wir alle übelst komisch... Bis auf die Piloten, die die Wartungsabnahmeflüge machen müssen

Das Deck am Mechanikerhaus... ganz wichtiger Tipp: Da niemals nicht besoffen einschlafen. Will ich nur mal gesagt haben...

Das Mechanikerdeck war so der zentrale Punkt, wo man abends zusammen kam für ein paar Bierchen.
Ich habe ja schon öfters erzählt, dass man sich in der Luftfahrt immer zweimal begegnet und dass das schon so'ne kleine eigene Gemeinde is. Aber hier fiel das nochmal extremst auf. Alle möglichen Piloten und Mechaniker, die so im Laufe der Zeit kamen und gingen kannten sich irgendwoher direkt oder über drei Ecken oder haben zumindest alle schonmal hier und da gearbeitet. Auch einen Kollegen, der ab und zu noch für Airwork arbeitet, jetzt aber in Peru wohnt, und wie ich in PNG geholfen hat, kannte ich vom saufen aus Berlin. Den hatte ich in Berlin getroffen, weil eine Exkollegin [in Bremen kennengelernt aber ihres Zeichens Berlinerin] von einem meiner früheren Arbeitgeber [großer europäischer Flugzeughersteller], vor langer Zeit schonmal bei meinem jetzigen Arbeitgeber gearbeitet hat und er damals auch noch und die sich so aus Auckland kannten - daher das Treffen in Berlin von den beiden, wo ich eben zufällig mit dabei war... Naja und so trifft man sich eben im Dschungel wieder. Und so geht das da die ganze Zeit.
Oft sitze ich aber auch einfach nur da und höre zu, weil die Geschichten von den Ölbohrplattformen und abgelegenen Inseln, die quasi nur eine Kupfermine mit Bergarbeiterdorf und Hubschrauberhanger sind, schon aus einer eigenen Welt sind, von der man außerhalb nicht viel mitbekommt. Oder die Erlebnisse der Älteren aus den Zeiten, als das alles noch nicht so reguliert war in der Luftfahrt in diesem Teil der Welt. Aus den ganzen Erzählungen und Gesprächen fügt sich so langsam ein faszinierendes Bild zusammen über diesen Menschenschlag, der die meiste Zeit seines Lebens an den Grenzen der Zivilisation verbringt.

Also alles in allem eine echt krasse Zeit, dafür dass es nur 10 Tage war [bzw. 12 mit An- und Abreise]... Soviel neues gesehen und erlebt, in Anbetracht dessen, dass ich eigentlich nur am Arbeiten war... Sollte ich da nochmal hinkommen, werde ich mir auf alle Fälle auch mal zwei, drei Tage Zeit zwischendrin für das Land nehmen, weil auch die melanesische Kultur und die Natur da sind echt spannend, aber eben nicht, mal so zu erkunden - aber ich kenne ja jetzt Leute da.

Zum Abschied noch eine kleine Anekdote: Einer der ersten Tage. Ich warte mit einem Kollegen nach Dienstschluss am Firmenbus.
Icke: "Ich muss auf'm Weg zurück noch Bier kaufen. Hab schon gestern von den anderen getrunken."
Kollege: "Keine Sorge, wir lassen hier niemanden verdursten."
Icke: "Nicht mal aus Spaß? So für'ne Stunde oder so?" [Ich hatte ja schon mitbekommen, dass man sich hier gerne mal ein wenig piesackt und Schabernack unter Kollegen zum guten Ton gehört.]
Kollege guckt mich total ernst an und erklärt dann mit ruhiger Selbstverständlichkeit: "Nein. So fangen Prügeleien an."

...unter uns, ich glaube ihm.