05 März 2017

Rarotonga - Forschungsexpedition in die Südsee


+++ Das folgende Experiment wurde von qualifizierten Vollidio... ...profis durchgeführt und sollte nicht nachgemacht werden +++

Nachdem Veit und ich ja schon so einiges an Grenzerfahrungen durch hatten [erwähnt seien hier z.B. Polen bei -20°C im Schlafsack, die Mexicoexpedition oder der No-Fuel-No-Nav-Flug über Brandenburg], war es jetzt mal an der Zeit ein komplett neues Kapitel im Buch der Extremleistungen und Neulanderkundungen der Menschheitsgeschichte aufzuschlagen: Keinen normalen 24h Freitag den 13. wie jeder Ottonormalverbraucher einige pro Lebensjahr hat, sondern ein sage und schreibe 40h Freitag der 13.!

Ausgewählt haben wir dafür den 13.01.2017 [Mathematiker werden das Datum lieben wegen der ganzen Primzahlen, Abergläubische werden es hassen]. Die ersten 16h haben wir es erstmal noch relativ ruhig angehen lassen... ich habe nochmal auf Arbeit vorbei geguckt in der Hoffnung, dass mir vielleicht ein Rotorblatt auf den Kopf fällt, während Veit zu Hause auf den Ausbruch des Mt Eden gehofft hat. Dann haben wir uns beide durch den gefährlichen Freitagmittagverkehr Richtung Flughafen aufgemacht und dort erst mal einen brühend heißen Kaffe getrunken. Bis dahin keinerlei Zwischenfälle.
Also wurde es langsam Zeit Ernst zu machen. ...noch einen brühend heißen Kaffe geholt [diesmal mit extra Espresso] und dann ab damit und zum Check-In-Schalter und Boardpässe für Rarotonga geholt. Dem versierten Leser wird jetzt bestimmt erstmal das Mantra der Flugzeugingenieure in den Kopf kommen:

Der Mensch gehört nicht in die Luft,
so der Herr im Himmel ruft.

Aber die Südseeinseln haben einen Vorteil für Abenteuerlustige: Aufgrund ihres gemütlichen Lebensstil und ihrer Lage hinter der Datumgrenze sind die inzwischen den eifrigen Kiwis schon fast einen ganzen Tag hinterher - ergo haben sie noch den kompletten Freitag den 13. vor sich.
Auch der Flug dahin verlief erstaunlich lustig. Im Flieger haben wir Ruta kennengelernt. Sie hat die Cook Islands mal auf der ITB vertreten [allerdings einige Jahre nachdem ich das letzte Mal da war - trotzdem krass: damals rannte man mit Postern von Palmen durch den Schneematsch zwischen den Messehallen und heute sind die Traumbilder von damals quasi vor der Haustür] und deshalb konnte Ruta auch gut Vorfreude auf ihre Heimat machen. Und vor Allem ein extrem angenehmer Mensch - sie konnte nämlich auch mit unserem Humor mithalten und so haben wir dann zu dritt während der 3h Flug eine ziemlich geniale, durchdachte aber eben auch höchst gestörte Parallelinselwelt aufgebaut - mein Psychologenteam hat mir geraten, Details nicht im Blog öffentlich zu machen. Ich glaube selten sind 3h Flug so schnell vorbei gegangen. Lehrreich war's für mich und Veit allemal [bis dato war unsere Vorbereitung für Raro quasi Null].
Bei der Ankunft abends am Donnerstag den 12.01.17 schlug uns dann erstmal die warme, schwere Luft ins Gesicht... so wunderschön nach dem bisherigen "Sommer" in Auckland. Zu allererst sind wir dann in den Dutyfree gerannt, haben uns mit ordentlich Alk eingedeckt, uns dann zu Ruta in die Einreiseschlange gesellt und weiter geschnattert. Kurz vor den Grenzern merken wir, dass wir in der Einheimischenschlange stehen und nicht wie die anderen Weißbrote in der Tourischlange. Ruta checkt kurz welche der 4 Immigration Officers sie kennt [die Hälfte] erklärt kurz, dass wir ja mit ihr reisen und damit fast Einheimische sind und schickt uns dann vor - alles ohne Probleme. Noch nich mal auf Cook-Island-Territorium aber schon Teil der Islander-Community. Dann erstmal ins Hostel fahren lassen und fröhlich in den neuen Freitag den 13. trinken.

Am nächsten morgen ging es dann an das Erkunden meiner ersten Pazifikinsel - viele Jahre nach ITB und Thor Heyerdahl. Zum Erkunden erstmal im Hostel beim Guten-Morgen-Bier ein Expiditionscorps zusammen gestellt. Irgendwie hatten wir erschreckend schnell unsern deutschen Stammtisch zusammen: Ein Pegel, ein Niveau! [Eins davon hoch, das Andere so ungefähr bei Null...]

Erstmal einen Blick auf die Karte und aus unserer Kommandozentrale geworfen: Die Insel war mal ein Vulkan. Der innere Teil is immernoch unberührter Dschungel mit schroffen Bergen aus erstarrter Lava. Die Küste ist bewohnt, meistens schön verteilt, hier und da auch mal sowas wie ein Dorf. Es gibt eine 32km lange Ringstraße, die einmal um die komplette Insel führt. Da drumrum is der Strand mit der Lagune, welche umgeben ist einem natürlichen Wellenbrecher und dahinter kommt die Riffkante und es geht relativ zügig bis auf 5km Tiefe runter.

Und auch sonst genau so, wie man sich eine verträumte Südseeinsel vorstellt:

...Stacheldrahtzäune...

...als Wetterstation getarnte Abhöranlagen...

...Mauern gegen Invasoren...

...Waffen...

...und Gräber. Die ITB hatte also nicht zu viel versprochen damals. Wobei das mit den Gräbern wird da bald wirklich ein Problem, weil Ahnengräber bleiben so wie sind und die meisten sind sowieso neben dem eignen Haus. Noch ein paar Generationen, ann is die ganze Insel eine riesige Betonfläche aus Gräbern...


Irgendwer hat uns dann gesteckt, dass es neben der Landebahn eine Brauerei gibt, die auch Bier direkt verkauft. Die Entscheidung fiel dann also relativ schnell, was wir zu erst erkunden wollten. Wenn man noch kein eignes Fortbewegungsmittel auf Raro hat, kann man entweder den Bus nehmen oder, wenn der grade weg is, den Daumen raushalten. Und wenn dann irgendwann ein netter Insulaner vorbei kommt mit dicken Pick-Up-Truck, springt man hinten rauf und genießt sein Wegbier auf der Ladefläche. Aufgrund der hohen Temperaturen hatten wir dann kurz überlegt, dem Fahrer einfach etwas Geld zu geben, damit er uns den ganzen Tag im Kreis fährt, weil mit so Fahrtwind um die Ohren wird die Hitze doch echt angenehm. Aber erstmal brauchten wir ja Bier und sind daher doch bei der Brauerei raus.
Bier frisch aus der Zapfanlage, lecker Lager, eiskalt und echt preiswert. Dann meinte der Barmann, hinter der Brauerei gäb's eine Bank: Perfekt - so eine Art Garten direkt am Strand, mit Schatten-spendenden Palmen und einer wunderschönen Biergarten Tisch-Bank-Kombo. Endlich im Paradies!
Zwischen den Bier im Meer rumtollen, im kristallklaren 27°C warmen Wasser und sich mit den dort en masse vorkommenden Seegurken amüsieren - wenn man auf die Dinger raufdrückt verhalten sie sich wie eine Wasserpistole... ab und zu mal hoch zur Brauerei und sich Biernachschub holen... so kann man so einen Freitag den 13. schonmal rum bekommen. Und außer leicht schmerzenden Füßen vom barfuß laufen und einigen Korallenkratzern an Fuß und Ellenbogen vom im Meer rumplanschen hatte dieser 40h-Pechtag eigentlich nur Gutes in petto. Abends dann noch in die Hula Bar, Party machen und dann irgendwann zurück ins Hostel trampen und schlafen. Ihr seht also: Aberglauben is was für Leute, die auch homeopathische Mittel nehmen... alles Unfug.

Deutscher Stammtisch unter Palmen. Vorne Lorenz am Bier verköstigen und hinten Veit am Muscheln suchen....

...die Brauerei immer im Blick und vor allem in Nachschub-hol-Reichweite

So geile Idee: 2.25l Thermosflaschen... so bleibt das Bier auch bei weit über 30°C kühl und die Kohlensäure geht nich raus


Sonnabends war dann wieder Brauerei angesagt aber diesmal ohne Bar, weil am nächsten Tag wollten wir in die Kirche. Ja, richtig gehört: Nach 32 Jahren Religionsabstinenz bin ich das allererste Mal zum Gottesdienst. Wurde uns da von allen empfohlen. Fast alle Deutschen im Hostel waren auch noch nie zu einem Gottesdienst, aber jeder wollte hin, weil jeder gehört hatte, wie toll das da sein soll. Und nachdem ich letzten Sommer in Deutschland schon Ramadan gefeiert habe [also das Fastenbrechen] und kurz vorm Jahreswechsel Chanukkakerzen angezündet und hebräische Gebete aufgesagt habe, war jetzt sowieso die dritte Weltreligion der Levante dran. Jooaaaa, also kann man mal machen so'n Gottesdienst, aber einer reicht dann auch. 90 Minuten Gerede, Gebete und Gesinge - hauptsächlich auf Maori. 30 Minuten hätten's auch getan. Wobei die Gesänge echt geil war'n, weil die Männer und Frauen getrennt rechts und links hinter uns standen und dadurch war das ein wirklich tolles Stereoerlebnis - fast so gut wie die Function-One-Anlage auf der Turmbühne =) ...und wir Reisenden wurden bei den Gebeten auch eingeschlossen - das war dann sogar mal auf Englisch.

Am Sonntag hat da alles zu also konnten wir nach der Kirche diesmal nicht in die Brauerei. Sind dann also notgedrungen zum Strand mit Palmen und kristallklarem Wasser... 

Nachdem wir ja jetzt die Küstenregion ausgiebig erkundet hatten, standen nun die Expeditionen ins Inland und an die Riffkante an. Als erstes haben wir uns einen Marsch durch das Inselinnere von einer Seite zur anderen vorgenommen.


Der Anfang war ja erstmal noch ganz gemütlich...

Raroische Tierwelt

Wir stoßen auf erste Anzeichen, dass andere Expeditionen hier schon vor uns waren und offensichtlich gescheitert sind. Trotz gutem Equipment. Aber vermutlich hat Ihnen einfach der wahre Forscherwille gefehlt

Und plötzlich ist die Straße zu Ende. ...also das ist jetzt kein Foto links oder rechts des Weges - Das ist der Weg

Bald wird das Gestrüpp zum Glück höher und dadurch die Bodenvegetation weniger und man erkennt sogar wieder einen Pfad...

...leider währt die Freude nur kurz und schon bald is der Weg ein Flussbett.

Archaische Steinformation.... alles erstarrte Lava hier. Dazu verwunschene Bäume. Erinnert mich an irgendwelche Gründen an Indiana Jones oder die Maya Tempel in Mexico... kein Plan warum.

...und wie überall in jedem Dschungel mannshohe Stützwurzeln.



Falls ihr euch jetzt fragt, warum ich da aufn Baum geklettert bin um von Veit ein Foto von oben zu machen, nun, das ist wieder mal der Weg.... Da unten kommen wir her...

...und da oben, wo Lorenz im Geäst is, geht's weiter.

Aber so sieht man immerhin mal was von der Landschaft und nicht nur grün-braun-grau ... nagut, also das Foto hat jetzt nich wirklich viel andere Farben, aber das is hier mal weit wegges grün-braun-grau ... mit sogar ein wenig blau. Geil, wa?

Und endlich sehen wir auch das Ziel: Die Pinnacle [Felsnadel]

...und Zack da.... also fast...

Veit beschließt nach Inspektion der Steilwand, dass er die Rückendeckung für das Expeditionscorps übernimmt, falls... also falls da... Naja, wir sollen schonmal mit dem Gipfelsturm beginnen

Ausguck [aus der Kategorie: Bildunterschirften, die ich mir hätte sparen können]

Die letzten Höhenmeter geht's einen schmalen Grat an Ketten hoch

Und so'n bisschen die Frage wie weit geht noch das...

...weil der Grat wird immer schmaler und steiler...

...also beschließen wir auf einem kleinen Plateau ein gutes Stückchen unterhalb des Gipfels: Man muss es ja auch nich übertreiben...

...und an die ganze Du-bist-ja-so-eine-Wussi-Fraktion: So geht's hinter dem Plateau weiter. 50m senkrecht runter in den Wald... und es gibt schließlich genügend Gründe sein Leben nicht sinnlos auf Spiel zu setzen. Zum Bsp. die Leute in der Brauerei warten auf uns... immerhin haben sie inzwischen ihre Braumengen unserem Konsum angepasst und den Umsatz auch schon in 3 weitere Tisch-Bank-Kombos investiert... unser Verlust würde also zum Zusammenbruch eines ganzen Wirtschaftszweiges auf den Cook Islands führen... Man muss sich seiner Verantwortung ja auch bewusst sein.

...also geht's wieder runter zur anderen Seite der Insel

Treppe mit natürlichen Baumaterialien: Matschstufen und Lianengeländer

Also die Farne in NZ sind ja schon groß, aber das hier is nochmal ne Nummer dicker..

...auf em Weg nach unten wird der Wald streckenweise wieder etwas lichter und wir können das Marschtempo erhöhen

...und diesmal sogar wandern mit Aussicht

...zumindest ein Stückchen, dann verschwinden wir wieder zwischen Gestrüpp und Magefarnen

...und ein schönes kleines Déjà-vu: Wandern im Flussbett

Diesmal aber mit mehr klettern... dachte erst oben rum wäre klüger... scheint wohl Lorenz doch den einfacheren Weg gewählt zu haben.

Veit war übrigens super vorbereitet und hatte nur ein paar Schuhe mit... mit wirklich Null Profil... perfekt auf glitschigen Steinen und an steilen Matschhängen

Und ganz zum Abschluss müssen wir dann noch aus dem Bett über den Steilhang raus... ein Schelm, wer diesen Weg plante...
Geile Wanderung. Gut anspruchsvoll, aber definitiv lohnenswert. Dann am Strand zurück gewandert mit dem Ausblick:



Jet blasting:


Die Idee nach Raro zu fliegen, kam mir ja, weil ich gelesen hatte, man könne da Jet Blasting machen. Raro is klein, also kann man vor und hinter der sowieso viel zu kurzen Landebahn nich ewig weit Sicherheitszonen einrichten. Also kann man sich, wenn eine Maschine reinkommt oder rausfliegt da hin stellen und sich von den Turbinen die Augenbrauen wegbraten lassen und dabei fröhlich über den Strand gekugelt werden.
Geplant, getan... also erstmal geplant... aber weil die großen Maschinen immer irgendwann vormittags reinkommen und wir uns ja morgens erstmal mit ein paar Bierchen aufwärmen musten, wurde das dann immer vertagt. Kurz vor Schluss hatten wir es dann doch noch geschafft.
Wir staunen ja schon ein wenig, dass da Eltern ihre Kinder mit in die Jetblasting Area mitnehmen. Irgendwann kommt dann auch die Maschine an [A320]... alle sind voller Erwartung auf den Höllensturm der gleich über uns reinbrechen wird. Das Inferno entfacht von den brüllenden Pratt & Whitney Triebwerken. ... ...nun ja, sagen wir mal so: Ich habe ein Flugzeug von unten gesehen... und vielleicht, hat sich auch ganz leicht der Luftstrom für einen winzigen Moment verändert.
Also Kinder, was lernen wir daraus: So lange ihr nich eure Finger vorne ins Triebwerk haltet, könnt ihr ruhig hinten euren Kopf reinstecken - passiert nix.

Noch eine Annekdote zur zu kurzen Landebahn: Ein Flugzeug darf auf Raro drei Landeanflüge machen. Wenn das wegen Sturm oer Pilotenunfähigkeit dann nicht klappt, bekommt man einen Tahitiurlaub. Ruta [die gute ITB-Cook-Isländerin vom Hinflug] hatte das zwar bisher noch nicht, aber dafür einmal das der Pilot im ersten Landeanflug plötzlich wieder durchstartet und ne Ehrenrunde dreht. Gäste wundern sich, weil Wetter ruhig. Und dann erklärt der Pilot den Fluggästen, der Typi im Tower wäre zwar immerhin zur Schicht angetreten aber hätte vergessen das Licht auf der Landebahn anzuschalten... Hmmm, ist vielleicht doch keine so gute Idee die Brauerei direkt neben Flughafen zu bauen...

Essen und trinken:

Ich bin das erste Mal beim vorbeilaufen drauf reingefallen ... war dann trotzdem nich in dem Laden drinne

Da kann man überall am Straßenrand richtig geiles Obst kaufen. Wächst da überall in den Gärten und dann bekommt man frischeste Sternfrüchte, Passionsfrüchte, Melonen, Guaven(?) und ganz viel anderes bekanntes und unbekanntes Zeugs für'n Appel und'n Ei. Das Meer ist voll mit allem Getier und man kann da so geilen Fisch essen. Überall auf der Insel laufen die glücklichsten Hühner rum. Leider auch Hähne und die krähen den gaaaanzen Tag und die gaaaanze Nacht... selbst im Dschungel bis hoch zur Pinnacle ... die gehören alle niemanden, also kann man die auch fangen und lecker Hähnchen-was-auch-immer draus machen. Dessen sind sich die Einheimischen auch voll und ganz bewusst. Allerdings sind sie sich auch des Faktes bewusst, dass es im Hauptort eine richtig geile Burgerbude gibt und deshalb fahren sie dann alle dahin [bloß nich laufen], schieben sich dann da zig Burger in den Rachen [und die waren echt groß] und dazu n Liter Blubberbrause und sind dann spätestens ab dem Erwachsenwerden alles nur noch fette Klumpen.
Wer jetzt sagt "Na, das is aber schon ein wenig gemein." hat vielleicht recht, aber mit gut zureden kann man denen nich helfen, das probiert ja schon das Ministry of Health und trotzdem hat Raro eine der höchsten Diabetes-Raten der Welt.

Palmen:

Einzelne Palme mit Nuklearexplosion überm Nachbaratoll.

Jugendliche und heranwachsende Palmen treffen sich abends am Strand...

Wenn man grade verträumt am Strand sitzt und sich den Sonnenuntergang anguckt, schleichen sie sich von hinten an un lehnen sich vorsichtig vor...

...um arglose Opfer mit Kokosnüssen zu erschlagen. Ich hab das ja erst für so'nen Spruch gehalten: Es werden mehr Leute von Kokosnüssen erschlagen, als von Haien belästigt. Aber da knallen doch echt mit erschreckender Regelmäßigkeit welche auf den Boden. Und irgndwann is das auch drin, das man um Palmen immer einen kleinen Bogen macht. Da bleibt vom Kopp nich vülle übrig, wenn de da nich uffpasst.

Tauchen:



Rarotonga is ein absolutes Tauchparadies. Hab 2mal zwei Tauchgänge gemacht. 3 davon mit noch einer weiteren Person und einen sogar nur mit Guide ohne wen anders. Allein schon wenn man mit dem kleinen Boot den natürlichen Schutzwall um die Insel verlässt is das so ein krasses Erlebnis, weil man dann plötzlich den riesigen Pazifikwellen ausgesetzt is. Vielleicht habt ihr ja auf den Fotos weiter oben gemerkt, dass da nie Brandung zu sehen ist. Und so still wie die Lagune is, so mächtig sind die Wellen außerhalb. [Auch wenn der Divespot auf den beiden Fotos hierüber grade sehr ruhig is]... Und dann die Unterwasserwelt: Riesige Korallenfelsen mit allem Getier. Schildkröten. Ein Wrack, dass mal für Riffbildung versenkt wurde, aber dummerweise im zu flachen Wasser und jetzt in riesige Stücke zerbrochen ist. Als Taucher fasst man ja nie was an. Aber mein Guide hat mir ne Ausnahme gezeigt: Geisterkorallen - das sind so anthrazitfarbene Kugelkorallen und wenn man die antippt, werden die von der Stelle ausgehend weiß, wie der Sandboden. Das sieht so geil aus, wenn sich der Farbwechsel durch die Koralle frisst. Dann war ich beim dritten Tauchgang an der Riffkante. Der Guide meinte vorher extra nochmal wir sollen permanent unseren Tiefenmesser checken. Dann sind wir dahin und vor einem tut sich plötzlich ein riesiger blau-schwarzer Abgrund auf. Das is so krass beeindruckend. Und dann verstand ich auch das mit dem Tiefenmesser-checken - es zieht einen so dermaßen runter. Man schwimmt da unterbewusst irgendwie rein.... unglaubliches Erlebnis. Der vierte Tauchgang war in den Strömungskanälen [Durchbrüchen] des Lagunenschutzwalls. Hin zu nur am Boden langgekrochen mit festhalten, wegen der Strömung - durch kleine Höhlen und so und für den Rückweg einfach 2 - 3m hoch und von der Strömung zurück treiben lassen. Dann wollte ich mit einer Kokosnus Fußball spielen und gleich erstmal Krampf geholt =) ... beim Auftauchstopp wieder die ganze Zeit Pirouetten und Loopings... es is so geil quasi schwerelos zu sein.


Politik:

Wir haben auch ein Parlamentsmitgleid getroffen auf der Straße. Vorsitzender der Partei 1 Cook Islands. Der war ganz lustig. Sein halbes Leben im Knast, aber jetzt ist er anders und selbst für die, die ihn hassen, hat er nur Liebe übrig. Allerdings klang das mehr so, wie wenn der Pate es sagen würde. Um die Korruption zu bekämpfen will er einfach alle Parteien zu einer vereinen. Außerdem hätte er ja sowieso die meisten Stimmen, aber das Wahlsystem ist gegen ihn. War grade mit dem Bau seiner Parteizentrale beschäfftigt, hatte schon seinen eignen Erkennungsgruß und offensichtlich auch einige Supporter, die beim vorbeifahren gehupt und entsprechend gegrüßt haben. Und offensichtlich hatte das Parlament letztes Jahr eine(!) Sitzung... also ich werd Politiker auf Rarotonga.


Operation Gipfelsturm:

Nachdem wir zwar erfolgreich die Insel durchquert haben, aber an der Pinnacle gescheitert sind, stand nun der Sturm auf den höchsten Gipfel der Insel an. Irgendwas knapp über 600m über dem Meer. Und da wir diesmal besser vorbereitet sein wollten, trifft sich das Expiditionscorps schon früh zur Lagebesprechung:


Lange wird über dem verfügbaren Kartenmaterial nach der besten Route gesucht.

Dann stärkt sich das Corps bei einem ausgiebigen Frühstück.

Die ersten paar Kilometer zum Fuße des Gipfels werden noch mit dem Drahtesel zurück gelegt.

Aber bald schon lässt das Gelände es nicht mehr zu und wir müssen unsere Gefährte zurücklassen.

Und auf ins Gestrüpp...

Und wieder Schlamm... die ersten Abschnitte erinnern noch an die Cross-Island-Expedition

Letzte Zeichen von Zivilisation: Trinkwasseraufbereitungspflanzen...

Langsam wird es bergiger. Hier das letzte Foto von Blondie, bevor sie an den steilen Felsen gescheitert ist... ...also jetzt nicht der langhaarige Typ rechts, sondern die Töhle weiter unten links im Gebüsch... kam einfach so ne Weile mit, bis nich mehr ging.

Der Weg nach oben folgt einem schmalen, steilen Grat. Immerhin haben wir dadurch erheblich mehr Aussicht als bei der Cross-Island-Expidition.

Allerdings muss man auch echt aufpassen, wo man hintritt, weil links und rechts geht's steil runter.... ziemlich weit

Da unten sind wir los, haben also schon ordentlich was geschafft

Es kommen immer mehr Abschnitte mit kleinen Steilwänden...

...die peux á peux größer werden. Ich bin hier genau an einer auf einem kleinen Absatz, und nicht etwa unten... erkennt man an dem Kletterseil rechts, was nach unten führt

Einziger Vorteil von der Tortur: Wir gewinnen schnell an Höhe

Und endlich scheint der Gipfel zum greifen nahe: Nur noch über diesen letzten schmalen Grat vor uns...

Inzwischen haben wir auch zur anderen Seite endlos weiten Ausblick und sind zumindest schonmal höher, als alles andere um uns herum.

Veit macht wieder die Rückendeckung. Er hat immernoch ie gleichen profilosen Schuhe, wie auf der ersten Wanderung. Ich lasse ihm ein wenig Wasser da und dann klettern Lorenz und ich weiter.

Ich glaube das Foto vermittelt einen ganz guten Eindruck, warum Veit lieber nicht weiter wollte... Ein Fehltritt, bzw. abgerutscht, und man is schneller unten, als einem lieb is. Ich hab da natürlich total verständnisvoll reagiert... ihr kennt mich ja =)

Unten über den Baumstamm laufen: Gut. // Noch einen Schritt nach vorne: Doof. ...und auf der anderen Seite ähnlich viel Platz... also das Prinzip is klar, aber der Walk erfordert immer mehr Konzentration... hätte ich vorher nicht gedacht, dass ein Spaziergang auf'n 630m Hügel so krass auch das Gehirn in Anspruch nehmen kann

Der Endanstieg... dazwischen hatte ich die Kamera nich mehr rausgekramt, weil auch ich dann langsam an meine Grenzen kam. Kletterwände wo du einfach weiter musst, weil Pause nicht geht mitten in der Wand. Sowas hatte ich bisher auch noch nich... Also alles mit Seil, aber wenn da nix is zum richtig Füße abstellen, musste ja trotzdem weiter, sonst werden irgendwann die Arme schlapp.

Endlich ganz, ganz oben: Vom Gipfel Richtung Los-Geh-Punkt

Der Flughafen - Wer die Brauerei findet, darf mir ein Bier mitbringen

Foto Richtung Pinnacle, vom Cross-Island-Walk




Und das wohlverdiente Gipfelbierchen

Dann der Rückweg wurde nochmal interessant. Erstmal die ganzen scheiß Steilwände wieder runter. So das Katzensyndrom: Hoch geht ja noch, aber runter? Dann war auch grade meine Ellenbogen-Korallen-Kratzer-Wunde fast komplett verheilt, schön beim abseilen wieder aufgeratscht und erstmal den Fels mit kleinen roten Punkten markiert. Irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass sich wunden auf Raro langsamer schließen. Selbst die Reparierzellen werden fauler. Und jetzt alles nochmal von vorne - die armen Kleinen.

Dann kommen wir endlich an der Stelle an, wo wir unsern Kameraden im Feld zurück gelassen hatten. Nich da. Najuti, issa bestimmt schon los. Brauch ja so lange mit seinen Schuhen - klug von ihm.

Der Weg ist relativ sparsam mit kleinen orangen Bändern markiert, aber immerhin wird er ein gutes Stückchen weiter unten wieder viel deutlicher erkennbar. Halb kletternd, halb rutschend arbeiten wir uns nach unten vor. Kein Veit, schon ewig keine Bändchen mehr. Und wir erkennen die Umgebung nich... Mist, verlaufen.... also zurück, den dämlichen rutschigen Hang wieder hoch. Nach ewigem Suchen finden wir den weg. Aber is auch voll irritierend diese Schneise im Wald. Denkt man voll das sei der Weg.

Veit muss echt gut voran gekommen sein auf dem Weg nach unten, weil bis kurz vor Ende des Dschungeltracks überholen wir ihn nicht. Als wir fast da sind hören wir Veit rufen. Wir rufen zurück. Manmanman, wartet der da schon, habe ich echt seine Kletterkünste unterschätzt, also bergab zumindest.

Veit fragt mehrfach wo wir sind, er sei im Fluss und wir sollen doch mal rüber kommen. Haha, so ein Schelm, ist er noch zu Witzen aufgelegt. Als es dann irgendwas von "abgestürzt" durch den Wald schallt, beginne ich zu überlegen, ob Veit uns vielleicht doch nicht verarscht. Aber was macht er dann im Fluss? Ich sage Lorenz, er solle auf dem Weg bleiben und kämpfe mich durch das Unterholz zum Fluss durch. Dauert ewig, Veit wird allerdings lauter. Am Ende finden wir uns. Ich frage ihn, warum er denn 10m neben dem Weg im Fluss laufe. Veit war sich des Weges garnicht bewusst. Dafür hat er aber beim Abstieg eine Abkürzung genommen. Die gewiefte Leser wird es sich schon denken können: Die Schneise, die wir für den Weg hielten hat Veit gefräst. Allerdings kam er da mit seinen Schuhen nich mehr hoch und is dann in den Survivalmodus verfallen und is einfach weiter und hat den nächsten Fluss gesucht, weil der führt zum Meer.

Erst war Veit voll happy, dass wir ihn da aus dem Fluss geholt haben und er jetzt den Weg nehmen kann. Als der dann allerdings nach 50m am Anfangspunkt direkt neben dem Fluss rauskommt, is er fast schon ein wenig enttäuscht, dass er jetzt die paar Meter nich auch noch alleine geschafft hat - will aber auch nicht nochmal zurück.

Halten wir fest: Viel erlebt hat Veit definitv in diesem Urlaub, aber sehr wenig zu Ende gebracht =)

The end:


Am Tag nach der Wanderung habe ich mir dann direkt nachm Tauchen bei einem ordentlichen English Breakfast eine übelste Magenvergiftung geholt. Waren dann wieder mal in der Brauerei - wir waren da jetzt schon "Generals" oder "Furniture", kannten alle einheimischen Stammgäste, die immer abends nach der Arbeit auf ihr Feierabendbierchen vorbei kamen und gehörten inzwischen einfach dazu.
Das war voll ärgerlich mit der Magenvergiftung, weil die an dem Tag gebraut hatten. Meine Chance, das mal mitzumachen. Also gammelte ich den ganzen Tag nur im Garten rum. Irgendwann hat die Frau vom Chef gemerkt, dass ich mein Bier garnich anrühre und hat mir erstmal Wasser und Nüsse mitgebracht und dann voller Sorge festgestellt, dass ich auch gut Fieber habe... na toll, bin dann doch erstmal nach Hause geradelt um mich auszuschlafen... und das am letzten kompletten Tag - so ein Mist. War dann abends noch das Frühstück wieder auskotzen und alles war gut. Zum Glück is so'ne Magenvergiftung genauso schnell vorbei, wie sie kommt.

Epilog:

Na? Weiß noch wer von euch, was ihr am 25.01.17 gemacht habt? Ein Donnerstag. Tiefster Winter in Deutschland. Gearbeitet? Zu Hause rumgegammelt? Nix besonderes? Tja... immerhin hattet ihr diesen Tag. Ich bin jetzt schon etwas mehr als 11.000 Tage auf diesem Planeten. Ich habe nie einen Tag verpasst. Klar, mal fast alles verschlafen. Mal nix mitbekommen wegen Männergrippe. Aber ich war jeden Tag doch irgendwie da. Irgendwie gab es jeden Tag. Bis auf Donnerstag den 25.01.17. Ich bin am 24.01.17 gegen 22h in den Flieger und um 1:30h in Auckland gelandet... am 26.01.17... nach 3,5h Flug... und ich habe die Datumgrenze auch so ungefähr gegen Mitternacht gekreuzt. Bestimmt nicht auf die Minute, aber durchaus möglich... konnte ich ja nicht sehen, is ja nich ins Meer gemalt die Datumgrenze.

Niemals einen 25.01.17 gehabt, aber fast zwei komplette Freitag der 13.. Datumsgrenze is geil, alter.

PS:

So, für die, denen hier immer zuviel Quatsch steht, kommt jetz mal was Sinnvolles. Bin dann direkt am nächsten Tag mit Veit auf'n Festival. 2 Tage gefeiert und dann lag ich flach. Einen ganzen Tag gepennt, 6 Liter Wasser gesoffen aber nich einmal auf Toilette gewesen. Inzwischen tat mir dann auch schon der Ellenbogen mit der Wunde ordentlich weh. Am nächsten morgen wieder bei Verstand. Wunde allerdings noch immer eitrig. Inzwischen kann ich den Arm nicht mehr wirklich bewegen. Lymphknoten unter der Achsel leicht angeschwollen [allerdings schon seit dem Tag, seit ich mich an der Koralle gekratzt habe]. Und langsam wird der Oberarm innen rot.
Halte also aufm Rückweg in Taupo an. Die Apotheken haben hier teilweise Mediziner, damit man nich mit jedem Scheiß zum Arzt rennt. Ich erzähle und zeige. Mediziner guckt mich an: "Ähm, nee, sowas machen wa hier nich. Gehn se damit zum Arzt." Darauf ich: "Okay, mach ich morgen in Auckland. Heute is ja Feiertag - hat alles zu." Mediziner darauf nur: "Nee, hier is Adresse vom Notarzt, gehn se heute." Etwas in seiner Stimme verrät mir, dass ich wohl lieber mal heute gehen sollte. Gehe dahin und erzähle. Ärztin meint nur: "Ich bin erstaunt, dass sie noch reden, laufen und lachen können." Darauf icke: "Wieso tut doch nur mein Arm n bisschen weh." Darauf sie: "Das gibt jetzt erstma intravenös Antibiotika und dann gehen sie die nächsten drei Tage ins Krankenhaus für weitere Dosen." Ich so: "Okayyyyy.....?" Irgendwann kommt die Schwester mit einer riesigen Spirtze voller Antibiotika und meint nur: "Hamse ja nochma Glück jehabt. Ein, zwei Tage mehr gewartet, dann hätten se n Flug mit'm Rettungsheli jemacht und sich ma die Intensivstation von innen ankiekn könn."

Tja, was wars? Blutvergiftung von Korallen. Weiß hier unten jeder, in Deutschland fast niemand: Wenn man sich irgendwo an einer Koralle kratzt immer(!!) schnellst möglichst zum Arzt und wenn's da keinen gibt, Wunde jeden Tag mit Limettensaft ausspühlen und neuen Verband rum und dann sobald es einen Arzt gibt, zum Arzt. Die haben nämlich zur Selbstverteidigung Bakterien, die dafür sorgen, dass sich wunden nicht oder nur sehr langsam schließen und die dann ne schöne Blutvergiftung machen. Nicht alle Arten, aber weiß ja kein Ottonormalverbraucher welche das sind. Und Blutvergiftung kann auch mal schnell tödlich enden [habe ich jetzt gelernt]... also keine Panik schieben, das dauert... bei mir waren's zwei Wochen. Aber lasst bei so'nen Sachen immer n Arzt drüber gucken. Besonders wenn die Wunde eitert oder ihr eure Lymphknoten merkt.

Und falls ihr euch wundert: Ja auch die Magenvergiftung war keine, sondern Symptom der Blutvergiftung.


So sieht die Entzündung nach zwei Tagen Antibiotika aus. Die Striche sind da um zu gucken, dass sie kleiner wird.

Nachtrag:

Also is das Experiment ja doch noch ganz interessant geworden. 40h Freitag der 13. hätten mich im nachhinein fast noch dahin gerafft: Wegen 'nem kleinen Kratzer! Beim rumtollen im Meer!! Gestoßen!!! An einer Koralle!!!! Nich zu fassen...