06 August 2016

Home Brewing - Na denn ma Prost!

Habe jetzt ein neues Hobby: Bier brauen.

Wahrscheinlich wundert sich der ein oder andere, warum ich damit nich schon früher angefangen habe. Ich mich auch - lag ja eigentlich auf der Hand. Aber ich muss sogar zugeben, dass ich nich mal selber drauf gekommen bin. Die Idee kam von Ansche. Als sie das so meinte fiel's mir wie Schuppen von den Augen: Nüchtern werd ich nie - Bierautarkie! [Ironie der Geschichte: Ansche kann mich besoffen eigentlich gar nich ausstehn - aber gut, bin ja auch weit genug weg =) ]

Also gut, kaum war ich zurück habe ich mir einen Brauereibedarf in meiner Nähe gesucht [gib's hier dank der Bierpreise ausreichend] und mein letztes Geld in ein Brau-Set investiert. Hatte dann nich mal mehr Kohle um am Montag die Miete zu zahlen - musste dann erstmal an mein Sparkonto ran um hier nich aus der Bude zu fliegen... Und die brauchte ich ja jetzt, kann ja das Bier nich in meiner Karre brauen.



Braukit, Heizplatte, Flaschen... und das alles für $170... sollen pro Durchgang 23l Bier werden... 23l Bier kosten hier im Supermarkt locker $110 - $150. Ergo habe ich schon fast nach einem Brau die Kohle wieder raus.


Dann erstmal Braulocation suchen. Links der Schrank sollte wie das Haus von 1900 sein, hätte also schon mehr Stil als das Regal links aber links is Fenster und rechts Tür zum Flur... Außerdem kann man in dem Regal Zeugs unterstellen.


Das Set enthält alles, was man braucht. Alle Utensilien, Equipment, Reinigungsmittel, Desinfektionszeugs extra zum Brauen, Thermometer, Hydrometer, Hefe, Hefefutter, usw. usf. etc. p.p.
Links auf der Flaschenkiste sitzt mein Gehilfe und Oberster Brauleiter. Bei so einem Unterfangen braucht man ja schließlich professionelle Unterstützung.


Dann erstmal der lästige aber nötige Reinigungsprozess damit alles sauber und steril is. Vom Obersten Brauleiter ist während der ganzen Putzerei nix zu sehn.


Für passende Hintergrundbeleuchtung is auch gesorgt.


Links in der grünen Tüte is das Hopfen-Malz-was-auch-sonst-noch-Gemisch. Ein dicker Sirup und ein Blick auf die Zutaten bestätigt auch den verdacht, dass der erste Brau nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot ablaufen wird. Rechts in der Tüte is Brauzucker - das Futter für die Hefe. Die silberne Kondompackung in der Mitte enthält die Hefe. Unten links sind Monosaccharose-Bonbons - die machen am Ende die Kohlensäure ins Bier. Unten rechts sind die Beer Finings - die machen das Bier weniger trübe.


Inhalt der grünen Tüte im Fermentator...


...plus Hefefutter...


...mit 3l kochendem Wasser verrühren...


...bis auf 23l mit kaltem Wasser auffüllen...


...sieht zumidest schonmal aus wie Bier...


...quasi ein 23l Bierkrug mit Racheneinfüllhilfe - Genau mein Ding, wäre das Bier nich alkoholfrei. Aber das wollen wir ja ändern...


...also zeigt der größte Rührer aller Zeiten unter Aufsicht des Obersten Brauleiters seine Fähigkeiten...


Perfekte Temperatur um den geheimen Star der ganzen Aktion auf die Bühne zu bitten...


...Freund Hefe


Nochmal ordentlich umgerührt und denn Deckel druff...


Noch ist der Pegel im Siphon ganz ruhig. Doch das soll sich bald schon ändern.


So und jetzt heißt es, sich in Geduld zu üben... 5 bis 10 Tage dauert die Fermentation laut Anleitung.


Hmmm, man soll die Heizplatte nich zum Tiere wärmen benutzen, dabei saß der Oberste Brauleiter da die ganze Zeit mit seinem dicken Hintern drauf...


Die Anleitung zur Berechnung des Alkoholgehalts wurde definitiv von einem jugendlichen, deutschen Auswanderer-Hipster geschrieben... Nice my ass, alta! Grüße an Alex und Lars =)


Aufgrund der teilweise nur 4°C im Wohnzimmer reicht die Heizplatte nich aus um das Bier auf über 20°C zu halten. Daher noch eine Wärmeregulierungsdecke. ...und'n bisschen Deko für't Flair und so, wa?

Home Brewing und Craft Beer Kultur sind ja hier voll in... hab dann von 2 Leuten gehört, sie haben selber gebraut und es aber ziemlich schnell aufgegeben, weil die Ergebnisse total widerlich waren. Hmmmm, also entweder können die das einfach nich, oder es is nich so einfach, wie es die Verpackung verspricht. Beides möglich, wird sich dann wohl später zeigen.


5 Tage später. Die Temperatur blieb immer zwischen 20°C und 23°C - also perfekt. Dann das erste mal die Specific Gravity [SG] gemessen. SG is quasi eine Dichteangabe der Brühe und daran kann man ablesen, ob die Fermentation fertig is. Oben seht ihr das Hydrometer im Bier schwimmen. Je weiter es rausguckt, je dichter die Brühe, je weniger Futter hat die Hefe bisher gefuttert. Irgendwann is aber alles von der Hefe aufgemampft und mein Hefendefäkationsprodukt fertig.
Mein Hydrometer is ziemlich deppensicher: Wie ihr seht, steht da Bier. Und wenn da Bier steht, isses Bier - logisch, wa? Also seht ihr hier Bier.

Allerdings is mir hier ein kleiner Fauxpas unterlaufen. Ich hätte die SG schonmal am Anfang messen müssen, um den Alkoholgehalt zu ermitteln. Der lässt nämlich aus der Dichtedifferenz [Anfang ggü. Ende der Fermentation] ermitteln. Jetzt weiß ich zwar, dass ich Bier habe, aber nicht ob Alc-free, Light, Beer-Bier oder Strong Ale... Muss dann also später im Selbstversuch Pi-Mal-Daumen ermittelt werden.

Das Bier, was zum Ermitteln der SG abgezapft wurde, wird natürlich nich weggeschüttet, sondern verkostet und obwohl es noch 2 Wochen Reifezeit braucht, 22°C warm is und noch keine Kohlensäure hat, schmeckt es schonmal gar nich so schlecht. Nicht zu süß, fast etwas herb, aber noch relativ sauer-fruchtig, was dem ganzen eine leichte Cider-Note gibt.


Das is nich mein Bier, sondern kommt in mein Bier: Die Finings machen die trübe Brühe etwas klarer. Wenn ihr nochmal das Bier in dem Messbecher anguckt, seht ihr ja, dass das so'n bisschen nach Spree-im-Hochsommer aussieht.


Finings reingekippt und nochmal 2 - 3 Tage warm stehen lassen.


Dann geht's ans Abfüllen. Der Oberste Brauleiter meint, er könne nich helfen ["Arme zu kurz"]... Und wieso ich überhaupt Brewer's Haustierflaschen geholt habe. "Bier aus Plasteflaschn, alta, kannste ja gleich zu Penny gehn, Kolleje, allet nô grade bei Dir?" Ich erwähne nich, dass ich auch schon von Seiten der Heimatfront Anschiss für den Kauf von Kunststoffgefäßen bekommen habe, wegen Umweltschutz und so. Der Oberste Brauleiter neigt zu spontan-radikalen Gesinnungswandeln wenn's ihm grade in die Agenda passt und so'n kleinen grünen Terrorvogel brauch ich wirklich nich in meinen Vier Wänden. Da ist mir sein natürliches, braunes Federkleid doch lieber... Ich gelobe aber Besserung und ab demnäxt auf Ploppflaschen umzusteigen.


Wieder das gleiche Spiel wie ganz am Anfang: Erst reinigen....


...dann desinfizieren. Dann in jede Flasche 2 Monosaccharosebonbons für die Kohlensäure. Und das ganze 30 mal. Beschließe, anstatt Ploppflaschen, in Zukunft auf Fässer umzusteigen.


Dann der letzte Schritt... 30 x 0.75l ...


...der Oberste Brauleiter guckt zu, dass auch kein Tropfen daneben geht.


Tadaaaaaaaaaa... meine ersten beiden Bierkästen aus eigner Produktion. Schönet Ding! Jetzt noch 2 Wochen Reifen lassen and then let's get this party started.

Zum Glück ist nach dem Abfüllen noch etwas Bier im Fermentator... so ca. 3 Gläser zum verkosten.


Optischer Check....



...Geruchsprobe und denn weg damit. Total gesittet natürlich. Die 3 Tage Reifung haben in der Tat das Bier schon etwas milder und weniger sauer gemacht... Na denn mal gucken, wie's nach der Reifung is....

Also gewartet.... ....Braucht schließlich Zeit so'n Bier.... Dubidu... Nix überstürzen, wa? .... Damdideidadu... .... ....Geduld is Brauers Tugend... Hmmhmmmhmhmm .... schallallallllallllaaaallallaaala..... Schön die Füße still halten.... tralala.... Einfach nich hingucken, dann denkt man auch nich dran... Beschließe dann mit dem Obersten Brauleiter man kann ja auch schonmal nach 1 1/2 Wochen kosten...


Also Flasche über Nacht in Kühlschrank.


Hab den Obersten Brauleiter noch nie so nervös gesehn... tippelt die ganze Zeit von einem Fuß auf den anderen...


Deshalb gieß ich ihm zur Beruhigung erstmal ein Bierchen ein.


Mir auch natürlich auch eins.... kann ja nich alleine trinken, der Oberste Brauleiter... was soll'n die Nachbarn denken, ne?


Jetzt endlich kalt, mit Kohlensäure und relativ klar.


Will grade mit ihm anstoßen, der hat er schon seinen Schnabel im Glas... typisch Kiwi - keine Trinkmanieren


Laut geräuspert, böser Blick - Reicht zum Glück: Prost!


Und ich bin echt begeistert... relativ herb, kaum noch sauer... echt lecker... und Alkohol scheint's auch zu enthalten. Schädel macht's auch nich - alles Paletti...

Ein wirklich gelungenes Pale Ale mit bereits leichter Lagertendenz.

Es gibt auch noch Fotos vom weiteren Verlauf des Abends, aber der Oberste Brauleiter und ich haben nach Sichtung des Materials beschlossen, es nicht zu veröffentlich, sonst könnte hier der falsche Eindruck entstehen, wir hätten das alles nur zum Spaß gemacht.


- Epilog -

Namensgebung und wie geht's weiter


Ansche hatte ja gefragt, ob sie am Gewinn beteiligt wird, wenn ich dann groß ins Bierbraubusiness einsteige. War ja schließlich ihre Idee. Als Ex-Ossi, der schon in jungen Jahren in die Fänge des grauen, kalten Turbokapitalismus gestoßen wurde, habe ich natürlich nur herzlich gelacht. Allerdings hat sie mir dann das Versprechen abgerungen, wenigstens eine Sorte nach ihr zu benennen, wenn ich irgendwann Bierkaiser von NZ bin.

Das gilt auch weiterhin, aber da man ja nie weiß, ob man auf dem Weg an die Spitze der Bierbrauerunion nich doch irgendwann mit einem Dolch im Rücken aufwacht, habe ich beschlossen als kleinen Vorschuss schonmal den ersten Brau ihr zu widmen:

~ Ansche Ale ~

Hatte kurz auch "Pale Ansche" überlegt, aber dann befürchtet, dass ich dafür mindestens n bösen Blick ernte... =)


Bin am überlegen alle weiteren Brews ebenfalls nach weiblichen Personen in meinem Umfeld zu bennen. Bis ich einmal durchs Alphabet durch bin und mein eignes Brauphabet habe....

Ansche Ale
Beate Bräu
Cornelia Craft
Diana Draught
Evelin Edel
Frieda Feinherb
Gregors großartiges Gesöff
...und so weiter, mir fällt grade niemand mit H ein.

Hatte allerdings ja nun schon öfters Ideen, die ich für völlig unbedenklich hielt, die dann aber auf wenig Gegenliebe gestoßen sind: "Bitte? Du willst n Bier nach mir benennen? Jeht's noch? Nich mehr alle Latten am Zaun, wa? ....und denn sitzte Abends mit deim komischen Vojel da und denn schwadronierta rum, dass Gertrude am Anfang ja noch ziemlich sauer war, aber jetzt ja reifer is, wodurch die weicheren Züge mehr zum Vorschein kommen - ein schöner Entwicklungsprozess bei der Gertrude...."

Also wenn da wer Einwände hat, einfach sagen....


Beim Blick auf die Namensliste is mir aufgefallen, dass die Zunamen auch schön einen guten Brauplan ergeben:

A wie Anfangen nach Anleitung zu brauen – erstmal rausfinden wie das mit dem Brauen überhaupt geht [Ale is ein gutes Anfängerbier, einfach zu Brauen]

B wie BroBieren was was wie beeinflusst – alles genau messen und kontrollieren [mal gucken, was ich da zusammenbraue]

C wie Cucken, das man das Bier nach eigenem Wunsch hinbekommt – mit den Parametern rumspielen [erstes wirkliches Craft Beer]

D wie Dämliches Flaschengeputze durch ein Fass ersetzen [auf Draught Beer umsteigen]

E wie Endlich mal ein gutes Lager/Norddeutsches Pilsner brauen – sich mal an vernünftiges Bier wagen und evtl. schon nach deutschem Reinheitsgebot

F wie Friesisch herb – Irgendwas zumindest in Richtung Jever hinbekommen

G wie Guter Geschmack ist keine Glückssache mehr – Ab jetzt wird Ernst gemacht 

Na mal gucken... ich halte euch auf dem Laufenden, in diesem Sinne: Prost!

01 August 2016

WiB - Teil 5 - Unterwegs in Jottwedeh

Obwohl auf der anderen Seite der Welt, ham die Berliner und Kiwis doch auch einige gemeinsame Traditionen und so stand natürlich auch "Mit den Jungs inne Natur fahrn" aufm Plan... Männercampen. A weekend with the boys. Melbeck all day.

Auf dem Weg dahin hatte ich ein komisches Erlebnis. Bin mit dem ICE nach Lüneburg gefahren. Dazu musste ich umsteigen... dis hieß Hangover oder so. Und plötzlich hatte ich ein Déjà-vu... bzw. genauer gesagt ein Déjà-vu-cent-mille-fois... Dunkle Erinnerungen kamen hoch, als wäre ich hier schonmal gewesen...

Pendlerwitz: Hannover hat gute und schlechte Seiten: Auf der einen fahren die Züge nach Berlin auf der anderen die nach Brem. =)

Zum Glück hat mich da Alex abgeholt. Waren wir also schonmal zu Zweit auf dem Weg nach Lüneburg. In Lüneburg hat uns dann Lars abgeholt und uns mit seinem fetten SUV nach Melbeck gefahren. Da haben dann Robbl und Nathow auf uns gewartet und schonmal die Bierchen vorgewärmt.
Aufgrund unsers zusammenaddiert doch sehr hohen Alters, fiel im Zelt pennen flach. Aufgrund unserer durcheinanderdividiert doch sehr jungen Jahre, hatte noch keiner von uns einen Wohnwagen. [Mehr als die Hälfte der Anwesenden hatte noch einen Studentenausweis...] Also bliebt nur eins übrig: Geile Hütte mieten. Die erste Nacht waren noch irgendwelche Pfadfinder da. Die konnten aber nicht mal alleine Feuer machen, also sind sie am nächsten Tag abgereist und wir hatten den kompletten Campingplatz für uns. Endlich mal alleine in der Natur - fast wie in NZ.
Die Abende bestanden aus Grillen, Feuer machen, Kubb spielen, Pest-&-Cholera-Runden, White Russian trinken und was echte Männer eben sonst noch so machen... AhuuhH!

Am nächsten Tag hamwa uns dann erstmal Kanus ausgeliehen. Kurze Einweisung vom Chef: Das einzige was hängen blieb, war, dass die Holzbretter zum vorwärtskommen "Ruders" heißen [Gaanz wichtich: Immä im Plurol, sons gibs einä gepaddelt, nech?]. Dann ging's los - Alex war bei Lars und mir der Käpt'n. Ich man schön inna Mitte - konnte man die meiste Zeit Bier trinken und musste nich so vülle mit den Ruders paddeln. Unser Team hieß irgendwas mit "Harmonie, Weltfrieden und Contenance". Die anderen beiden waren alleine in ihrem Boot und damit sie wenigstens eine tolle Show kriegen, wenn sie schon so einsam den Fluss runter dümpeln, haben wir die ganze Zeit Pirouetten gedreht, sind auf Schleichfahrt durch's Gestrüpp und Brennnesseln und haben uns waghalsig unter Bäumen durchgehangelt.

Die Berliner sind mal wieda absolute Trendsetter, was den neusten Schrei in der Modebranche angeht.... In 3, 4 Jahren is das dann auch in Kiwistan hipp.

Irgendwann kamen wir aber trotzdem ohne zu kentern in Lüneburg an. Ich hielt das ja zwischendurch für unwahrscheinlicher als die Chances durch die 50/50-Stromschnelle auf dem Whanganui River zu kommen [wer nicht mehr weiß: Hier klicken und dann die letzten beiden Absätze und letzten Fotos].

Die Augenklappe runter geklappt, den letzten Schluck Rum in einem Zug geleert, den Säbel gezückt, angelandet und dann unter wildem Piratengebrüll Richtung Stadtzentrum. Als echte Piraten haben wir es natürlich gleich mit dem größten Wehrturm der reichen Hansestadt aufgenommen. Stellte sich allerdings raus, dass das ein Wasserturm is. Und der enthielt nich mal mehr Wasser sondern ein Museum. Also mal ehrlich, so'n Piratenleben is auch nich was es mal war. Immerhin hatten wir eine echt tolle Aussicht über Lüneburg.

Dummerweise ist das das einzige Foto, was ich vom Wasserturm habe [gemacht auf ca. 1/6 der Strecke nach oben]. Aber stellt euch einfach eine mittelalterliche Stadt mit ganz vielen Backsteinbauten vor. Sah echt fett aus. Und war voll hoch der Turm. Man konnte auch echt weit ins Umland gucken. Also ich weiß, dass das Foto jetzt eher das Gegenteil is, aber müssta eben ma'n büschen Fantasie an Tach legen, nech? Und wenna ma da seid, habta sogar noch was selber zu entdecken...
Von dem ganzen Treppen-gesteige wurden die Piraten dann hungrig. Also erstmal eine Spilunke mit ordentlicher Seemannskost gesucht. Schimpfte sich Osteria oder so. Das beste neben dem leckeren Essen war die Kellnerin die hin und wieder raus kam und ihren Kollegen auf italienisch beschimpft hat, er solle nich die ganze Zeit in der Nachbarkneipe EM gucken, sondern ab in die Küche. Robbl konnte noch genügend italienisch um Worte wie "Catso" und "Bastardo" für uns zu übersetzen. Woraufhin die Kellnerin dann immer halb ertappt halb schelmisch zu uns rüber gegrinst hat.

Lüneburgmafia... sie machen mir grade ein Angebot.

...habe um Bedenkzeit gebeten und wollte mich dazu irgendwo in den Gassen der Altstadt verstecken. Treffe sie allerdings bald wieder. Hier sind sie kurz davor mich nochmal eingehend von den Vorzügen ihres Angebots zu überzeugen.

Dann waren wir noch in einer anderen Kneipe zum Nachtisch [Bier] und sind dann zum Desert nochmal in die lokale Antifakneipe. War echt gemütlich da. Generell scheint Lüneburg politisch sehr vom überall verbauten, roten Backstein geprägt zu sein, was sich aus dem Studium der lokalen Aufkleber und Poster erkennen lies. Hätte man kaum erwartet wenn man sich mal so die offiziellen Abkürzungen der umliegenden Bundesländer anguckt: HH NS SA SH... Zufall? Also, wenn ich mir das so auf'n T-Shirt drucke, lande ich bestimmt ziemlich zügig in der GeSa. ["Was'n? Dis sind doch nur meine Lieblingsbundesländer... Ehrlich Herr Wachtmeister."]

Dann ging's wieder zurück [Abendbeschäftigung siehe weiter oben].

Am nächsten Tag war Kletterwald angesagt. Wieder mal endsgeil. Wer das noch nich gemacht hat: Kann ich nur empfehlen. Da so in 10, 12m Höhe auf so'ner Plattform stehen und dank Gurtzeugs mit beiden Fußspitzen über die Kante gucken und Blick nach unten, während der Baum gaaaaaaanz langsam, kaum merklich, hin und her wankt oder sich über die Parkours von Baum zu Baum hangeln oder die Seilbahnen runter rasen.... fetzt einfach nur.
Irgendwann waren wir nur noch zu Dritt unterwegs auf den letzten ein oder zwei Parkours. Und dann kam das Ende vom Letzten. Schimpfte sich "Base Jump". Komme da auf der Plattform an. Keine Seilbahn, wie sonst üblich. Nur ein Ding zum einhaken, hoch hoch über dem Boden. Am Boden eine erstaunlich kleine Aufschlagsfläche. Rechts und links Gebüsch und Äste - das ganze garniert mit Zaunpfählen um die Fläche. Ziehe an dem Einhake-Dingsi: Erstaunlich leichtgängig. Gucke mich um, nix weiter. Lese die Hinweistafel: "Einhängen und springen." Komme zu dem Schluss, die meinen das wohl ernst. Inzwischen sind Lars und Nathow da. Haben auch keine andere Idee. Hake mich ein und setze mich auf die Plattform. Gucke nach unten - doofe Idee. Einige Zeit vergeht. Frage Lars, ob er mich schubst. Lars will leider nich für meinen Tod verantwortlich sein. Bin fast soweit mich fallen zu lassen. Robbl kommt unten angelaufen: "Wo musst'n hin?" Ich sage ihm: "Nur runter." Gucke dabei aber wieder runter - doofe Idee. Versuche mich erneut zu überreden. Nathow erörtert hinter mir wie tief sich meine Beine wohl in meinen Brustkorb bohren werden, wenn ich unten aufschlage. Bin fast so weit, mich fallen zu lassen. Alex gesellt sich zu Robbl und ruft hoch, wo ich denn hin müsse. Sage ihm: "Nur nach unten." Gucke dabei nach unten - doofe Idee.
Vater mit kleinem Mächen nähert sich uns langsam von hinten über den Parkour. Mädchen ruft sie hätte den Base Jump schon mit 8 Jahren gemacht. Hmpf! Nagut, endlich hilft mal wer konstruktiv: So bekommt man mich. Lasse mich fallen. Ca. eine halbe Sekunde beschleunige ich auf ca. 1 - 2 km/h Fallgeschwindigkeit. Das war's: Gleite im Schneckentempo durch die Äste abwärts Richtung Aufschlagsfläche. Lande mit der Geschwingkeit einer Feder und der Eleganz eines nassen Sackes auf dem Waldboden.
Na toll! 10 Minuten die Hose gestrichen voll und dann sowas? Hätte das nich mal wer vormachen können?

Dann bringen wir Nathow mit ordentlichem Aufgebot zum Bahnhof [Granatenlaut "Time to say Goodbye" und minutenlange Heulszenen inklusive] und fahren zurück zum Campingplatz. Abendbeschäftigung siehe weiter oben.

Am nächsten Tag geht's für mich nach Brem. Nach der ILA wieder mal professionelles Aviation Business. Gucke mir an, wie die Europäer Flugzeuge bauen. Bekomme da eine wunderbare Führung [Kurze Notiz für mich: Dash-1000-Klappen vorm Ex-fachlichem-Vorgesetzten gesehen, Strike! ... eine schon installiert und eine noch unten zum Anfassen.. Double-Strike!]. Fahre dann mit den ganzen potentiellen Geschäftspartnern zur Schlachte. Zum Geschäftsessen gibt's natürlich Bier. Und nachdem das ganze Kruggestemme ordentlich hungrig gemacht hat, geht's dann zum Scharfrichter Currywurst essen. Dann ins Viertel zum Fasten brechen.
War echt genial. Ein Tisch voll mit extremst viel leckerem Zeugs: Brot, Salatartiges, Aufstriche [alles arabische und türkische Küche]... sooooo endsgeil lecker. Und so viel. Für mich gib's auch extra ein Bier. Bin schon völlig satt, als ich erfahre, dass war nur die Vorspeise. Dann kommt noch ein ordentlicher Hauptgang. Auch wieder total lecker. Jetzt passt aber nun wirklich absolut garnix mehr rein. Also gibt es dann noch Nachtisch. Omnomnomnom... muss man probiert haben. Bekomme dann zur Verdauung noch eine Spiritouse des Hauses serviert.
Vielen Dank hier nochmal für die wirlklich außerordentliche Gastbewirtung... Ich muss wohl nächstes wieder im Ramadan rüber kommen.

Aber ich war ja nich nur in Brem wegen Business. Auch Kultur. Nach fast zwei Jahren Pause hat das Airport wieder aufgemacht. Innen unverändert... Zu geil. Und Team3 is mit dabei... Wer bescheid weiß, weiß bescheid.


Geschichten aus'm Airport gib's nich online, aber hier mal eine nachkolorierte Aufnahme aus den wilden 70ern...

Und noch ein Grund nach Brem zu fahren. Dort wartet mein Bus zur Fusion. Der al-ler-letz-ten.... Für im-mer! Der Busfahrer kannte auf alle Fälle sein Klientel. Aber die genaue Geschichte erzähle ich dann mal bei einem Bierchen persönlich... wäre zu lang für hier und für nicht-Fusion-Beuscher zu viel Insider-Bla....

Tarek hatte so'ne voll geile Aufpuste-Bananen-Liege-Chill-Couch mit... schönet Ding

Ein bisschen Insider-Bla muss allerdings doch noch sein. Wohl mehr für mich.
Da dort wieder so einige Highlights. Fil, AnnenMayKantenreit, Calibre [erstaunlich gut und total an die Anfänge im Roten Salon zurück erinnert.... fettes Ding... Drop it Down, die DnB-Queen, der Kronleuchter, die Bilder, der Türsteher und die Barleute... nach Ladenschluss noch ins Kaffee Burger am Dienstagmorgen um 6]. 80% der Zeit wieder auf'm Trance Floor... Mit Cornelia und Max geheime Botschaften an der Räuberhöhle austauschen. Mit unserer Connection schön im Backstage chillen und Bier zum halben Preis trinken. Auf den anderen Floors ordentlich tanzen und sich wundern warum man eigentlich immer nur auf'm Trance Floor rumhängt, dann zurück zum Trance Floor und sich erinnern weshalb. Handbrot und Langos. Schlafen nahe der Turmbühne. Fusion eben.


Also das mit dem Stacheldraht-Doppel-Zaun mit Wachtürmen is ja schon geile Ironie, wenn es drinnen überall "Refugees Welcome" heißt [Jaja, ich weiß, Schwarzfahrer sind keine Flüchtlinge, aber trotzdem genau mein Humor]... Aber dann auch noch als Parkplatzbegrenzung "EU-fence - Zäune für Europa"... ich lag echt am Boden vor Lachen

Dann war auch schon Abschluss Marathon. Nochmal endskrass... und dann wieder 34h Flug... nich so fett.

Paparazzi am Flughafen... nichmal heimlich abhauen kann man

Großes Danke nochmal an alle. Berlin hat mir echt gefallen. 5 extreme, extreme geile, krass extrem fettomatico heftig genial intensiv extreme Wochen. Und daher schließe ich mit einem Klassiker: Heute is nich alle Tage, ich komm wieder, keine Frage



##### Epilog #####

Wer in den letzten 2, 3 Jahren mal oben auf'm Dach war, hat evtl. gemerkt, dass die komplette Monstergallerie weg is. Gentrifiziert quasi. Und auch alles Weitere weg. Das konnte ich dann doch nich auf mir sitzen lassen...

Als kleine Hinterlassenschaft habe ich ein Tschüssikowski-Monster gemacht... Und zwar noch bevor Pokemon-Go cool war [Bwahaha, Hipster kann ich auch! ...is auch nich in Schwabylon wie früher, sondern Xkölln *hnhn]

In diesem Sinne: Macht's besser, wir sehn uns nächstes Jahr

24 Juli 2016

WiB - Teil 4 - Floßtour, fette Müsik, Sommersonnenwendfeier und so weiter

Achso, ich glaube fast das war noch vor der Ostsee, aber ich war auch noch mit Veit und Cornelia fliegen. Veit war lange nich mehr, also musste er mal wieda Übungsflüge machen. Stall-Übungen [Strömungsabriss provozieren und dann ausleiten] und Steilkurven und so... Sind wir natürlich mit, damit das Flugzeug auch an der obersten Zuladungsgrenze is. Ohne ordentlich Gewicht kann das ja jeder. Sind wir dann von Straußberg/Nord [noch ein Berliner Flughafen und wieder nich der BER ...hmmmm] zur polnischen Grenze und haben ein wenig Luftakrobatik gemacht. Ganz wichtig war allerdings nicht die Grenze zu überqueren - Historisch bedingt sind die östlichen Nachbarn etwas nervös wenn Flugzeuge mit einem "D" in der Kennung irgendwelche Sturzflugmanöver in ihren Luftraum rein machen...


Jetzt geht's Floß...

Berlin hat ja nicht nur Strand, sondern ist auch voller Binnengewässer. Abwechslungsreicher als Auckland, was zwar quasi Meer in jede Richtung hat aber weder nennenswerte Flüsse noch Seen.
Die ganzen Seen und Flüsse werden auch ordentlich genutzt unter anderem kann man sich da ein Hausfloß mieten. Hat Cornelia dann auch gemacht...
Dann wurde erstmal alles geplant. Das zieht sich in Berlin 'ne Weile hin. Als Kiwi hab ich das ja erwartet, allerdings wäre ich eher davon ausgegangen das Planen is so aufwendig, weil alles bis ins kleinste Detail durchgeplant wird - Pustekuchen: Es wird nur einfach die ganze Zeit hin und her geplant. Wer mitkommt oder eben dann doch nich kann, weil er nach dem sechsten Bier vom Späti doch mal aus Versehen einen Arbeitsvertrag unterschrieben hat, der dann aber auch gleich wieder gekündigt wird, weil Arbeit ja doch doof is, besonders im Sommer, man dann aber merkt, man hat dem Kurzzeitarbeitgeber versprochen da noch eine Schicht zu übernehmen, die dann nach einem kurzen Telefonat von einem Kollegen übernommen werden kann, der allerdings einen halben Tag später spontan krank wird [vermutlich auch ein Floß gemietet]... und so wuchs unsere Gruppe binnen eines Tages mal locker auf zehn Leute an, um sich dann bis zum frühen Nachmittag auf drei zu reduzieren und stabilisierte sich dann am Abend irgendwo bei sechs Passagieren. Das ganze Spiel ging dann am nächsten Tag wieder von vorne los. Und ich dachte immer wir Kiwis wären spontan.

Selbst noch an dem Morgen, als wir bereits auf dem Weg zur Regionalbahn waren, kamen noch Leute spontan dazu und als der Regio einfuhr sind nochmal schnell welche nach Hause, weil sie selbstgemachten Aufstrich vergessen hatten. Bunt gemischte Truppe mit guter Laune im Regionalzug: Wenn man dazu gehört, is wunderbar. Wenn man grade verkatert zur Sonntagsschicht fahren muss, die Hölle. Zum Glück gehörte ich zur ersten Gruppe.
Max wurde nich müde ein niveauloses Wortspiel nach dem anderen zu reißen. Aber durch diese andauernde Ausdauer [das sollte die ganze Tour so weiter gehen] hatte Max sich dann ganz schnell einen gewissen Respekt erarbeitet und wurde daher auch Käpt'n.

Raus mussten wir in Brandenburg an der Havel. Nüscht los da - nich mal die Straßenbahn fährt. Also schnell noch'n Fußpils besorgt, Sack und Pack geschultert und Richtung Anlegestelle. Der Grund für den Mangel an Straßenbahnen und Leuten am Bahnhof war das Brückenfest. Da unser Anleger bei eben jener Brücke war mussten wir da mitten durch. Um die Brücke selber war dann sogar noch ein Bereich mit Securities die eigentlich den Gästen den Fremdalkohol abnehmen sollten, aber wir durften durch, weil wir ja nunmal zum Floß wollten. Und das geht ja nich ohne was zu trinken - sind schon genügend Leute aufm Ozean verdurstet.
Dann erstmal am Anleger rumgechillt, auf das Floß gewartet und sehr schnell gemerkt, dass das mit dem Bier ja alles relativ knapp bemessen is. Also nochmal los zum Supermarkt wieder an den Securities vorbei, die für unsere Lage auch volles Verständnis hatten ["Aber tut das Bier inne Tüte, damit das nich alle sehn."]. Aufm Rückweg reichte dann ein freundliches Zunicken, während der Pöbel seine Taschen vorzeigen musste.

Dann war auch endlich das Floß soweit, wir waren alle 7 da [Randnotiz: Die Floße haben nur 5 Betten aber man darf da anscheinend bis zu Zehnt rauf], Bier offen, Techno schallte schon fröhlich durch den Hafen [konnte aber nur mühsam mit dem extrem lauten Schlagergedudel vom Brückenfest konkurrieren] und wir breit für die Einweisung. Irgendwie muss der Floßverleiher uns angesehen haben, dass wir eher nich in die Kategorie "gediegene und ruhige Bootstour" fallen - dementsprechend angepasst auch seine Einweisung, einfach nur genial: Tipps wo wir am schnellsten unsere Ruhe haben [und auch der Rest der Welt vor uns], wo der Entenschutz sein Lager hat und wir uns eben mal kurz ein wenig zusammenreißen müssen und auch was sonst noch für uns relevant war.

Und dann ging's endlich Floß...

Hier is Max grade mal nich am Steuer... große Teile der Fahrt saßen die meisten Leute auf dem relativ geräumigen Vorderdeck und vom Achterdeck kamen unablässlich Kalauer... fast wie so ein Radio, was im Hintergrund läuft und nich aufhört

So, das is leider auch das einzige Foto, das ich grade von der Floßtour habe. Es gibt noch mehr aber entweder habe ich keine Kontaktdaten von den Leuten oder sie machen sich grade rar.

Schnell sind die Dinger nich, aber wenn man da konstant über mehrere Stunden in eine Richtung fährt kann man doch ordentlich Strecke gut machen - inklusive Festfahren und Badepause. Und irgendwann sind wir dann auch am Ende vom Beetzsee angekommen und da geht's dann erstmal nich weiter - Karte war zu Ende.

Keine Sau da. Am nächsten morgen sollte einmal der Fischer seine Reusen kontrollieren, aber das war's dann auch. Perfekte Anlegestelle gab's da auch - so'ne kleine Lichtung mit Feuerstelle und Bäumen drumrum zum Holz sammeln. Um uns rum nur Nutur pur [cuul, uun Sutz mut nur 'u' und uunum Schruubfuhlur]. Und mitten drin wir: Laut Techno, laut schnattern, ...da fällt der Reiher fast vor Schreck vom Ast. Party geht weiter. Feuerholz wird gesammelt. Essen gegessen. Feuer gemacht. Party partiet weiter... Bis irgendwem wem auffällt: "Ey, samma, wenn wa jetz schon extra inne Natur fahren - weit weg vonna Zivilisation - wolln wa uns denn vielleischt ooch einfach ma die Natur anhörn und die Mukke ausmachen?" Kluger Einfall - wird also gleich umgesetzt, nur das Geschnatter geht fröhlich weiter.
Irgendwann sitzen nur noch Justus und ich am Feuer - ein letztes Aufbäumen der Partymeute und dann können sich auch endlich mal Hase und Igel gute Nacht sagen - Schicht im Schacht.
Also ging's inne Koje... dazu wird das Floß einfach umgebaut und man hat echt relativ viel Platz zu pennen. Zwei von den sieben Anwesenden haben im Zelt geschlafen der Rest uffm Floß.

Am nächsten Morgen ging's dann nach dem Frühstück zurück. Über einem See flog ein Seeadler und hat sich immer wieder in Wasser gestürzt um irgendwas ausm See zu fischen und hats dann aber immer wieder fallen lassen oder mit Absicht zurück geworfen. Schwer zu erkennen, weil wir waren noch relativ weit weg. Dann irgendwann schraubt er sich hoch und fliegt über das angrenzende Feld und zieht da seine Kreise. Kaum ist er über dem Feld, kommt ein Rabe dazu und fängt an ihm hinterher zu kreisen - immer dichter. Schnell ist auch noch ein zweiter Rabe da. Die Raben versuchen immer über den Adler zu kommen und gehen dann in den Sturzflug über. Offensichtlich wollen die den da nich haben. Kurze Zeit später kommt noch ein zweiter Adler dazu. Die Adler selber greifen nich so wirklich an, lassen sich da aber auch nich vertreiben. Das spiel geht ewig - irgendwann sind sie außer Sicht. Beeindruckend war, dass sie alle trotz der ziemlich krassen Manöver zwischendrin die meiste Zeit relativ ruhig geflogen sind [Energie sparen?]. Ein Großteil war taktisches Fliegen, bei dem die Raben immer langsam versucht haben über die Adler zu kommen und die Adler versucht haben unter den Raben wegzukreisen - aber ebend überhaupt nich hektisch oder so. Krasses Schauspiel.

Quasi auf die Minute um zwölf [Abgabezeit] kommen wir am Floßverleih an... brauchen dann aber nochmal gute 10 Minuten zum Einparken. Ein Teil der Gruppe verweilt noch kurz vor Ort und will sich noch was zu schnabulieren holen und ick nutze die Möglichkeit, dass der Regio netterweise über Potsdam fährt, um da auch nochmal mit den Locals ein Bier zu trinken.


Die kürzeste Nacht des Jahres zur längsten machen - Sommersonnenwende in Berlin

Sommersonnenwende wird in Berlin riesengroß gefeiert. Die Berliner nennen es "fette la Müsik" [vermutlich türkisch?] und bauen dafür überall in der Stadt Bühnen auf, teilweise einfach auf der Straße.
Das muss ich mitnehmen. Also treffe ich mich erstmal mit Ansche und wir gucken erstmal zu einer Bühne bei ihr um die Ecke. Ich befürchte schon, dass die Berliner die Sommersonnenwende eher traurig finden, da die gute Frau auf der Bühne die ganze Zeit weint und auch die Zuschauer sitzen einfach nur rum. Macht auch irgendwo Sinn zu trauern, schließlich werden ab jetzt die Tage kürzer. Geht also alles langsam den Bach runter. Als sie dann auch noch anfängt in das Geheule Jodeleinlagen mit einzubauen gehen wir. Schon schlimm genug, dass die Tage jetzt wieder kürzer werden, muss man sich nich auch noch den Tach versauen. Also fahren wir Richtung Treptower Park um uns da mit Lisa zu treffen und da mal die Lage zu checken.
Aber die Bühnen da sind auch nich so das Gelbe vom Ei oder auf irgendwelchen Clubgeländen mit ewig anstehn. Also weiter zum Ostbahnhof. Und da is dann endlich Party nach unserm Geschmack.


Endlos viele Menschen, geile Mukke, alles tanzt. Irgendwann gegen Abend muss sich Ansche verabschieden, weil sie am nächsten Tag früh raus muss. Gegen 22h macht dann auch die Bühne zu. Das heißt aber nicht, dass da dann schon Schluss wäre. In der Dämmerung ziehen sich die Berliner auf die Dächer zurück und da bei uns Cornelia auch eine Sommersonnenwendfeier orgnasiert hat, schließen wir uns dem Ritual an....

Das Dach war extremst geil hergerichtet, mit Bepflanzung, ....

...geilen Lichtinstallationen hier und da, weiterer Deko, guter Mukke, lecker Essen, ordentlich zu trinken, vielen coolen Leuten und und und.

[Den folgenden Text könnt ihr Wahlweise mit der deutschen Stimme von Sir David Attenborough oder der Stimme vom kleinen Tierfreund lesen] Der gemeine Berliner zieht sich in dieser besonderen Nacht auf hochgelegene Orte wie Hausdächer zurück, um dem fahlen Licht des Mondes möglichst Nahe zu sein, welches er dann in rauschartigem Zustand umflattert.

Es wird später und später, bzw. früher und früher... Einige gehen, einige kommen dazu und so wird bis zum Sonnenaufgang weitergefeiert. Gegenüber von der Sonne steht ein krass heller Mond am Himmel. Dann irgendwann um zehn Uhr morgens brechen wir unsere Zelte ab un gehen ins Bettchen.
Und da habe ich dann auch endlich verstanden, was der Berliner am 21. Juni eigentlich feiert. Nicht den längsten Tag des Jahres, sondern die kürzeste Nacht. Und da Berliner sowieso mehr nachtaktiv sind, haben sie allen Grund zur Freude und feiern also, dass die Nächte ab da wieder länger werden.


Leute, Treffen, Essen, Trinken, Feiern - 
Leute treffen, essen, trinken, feiern

Bevor da jetze aus Britz irgendwelche Beschwerden kommen, ob ich nich'n noch dööferes Foto hätte finden können... Nee, nach stundenlanger Sondierung es vorliegenden Materials, bin ich zu dem Schluss gekommen, das is echt das schönste Foto... so im Durchschnitt... Dit hier strahlt ma echte Lebensfreude aus, während uff den andern immer wer aussieht, als wäre dit Essen verdorben... und dit war't ja nu wirklich nich.. Dit war ja voll lecker...

Das mit dem permanent Bier saufen, is natürlich Quatsch. In Wirklichkeit kipp ich mir in Berlin nur alle möglichen Hipsterbrausen hinter die Kiemen, die keinen Alkohol enthalten, dafür aber ganz viel Koffein - Ich behaupte das mit dem Bier allerdings des Klischees wegen - will ja den Leser nicht all zu sehr verwirren...

BBQ können die Deutschen auch... allerdings grillen sie über bereits verbrannten Holzstückchen, die sie nochmal anzünden... Diese Art des Grillens führt dazu, dass die Würstchen außen nicht wirklich schwarz werden und das Steak aber durch is... Beides wird in Berlin als Qualitätsmerkmal angesehen. Hätte ich ja vorher nicht gedacht, aber schmeckt auch echt lecker.

Ich Spezi... Die Berliner Bier...

Weiß leider nich mehr genau, was davor über meine Fotogenität gesagt wurde, aber die Richtung ist doch gut zu erkennen...


Nicht nur in NZ gibt es Probleme mit illegalen Einwanderern

Es gibt zwar viele Binnengewässer in Berlin, aber eben noch viel mehr Arbeitslose, Schulschwänzer, Studenten und Rentner in Berlin... Wenn's dann im Sommer warm wird, kommen alle auf die gleiche Idee: Fahrnwa doch einfach ma an See.
Insofern muss man sich in Berlin schon einigermaßen auskennen, wenn man an einen See will, der nich total überrannt is. Kenne mich zwar nich aus, aber kenne Leute, die kennen. Und so geht's mit Lisa und Ansche an See. Für mich als Kiwi immernoch total überrannt und schon etwas irritierend die Freizügigkeit, wenn Dir im Wald grinsende, nackte Männer mit fröhlich hin und her schwingender Latte entgegenkommen - aber scheint hier keinen zu stören. Also auch nich weiter schlimm. Ich mein, man darf überall trinken, auf der Autobahn so schnell fahren wie man will... warum auch nich, is eben alles n bisschen liberaler und relaxter in Berlin.

Pflanzen uns dann da irgendwo an den Strand. Extremst heißer Tag, aber zum Glück is der See relativ tief und damit kühl und klar - sehr erfrischend. Da wir mit der Sonne immer weiter rücken, sitzen wir auch irgendwann mal neben einer Gruppe Jugendlicher. Voller Hormone und Tatendrang. Da aber leider an so'nem See nich viel zu tun is, kompensieren sie das mit einer Kräuterzigarette. Und wie überall auf der Welt ist es auch diesmal genau das gleiche Spiel... Wir nutzen das Schauspiel und üben uns in Vorhersage [unseren hellseherischen Fähigkeiten sollten auch nicht enttäuscht werden]:
Erstmal rumprollen wieviel jeder schon gebaut hat, wann das letzte Mal, wer's am krassesten kann und so weiter [Das ganze gespickt mit permanentem gegenseitigem Beleidigen]. Das geht solange bis die Bauphase abgeschlossen is. Dann wird das Machwerk angezündet und bewertet [weiterhin ganz wichtig: Pöbeln]. Und dann is relativ schnell erstmal Ruhe. 20 Minuten wunderbare Stille. Plötzlich is wieder echt schön am See... und irgendwann geht's dann langsam wieder los. Erst eher ruhig und wenig, bis sie dann irgendwann wieder auf ihrem Anfangsniveau angekommen sind [sowohl was Beleidigungsanteil, Lautstärke und Gesprächsinhalte angeht]. Da denkt man sich dann: "Na Jungs, kommt, einen könnta noch? Hm? So'n kleinen noch? Meinta nich?"

Kaltes, klares Wasser

Irgendwann geht's wieder Richtung Heimat und bei einer kurzen Rast hören wir im Baum was rascheln und siehe da - Das europäische Gegenstück zum Possum: Kuschlig, niedlich, putzig, süß aber eben fremd und deshalb haben die jeweiligen Regierungen beschlossen es entschlossen zu bekämpfen. Weil es den Alteingessenen die Würmer vor der Nase wegfrisst... Der Waschbär.
Endlich weiß ich warum die Dinger "Bären" heißen: Tappst da voll pussierlich im Baum rum - von den Bewegungen her wie ein etwas zu klein geratener Bär.