24 Juli 2016

WiB - Teil 4 - Floßtour, fette Müsik, Sommersonnenwendfeier und so weiter

Achso, ich glaube fast das war noch vor der Ostsee, aber ich war auch noch mit Veit und Cornelia fliegen. Veit war lange nich mehr, also musste er mal wieda Übungsflüge machen. Stall-Übungen [Strömungsabriss provozieren und dann ausleiten] und Steilkurven und so... Sind wir natürlich mit, damit das Flugzeug auch an der obersten Zuladungsgrenze is. Ohne ordentlich Gewicht kann das ja jeder. Sind wir dann von Straußberg/Nord [noch ein Berliner Flughafen und wieder nich der BER ...hmmmm] zur polnischen Grenze und haben ein wenig Luftakrobatik gemacht. Ganz wichtig war allerdings nicht die Grenze zu überqueren - Historisch bedingt sind die östlichen Nachbarn etwas nervös wenn Flugzeuge mit einem "D" in der Kennung irgendwelche Sturzflugmanöver in ihren Luftraum rein machen...


Jetzt geht's Floß...

Berlin hat ja nicht nur Strand, sondern ist auch voller Binnengewässer. Abwechslungsreicher als Auckland, was zwar quasi Meer in jede Richtung hat aber weder nennenswerte Flüsse noch Seen.
Die ganzen Seen und Flüsse werden auch ordentlich genutzt unter anderem kann man sich da ein Hausfloß mieten. Hat Cornelia dann auch gemacht...
Dann wurde erstmal alles geplant. Das zieht sich in Berlin 'ne Weile hin. Als Kiwi hab ich das ja erwartet, allerdings wäre ich eher davon ausgegangen das Planen is so aufwendig, weil alles bis ins kleinste Detail durchgeplant wird - Pustekuchen: Es wird nur einfach die ganze Zeit hin und her geplant. Wer mitkommt oder eben dann doch nich kann, weil er nach dem sechsten Bier vom Späti doch mal aus Versehen einen Arbeitsvertrag unterschrieben hat, der dann aber auch gleich wieder gekündigt wird, weil Arbeit ja doch doof is, besonders im Sommer, man dann aber merkt, man hat dem Kurzzeitarbeitgeber versprochen da noch eine Schicht zu übernehmen, die dann nach einem kurzen Telefonat von einem Kollegen übernommen werden kann, der allerdings einen halben Tag später spontan krank wird [vermutlich auch ein Floß gemietet]... und so wuchs unsere Gruppe binnen eines Tages mal locker auf zehn Leute an, um sich dann bis zum frühen Nachmittag auf drei zu reduzieren und stabilisierte sich dann am Abend irgendwo bei sechs Passagieren. Das ganze Spiel ging dann am nächsten Tag wieder von vorne los. Und ich dachte immer wir Kiwis wären spontan.

Selbst noch an dem Morgen, als wir bereits auf dem Weg zur Regionalbahn waren, kamen noch Leute spontan dazu und als der Regio einfuhr sind nochmal schnell welche nach Hause, weil sie selbstgemachten Aufstrich vergessen hatten. Bunt gemischte Truppe mit guter Laune im Regionalzug: Wenn man dazu gehört, is wunderbar. Wenn man grade verkatert zur Sonntagsschicht fahren muss, die Hölle. Zum Glück gehörte ich zur ersten Gruppe.
Max wurde nich müde ein niveauloses Wortspiel nach dem anderen zu reißen. Aber durch diese andauernde Ausdauer [das sollte die ganze Tour so weiter gehen] hatte Max sich dann ganz schnell einen gewissen Respekt erarbeitet und wurde daher auch Käpt'n.

Raus mussten wir in Brandenburg an der Havel. Nüscht los da - nich mal die Straßenbahn fährt. Also schnell noch'n Fußpils besorgt, Sack und Pack geschultert und Richtung Anlegestelle. Der Grund für den Mangel an Straßenbahnen und Leuten am Bahnhof war das Brückenfest. Da unser Anleger bei eben jener Brücke war mussten wir da mitten durch. Um die Brücke selber war dann sogar noch ein Bereich mit Securities die eigentlich den Gästen den Fremdalkohol abnehmen sollten, aber wir durften durch, weil wir ja nunmal zum Floß wollten. Und das geht ja nich ohne was zu trinken - sind schon genügend Leute aufm Ozean verdurstet.
Dann erstmal am Anleger rumgechillt, auf das Floß gewartet und sehr schnell gemerkt, dass das mit dem Bier ja alles relativ knapp bemessen is. Also nochmal los zum Supermarkt wieder an den Securities vorbei, die für unsere Lage auch volles Verständnis hatten ["Aber tut das Bier inne Tüte, damit das nich alle sehn."]. Aufm Rückweg reichte dann ein freundliches Zunicken, während der Pöbel seine Taschen vorzeigen musste.

Dann war auch endlich das Floß soweit, wir waren alle 7 da [Randnotiz: Die Floße haben nur 5 Betten aber man darf da anscheinend bis zu Zehnt rauf], Bier offen, Techno schallte schon fröhlich durch den Hafen [konnte aber nur mühsam mit dem extrem lauten Schlagergedudel vom Brückenfest konkurrieren] und wir breit für die Einweisung. Irgendwie muss der Floßverleiher uns angesehen haben, dass wir eher nich in die Kategorie "gediegene und ruhige Bootstour" fallen - dementsprechend angepasst auch seine Einweisung, einfach nur genial: Tipps wo wir am schnellsten unsere Ruhe haben [und auch der Rest der Welt vor uns], wo der Entenschutz sein Lager hat und wir uns eben mal kurz ein wenig zusammenreißen müssen und auch was sonst noch für uns relevant war.

Und dann ging's endlich Floß...

Hier is Max grade mal nich am Steuer... große Teile der Fahrt saßen die meisten Leute auf dem relativ geräumigen Vorderdeck und vom Achterdeck kamen unablässlich Kalauer... fast wie so ein Radio, was im Hintergrund läuft und nich aufhört

So, das is leider auch das einzige Foto, das ich grade von der Floßtour habe. Es gibt noch mehr aber entweder habe ich keine Kontaktdaten von den Leuten oder sie machen sich grade rar.

Schnell sind die Dinger nich, aber wenn man da konstant über mehrere Stunden in eine Richtung fährt kann man doch ordentlich Strecke gut machen - inklusive Festfahren und Badepause. Und irgendwann sind wir dann auch am Ende vom Beetzsee angekommen und da geht's dann erstmal nich weiter - Karte war zu Ende.

Keine Sau da. Am nächsten morgen sollte einmal der Fischer seine Reusen kontrollieren, aber das war's dann auch. Perfekte Anlegestelle gab's da auch - so'ne kleine Lichtung mit Feuerstelle und Bäumen drumrum zum Holz sammeln. Um uns rum nur Nutur pur [cuul, uun Sutz mut nur 'u' und uunum Schruubfuhlur]. Und mitten drin wir: Laut Techno, laut schnattern, ...da fällt der Reiher fast vor Schreck vom Ast. Party geht weiter. Feuerholz wird gesammelt. Essen gegessen. Feuer gemacht. Party partiet weiter... Bis irgendwem wem auffällt: "Ey, samma, wenn wa jetz schon extra inne Natur fahren - weit weg vonna Zivilisation - wolln wa uns denn vielleischt ooch einfach ma die Natur anhörn und die Mukke ausmachen?" Kluger Einfall - wird also gleich umgesetzt, nur das Geschnatter geht fröhlich weiter.
Irgendwann sitzen nur noch Justus und ich am Feuer - ein letztes Aufbäumen der Partymeute und dann können sich auch endlich mal Hase und Igel gute Nacht sagen - Schicht im Schacht.
Also ging's inne Koje... dazu wird das Floß einfach umgebaut und man hat echt relativ viel Platz zu pennen. Zwei von den sieben Anwesenden haben im Zelt geschlafen der Rest uffm Floß.

Am nächsten Morgen ging's dann nach dem Frühstück zurück. Über einem See flog ein Seeadler und hat sich immer wieder in Wasser gestürzt um irgendwas ausm See zu fischen und hats dann aber immer wieder fallen lassen oder mit Absicht zurück geworfen. Schwer zu erkennen, weil wir waren noch relativ weit weg. Dann irgendwann schraubt er sich hoch und fliegt über das angrenzende Feld und zieht da seine Kreise. Kaum ist er über dem Feld, kommt ein Rabe dazu und fängt an ihm hinterher zu kreisen - immer dichter. Schnell ist auch noch ein zweiter Rabe da. Die Raben versuchen immer über den Adler zu kommen und gehen dann in den Sturzflug über. Offensichtlich wollen die den da nich haben. Kurze Zeit später kommt noch ein zweiter Adler dazu. Die Adler selber greifen nich so wirklich an, lassen sich da aber auch nich vertreiben. Das spiel geht ewig - irgendwann sind sie außer Sicht. Beeindruckend war, dass sie alle trotz der ziemlich krassen Manöver zwischendrin die meiste Zeit relativ ruhig geflogen sind [Energie sparen?]. Ein Großteil war taktisches Fliegen, bei dem die Raben immer langsam versucht haben über die Adler zu kommen und die Adler versucht haben unter den Raben wegzukreisen - aber ebend überhaupt nich hektisch oder so. Krasses Schauspiel.

Quasi auf die Minute um zwölf [Abgabezeit] kommen wir am Floßverleih an... brauchen dann aber nochmal gute 10 Minuten zum Einparken. Ein Teil der Gruppe verweilt noch kurz vor Ort und will sich noch was zu schnabulieren holen und ick nutze die Möglichkeit, dass der Regio netterweise über Potsdam fährt, um da auch nochmal mit den Locals ein Bier zu trinken.


Die kürzeste Nacht des Jahres zur längsten machen - Sommersonnenwende in Berlin

Sommersonnenwende wird in Berlin riesengroß gefeiert. Die Berliner nennen es "fette la Müsik" [vermutlich türkisch?] und bauen dafür überall in der Stadt Bühnen auf, teilweise einfach auf der Straße.
Das muss ich mitnehmen. Also treffe ich mich erstmal mit Ansche und wir gucken erstmal zu einer Bühne bei ihr um die Ecke. Ich befürchte schon, dass die Berliner die Sommersonnenwende eher traurig finden, da die gute Frau auf der Bühne die ganze Zeit weint und auch die Zuschauer sitzen einfach nur rum. Macht auch irgendwo Sinn zu trauern, schließlich werden ab jetzt die Tage kürzer. Geht also alles langsam den Bach runter. Als sie dann auch noch anfängt in das Geheule Jodeleinlagen mit einzubauen gehen wir. Schon schlimm genug, dass die Tage jetzt wieder kürzer werden, muss man sich nich auch noch den Tach versauen. Also fahren wir Richtung Treptower Park um uns da mit Lisa zu treffen und da mal die Lage zu checken.
Aber die Bühnen da sind auch nich so das Gelbe vom Ei oder auf irgendwelchen Clubgeländen mit ewig anstehn. Also weiter zum Ostbahnhof. Und da is dann endlich Party nach unserm Geschmack.


Endlos viele Menschen, geile Mukke, alles tanzt. Irgendwann gegen Abend muss sich Ansche verabschieden, weil sie am nächsten Tag früh raus muss. Gegen 22h macht dann auch die Bühne zu. Das heißt aber nicht, dass da dann schon Schluss wäre. In der Dämmerung ziehen sich die Berliner auf die Dächer zurück und da bei uns Cornelia auch eine Sommersonnenwendfeier orgnasiert hat, schließen wir uns dem Ritual an....

Das Dach war extremst geil hergerichtet, mit Bepflanzung, ....

...geilen Lichtinstallationen hier und da, weiterer Deko, guter Mukke, lecker Essen, ordentlich zu trinken, vielen coolen Leuten und und und.

[Den folgenden Text könnt ihr Wahlweise mit der deutschen Stimme von Sir David Attenborough oder der Stimme vom kleinen Tierfreund lesen] Der gemeine Berliner zieht sich in dieser besonderen Nacht auf hochgelegene Orte wie Hausdächer zurück, um dem fahlen Licht des Mondes möglichst Nahe zu sein, welches er dann in rauschartigem Zustand umflattert.

Es wird später und später, bzw. früher und früher... Einige gehen, einige kommen dazu und so wird bis zum Sonnenaufgang weitergefeiert. Gegenüber von der Sonne steht ein krass heller Mond am Himmel. Dann irgendwann um zehn Uhr morgens brechen wir unsere Zelte ab un gehen ins Bettchen.
Und da habe ich dann auch endlich verstanden, was der Berliner am 21. Juni eigentlich feiert. Nicht den längsten Tag des Jahres, sondern die kürzeste Nacht. Und da Berliner sowieso mehr nachtaktiv sind, haben sie allen Grund zur Freude und feiern also, dass die Nächte ab da wieder länger werden.


Leute, Treffen, Essen, Trinken, Feiern - 
Leute treffen, essen, trinken, feiern

Bevor da jetze aus Britz irgendwelche Beschwerden kommen, ob ich nich'n noch dööferes Foto hätte finden können... Nee, nach stundenlanger Sondierung es vorliegenden Materials, bin ich zu dem Schluss gekommen, das is echt das schönste Foto... so im Durchschnitt... Dit hier strahlt ma echte Lebensfreude aus, während uff den andern immer wer aussieht, als wäre dit Essen verdorben... und dit war't ja nu wirklich nich.. Dit war ja voll lecker...

Das mit dem permanent Bier saufen, is natürlich Quatsch. In Wirklichkeit kipp ich mir in Berlin nur alle möglichen Hipsterbrausen hinter die Kiemen, die keinen Alkohol enthalten, dafür aber ganz viel Koffein - Ich behaupte das mit dem Bier allerdings des Klischees wegen - will ja den Leser nicht all zu sehr verwirren...

BBQ können die Deutschen auch... allerdings grillen sie über bereits verbrannten Holzstückchen, die sie nochmal anzünden... Diese Art des Grillens führt dazu, dass die Würstchen außen nicht wirklich schwarz werden und das Steak aber durch is... Beides wird in Berlin als Qualitätsmerkmal angesehen. Hätte ich ja vorher nicht gedacht, aber schmeckt auch echt lecker.

Ich Spezi... Die Berliner Bier...

Weiß leider nich mehr genau, was davor über meine Fotogenität gesagt wurde, aber die Richtung ist doch gut zu erkennen...


Nicht nur in NZ gibt es Probleme mit illegalen Einwanderern

Es gibt zwar viele Binnengewässer in Berlin, aber eben noch viel mehr Arbeitslose, Schulschwänzer, Studenten und Rentner in Berlin... Wenn's dann im Sommer warm wird, kommen alle auf die gleiche Idee: Fahrnwa doch einfach ma an See.
Insofern muss man sich in Berlin schon einigermaßen auskennen, wenn man an einen See will, der nich total überrannt is. Kenne mich zwar nich aus, aber kenne Leute, die kennen. Und so geht's mit Lisa und Ansche an See. Für mich als Kiwi immernoch total überrannt und schon etwas irritierend die Freizügigkeit, wenn Dir im Wald grinsende, nackte Männer mit fröhlich hin und her schwingender Latte entgegenkommen - aber scheint hier keinen zu stören. Also auch nich weiter schlimm. Ich mein, man darf überall trinken, auf der Autobahn so schnell fahren wie man will... warum auch nich, is eben alles n bisschen liberaler und relaxter in Berlin.

Pflanzen uns dann da irgendwo an den Strand. Extremst heißer Tag, aber zum Glück is der See relativ tief und damit kühl und klar - sehr erfrischend. Da wir mit der Sonne immer weiter rücken, sitzen wir auch irgendwann mal neben einer Gruppe Jugendlicher. Voller Hormone und Tatendrang. Da aber leider an so'nem See nich viel zu tun is, kompensieren sie das mit einer Kräuterzigarette. Und wie überall auf der Welt ist es auch diesmal genau das gleiche Spiel... Wir nutzen das Schauspiel und üben uns in Vorhersage [unseren hellseherischen Fähigkeiten sollten auch nicht enttäuscht werden]:
Erstmal rumprollen wieviel jeder schon gebaut hat, wann das letzte Mal, wer's am krassesten kann und so weiter [Das ganze gespickt mit permanentem gegenseitigem Beleidigen]. Das geht solange bis die Bauphase abgeschlossen is. Dann wird das Machwerk angezündet und bewertet [weiterhin ganz wichtig: Pöbeln]. Und dann is relativ schnell erstmal Ruhe. 20 Minuten wunderbare Stille. Plötzlich is wieder echt schön am See... und irgendwann geht's dann langsam wieder los. Erst eher ruhig und wenig, bis sie dann irgendwann wieder auf ihrem Anfangsniveau angekommen sind [sowohl was Beleidigungsanteil, Lautstärke und Gesprächsinhalte angeht]. Da denkt man sich dann: "Na Jungs, kommt, einen könnta noch? Hm? So'n kleinen noch? Meinta nich?"

Kaltes, klares Wasser

Irgendwann geht's wieder Richtung Heimat und bei einer kurzen Rast hören wir im Baum was rascheln und siehe da - Das europäische Gegenstück zum Possum: Kuschlig, niedlich, putzig, süß aber eben fremd und deshalb haben die jeweiligen Regierungen beschlossen es entschlossen zu bekämpfen. Weil es den Alteingessenen die Würmer vor der Nase wegfrisst... Der Waschbär.
Endlich weiß ich warum die Dinger "Bären" heißen: Tappst da voll pussierlich im Baum rum - von den Bewegungen her wie ein etwas zu klein geratener Bär.


16 Juli 2016

WiB - Teil 3 - Ostsee ...und Autobahn

Im Norden wird Berlin von einem Meer begrenzt - Der Ostsee. Das ist nicht weiter irritierend, schließlich steht die Sonne mittags auch im Süden. Da muss man sich dran gewöhnen, dass das mit den Himmelsrichtungen alles anders is.

Um zur Ostsee hinzukommen muss man Autobahn fahren. Und das ist einer der wenigen Punkte, in denen mein Berlinbesuch jeder anderen Kiwi-Overseas-Experience gleicht: Autobahn muss sein. Schließlich kann man so schnell fahren wie man will ...oder genauer gesagt: So schnell fahren wie das Auto fährt - wollen will man ja meist noch mehr. Kann man bei uns natürlich auch in einigen Regionen, ...wenn die Straße mal mehr als 1km halbwegs grade is und man von den Kollegen erfahren hat, dass der Dorfbulle grade im Pub sitzt. Der Vorteil an Autobahnen is, die sind immer grade und es ist egal, was die Pozilei grade macht.
Also Karre besorgt. Mit dem rechts Fahren is gar nich mal so'n Problem. Da sind Rolltreppen viel schlimmer: Rennst drauf zu und merkst dann einen Meter davor, dass sie dir entgegen kommt. Oder Fußgänger kommt dir entgegen, du willst ausweichen und der Macht aber voll einen auf Provo und zieht in die gleiche Richtung. Bis einem einfällt, ist ja alles historisch bedingt rechts in Berlin und man selber hat grade provoziert, weil man so'ne linke Geschichte abgezogen hat ...in einem Rechtsstaat. Oder Straße überqueren war bis zum Schluss jedes mal Glücksspiel.
Aber, nun gut, wie gesagt, rechts fahren geht ja... wird nur erheblich erschwert durch die Konstruktionsweise der berliner Autos. Zum Schalten muss man jedes mal umständlich über sich rüber greifen, weil jemand den Ganghebel [? Schaltstock? Motorübersetzungsregulator? Getriebeknüppel? Zahnradschieber? Das Ding zum Gang einlegen...] auf die rechte Seite gebaut hat. Geblinkt wird in Berlin mit dem Scheibenwischer - zumindest, wenn man zu stur oder blöd ist, mal einfach den Hebel auf der anderen Lenkradseite auszuprobieren. Und wenn man gemütlich den Ellenbogen auf'm Fenster ablehnen will, bekommt man böse Blicke vom Mitfahrer, weil der den plötzlich im Gesicht hat.
Aber das alles tut dem Fahrspaß keinen Abbruch. Huiiiiii.... Wrummmm.... Määämmmmm.... Und die Autobahn hoch nach Rügen über Prenzlau is relativ leer und keiner hängt unnötig auf der Überholspur rum oder drängelt - fetzt.
Ansche kommt mit und klärt mich die ganze Fahrt über über Verkehrsregeln auf. Gott, gibt das viele! In Berlin braucht man kein Navi [die Autobahnen sind kreuzungsarm und gut ausgeschildert], dafür aber einen Verkehrsrechtsexperten.

Wir fahren nach Rügen. Rügen ist quasi so wie Northland, man kommt über eine große Brücke rauf und da is dann viel Natur, viele Touristen, viele reiche Leute und einige mürrische Ureinwohner [allerdings sind die in Rügen noch nicht so weit zivilisiert wie hier: Die wohnen noch in Hütten mit Schilfdach - ehrlich jetze!]. Fühle mich fast wie zu Hause.

Am ersten Abend is nich mehr viel los, also schlendern wir nur noch mal runter zum Bodden und gammeln noch ein Bier lang auf einer Bank im Breeger Hafen rum. 10m weg von uns sitzt eine rüstige Rentnertruppe. Vermutlich nicht mehr beim ersten Bier und machen Party für's ganze Dorf mit. Hat was, aber wir gesellen uns dann doch nich dazu. Erstmal Armbrot. Dann vor zum Strand [Bodden is ja kein richtiges Meer]. Dunkelt schon langsam, aber muss trotzdem sein. Irgendwann wird's dann doch kalt , also wieder zurück.
In Breege is ähnlich viel los wie in Auckland an einem Dienstagabend. Fuchs und Hase sagen sich gute Nacht, also wir auch, schließlich will am nächsten Morgen die Ostsee erkundet werden.

Für den ersten Tag steht Kap Arkona auf'm Plan. Das is so wie Cape Reinga. Ist zwar nicht ganz der nördlichste Punkte aber hat dafür eine krasse Klippe und taugt deshalb als Touristenattraktion viel besser als irgendein komischer Strand der etwas weiter nördlich liegt. Aber, immerhin war Kap Arkona vor der Wiedervereinigung der nördlichste Punkt von Ostberlin. Und das is schon relevant, weil ich habe mir sagen lassen, Ostberliner haben sowieso den Längeren... oder zumindest die größere Klappe.

Fahren dahin und der erste Schock, man kann nicht mit dem Auto direkt rauf fahren, sondern muss hinlaufen. Autobahnen bis zum geht nicht mehr aber dann kurz vorm Ziel aufhören, na toll! Also laufen. Nächstes Ding, man muss für den Parkplatz bezahlen. Was kommt als nächstes? Dass man auf Autobahnraststätten für die Toiletten zahlen muss? Wobei das wäre mal ganz klug, bei dem vielen, billigen Bier, das wieder über Toiletten reinzuholen.
Stellen also die Karre ab und laufen los.

Auf'm Weg Richtung Kap...

Ganz Kiwi-mäßig barfuß... bekomme dann aber Zweifel, obgrund des steinigen Untergrunds, wie lange das gut geht...

Gehe also nochmal zurück und erwähne dabei, dass ich hoffe es regnet nich, weil ich die Fenster vom Auto offen gelassen habe. Bekomme von Ansche eindringliche Anweisung, dass man das in Berlin nich machen soll, weil dann is das Auto so gut wie geklaut - schon etwas übervorsichtig die Berliner.

Laufen erstmal nach Vitt und dann unten am Strand ums Kap rum. Dran vorbei und dahinter hoch.

Strand nahe Vitt... die Klippen wachsen langsam

Kap Arkona mit dem berühmten Kugelturm... so weit ich mich erinner, irgendein Positionsdingsi für Schiffe... wobei sieht mehr wie'n Teleskop oder so aus

Gehen dann erstmal runter zum Meer... weil is ja doof zur Ostsee zur fahren und dann nicht an der Ostsee zu sein, wa?
Da stehen nirgends Schilder die es explizit verbieten unten am Kap vorbei zu gehen. Nur Warnungen, dass es gefährlich is...

...also gehen wir weiter

Kap von unten

....hinterm Kap wird der Strand wieder breiter und man kann wieder etwas Abstand zu der sich dutzende Meter auftürmenden Bröselkreide nehmen

Hier eine kleine Anekdote mit Bildern zum Thema Kontinuität.
Grunddschulzeit: Mit Kumpel jedes Jahr am Meer. Hohe Klippen. Mütter auch mit. Kumpel und ich wollen zum Strand. Jedes mal kommt es zum gleichen Dialog.
Mütter so zu uns: "Ja klar, geht spielen, aber klettert nich in den Klippen rum - das is gefährlich."
Wir so: "Neeee, machn wa nich."
Mütter: "Und macht euch nich die Schuhe nass."
Wir so: "Nee, wir passen schon auf."
Nachmittags kommen wir dann mit sandig-lehmigen Hosen und nassen Schuhen wieder: "Ja, dis is so passiert, ...keine Ahnung wie."

Erwachsnenleben: Mit Kumpeline am Meer. Hohe Klippen. Mutter darf nich mehr mit. Also gibt es vor Abreise folgenden Dialog.
Mutter: "Viel Spaß im Urlaub, aber klettert nich in den Klippen rum."
Ich so: "Neeee, machn wa nich."
Mutter sind die nassen Schuhe inzwischen anscheinend egal. Nehme mir aber trotzdem vor keine nassen Schuhe zu bekommen. Alleine schon aus Nostalgiegründen.
Zum Strand runter sind wir auch nich über Klippen, sondern per Treppe. Nur dummerweise wird der Strand irgendwann sehr schmal und dann nicht-existent...

Hier kann man grade noch unten lang... aber auch dieser schmale Streifen is bald weg

...also bleibt uns gezwungenermaßen garnix anderes übrig als da hoch zu krabbeln.

...fühlte sich in echt steiler an, als es auf dem Foto aussieht... und stellenweise glitschig....

Aber schön endlich mal Fotobeweise zu haben, dass ich da garnix für kann [Nein, zurück gehen ist keine Option.... niemals!], man wird quasi genötigt da rum zu klettern. Geht ja garnich anders. Und so war das früher auch immer: Alternativlos. Aber nie wurde einem geglaubt.
Hatte bis zu dem Zeitpunkt allerdings noch keine nassen Schuhe. War etwas enttäuscht und habe vermutet es liegt daran, weil Muddern nicht explizit gesagt hat, dass ich aufpassen soll, mir die Schuhe nicht nass zu machen. Sollte allerings später noch oben aufm Kap dazu kommen. Wie es dazu kam bleibt allerdings ein Geheimnis aller Anwesenden. =)

Hier und da versuchten die Menschen auch mal wieder die Landschaft mit Seebrücken zu verschandeln... zum Glück holt sich das Meer alles zurück: Tand, Tand, ist das Werk von Menschenhand... Spittel, Spittel, sind der Menschen Mittel

Shags colonizing the remains of human boast
Entdecken dann endlich eine Treppe hoch... is allerdings gesperrt, Betreten verboten, kaputt und unpassierbar... Hmmm, dann wohl doch woanders hoch.

Die Königsdisziplin schlechter Fotografie: Gestelltes, pseudowitziges Erklärbild: Auf dem Warnschild auf der Tür steht: Betreten verboten, Lebensgefahr... Da ich aber inzwischen eine ordentliche Sammlung dieser Schilder-ignorier-Fotos habe und das so das letzte bisschen Anarchie is, was man in meinem Alter noch macht, isses hier hochgeladen.



Endlich finden wir dann einen Weg hoch. Da liegen dann zumindest die Hier-nicht-weiter-wegen-Lebensgefahr-Schilder... Aber liegen eben rum... Also gelten die auch nich...
Oben is dann so toll, dass ich glatt vergessen habe, Fotos zu machen. Echt voll geil da oben, aber müssta wohl selber hin... die bisherigen Fotos sind quasi der Teaser =)

Dann geht's zurück zum Auto. Es fängt an zu tröpfeln und ich meine so: "Hmmm, hoffentlich regnet's nich ins Auto." Ansche guckt mich an: "Wie? Ich dachte du hast vorhin die Fenster zu gemacht..." Icke so: "Nö, war mir nur Schuhe holen... meintest du das ernst mit dem Auto klauen?" ....Ansche meinte das ernst. Hmmm, sind vielleicht doch wir Kiwis etwas zu gutgläubig? Ich mein, ich hab das Auto immerhin abgeschlossen - alleine das is schon gewöhnungsbedürftig.

Am Abend gab's dann lecker Essen in Breege.... richtig geil Scholle... Omnomnomnom!

...und dazu ein Rostocker Pils ...oder zwei
Am nächsten Tag stand Nationalpark Jasmund auf'm Plan. Ähmmm, also hab ja schon festgestellt, dass ihr Berliner das nich so mit Natur habt. Is ja auch okay, aber wenn ihr etwas National Park schimpft, dann sollte es doch schon etwas größer als ein paar Quadratkilometer sein und vor allem vielleicht ohne menschlichen Eingriff. Selbst in euren National Parks räumt ihr den Waldboden auf! WTF? Forstgrundstück Jasmund wäre passender. Aber gut, schön is ja trotzdem... und an manchen Ecken sieht's fast aus wie Abel Tasman Nat'l Park. Hab deshalb auch mal einige Fotos aus der Heimat eingefügt - zum Vergleich.

Aufgeräumter deutscher Wald. Ordnung muss sein.

Hier mal ein Foto aus Abel Tasman.. Strände, Klippen und Natur

...Natur runter bis zum Meer... kaum bricht was ab, schon wir es wieder bewachsen... mutig, mutig

Steilküste auf Coromandel...

Wir gehen dann weiter den Küstenweg lang. Noch eine Sache ist wie in NZ, sobald man nich den normalen ausgeschilderten Touristenwegen folgt, trifft man auch relativ* wenig Menschen.

*relativ in NZ = quasi niemand
*relativ in Berlin = alle paar hundert Meter mal wer, teilweise auch weniger... für mich also eigentlich komplett überlaufen

Krabbeln irgendwann mehr durch's Gebüsch als wirklich noch wegen zu folgen und kommen plötzlich an einer Kneipe raus. Einige Mitarbeiter stehen an der Hintertür, rauchen und gucken uns doof an - vermutlich weil wir da ausm Gebüsch kommen, so denken wir. Viele Leute da, gibt aber Mittag und wir haben Hunger - also erstmal Fischbrötchen.
Stellt sich raus wir sind am Königsstuhl. Das Ding selber is eher solala. Kann man machen, muss man aber auch nich. Wollen dann den Klippenweg weiter und merken beim raus gehen, man muss da eigentlich Eintritt zahlen. Ahhh, deshalb haben die Restaurantleute so doof geguckt: Sah so aus, als würden wir den Eintritt prellen wollen. Naja, also wenn ihr mal da seid, Jasmund is cool, Königsstuhl mit Eintritt muss nich sein. Nehmt euch aber Stullen mit, weil für das Restaurant muss man auch Eintritt zahlen.

...eine Bucht an der East Coast, nahe Tokumaru Bay. Türkisblaues Meer, wie es das nur in Neuseeland gibt.

...obere Westküste der Südinsel. Komme ich nich aus einem echt schönen Land?

...aber gut, wieder zurück nach Rügen... da wo die Sonne auf den Strand scheint, soll es angeblich runter gehen, das ist also unser Ziel...

Rechts sind Mafiabäume und der Baum links hat ein Angebot abgelehnt, was er nicht hätte ablehnen sollen... bei der nächsten Sturmflut geht er wohl mit den Fischen schwimmen.

Hier nochmal ein Bild aus der Heimat: Wasserfall am Strand in den Catlins, etwas westlich von Nugget Point

Wieder Rügen: Und in der Tat, irgendwer hat da ne Treppe zum Strand runter gebaut.

Das obligatorische FaS-Foto

Strandholz am Cape Kidnappers [südlich von Napier].. ein Riesenbaum... interessant nur, wie der in die Position geraten is... hat den ein Riese an die Steilküste gelehnt?

Habe Ansche erzählt es gäbe in dem Seetang Bernsteine... hat sie aber nich wirklich interessiert... ich bin dann Donnerkeile sammeln gegangen auf die alten Tage

Ghastly grim and ancient raven wandering from the nightly shore // Tell me what thy lordly name is on the Night's Plutonian shore!' // Quoth the raven, `Nevermore.'


Eine Möwe... in Ländern in denen der Mond falschrum am Himmel hängt, dürfen Möwen auch schwarz sein - logisch.

Miniatur der Steilküstenlanschaft aus Seetang


Ansches Aussicht während ich Donnerkeile sammeln war...
Dann irgendwann geht zurück zum Auto und weiter zum allerallerletzten Zipfel von Rügen - Dranske. Erwarte irgenwie ein kleines Kaff. Das erste, was ich von Dranske sehe sind Plattenbauten... und das hier oben! Aber irgendwann wird der doch recht große Ort noch etwas stilechter und wir finden ein schönes Restaurant mit lecker Fisch. Danach geht's zum Weststrand zum Sonnenuntergang gucken. Nennt mich Hippieschwuppe, könnta gerne machen, aber Ostsee ohne Sonnenuntergang is so wie irgendwas beliebiges Anderes ohne was ganz Wichtiges was einfach unbedingt zu dem beliebigen Anderen dazu gehört [war jetzt grade zu faul, mir da ein konkretes Beispiel auszudenken, aber das Prinzip sollte klar sein]. Richtig geil, man kann von da aus die Nordküste von Hiddensee sehn... Die Hasenohren und den Leuchtturm von Kloster mit der Steilküste davor. Voll genial ...Ostsee, Sonnenuntergang und Hiddensee.

Dann geht's zurück Richtung Breege. Weil Ansche aber grade noch Spaß am Fahren hat, gurken wir noch ne Weile über die Insel bis wir ne Tanke finden. Garnich so einfach da - machen nämlich alle irgendwann zu. Je mehr es nachtet, je mehr Tiere kommen raus und versuchen sich überfahren zu lassen... sag nochmal einer es gäbe keine Natur in Berlin.

Am nächsten Tag war dann auch schon Rückreise, aber noch einen kurzen Abstecher nach Prora. Kannte ich ja schon aus der Luft und da sah das ja extremst beindruckend aus. Jetzt wird das alles zu Nobelappartments umgebaut, überall Touris und so'ne NVA-Nostalgie-und-Nazi-Hype-Scheiße. War bestimmt mal ein krasses Mahnmal is jetzt aber dumm-tourifiziert, ostalgifiziert und gentrifiziert.... machen die Schwaben vor garnix mehr halt? Prora? Alter Schwede!


Kraft durch Freude am Tanzen

Wenn das der Führer wüsste
Rückweg war dann wieder Autobahnfahrn angesagt. Also Berliner können zwar schnell, diszipliniert und ordentlich fahren aber anscheinend auch nur bei gutem Wetter. Fing dann so ein bisschen an zu regnen. Passiert anscheinend in Berlin eher selten, so ein Regenschauer. Fahren plötzlich alle rechts und bremsen ab auf 80km/h. Wie die Aucklander, alter! Können auch nich an die Situation angepasst fahren - bzw. wohl schon aber haben einfach keine Erfahrung mit Wetter. Linke Spur is zum Glück komplett frei. Dadurch auch super Sicht, weil keine Gischt mehr vom Auto vor einem. Dabei is Autobahn aufgrund des Kurvenmangels ja nich mal anspruchsvoll. Kann man also schön mit 100 weiter.
Kaum is der Regen vorbei, erwachen alle wieder. Überhol-Ballett fängt an [in Berlin darf man anscheinend nur links überholen und nich wo man will... macht allerdings auch Sinn bei mal so locker 60 - 80km/h Geschwindigkeitsdifferenz]... und irgendwann schneidet mich einer. Will ihm also per Lichthupe meine Meinung mitteilen. Scheibenwischanlage geht an.... Arrgh, blöde Hebelvertauscherei... naja, dem hab ich's auf alle Fälle gezeigt!

PS: Habe im Nachgang erfahren, dass ich mein erstes Speeding-Ticket auf einer echten Autobahn bekommen habe. Dachte mir: "Boah, geil, dass muss ich den Kollegen hier zeigen - zu schnell da gefahren, wo man so schnell fahren kann wie geht." Ritterschlag! Und, was war? 113km/h und 100 war erlaubt. Na toll: Das kann ich auch hier haben... Spielverderber!

PSS: Mal abgesehen von dem Ostsee-Post sind in der ganzen WiB-Reihe fast keine Fotos von mir [und selbst hier is ein großer Teil der Fotos von Ansche]... Danke nochmal an alle die Fotos gemacht haben [Ansche, Lars, Ramy, Thomas, Mutti, Lisa ....hab ich wen vergessen?]

11 Juli 2016

WiB - Teil 2 - ILA, Familie, Konzert

Na gut, denn war ich also sowieso schon wach, also konnten wir ja alle planmäßig früh zur ILA. ILA is so'n bisschen wie die Flugshow der New Zealand Royal Airforce [NZRAF] zum ANZAC-Day [brauch ich ja nich erklären, was das ANZAC is, weiß ja jeder]. Eben marginal größer diese ILA. Die Hälfte des Programms der ILA bestand aus "Leistungsdemonstrationen der Bundeswehrmacht". Habe mir von Berlinern sagen lassen, die Worte "Leistung" und "Bundeswehr" sollten eigentlich nich in einem Satz gemeinsam auftauchen. Also sowas...

Zumindest in der Selbstpräsentation wirken die doch ganz passabel... Auf einen Kiwi, wie mich. Und ich komme schließlich aus einem Land, dass für seine Flugzeugrestauratoren weltweit Ruhm genießt - wir kennen uns also mit altem aber noch flugfähigem Material aus. Man muss ja nich immer gleich alles neu kaufen, wa? Bis das mal mit dem Dampfer gelifert wird. Ein bisschen No8-Draht an die lockere Tragfläche gezwirbelt und schon hebt der Vogel wieder ab.
Nur das Logo der Luftwaffe is etwas steif und altbacken, meiner Meinung nach. Und wenn man die Berliner nach der Geschichte fragt, werden sie eher ausweichend. Die ganze Sache mal mit etwas mehr Humor nehmen - Wir Kiwis hatten da ja auch etwas zu suchen. Im zweiten Weltkrieg hatten wir unsere ersten eignen Flugzeuge und da wollte sich die NZRAF natürlich ein wenig von den Engländern abheben. [Die Kameraden aus dem Mutterland haben als Symbol ja einen roten Kreis, darum ein weißer und darum ein blauer Kreis]. Also haben wir Kiwis da ein großes, schwarzes "NZ" in den roten Kreis gemalt. War im vorbeifliegen mit einem Hakenkreuz zu verwechseln - doof damals. Also dann den Silberfarn als Nationalsymbol auf den roten Kreis. Dummerweise ist in der Heraldik silber = weiß und in angelsächsischen Militärkreisen steht die weiße Feder für Feigheit - auch doof. Na denn hamwa doch einfach das Nächstliegende genommen - unseren Nationalvogel:

Stinkt, vom Aussterben bedroht und flugunfähig ...perfekt für's Logo der NZRAF

Ziel war es al-ler-spä-tes-tens zur Vorführung der A350 da zu sein. Habe dann den ersten Auftritt von Airbus neuem Wundervogel aus dem Shuttle-Bus beobachtet. Aber selbst aus noch einiger Entfernung schon krass. Es sollte zum Glück später noch eine zweite Vorführung geben, die ich dann auch aus nächster Nähe betrachten konnte. Und das muss man ja schonmal sagen: Was die Ingenieure da bei Airbus geleistet haben - großen Respekt. Und grade das High Lift System is ja bei so langsamen Flugmanövern, permanent kurz vorm Strömungsabriss, sehr sehr wichtig. Also das für so'nen eleganten Passagierflieger zu entwickeln... und das dann alles noch zu testen - das müssen schon echt geniale Typen gewesen sein. Soll ja [laut ...ähm... Wikipedia] voll dis High-Tech-High-Lift-System gewesen sein. Das alles zu testen, ja, dass das so gut funktioniert und da nich ma ne Klappe abfällt, manmanman, ...also wer mal zufällig so'n Tester irgendwo trifft, sollte den mindestens auf'n Bierchen einladen.

Sonst is ILA auch wie ANZAC-Day: Ein guter Grund zum Trinken Kontakte zu potentiellen Geschäftskollegen zu knüpfen....


Hier ein paar junge, dynamische Aviation-Businessmen auf der Suche nach dem nächsten Luftfahrt-Deal ...die bei dem heißen Wetter permanent JA!-Apfelsaft trinken, um einen kühlen Kopf zu bewahren.

...schon bald treffen sie auf eine weitere Branchengröße und harte Verhandlungen beginnen direkt vor Ort...

...und so kommt es auch relativ zügig zum Geschäftsabschluss über eine neue, geheime Technologie unter dem Leitwerk einer der hier zufällig parkenden US Airforce Maschinen...


Nett von den Amis die da so hinzustellen.. kann man schön geheime Verträge abschließen ohne das irgendwer was mitkriegt... wie auch.


Die harten Verhandlungen? Die krasse Sonne an dem Tag? Oder ist Jet Lag vielleicht ansteckend... aus irgendeinem Grund muss er ja so müde gewesen sein, dass er da ein kleines Nickerchen macht.

So, das is hier ma so'ne Leistungvorführung der Bundeswehr... n Eimer Wasser auskippen. Toll.
 Absolutes High-Light mal wieda die Patrouille Swiss. Wie immer, unglaublich beindruckend.

Am nächsten Tag war dann erstmal Familie angesagt. Wer sich jetzt wundert, wie das zusammen geht: Ich als waschechter Kiwi aber Familie in Berlin... Wir Kiwis waren schon immer sehr umtriebig [hat ja jeder so seine Overseas-Experience] und so ist eben ein Teil meiner Familie vor ca. 10.000 Jahren nach Europa ausgewandert und hat sich dann irgendwann in Berlin angesiedelt.
Und da gab's dann extra für mich beim Fleischer bestellte und frisch gemachte Thüringer Würste... und das war nur der Auftakt in den kommenden Wochen sollten noch Kartoffelpuffer, Buletten mit Kartoffeln und Mohrüben, Blutwurscht mit Kartoffeln und Sauerkraut & weitere Glanzstücke berlinerischer Kochkunst dazu kommen... Omnomnomnomnomnom... und sowieso mal wieder echtes Brot... Hier nochmal danke an alle die mich bewirtschaftet haben, allen voran meine Omi ...da wo't einfach ma am besten schmeckt, wa... Mist, jetzt habe ich Hunger!!

Tags darauf war dann Konzert in der Waldbühne. Sollten irgendwie 5 Bands [oder mehr] spielen. Die großartigen Beatsteaks, die wunderbaren Seeed und dann noch irgendwelche Hiphop-was-auch-immer-interessiert-sowieso-keine-Sau-Heinis. Sollte um 5 losgehen. Ich also relativ früh zur Ansche gefahren damit da kein Stress is. Extremst heiß an dem Tag. Also erstmal auf die Terrasse [bzw. den etwas zu groß geratenen Balkon] und schön ein kühles Bierchen getrunken. Dann kam noch Saskia vorbei, wir also los-geh-fertig... theoretisch. Aber weil wir alle eigentlich nur wegen Seeed und Beatsteaks da hin wollten und die ja vermutlich eher zum Schluss spielen und es noch so warm war und auf dem Balkon so gemütlich, haben wir da noch eine Weile rumgegammelt. Irgendwann war es dann schon gut nach 19h... wir also gemütlich los irgendwann... So gegen 20:30h da angekommen [sollte noch 2h gehen] und wir haben grade unser Bier geholt, just in dem Moment fangen Beatsteaks an. Pörfekt! Spielen so lange ein echt geiles Konzert, dass danach nur noch eine Band Zeit hat.... Und wie sollte es anders sein an einem genialen Tag: Seeed. Spielen bis 22:30 Schluss sein muss wegen irgendwelcher Lärm-Blablubb...


Kommen dann raus und da spielt dann am Ausgang noch eine Band ein unangemeldetes Konzert. Gehen echt gut ab [Shoshin oder so aus England]. Und weil die Bullen keinen Bock auf Stress haben, warten sie erstmal bis das Gros der 25.000 Besucher vorbei is und räumen erst dann. Dadurch konnten die Jungs fast ein komplettes Konzert spielen.
Die noch anwesenden Berliner haben natürlich vollstes und komplettestes Verständnis für den Polizeieinsatz und gehen brav und ohne Murren nach Hause.
Dank der dritten Band für uns an diesem Abend sind sogar die U-Bahnen wieder angenehm leer.
Dann noch nach Kreuzkölln für ein Abschlussbierchen am Landwehrkanal [is nämlich laut Lonely Planet eines der Must-Do-Dinger in Berlin... voll hipp ey].
Einfach ein perfekter Tag: Sommer, Sonne, Mukke, alles läuft ohne den geringsten Stress wie geschmiert und wenn man denkt es ist schon alles vorbei gib's noch ne richtig geile Zugabe. Dit is so'n Tach, der is einfach so schön, den vajisste nich so schnell.

08 Juli 2016

Winterurlaub in Berlin - Teil 1 - Ein ganz normaler Tag

Wer bei uns was auf sich hält, macht ja bekanntlich Urlaub in Europa. ...weil mal eben so auf eine einsame Pazifikinsel kann ja jeder für ein paar Hundert NZ$ mit Jetstar. Is ja nix besonderes. Also Flug gebucht und ab nach Berlin.

Ich wollte jetze aber nich so'ne Standard-Overseas-Experience haben wie andere Kiwis, so mit Bierfest beuschen, Schlösser angucken und Sausage-Party, sondern ma so echt den Urban Jungle erkundschaften. Haben wir hier ja nich. Habe zum Glück die ein oder andere Connection in Berlin und mich mit denen einfach mal treiben lassen.
Wurde daher morgens um 7:00 vom Flughafen Tegel [laut Lonely Planet von 2014 sollte der Berliner Flughafen "BER" heißen... muss Tegel wohl neu gebaut worden sein, weil der BER zu alt oder klein war... mitten in der Stadt - echt gut] abgeholt. Schön warm und sonnig draußen - is ja auch Sommer in Berlin. Fahren 2 Stationen mit dem Bus und setzen uns vor einen Kiosk. Berliner Frühstück: Kaffee und Bier. Sitzen in der Sonne, gucken den Leuten zu die zur Arbeit oder zum Landgericht müssen. Scheint normal in Berlin zu sein mit Bierfrühstück - keiner guckt. Die Polizei kümmert sich auch nich um das Public Drinking - die fahren lieber irgendwelche Zäune von A nach B oder üben Kolonnenfahrt. Oder das hier ist keine Liquor-Ban-Area [ich kann hier schonmal vorweg nehmen, dass in Berlin anscheinend kaum irgendwelche Liquor-Ban-Areas sind oder die keiner ernst nimmt, weil alle Menschen permanent und überall trinken... selbst in den U-Bahnen in denen überall Aufkleber sind, dass es verboten is - schön].
Da man aber nich den ganzen Tag vorm Kiosk sitzen und saufen kann, fahren wir erstmal zu Veit, trinken da noch die Berliner Version vom Flat White: Einen Espresso, der dann noch zweimal mit Espresso aufgekocht wird und damit er nich so dünn is, packt man da nochmal ordentlich Instantkaffee rein und einen Tropfen Milch dazu damit das nich so auf den Magen schlägt. Zum Kaffee wird Bier gereicht.
Da man aber bei so schönem Wetter ja nich den ganzen Tag drinne sitzen und saufen kann, gehen wir in den Park holen uns einen Coffee-To-Go [Club Mate] und dazu gib's Bier.

Was der Berliner an konstantem Trinken gut macht, fehlt ihm an Durchhaltewillen. Da wir am nächsten Tag auf die ILA wollen, verabschiedet sich Veit irgendwann. Zum Glück habe ich Anfang des Jahres hier unten eine nette Berlinerin kennengelernt - Die Cornelia [siehe die ganzen Neujahrs-Posts]. Und da Berliner dafür bekannt sind, Gastfreundschaft mit Gastfreundschaft zu vergelten, bin ich bei ihr in der Wohnung während meines Besuches eingeladen. Cornelia ist gebürtig irgendwo aus dem Süden Berlins, weswegen sich ihre Mitbewohner hin und wieder über ihre Wortwahl lustig machen. Ich nich, schließlich höre ich diese feinen Unterschiede ja gar nich raus. Und dann verbietet mir meine Kiwi-Höflichkeit natürlich auch Witze über die Mistkübel und Schachterln meiner Gastgeberin zu machen.
Allerdings ist Cornelia in diesem Moment noch irgendwo. [Randnotiz: Nicht auf Arbeit... das machen Berliner nich so wirklich - besonders nich im Sommer... Berliner Wirtschaft funktioniert als eine Art Perpetuum Mobile: Es gibt überall Spätis, die extremst billiges Bier zu jederzeit anbieten. Damit das Bier so billig sein kann, muss der Späti es permanent massenweise unter die Leute bringen. Damit man konstant so viel kaufen und trinken kann, kann man nich 8h am Tag mit Arbeit verbringen. Da der Berliner nicht arbeitet, muss das Bier billig sein. Würde also die Spätikultur sterben oder der Berliner regelmäßig arbeiten, würde das ganze Wirtschaftsmodell zusammenbrechen.] Dafür ist aber ihre Nachtbarin auf dem Weg zur WG. Sitze also keine 15 Minuten vorm Hauseingang rum, da kommt sie schon. Da vor dem Hauseingang auch schön ist, trinken wir erstmal da ein Bierchen. Kaum ist das offen, kommen auch schon weitere Nachtbarn nach Hause und gesellen sich dazu. Irgendwann wird noch eine alte Bank aus dem Hausflur vors Haus gestellt, bis die Gesellschaft so auf 5 oder 6 Leute [inklusive Cornelia] angewachsen ist. Später wird die Berliner Wirtschaftsförderung aufs Dach verlegt, wo auch noch der Ein oder Andere kommt und geht.

Irgendwann geht die Sonne auf. Zeit in Bett zu gehen. Ich habe mein Ziel erreicht und den ersten Tag überstanden - ist wichtig ohne einzupennen, wegen Jet Lag. Da ich seit etlichen Tagen keinen wirklichen Schlaf mehr hatte [34h Flug + die Nacht vorm Flug um 3:00 morgens raus] freue ich mich endlich auf einen ausdauernden, wohlverdienten Schlaf. Gehe also so gegen 4:00 inne Heija ...um 6:00 spielt sich folgender innerer Dialog ab:
Körper: "Heyyyyy, guck mal: Draußen scheint die Sonne..."
Kopf: "Arrffffff, ich weiß... aber schlaf mal noch ne Runde..."
Körper: "Nee, Alter, Sommer, Sonne, Sonnenschein - was kann schöner sein..."
Kopf: "Rrrmmm, ja aber is doch nachher auch noch..."
Körper: "Yadayadayada Blabla... ich koch uns erstmal n Kaffe und dann geht's auf in den neuen Tag."
Körper ignoriert fröhlich den Kopf und startet in den Tag.

So, hier kommt jetzt die Tage noch ordentlich was dazu aber dafür muss ich erstmal Fotos eintreiben... kann also einige Tage dauern bis es weiter geht, aber dann sollte hier relativ zügig der komplette Winterurlaub in Berlin Stück für Stück hochgeladen werden.