21 November 2015

Northland - Kauris und Kiwis

Vor kurzem, war mein erstes langes WE... Labour-Weekend - Tag der Arbeit. Also schön die Hasskappe poliert, Mollilunten gebastelt und im Internet geguckt, wo die größten Demos sind: Dummerweise nicht hier. Also so garnix. Folglich neben Bier im Park, noch ne gute, alte berliner Frühlingstradition, die hier nich geht. Ergo wieder umplanen. Immerhin hatte ich diesmal ein verlängertes Wochenende. Also was tun? In Northland [das nördlichste Ende von NZ, oberhalb von Auckland] war ich noch nie und'n richtigen Kauriwald habe ich auch noch nicht gesehen.

Kauris sind die zweitgrößten Bäume der Welt. Leider weiß ich ncht, was damit gemeint ist:  Gesamthöhe, Stammhöhe, Stammdurchmesser, Holzvolumen... Die gib's schon seit dem Jura [Hochphase der Dinos], waren den Maoris heilig, wurden von den Engländern fast komplett abgeholzt und sind jetzt vom Aussterben bedroht wegen der Kauri-Dieback-Krankheit...

Eigentlich wollte ich ja schon Freitagabend in den Norden fahren. Aber die Idee hatte nich nur ich und nachdem ich den Verkehr auf der Südautobahn gesehen habe und mir zusammenreimen konnte, dass das nach Norden raus nicht besser sein wird, bin ich zu meiner alternativ Freitagabendplanung übergegangen: Auto fremder Menschen reparieren und dafür gratis Bier bekommen. Das Auto habe ich durch angucken repariert. So muss das - ein Zeichen für wirklich überragende Ingeniörsfähigkeiten... Bier gab's trotzdem. Schönet Ding.

Bin dann Sonnabend"früh" los. Wettertechnisch war Weltuntergang. Aber besonders dann weiter raus, war echt fast gar kein Verkehr mehr und dann machen auch kurvige Landstraßen bei strömenden Regen Spaß... also NZ-Unwetter-strömender Regen... in irgendeinem kleinen Kaff habe ich mir erstmal schön Kaffe besorgt und bin dann mit einem alten Local ins Gespräch gekommen. Er stammt aus einer Siedlerfamilie und hatte auch echt ne coole Lebensphilosophie. Irgendwann hat er mich dann überredet ins Kaurimuseum zu gehen - hat ja sowieso geschüttet. Als wir uns dann verabschiedet haben, hat er spontan beschlossen mir auch gleich ne kleine Führung durchs Museum zu geben und is mit mir dahin gefahren. In dem Ort mit dem Museum angekommen fährt er dann erstmal auf'n Friedhof. Ich zögere kurz, weil die Wege nich wirklich nach offiziellen Straßen aussahen und man das in Deutschland ja eher nich macht. Aber er winkt mich ran also kurven über den Freidhof - is nämlich ne Abkürzung zum Museum und wo er hin darf, darf ich auch hin und er darf eigentlich üerball hin, schließlich stammt er aus einer Pionierfamilie [sind schon irgendwie seit 1850 oder so da]. Ins Museum darf er auch kostenlos, ich muss leider zahlen. Das genialste an seiner Führung war, als wir in den Raum mit den ganzen alten Fotos sind. Fast alles Fotos sind abgehängt und da hängen irgendwelche selbst-gestickten Stofffetzen. Nur noch ganz hinten hängen ein paar Fotos: Er guckt sie nur an und murrt nur irgendwas von "Ja, nee is klar, die Fotos von den Smith bleiben hängen... grrrrrr.... war so klar." Später habe ich rausgefunden, die Smith sind auch eine Pionierfamilie und anscheinend schon etwas länger da =)

Bin dann irgendwann weiter zur nächst besten DOC-Campsite. Alles voll mit Touris, hauptsächlich Deutsche. Da der Regen so eingermaßen aufgehört hat setz ich mich auf meinen Campingstuhl, beschalle die Touristen ungefragt mit Musik und süffel ein Bierchen vor mich hin. Anstatt, dass sie sich über die Musik ärgern, schicken sie nach einer Weile eins der Mädels rüber, ob ich nich zu ihnen kommen wolle, ich säße da so alleine und sie würden sich freuen, wenn ich meine Mucke mitbringe. Hmpf, sind wohl alle noch am Anfang ihres Work-&-Travel-Jahres.... Nun gut, ich also mit hin und wir da lustig die ganze Nacht durchgesoffen.

Am nächsten morgen habe ich dann endlich mal mit meinem eigentlichen Vorhaben angefangen und den angrenzenden Kauriwald erkundet. Also da standen ja nur Jungspunte rum, aber selbst die waren schon verdammt beindruckend. Vermutlich bringen euch die Fotos nich viel. "Aha, soso, ein Baum." Sieht man ja nich wie groß der is. Aber besonders weil die Kauris nich so wie unsere großen alten Eichen total verknotet und verästelt sind, sondern komplett grade hohe Säulen wirken sie irgendwie nochmal mächtiger als sie sowieso schon sind....einfach so ein riesengroßes, massives Etwas... einfach nur endlos viel Biomasse... schwer zu beschreiben.

Den Nachmittag hab ich mit Gravelroad fahren verbracht. Eher halb absichtlich, weil ich mich am Anfang ein wenig verfahren habe... aber fetzt einfach. Hätte mir jemand vor 2 Jahren gesagt, dass ich mal gehörig Spaß am Autofahren haben werde, hätte ich dem n Vogel gezeigt. Aber es liegt hier auch wirklich an den Straßen und der Umgebung und dem wenigen Verkehr wenn man mal von den Hauptrouten runter is... und dass die Gravelroads quasi freigegeben sind: Die erlaubten 100km/h kannste soweiso nich schaffen =)

Kauri... eher ein junger, trotzdem größer als vermutlich alles, was so in Europa wächst

...die haben so ein ganz typisches Rindenmuster. Zeig ich euch weil wenn ihr jetzt wisst wie die Blätter aussehen bringt euch das garnich die sind soweiso zu weit oben =)

Epiphytengarten

Die Bäume produzieren soviel Kauriharz, dass da mal eine ganze Industrie drauf gefußt hat...

Das Bild könnte etwas zu Größenvorstellung beitragen, wenn ihr wisst wie groß Baumfarne sind.... hilfreich, wa?






Danach bin ich dann nochmal kurz zum Strand gegurkt, ein wenig rumgewandert und zurück zur DOC-Campsite. Da hab ich wenigstens doch noch jemanden kennengelernt, den unsere Party am Vorabend genervt hat: Wenigstens ein Reise-Päärchen =) ... waren ganz lustig: Also 'ne Weile mit denen geschnattert.
Im angrenzenden Kauriwald soll es ordentlich viele Kiwis geben. Und die soll man dann auch hören und mit gaaaaanz viel Glück auch sehen können. Ich hab am Vorabend nix gehört - mag am Techno gelegen haben. Auf alle Fälle kommen irgendwann die Moreporks [Eulen] raus und machen Krach und er freut sich voll: "Ui, ein Kiwi. Hört ihr? Da, ganz bestimmt."
Ich: "Nee klingt eher wie'n Morepork."
Er: "Meinste? Also das klingt doch ganz eindeutig nach 'ki-wi, ki-wi' ...und in meinem Buch steht die machen so."
Ich denke mir das klingt eher nach 'Butterstulle' und meine bisherigen Kiwis haben auch nich 'ki-wi' gemacht... nagut, vielleicht ist ja Paarungszeit oder so und Kiwis haben in der Tat ein ziemlich vielfältiges Geräuschspotential.
Also wende ich ein, dass das aber drüben vom Feld kommt, wo wahrscheinlicher Moreporks Mäuse jagen.
Er: "Ja, stimmt, eigentlich wohnt der Kiwi ja schon im Wald, aber vielleicht sind die hier auch aufm Feld unterwegs... vielleicht gibs da auch Würmer oder Maden."
Ich glaube langsam, dass er 'ne Made im Kopp hat und verstehe auch woher die ganzen Kiwi-gesehen-Stories kommen. So wie mit Ufos, Yetis und sonstewat.
Als es dann wirklich dunkel war und späte Nacht kamen Richtung des Waldes auch mal wirkliche Kiwirufe. Also habe ich mich auf zur Nachtwanderung gemacht.

Und nachts alleine [ab und zu eben mal ein anderer Kiwisucher] ohne Fremdlicht [war fast Vollmond] zwischen den majestätischen Säulen da rum zu spazieren hat echt was. Wie eine endlose gotische Kathedrale mit ganz viel Unterholz in einem mystisch fahlen Licht. Teilweise komplett still, teilweise Vogellaute. Riesengroß. Einfach nur wie eine andere Welt: Fettomatico.
Es gibt dort in der Tat etliche Kiwis. Man kann sie ewig weit hören, aber man darf die Pfade nicht verlassen und kann es auch nicht wirklich wegen dem Unterholz. Irgendwann rennt auch was 3m vor mir über den Weg, aber bis ich meine Taschenlampe rausgekramt habe, is das Etwas auch schon gemütlich übern Weg und verschwindet raschelnd im Unterholz. Und vollkommen egal wie lang deine MagLight is und wie hoch die Lumendichte, das Unterholz is dichter.
Und hier zeigt sich das Problem: Selbst wenn der Kiwi 3m neben dir raschelt und Krach macht siehste ihn nich. Gut, es gibt dann noch die Idioten, die sich fröhlich ins Unterholz stürzen, aber muss ja ooch nich sein, wa?
Also keine Ahnung was das war [evtl. auch ein Possum, dass den bipeden Gang ausprobiert =) ], ich habe es so oder so nicht gesehn ...mit etwas Glück stand ich also schonmal 3m neben einem Kiwi und habe ihn im Dunkel erahnt. Aber auch das is nich klar. Zählt also alles nich, war aber trotzdem ein spannender Moment - selbst wenn's am Ende nur ein Igel war =)

Eine offizielle Straße, ohne Flachs jetzt...

Sogar mit Auffahrten.... allerdings war zumindest die nur 4WD geeignet, also kam ich da leider nicht runter mit meiner Karre


Kopu - sich ausrollendes Farnblatt

...und das passiert, wenn man sich an morschen Baumstämmen beim Klettern festhält... hmmm, auf dem Foto sieht das irgendwie garnich so steil aus wie's war =(

Da in der Mitte, der lange Teil ohne Schaum is eine Rip Current: Das is eine starke Strömung vom Strand weg. Wer da rein gerät is tot [es sei denn man schwimmt zur Seite raus... aber muss einem ja erstmal wer sagen, ne?] ....und die gib's hier sehr häufig. Deshalb vorm Schwimmen immer Locals fragen wo's geht


Eine Weta. Gib's auch nur hier... sind auch noch aus Dinotagen... die is von der Nachtwanderung


Am nächsten Tag bin ich dann zu den größten und ältesten noch leben Kauris gefahren und hab ein wenig Tankroulette gespielt: Tanke zu teuer, Tank fast alle, Tanke zu teuer, Tankwarnleuchte geht an, hmmm wann kommt denn die nächste Stadt? =)

Hinterland

Noch ein Epiphytengarten


Ein Farn explodiert



4 Schwestern... leider durch den Panorama-Stitcher etwas verzerrt... die sind eigentlich viel schlanker =)



Da war der Gehwegbauer wohl besoffen =) ...man betritt hier fast nirgends Waldboden, weil die so'ne [berechtigte] Angst davor haben, dass die Touris auch noch die restlichen Bäume mit Kauri-Dieback infizieren

Und so sieht ein Kauri aus, der an Kauri-Dieback gestorben is... die bleiben noch ewig lange stehen, weil das einfach so sinnlos viel Holz is und ewig nich durchrottet

Das Foto is ein kleiner Teil der Krone des größten noch lebenden Kauri ... Tane Mahutu oder sowas... und der Baum da in der Mitte kann es locker mit Berliner Straßenbäumen aufnehmen... den Großen!

Tane Wasweißich ...der älteste Kauri... der is älter als deine Mutti, ey, schwörisch Alta!


Und da gehts nächstes Mal hin.... in den absoluten Norden ...alles voll mit Megasanddünen



27 September 2015

Whatipu

So hier hat grade der kalendarische Frühling angefangen. Also hat sich das Wetter gedacht: "Achso ja stimmt, Sonne und warm und so." In Berlin wäre ziemlich klar gewesen, was man dann macht: Freunde einsammeln, ab in' Park und Sterni dezimiert. Aber public drinking geht hier nich also muss man sich was anderes einfallen lassen.
Irgendwann, schon etwas länger her, bin ich mal nach Auckland über die Westroute reingeflogen und hab da so direkt westlich von Auckland voll weite Strände und steile Klippen gesehen. Wollte ich mir also nochmal vom Boden aus angucken. Die Gegend schimpft sich Waitakere Ranges und ein guter Ausgangspunkt um die zu erkunden is Whatipu. Gutes Wetter, lange nich mehr gewandert und sonst nüscht zu tun... also ab ins Auto und ab nach Whatipu. Endlich mal wieder ein bisschen Gravel Road fahren =)

Eigentlich dachte ich mir: "Fängste ma langsam an" ...und es gab da eine eher kurze Wanderung zu irgendwelchen Höhlen. Super. Da angekommen, musste ich mich dann entscheiden: Strand [5 min] oder Höhlen [20 min]. Najuti, guckste erstmal zum Strand und die Höhlen danach...


Waitakere Ranges bei Whatipu

Der ewig weite Strand bei Whatipu - Was da im Vordergund nach Lagune aussieht ist ein Fluss und bei Flut weg

Hilft allet nüscht, muss man durch durch'n Fluss, wenn man zum Wasser will

Ah schau mal einer guck... die Moas sind doch noch nich ausgestorben, sie verstecken sich nur in den Wetlands
Bin dann da eine Weile am Strand hin und her und dachte mir dann: "Ha, is ja Ebbe, da kommt man bestimmt auch irgendwie über den Strand zu den Höhlen, dann muss ich nich zurück laufen... Ich hatte mir am Eingang des Regional Parks  eine Karte besorgt. Waren da auf der Karte zwischen Strand und den Klippen mit den Höhlen Wetlands eingezeichnet [huckliges Sumpfland mit Lagunen und Flüsschen etc.]. Hmmm, also erstmal Überblick verschaffen. Etwas abseits vom Strand, war eine große Felsformation. Na von da hat man bestimmt einen super Überblick und kann abschätzen, ob man durch die Wetlands durch kommt. Muss man nur erstmal hinkommen.

Die Felsformation, die mir als Ausguck dienen sollte
Ich also losmarschiert durch ein Labyrinth aus Sandflecken, Gestrüpp und Bächen... hmmm... "losmarschiert" trifft es nicht ganz... eher rumgeirrt... ein Schritt vor und drei zurück... Bäche kam man nicht rüber wegen Sumpf, Gestrüpp kam man nicht durch wegen zu dicht und Dornen und das Sandfleckenlabyrinth brachte mich nich wirklich näher


Eine weitere Sackgasse

So, nach einer Weile habe ich das Projekt Felsformation dann aufgegeben und beschlossen einfach um die Wetlands drumrum zu laufen und mich von hinten an die Höhlen ranzuschleichen: Ich mein, wie weit kann das schon sein?
Also immer den Strand lang durch die Dünen, die die Wetlands begrenzen.

Irgendwo dahinten is mein Ziel an den Klippen.... nur noch schnell um die Wetlands drumrum

Vorher bin ich aber nochmal auf einen der Felsen am Strand geklettert.... sehta gleich mal die Ausmaße von dem Strand... endlose Wüste

Riesig fette Lagunen hinter den Dünen


Anstatt nun gemütlich am flachen Strand langzulaufen bin ich natürlich durch das Auf und Ab der Dünen, weil schließlich wollte ich ja wissen, wo ich zu den Höhlen komme... nicht dass ich eine gute Stelle verpasse

Jaaa... irgendwann kam mir dann so der Verdacht das ganze wird wohl eine etwas umfangreichere Aktion... alldieweil die Karte irgendwie nich hilfreich war. Ich hab erst nich verstanden warum, weil die eigentlich sehr detailiert war. Hab dann etwas später rausgefunden: Als ich angefangen habe, mit der Karte zu arbeiten, war ich quasi auch schon vom Bereich der Karte runter. Das habe ich dann festgestellt, als da irgendwann ein paar Häuschen landeinwärts zu sehen waren und ich anhand der Übersichtskarte gesehen hab, dass ich schon in der nächsten Siedlung bin.
Naja, kann wenigstens keiner sagen, ich hätte nich ordentlich Strecke an dem Tag gemacht... Aber am Strand wollte ich auch nich zurück, weil da kam ich ja her. Zum Glück gab's einen Inlandpfad zurück nach Whatipu. Naja, dis bisschen Bergauf-Bergab, dit schaff ick ja jetze ooch noch, wa? Und die Höhlen rennen ja auch nich weg. Außerdem wusste ich ja, dass eigentlich sämtliche Regional Parks in der Nähe von Städten oder Tourizentren super-einfache Wege in 1A-Zustand haben... Da bin ich ja in eins-zwei-nix wieder zurück beim Auto....
Weit gefehlt.

Schon der Anfang des Pfades hätte mich stutzig machen sollen. Auf ganzer Länge so 3cm überflutet und teilweise mit eingebrochenen Stegteilen, wo man dann über Baumstämme balanzieren musste... aber auf der anderen Seite: Stege. Hab's ja gesagt, das wird ganz easy, überall Stege

Und das bisschen Bergauf, was da vor mir lag: Ha, gelacht!


Ihr ahnt bestimmt schon: Die Stege hörten alsbald auf und der interessante Teil fing an:

Erstmal schön einen Fluss furten. Sieht man erst nicht, aber ist über-Knie-tief über mehrere Meter... und nein, keine Brücke nich nirgends

Dann geht's bergauf über matschige, rutschige Pfade... erst langsam und gemütlich

Später dann schon etwas steiler

Dafür echt geniale Aussichten

Ein Portal =)

Über große Strecken... Spaß.... matsch-matsch-matsch *hnhn ....doof nur auf den steilen Stücken... Weil rutschig, und da mit der Fresse im Matsch... och nee, du

Zwischendrin immer wieder fette Ausblicke übers Meer [Tasman Sea... in 2000 oder 3000km kommt Australien]... und die ganze Zeit Meeresrauschen und tropisch klingende Vögel

Also offensichtlich gab es mal Stege, bis dann die Aucklander Schlammfreunde beim Council protestiert haben und die Stege dann wieder entfernt wurden... ebenfalls ganz zur Freude der Aucklander Pyromaniefreunde

...langsam wird's spät

Da unten bin ich vorhin lang... leider vermittelt das Foto nur schwer die Weite von dem Strand und den Wetlands


Ihr erinnert euch noch an die Felsformation wo ich am Anfang rauf wollte, aber an dem Labyrinth gescheitert bin? Das in der Bildmitte isse.

Sonne is schon fast weg....

...und ich muss noch bis zu dieser riesigen Felsformation die da links ins Wasser ragt

Naja, das war doch mal ein ordentlicher Auftakt. Als ich beim Auto war, wars dann auch schon dunkel... Ich hatte ja morgens noch überlegt: Hmmmm, das is viel zu viel Proviant, den Du da mitnimmst... war dann später froh, dass ich ordentlich Essen am Start hatte...
War auch ordentlich kaputt danach, aber wasn geiler Auftakt für den Frühling!

23 September 2015

1 Jahr ausgewandert

So Kinnas, ein Jahr bin ich jetzt schon hier... Zeit für eine kleine Statistik was ich so in den letzten 365 Tagen hinter mich gebracht habe:

Reisen:
 - Auto: knappe 20.000km [Zum Vergleich, der Erdumfang is 40.000km]
 - Schiff: irgendwas um die 400km mit Autofähre und 100km Kanu
 - Flugzeug: irgendwas um die 50.000km [ohne Hinflug nach Neuseeland]
Für Flugenthusiasten: Erstmals B787-9 [und sogar Business Class], erstmals A380-800, erstmals mit Rettungshubschrauber geflogen [BK117 B2 - Also der musste mich nich retten sondern ich war bei nem Wartungsflug mit dabei... und genau genommen war es auch ein BK117-850D2], erstmals zero-g-Manöver und Pseudoloopings geflogen [Cessna]
 - Zu Fuß: Pfffff ööööhhmmmm... also ingesamt bestimmt n paar Marathone
Es sei hier übrigens angemerkt, dass ich der einzige mir bekannte Deutsche bin, der mehr als einen Monat in NZ war und keinen Unfall gebaut hat oder in einem Unfallwagen mit drin saß oder sonstwie ne Karre geschrottet hat. Ma kiekn wie lange noch... Und das trotz Gravel, Eis, Sturm, Überschwemmung und was Mutter-Natur sonst noch alles einfällt.

Überlebte Naturkatastrophen:
 - Erdbeben: 4 Komma irgendwas in Invercargill
 - Springflut: Teilweise weggespülte und überflutete Straße auf der Tour von Christchurch nach Picton, nachdem ich 40 Tage sinnlos ich Christchurch rumgegammelt habe
 - Zyklon: Ihr erinnert euch bestimmt an den tollen Livebericht von dem wirklich krassen Zyklon
 - Tsunami: Grade die Tage. Nach dem 8,3 Erdbeben in Chile war hier überall Tsunamiwarnung - Hat Auckland mit einer alles vernichtenden 20cm Welle getroffen... hab ich auch erst gelacht, aber schwimmen sollte man trotzdem nicht, wegen der Strömung... zieht einen raus und man ist tot

Erlebtes:
 - Hmmmm, ich sehe grade, ich habe nix von meiner 200 Dinge Liste [was man im Leben getan haben muss] abgehakt im letzten Jahr.... vielleicht schreibe ich noch "riesiges Höllenfeuer zu Silvester an'nem Strand entfachen" auf die Liste... muss man eigentlich mal gemacht haben. Und Quad fahren am Strand und in Flussarmen... ach, guckt eben ein wenig im Blog Archiv rum ....hab ich auch grade gemacht =)

Grenzen erweitert:
 - Weiter südlich als jemals zuvor: Stewart Island - 46.9 S [Berlin is 52,5 N]
 - Weiter  östlich als jemals zuvor: East Cape - 178.5 E
 - Weiter weg von zu Hause als jemals zuvor: Banks Peninsula - 18.229 km [von 20.004 möglichen]

So, dit war doch mal n Jahr, auf dis man zurück gucken kann und wo man sich denn so sagt: "Mensch dit war doch ma'n Jahr, war dit, ...also wenn man da ma nich drauf zurückkiekn kann."

Achso und hier für die Pics-or-didn't-happen-Fraktion:

Im Rettungshubschrauber

...und draußen

...alles andere müsste irgendwo im Blog dokumentiert sein.

25 August 2015

Snowboarding kopfüber


Huhu allerseits,

sooo, hier is ja Winter. Also war es mal wieder an der Zeit auf's Snowboard zu klettern... Michael und Karel [meine Freunde aus Napier] wollten letztes WE auf'n Mt. Ruapehu. Das ist ein aktiver Vulkan. Es war also nicht nur mein erstes Mal boarden auf der südlichen Hemisphäre, sondern auch gleich noch auf einem der Eingänge zur Hölle - wenn das nich mal Stil hat.

Also Freitag abend direkt nach der Arbeit los. Widerliche Nachtfahrt über kurvige Landstraßen - aber auf Arbeit wollten die mir auf Teufel-komm-raus einfach keinen Heli ausborgen. Dabei steht der ganze Hangar voll mit den Dingern. Immerhin waren die Straßen eisfrei und geregnet hat's auch nich.
Da dort vor Ort hatten wir ein kleines Häuschen am Fuße des Mt. Ruapehu für's WE gebucht - 7 Leute. Aber eben alle weit über meinem Jahrgang... also wussten die nich, dass zum Winterurlaub auch feiern gehört. Waren alle erschreckend früh im Bett. Aber ich hatte einen ordentlichen Biervorrat am Start und das Haus hatte einen Kaminofen und ganz viel Holz und Beaniebags [diese riesigen Sitzsäcke]. Also war für mich gesorgt - wenn die andern lieber schlafen wollen, Schuld eigne, wa? Am Ende war die Bude ordentlich warm und ich ordentlich besoffen =)
Morgens war dann die einzige, die ich überreden konnte einigermaßen früh zum Lift zu fahren, Sonni. Unser Glück. Weil wir sind grade noch so auf'n Parkplatz gekommen nach ganz viel Stau bergauf. Eh unsere Skigefährten sich mal auf'n Weg gemacht hatten, war die Straße geschlossen und sie mussten sich ein teures Shuttle besorgen. Aber der Weg hoch war echt geil. Erst fährste ewig durch'n Dschungel und der hört dann langsam auf und dann kann man ewig weit über die Nordinsel gucken und die ganze Zeit sieht man den endlos weißen Kraterrand. Is schon irgendwie geiler als Alpen. Bevor ich's vergesse - die 14km Rückweg vom Skigebiet zum Dorf kann man komplett in N fahren [Für Leute, die noch nie Automatik gefahren sind: N is neutral - sprich das Auto rollt dahin wo's bergab geht]. Also das waren wohl die umweltfreundlichsten 14km, die mein Auto je zurück gelegt hat.
Das Skigebiet war, was die Pisten angeht, echt extremst geil. Was die Lifte angeht.... hmmm, habt ihr euch jemals gefragt was die Skigebiete in den Alpen mit ihren ganzen alten Doppelmayr-Liften machen, wenn sie da neue hinbauen? Richtig, ab in'n Container mit dem Altmetall und an irgendwelche Bananenrepubliken am anderen Ende der Welt verscherbeln. Ich hatte, glaube ich, noch nie in meinem Leben einen Sessellift ohne foot rest [Wie sagt man auf deutsch? "Fußabstellquerhalterung"?]... Mit Bubbles, Polster, Sitzheizung oder gar Geschwindigkeit will ich hier garnicht erst anfangen... Naja, ich will nich meckern: Wenigstens keine Schlepplifte.
Schnee war auch echt gut. Und zumindest am Sonnabend hatten wir mit dem Wetter so übelstes Glück: Am Mt.Ruapehu gib's 2 Skigebiete - eins auf jeder Seite. Wir waren in Torua auf der Südseite. Wind und Wolken kamen aus Norden. Ergo war Sonne pur und links und rechts alles voll mit Wolken. Man konnte voll gut erkennen, wie der Berg die Wolkenmassen getrennt hat. Die Leute in Whakapapa auf der anderen Seite hatten wohl nich so schönes Wetter.
Vormittags hab ich Sonni snowboarden beigebracht und als die anderen dann endlich da waren, bin ich mit Michael los die Pisten rocken. Echt ein paar geile Abfahrten. Ich muss das Gebiet unbedingt nochmal bei Tiefschnee besuchen... Das muss sowas von endsfett sein.

Sonntag war dann weitaus wolkiger und vor allem war weiter oben der Wind echt hammerfies... mehr gib's dazu dann auch nich zu sagen... guckt euch ma lieber die Fotos an

[Note: Weil Fotos umsortieren bei Blogspot selbst und die Blogspot-App so beschissen sind, is da nich viel Reihenfolge in den Bildern...]

Über den Wolken // muss die Freiheit wohl grenzenlos sein // Alle Ängste, alle Sorgen // sagt man, blieben darunter verborgen.... viel Spaß mit dem Ohrwurm für die nächsten Tage *hnhn

...wenn man dann weiter runter fährt, is man genau auf Höhe des Wolkenbandes... und die ziehen so verdammt krass schnell

...und dann irgwann auch unterhalb, steht aber immernoch in der Sonne - also wenn der Berg mitspielt


Hier sieht man einigermaßen, wie die Wolken am Berg vorbei strömen... rechts is Michael
...und hier issa mit Kraterrand im Hintergrund
 
Sonni auf der Bunny Slope... "Bunny Slope" is der englische Fachbegriff für die steilste und gefährlichste und tiefschwärzeste Piste im ganzen Skigebiet =)
Mit N nach Hause rollen und dabei die Aussicht genießen... und fragt jetzt nicht, wieso das Bild gedreht is
Mt. Ruapehu am frühen Morgen... meines Wissen der einzige aktive Vulken auf dem man Ski fahren kann und der höchste Berg der Nordinsel
Aussicht, soweit das Auge reicht

13 Juli 2015

Nächstes mal vielleicht per Schiff

Dies ist die illustre Geschichte meines Rückflugs nach Auckland...

Auf dem Flug von Tegel nach Frankfurt gab's ne Stunde Verspätung wegen einem angeblichen Unwetter in Frankfurt. Hab also meinen Anschlussflieger nach Singapur nicht bekommen. Bin dann zum Ticketschalter wie zig hundert andere Fluggäste. Da war die Hölle los, weil das nicht alle so mit Humor genommen haben... besonders irgendwelche selbstverliebten Managerasseln, die sich erstmal schön aufplustern mussten was für wichtige Meetings überall auf der Welt sie jetzt ja verpassen... waren ausnahmslos von südlich des Mittelgebirges... da steht man dann am Schalter und denkt sich einfach nur: "Heul nich rum und wenn's so wichtig is, buch deine Flüge vernünftig! Wen nochmal interessiert dein Scheiß?" ...Es ist echt schön wie freundlich Dienstleister in so Stresssituationen sind, wenn man einfach kurz und freundlich nach relevanten Infos fragt und dann geht. Lufthansa hat mir dann gratis Taxi in gratis vier-Sterne-Hotel und Futtergutscheine besorgt... in dem Hotel war dann wieder ewig anstehen, weil ich ja nich der einzige war... Schlimmer als im Osten, das stundenlange Angestehe überall... Aber dafür hatte ich am Ende sogar ne Badewanne und Checkout war auch erst um 12.

Im Hotel in Frankfurt in meinem Bad =)

Der nächste Tag wurde dann noch ... ... "interessanter" sagen wir mal... Es ist schon erschreckend, wenn eine Airline wie Lufthansa alles was am Boden ist [Hotel, Taxi, Essen] super organisieren kann, aber wenn's mal um Fragen zu meinem Flug geht, komplett inkompetent is. Jeder den ich gefragt habe [insgesamt 4 oder 5 Leute] hat mir was anderes zu meinem Flug erzählt ...sollte jetzt über Shanghai gehen. Mein Gepäckzettel hatten sie extra gescannt, damit mein Gepäck auf der neuen Route mitkommt. Sitzplatz konnte mir keiner reservieren, obwohl ich vorher extra 30Euro mehr bezahlt hatte um am Fenster zu sitzen. Und irgendwann bekomme ich auch noch mit, dass mein Ticket nach Shanghai ein Wartelistenplatz ist. Aber damit nicht genug, der Flieger nach Shanghai hat 4 Stunden Verspätung und in Shanghai hätte ich etwas mehr als 4h zum Umsteigen. In Shanghai hätte ich auch nicht in ein Hotel gekonnt, weil ich kein Visum für China habe. Das alles wurde gekrönt von einer Riesenhorde Chinesen die auch mit wollten. [Und in so'ne A380 passen viiiiiele Chinesen]... Sobald Chinesen in großen Gruppen auftreten und von A nach B wollen, werden sie unerträglich für nicht-Chinesen... Keine Disziplin und komplett unkoordiniert. Und ich will das extra nochmal hervorheben: Wenn ICH mich über sowas aufrege, dann hat das schon echt was zu heißen! So als würde Udo Voigt über Ausländerfeindlichkeit meckern....

Flug hatte ich natürlich keinen Fensterplatz und auch nich Gang sondern schön in der Mitte, war aber trotzdem den Umständen entsprechend okay. Und die A380 [der große Doppeldecker von Airbus] is schon ein geiles Flugzeug.

A380-800 in Frankfurt

Alleine beim Check-in und im Flugzeug habe ich noch 4, 5 andere Leute getroffen, die nach Auckland weiter wollten. Immerhin. Bei Ankunft in Shanghai werden alle nach Auckland gesondert aufgerufen und durch irgendwelche Hintergänge direkt zum Flieger gebracht... waren am Ende locker 30 andere Fluggäste. Bekomme also den Flieger grade so noch. Zu meinem Glück eine 787 [Der neue Plasteflieger von Boeing, was Airbus dann kopiert hat als A350]. Ich komme in den Flieger also rein und weiß immer noch nicht wo ich sitze [definitiv nicht Fenster, aber habe immernoch Resthoffnung auf Gangplatz]. Gehe also zum ersten Gang und Stewardess schickt mich weiter. Komme zum zweiten Gang und Steward deutet nach links. Ich denk mir noch: "Was für ein Depp, Holzklasse is rechts lang - dis weiß man doch." Aber nach rechts kann ich nich, weil er sich da extra in den Weg gestellt hat. Ich gucke also nach links. Riesige bequeme Polstersessel mit ganz viel Platz. Er deutet weiterhin in die Richtung. Gehe da hin... Hmmm, 25F, is mein Platz und steht hier auch am sitz... Perfekto: Holzklasse war voll, also hat Lufthansa oder Air New Zealand mich auf Premium-Economy gebucht [vom Platz und Komfort her eher wie Business in älteren Fliegern]... Extremst viel Platz... so'ne Art Fernsehsessel inklusive Fußlehne... andauernd kommt wer an und bringt was vorbei... Gute Kopfhörer, Richtiges Kissen, mehrgängiges Menü von Porzellangeschirr, etc. etc. ...und auch die 787 ist wieder ein verdammt geiles Flugzeug... also da hat sich schon was getan in den letzten 10, 20 Jahren was Flugzeuginteriör angeht... leider geht der Flug nur 10h...

B787-9 in Shanghai

Komme in Neuseeland an und will Tasche abholen. Nich da. Gebe also Gepäcksuchantrag auf. Alle dicken und warmen Sachen sind da natürlich drin.... und hier is grade Winter. Naja, am nächsten Tag hatte ich sie dann - und siehe da, meine Tasche is über Singapur geflogen... was sind das bitte für Vollprofis bei Lufthansa? Scannen extra mein Gepäckzettel damit es mit mir mitkommt und dann fliegt es doch die alte Route.... Aber immerhin wurde es mir dann nach Hause geliefert...


Ende gut, alles gut... Ich habe in einem 4-Sterne-Hotel genächtigt... Ich durfte 787-9 und A380-800 fliegen... Ich durfte Premium-Economy genießen und ich musste nicht mal meine Tasche vom Flughafen nach Hause schleppen ....und was zu erzählen habe ich auch =)


Nachtrag: Und wie ich eben grade erfahren habe, wurde mein ursprünglicher Flug von Singapur nach Auckland gecancelt!! Öhm.... Okay?