Um zur Ostsee hinzukommen muss man Autobahn fahren. Und das ist einer der wenigen Punkte, in denen mein Berlinbesuch jeder anderen Kiwi-Overseas-Experience gleicht: Autobahn muss sein. Schließlich kann man so schnell fahren wie man will ...oder genauer gesagt: So schnell fahren wie das Auto fährt - wollen will man ja meist noch mehr. Kann man bei uns natürlich auch in einigen Regionen, ...wenn die Straße mal mehr als 1km halbwegs grade is und man von den Kollegen erfahren hat, dass der Dorfbulle grade im Pub sitzt. Der Vorteil an Autobahnen is, die sind immer grade und es ist egal, was die Pozilei grade macht.
Also Karre besorgt. Mit dem rechts Fahren is gar nich mal so'n Problem. Da sind Rolltreppen viel schlimmer: Rennst drauf zu und merkst dann einen Meter davor, dass sie dir entgegen kommt. Oder Fußgänger kommt dir entgegen, du willst ausweichen und der Macht aber voll einen auf Provo und zieht in die gleiche Richtung. Bis einem einfällt, ist ja alles historisch bedingt rechts in Berlin und man selber hat grade provoziert, weil man so'ne linke Geschichte abgezogen hat ...in einem Rechtsstaat. Oder Straße überqueren war bis zum Schluss jedes mal Glücksspiel.
Aber, nun gut, wie gesagt, rechts fahren geht ja... wird nur erheblich erschwert durch die Konstruktionsweise der berliner Autos. Zum Schalten muss man jedes mal umständlich über sich rüber greifen, weil jemand den Ganghebel [? Schaltstock? Motorübersetzungsregulator? Getriebeknüppel? Zahnradschieber? Das Ding zum Gang einlegen...] auf die rechte Seite gebaut hat. Geblinkt wird in Berlin mit dem Scheibenwischer - zumindest, wenn man zu stur oder blöd ist, mal einfach den Hebel auf der anderen Lenkradseite auszuprobieren. Und wenn man gemütlich den Ellenbogen auf'm Fenster ablehnen will, bekommt man böse Blicke vom Mitfahrer, weil der den plötzlich im Gesicht hat.
Aber das alles tut dem Fahrspaß keinen Abbruch. Huiiiiii.... Wrummmm.... Määämmmmm.... Und die Autobahn hoch nach Rügen über Prenzlau is relativ leer und keiner hängt unnötig auf der Überholspur rum oder drängelt - fetzt.
Ansche kommt mit und klärt mich die ganze Fahrt über über Verkehrsregeln auf. Gott, gibt das viele! In Berlin braucht man kein Navi [die Autobahnen sind kreuzungsarm und gut ausgeschildert], dafür aber einen Verkehrsrechtsexperten.
Wir fahren nach Rügen. Rügen ist quasi so wie Northland, man kommt über eine große Brücke rauf und da is dann viel Natur, viele Touristen, viele reiche Leute und einige mürrische Ureinwohner [allerdings sind die in Rügen noch nicht so weit zivilisiert wie hier: Die wohnen noch in Hütten mit Schilfdach - ehrlich jetze!]. Fühle mich fast wie zu Hause.
Am ersten Abend is nich mehr viel los, also schlendern wir nur noch mal runter zum Bodden und gammeln noch ein Bier lang auf einer Bank im Breeger Hafen rum. 10m weg von uns sitzt eine rüstige Rentnertruppe. Vermutlich nicht mehr beim ersten Bier und machen Party für's ganze Dorf mit. Hat was, aber wir gesellen uns dann doch nich dazu. Erstmal Armbrot. Dann vor zum Strand [Bodden is ja kein richtiges Meer]. Dunkelt schon langsam, aber muss trotzdem sein. Irgendwann wird's dann doch kalt , also wieder zurück.
In Breege is ähnlich viel los wie in Auckland an einem Dienstagabend. Fuchs und Hase sagen sich gute Nacht, also wir auch, schließlich will am nächsten Morgen die Ostsee erkundet werden.
Für den ersten Tag steht Kap Arkona auf'm Plan. Das is so wie Cape Reinga. Ist zwar nicht ganz der nördlichste Punkte aber hat dafür eine krasse Klippe und taugt deshalb als Touristenattraktion viel besser als irgendein komischer Strand der etwas weiter nördlich liegt. Aber, immerhin war Kap Arkona vor der Wiedervereinigung der nördlichste Punkt von Ostberlin. Und das is schon relevant, weil ich habe mir sagen lassen, Ostberliner haben sowieso den Längeren... oder zumindest die größere Klappe.
Fahren dahin und der erste Schock, man kann nicht mit dem Auto direkt rauf fahren, sondern muss hinlaufen. Autobahnen bis zum geht nicht mehr aber dann kurz vorm Ziel aufhören, na toll! Also laufen. Nächstes Ding, man muss für den Parkplatz bezahlen. Was kommt als nächstes? Dass man auf Autobahnraststätten für die Toiletten zahlen muss? Wobei das wäre mal ganz klug, bei dem vielen, billigen Bier, das wieder über Toiletten reinzuholen.
Stellen also die Karre ab und laufen los.
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| Auf'm Weg Richtung Kap... |
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| Ganz Kiwi-mäßig barfuß... bekomme dann aber Zweifel, obgrund des steinigen Untergrunds, wie lange das gut geht... |
Gehe also nochmal zurück und erwähne dabei, dass ich hoffe es regnet nich, weil ich die Fenster vom Auto offen gelassen habe. Bekomme von Ansche eindringliche Anweisung, dass man das in Berlin nich machen soll, weil dann is das Auto so gut wie geklaut - schon etwas übervorsichtig die Berliner.
Laufen erstmal nach Vitt und dann unten am Strand ums Kap rum. Dran vorbei und dahinter hoch.
| Strand nahe Vitt... die Klippen wachsen langsam |
| Kap Arkona mit dem berühmten Kugelturm... so weit ich mich erinner, irgendein Positionsdingsi für Schiffe... wobei sieht mehr wie'n Teleskop oder so aus |
| Gehen dann erstmal runter zum Meer... weil is ja doof zur Ostsee zur fahren und dann nicht an der Ostsee zu sein, wa? |
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| ...also gehen wir weiter |
| Kap von unten |
| ....hinterm Kap wird der Strand wieder breiter und man kann wieder etwas Abstand zu der sich dutzende Meter auftürmenden Bröselkreide nehmen |
Hier eine kleine Anekdote mit Bildern zum Thema Kontinuität.
Grunddschulzeit: Mit Kumpel jedes Jahr am Meer. Hohe Klippen. Mütter auch mit. Kumpel und ich wollen zum Strand. Jedes mal kommt es zum gleichen Dialog.
Mütter so zu uns: "Ja klar, geht spielen, aber klettert nich in den Klippen rum - das is gefährlich."
Wir so: "Neeee, machn wa nich."
Mütter: "Und macht euch nich die Schuhe nass."
Wir so: "Nee, wir passen schon auf."
Nachmittags kommen wir dann mit sandig-lehmigen Hosen und nassen Schuhen wieder: "Ja, dis is so passiert, ...keine Ahnung wie."
Erwachsnenleben: Mit Kumpeline am Meer. Hohe Klippen. Mutter darf nich mehr mit. Also gibt es vor Abreise folgenden Dialog.
Mutter: "Viel Spaß im Urlaub, aber klettert nich in den Klippen rum."
Ich so: "Neeee, machn wa nich."
Mutter sind die nassen Schuhe inzwischen anscheinend egal. Nehme mir aber trotzdem vor keine nassen Schuhe zu bekommen. Alleine schon aus Nostalgiegründen.
Zum Strand runter sind wir auch nich über Klippen, sondern per Treppe. Nur dummerweise wird der Strand irgendwann sehr schmal und dann nicht-existent...
| Hier kann man grade noch unten lang... aber auch dieser schmale Streifen is bald weg |
...also bleibt uns gezwungenermaßen garnix anderes übrig als da hoch zu krabbeln.
| ...fühlte sich in echt steiler an, als es auf dem Foto aussieht... und stellenweise glitschig.... |
Aber schön endlich mal Fotobeweise zu haben, dass ich da garnix für kann [Nein, zurück gehen ist keine Option.... niemals!], man wird quasi genötigt da rum zu klettern. Geht ja garnich anders. Und so war das früher auch immer: Alternativlos. Aber nie wurde einem geglaubt.
Hatte bis zu dem Zeitpunkt allerdings noch keine nassen Schuhe. War etwas enttäuscht und habe vermutet es liegt daran, weil Muddern nicht explizit gesagt hat, dass ich aufpassen soll, mir die Schuhe nicht nass zu machen. Sollte allerings später noch oben aufm Kap dazu kommen. Wie es dazu kam bleibt allerdings ein Geheimnis aller Anwesenden. =)
| Shags colonizing the remains of human boast |
Endlich finden wir dann einen Weg hoch. Da liegen dann zumindest die Hier-nicht-weiter-wegen-Lebensgefahr-Schilder... Aber liegen eben rum... Also gelten die auch nich...
Oben is dann so toll, dass ich glatt vergessen habe, Fotos zu machen. Echt voll geil da oben, aber müssta wohl selber hin... die bisherigen Fotos sind quasi der Teaser =)
Dann geht's zurück zum Auto. Es fängt an zu tröpfeln und ich meine so: "Hmmm, hoffentlich regnet's nich ins Auto." Ansche guckt mich an: "Wie? Ich dachte du hast vorhin die Fenster zu gemacht..." Icke so: "Nö, war mir nur Schuhe holen... meintest du das ernst mit dem Auto klauen?" ....Ansche meinte das ernst. Hmmm, sind vielleicht doch wir Kiwis etwas zu gutgläubig? Ich mein, ich hab das Auto immerhin abgeschlossen - alleine das is schon gewöhnungsbedürftig.
Am Abend gab's dann lecker Essen in Breege.... richtig geil Scholle... Omnomnomnom!
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| ...und dazu ein Rostocker Pils ...oder zwei |
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| Aufgeräumter deutscher Wald. Ordnung muss sein. |
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| Hier mal ein Foto aus Abel Tasman.. Strände, Klippen und Natur |
| ...Natur runter bis zum Meer... kaum bricht was ab, schon wir es wieder bewachsen... mutig, mutig |
| Steilküste auf Coromandel... |
Wir gehen dann weiter den Küstenweg lang. Noch eine Sache ist wie in NZ, sobald man nich den normalen ausgeschilderten Touristenwegen folgt, trifft man auch relativ* wenig Menschen.
*relativ in NZ = quasi niemand
*relativ in Berlin = alle paar hundert Meter mal wer, teilweise auch weniger... für mich also eigentlich komplett überlaufen
Krabbeln irgendwann mehr durch's Gebüsch als wirklich noch wegen zu folgen und kommen plötzlich an einer Kneipe raus. Einige Mitarbeiter stehen an der Hintertür, rauchen und gucken uns doof an - vermutlich weil wir da ausm Gebüsch kommen, so denken wir. Viele Leute da, gibt aber Mittag und wir haben Hunger - also erstmal Fischbrötchen.
Stellt sich raus wir sind am Königsstuhl. Das Ding selber is eher solala. Kann man machen, muss man aber auch nich. Wollen dann den Klippenweg weiter und merken beim raus gehen, man muss da eigentlich Eintritt zahlen. Ahhh, deshalb haben die Restaurantleute so doof geguckt: Sah so aus, als würden wir den Eintritt prellen wollen. Naja, also wenn ihr mal da seid, Jasmund is cool, Königsstuhl mit Eintritt muss nich sein. Nehmt euch aber Stullen mit, weil für das Restaurant muss man auch Eintritt zahlen.
| ...eine Bucht an der East Coast, nahe Tokumaru Bay. Türkisblaues Meer, wie es das nur in Neuseeland gibt. |
| ...obere Westküste der Südinsel. Komme ich nich aus einem echt schönen Land? |
| ...aber gut, wieder zurück nach Rügen... da wo die Sonne auf den Strand scheint, soll es angeblich runter gehen, das ist also unser Ziel... |
| Rechts sind Mafiabäume und der Baum links hat ein Angebot abgelehnt, was er nicht hätte ablehnen sollen... bei der nächsten Sturmflut geht er wohl mit den Fischen schwimmen. |
| Hier nochmal ein Bild aus der Heimat: Wasserfall am Strand in den Catlins, etwas westlich von Nugget Point |
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| Wieder Rügen: Und in der Tat, irgendwer hat da ne Treppe zum Strand runter gebaut. |
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| Das obligatorische FaS-Foto |
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| Strandholz am Cape Kidnappers [südlich von Napier].. ein Riesenbaum... interessant nur, wie der in die Position geraten is... hat den ein Riese an die Steilküste gelehnt? |
| Habe Ansche erzählt es gäbe in dem Seetang Bernsteine... hat sie aber nich wirklich interessiert... ich bin dann Donnerkeile sammeln gegangen auf die alten Tage |
| Ghastly grim and ancient raven wandering from the nightly shore // Tell me what thy lordly name is on the Night's Plutonian shore!' // Quoth the raven, `Nevermore.' |
| Eine Möwe... in Ländern in denen der Mond falschrum am Himmel hängt, dürfen Möwen auch schwarz sein - logisch. |
| Miniatur der Steilküstenlanschaft aus Seetang |
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| Ansches Aussicht während ich Donnerkeile sammeln war... |
Dann geht's zurück Richtung Breege. Weil Ansche aber grade noch Spaß am Fahren hat, gurken wir noch ne Weile über die Insel bis wir ne Tanke finden. Garnich so einfach da - machen nämlich alle irgendwann zu. Je mehr es nachtet, je mehr Tiere kommen raus und versuchen sich überfahren zu lassen... sag nochmal einer es gäbe keine Natur in Berlin.
Am nächsten Tag war dann auch schon Rückreise, aber noch einen kurzen Abstecher nach Prora. Kannte ich ja schon aus der Luft und da sah das ja extremst beindruckend aus. Jetzt wird das alles zu Nobelappartments umgebaut, überall Touris und so'ne NVA-Nostalgie-und-Nazi-Hype-Scheiße. War bestimmt mal ein krasses Mahnmal is jetzt aber dumm-tourifiziert, ostalgifiziert und gentrifiziert.... machen die Schwaben vor garnix mehr halt? Prora? Alter Schwede!
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| Kraft durch Freude am Tanzen |
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| Wenn das der Führer wüsste |
Kaum is der Regen vorbei, erwachen alle wieder. Überhol-Ballett fängt an [in Berlin darf man anscheinend nur links überholen und nich wo man will... macht allerdings auch Sinn bei mal so locker 60 - 80km/h Geschwindigkeitsdifferenz]... und irgendwann schneidet mich einer. Will ihm also per Lichthupe meine Meinung mitteilen. Scheibenwischanlage geht an.... Arrgh, blöde Hebelvertauscherei... naja, dem hab ich's auf alle Fälle gezeigt!
PS: Habe im Nachgang erfahren, dass ich mein erstes Speeding-Ticket auf einer echten Autobahn bekommen habe. Dachte mir: "Boah, geil, dass muss ich den Kollegen hier zeigen - zu schnell da gefahren, wo man so schnell fahren kann wie geht." Ritterschlag! Und, was war? 113km/h und 100 war erlaubt. Na toll: Das kann ich auch hier haben... Spielverderber!
PSS: Mal abgesehen von dem Ostsee-Post sind in der ganzen WiB-Reihe fast keine Fotos von mir [und selbst hier is ein großer Teil der Fotos von Ansche]... Danke nochmal an alle die Fotos gemacht haben [Ansche, Lars, Ramy, Thomas, Mutti, Lisa ....hab ich wen vergessen?]
























