Jetzt geht's Floß...
Berlin hat ja nicht nur Strand, sondern ist auch voller Binnengewässer. Abwechslungsreicher als Auckland, was zwar quasi Meer in jede Richtung hat aber weder nennenswerte Flüsse noch Seen.
Die ganzen Seen und Flüsse werden auch ordentlich genutzt unter anderem kann man sich da ein Hausfloß mieten. Hat Cornelia dann auch gemacht...
Dann wurde erstmal alles geplant. Das zieht sich in Berlin 'ne Weile hin. Als Kiwi hab ich das ja erwartet, allerdings wäre ich eher davon ausgegangen das Planen is so aufwendig, weil alles bis ins kleinste Detail durchgeplant wird - Pustekuchen: Es wird nur einfach die ganze Zeit hin und her geplant. Wer mitkommt oder eben dann doch nich kann, weil er nach dem sechsten Bier vom Späti doch mal aus Versehen einen Arbeitsvertrag unterschrieben hat, der dann aber auch gleich wieder gekündigt wird, weil Arbeit ja doch doof is, besonders im Sommer, man dann aber merkt, man hat dem Kurzzeitarbeitgeber versprochen da noch eine Schicht zu übernehmen, die dann nach einem kurzen Telefonat von einem Kollegen übernommen werden kann, der allerdings einen halben Tag später spontan krank wird [vermutlich auch ein Floß gemietet]... und so wuchs unsere Gruppe binnen eines Tages mal locker auf zehn Leute an, um sich dann bis zum frühen Nachmittag auf drei zu reduzieren und stabilisierte sich dann am Abend irgendwo bei sechs Passagieren. Das ganze Spiel ging dann am nächsten Tag wieder von vorne los. Und ich dachte immer wir Kiwis wären spontan.
Selbst noch an dem Morgen, als wir bereits auf dem Weg zur Regionalbahn waren, kamen noch Leute spontan dazu und als der Regio einfuhr sind nochmal schnell welche nach Hause, weil sie selbstgemachten Aufstrich vergessen hatten. Bunt gemischte Truppe mit guter Laune im Regionalzug: Wenn man dazu gehört, is wunderbar. Wenn man grade verkatert zur Sonntagsschicht fahren muss, die Hölle. Zum Glück gehörte ich zur ersten Gruppe.
Max wurde nich müde ein niveauloses Wortspiel nach dem anderen zu reißen. Aber durch diese andauernde Ausdauer [das sollte die ganze Tour so weiter gehen] hatte Max sich dann ganz schnell einen gewissen Respekt erarbeitet und wurde daher auch Käpt'n.
Raus mussten wir in Brandenburg an der Havel. Nüscht los da - nich mal die Straßenbahn fährt. Also schnell noch'n Fußpils besorgt, Sack und Pack geschultert und Richtung Anlegestelle. Der Grund für den Mangel an Straßenbahnen und Leuten am Bahnhof war das Brückenfest. Da unser Anleger bei eben jener Brücke war mussten wir da mitten durch. Um die Brücke selber war dann sogar noch ein Bereich mit Securities die eigentlich den Gästen den Fremdalkohol abnehmen sollten, aber wir durften durch, weil wir ja nunmal zum Floß wollten. Und das geht ja nich ohne was zu trinken - sind schon genügend Leute aufm Ozean verdurstet.
Dann erstmal am Anleger rumgechillt, auf das Floß gewartet und sehr schnell gemerkt, dass das mit dem Bier ja alles relativ knapp bemessen is. Also nochmal los zum Supermarkt wieder an den Securities vorbei, die für unsere Lage auch volles Verständnis hatten ["Aber tut das Bier inne Tüte, damit das nich alle sehn."]. Aufm Rückweg reichte dann ein freundliches Zunicken, während der Pöbel seine Taschen vorzeigen musste.
Dann war auch endlich das Floß soweit, wir waren alle 7 da [Randnotiz: Die Floße haben nur 5 Betten aber man darf da anscheinend bis zu Zehnt rauf], Bier offen, Techno schallte schon fröhlich durch den Hafen [konnte aber nur mühsam mit dem extrem lauten Schlagergedudel vom Brückenfest konkurrieren] und wir breit für die Einweisung. Irgendwie muss der Floßverleiher uns angesehen haben, dass wir eher nich in die Kategorie "gediegene und ruhige Bootstour" fallen - dementsprechend angepasst auch seine Einweisung, einfach nur genial: Tipps wo wir am schnellsten unsere Ruhe haben [und auch der Rest der Welt vor uns], wo der Entenschutz sein Lager hat und wir uns eben mal kurz ein wenig zusammenreißen müssen und auch was sonst noch für uns relevant war.
Und dann ging's endlich Floß...
So, das is leider auch das einzige Foto, das ich grade von der Floßtour habe. Es gibt noch mehr aber entweder habe ich keine Kontaktdaten von den Leuten oder sie machen sich grade rar.
Schnell sind die Dinger nich, aber wenn man da konstant über mehrere Stunden in eine Richtung fährt kann man doch ordentlich Strecke gut machen - inklusive Festfahren und Badepause. Und irgendwann sind wir dann auch am Ende vom Beetzsee angekommen und da geht's dann erstmal nich weiter - Karte war zu Ende.
Keine Sau da. Am nächsten morgen sollte einmal der Fischer seine Reusen kontrollieren, aber das war's dann auch. Perfekte Anlegestelle gab's da auch - so'ne kleine Lichtung mit Feuerstelle und Bäumen drumrum zum Holz sammeln. Um uns rum nur Nutur pur [cuul, uun Sutz mut nur 'u' und uunum Schruubfuhlur]. Und mitten drin wir: Laut Techno, laut schnattern, ...da fällt der Reiher fast vor Schreck vom Ast. Party geht weiter. Feuerholz wird gesammelt. Essen gegessen. Feuer gemacht. Party partiet weiter... Bis irgendwem wem auffällt: "Ey, samma, wenn wa jetz schon extra inne Natur fahren - weit weg vonna Zivilisation - wolln wa uns denn vielleischt ooch einfach ma die Natur anhörn und die Mukke ausmachen?" Kluger Einfall - wird also gleich umgesetzt, nur das Geschnatter geht fröhlich weiter.
Irgendwann sitzen nur noch Justus und ich am Feuer - ein letztes Aufbäumen der Partymeute und dann können sich auch endlich mal Hase und Igel gute Nacht sagen - Schicht im Schacht.
Also ging's inne Koje... dazu wird das Floß einfach umgebaut und man hat echt relativ viel Platz zu pennen. Zwei von den sieben Anwesenden haben im Zelt geschlafen der Rest uffm Floß.
Am nächsten Morgen ging's dann nach dem Frühstück zurück. Über einem See flog ein Seeadler und hat sich immer wieder in Wasser gestürzt um irgendwas ausm See zu fischen und hats dann aber immer wieder fallen lassen oder mit Absicht zurück geworfen. Schwer zu erkennen, weil wir waren noch relativ weit weg. Dann irgendwann schraubt er sich hoch und fliegt über das angrenzende Feld und zieht da seine Kreise. Kaum ist er über dem Feld, kommt ein Rabe dazu und fängt an ihm hinterher zu kreisen - immer dichter. Schnell ist auch noch ein zweiter Rabe da. Die Raben versuchen immer über den Adler zu kommen und gehen dann in den Sturzflug über. Offensichtlich wollen die den da nich haben. Kurze Zeit später kommt noch ein zweiter Adler dazu. Die Adler selber greifen nich so wirklich an, lassen sich da aber auch nich vertreiben. Das spiel geht ewig - irgendwann sind sie außer Sicht. Beeindruckend war, dass sie alle trotz der ziemlich krassen Manöver zwischendrin die meiste Zeit relativ ruhig geflogen sind [Energie sparen?]. Ein Großteil war taktisches Fliegen, bei dem die Raben immer langsam versucht haben über die Adler zu kommen und die Adler versucht haben unter den Raben wegzukreisen - aber ebend überhaupt nich hektisch oder so. Krasses Schauspiel.
Quasi auf die Minute um zwölf [Abgabezeit] kommen wir am Floßverleih an... brauchen dann aber nochmal gute 10 Minuten zum Einparken. Ein Teil der Gruppe verweilt noch kurz vor Ort und will sich noch was zu schnabulieren holen und ick nutze die Möglichkeit, dass der Regio netterweise über Potsdam fährt, um da auch nochmal mit den Locals ein Bier zu trinken.
Die kürzeste Nacht des Jahres zur längsten machen - Sommersonnenwende in Berlin
Sommersonnenwende wird in Berlin riesengroß gefeiert. Die Berliner nennen es "fette la Müsik" [vermutlich türkisch?] und bauen dafür überall in der Stadt Bühnen auf, teilweise einfach auf der Straße.
Das muss ich mitnehmen. Also treffe ich mich erstmal mit Ansche und wir gucken erstmal zu einer Bühne bei ihr um die Ecke. Ich befürchte schon, dass die Berliner die Sommersonnenwende eher traurig finden, da die gute Frau auf der Bühne die ganze Zeit weint und auch die Zuschauer sitzen einfach nur rum. Macht auch irgendwo Sinn zu trauern, schließlich werden ab jetzt die Tage kürzer. Geht also alles langsam den Bach runter. Als sie dann auch noch anfängt in das Geheule Jodeleinlagen mit einzubauen gehen wir. Schon schlimm genug, dass die Tage jetzt wieder kürzer werden, muss man sich nich auch noch den Tach versauen. Also fahren wir Richtung Treptower Park um uns da mit Lisa zu treffen und da mal die Lage zu checken.
Aber die Bühnen da sind auch nich so das Gelbe vom Ei oder auf irgendwelchen Clubgeländen mit ewig anstehn. Also weiter zum Ostbahnhof. Und da is dann endlich Party nach unserm Geschmack.
Endlos viele Menschen, geile Mukke, alles tanzt. Irgendwann gegen Abend muss sich Ansche verabschieden, weil sie am nächsten Tag früh raus muss. Gegen 22h macht dann auch die Bühne zu. Das heißt aber nicht, dass da dann schon Schluss wäre. In der Dämmerung ziehen sich die Berliner auf die Dächer zurück und da bei uns Cornelia auch eine Sommersonnenwendfeier orgnasiert hat, schließen wir uns dem Ritual an....
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| Das Dach war extremst geil hergerichtet, mit Bepflanzung, .... |
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| ...geilen Lichtinstallationen hier und da, weiterer Deko, guter Mukke, lecker Essen, ordentlich zu trinken, vielen coolen Leuten und und und. |
Es wird später und später, bzw. früher und früher... Einige gehen, einige kommen dazu und so wird bis zum Sonnenaufgang weitergefeiert. Gegenüber von der Sonne steht ein krass heller Mond am Himmel. Dann irgendwann um zehn Uhr morgens brechen wir unsere Zelte ab un gehen ins Bettchen.
Und da habe ich dann auch endlich verstanden, was der Berliner am 21. Juni eigentlich feiert. Nicht den längsten Tag des Jahres, sondern die kürzeste Nacht. Und da Berliner sowieso mehr nachtaktiv sind, haben sie allen Grund zur Freude und feiern also, dass die Nächte ab da wieder länger werden.
Leute, Treffen, Essen, Trinken, Feiern -
Leute treffen, essen, trinken, feiern
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| Ich Spezi... Die Berliner Bier... |
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| Weiß leider nich mehr genau, was davor über meine Fotogenität gesagt wurde, aber die Richtung ist doch gut zu erkennen... |
Nicht nur in NZ gibt es Probleme mit illegalen Einwanderern
Es gibt zwar viele Binnengewässer in Berlin, aber eben noch viel mehr Arbeitslose, Schulschwänzer, Studenten und Rentner in Berlin... Wenn's dann im Sommer warm wird, kommen alle auf die gleiche Idee: Fahrnwa doch einfach ma an See.
Insofern muss man sich in Berlin schon einigermaßen auskennen, wenn man an einen See will, der nich total überrannt is. Kenne mich zwar nich aus, aber kenne Leute, die kennen. Und so geht's mit Lisa und Ansche an See. Für mich als Kiwi immernoch total überrannt und schon etwas irritierend die Freizügigkeit, wenn Dir im Wald grinsende, nackte Männer mit fröhlich hin und her schwingender Latte entgegenkommen - aber scheint hier keinen zu stören. Also auch nich weiter schlimm. Ich mein, man darf überall trinken, auf der Autobahn so schnell fahren wie man will... warum auch nich, is eben alles n bisschen liberaler und relaxter in Berlin.
Pflanzen uns dann da irgendwo an den Strand. Extremst heißer Tag, aber zum Glück is der See relativ tief und damit kühl und klar - sehr erfrischend. Da wir mit der Sonne immer weiter rücken, sitzen wir auch irgendwann mal neben einer Gruppe Jugendlicher. Voller Hormone und Tatendrang. Da aber leider an so'nem See nich viel zu tun is, kompensieren sie das mit einer Kräuterzigarette. Und wie überall auf der Welt ist es auch diesmal genau das gleiche Spiel... Wir nutzen das Schauspiel und üben uns in Vorhersage [unseren hellseherischen Fähigkeiten sollten auch nicht enttäuscht werden]:
Erstmal rumprollen wieviel jeder schon gebaut hat, wann das letzte Mal, wer's am krassesten kann und so weiter [Das ganze gespickt mit permanentem gegenseitigem Beleidigen]. Das geht solange bis die Bauphase abgeschlossen is. Dann wird das Machwerk angezündet und bewertet [weiterhin ganz wichtig: Pöbeln]. Und dann is relativ schnell erstmal Ruhe. 20 Minuten wunderbare Stille. Plötzlich is wieder echt schön am See... und irgendwann geht's dann langsam wieder los. Erst eher ruhig und wenig, bis sie dann irgendwann wieder auf ihrem Anfangsniveau angekommen sind [sowohl was Beleidigungsanteil, Lautstärke und Gesprächsinhalte angeht]. Da denkt man sich dann: "Na Jungs, kommt, einen könnta noch? Hm? So'n kleinen noch? Meinta nich?"
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| Kaltes, klares Wasser |
Irgendwann geht's wieder Richtung Heimat und bei einer kurzen Rast hören wir im Baum was rascheln und siehe da - Das europäische Gegenstück zum Possum: Kuschlig, niedlich, putzig, süß aber eben fremd und deshalb haben die jeweiligen Regierungen beschlossen es entschlossen zu bekämpfen. Weil es den Alteingessenen die Würmer vor der Nase wegfrisst... Der Waschbär.
Endlich weiß ich warum die Dinger "Bären" heißen: Tappst da voll pussierlich im Baum rum - von den Bewegungen her wie ein etwas zu klein geratener Bär.


























